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Der Israelit · 1925-10-15 · Heft 42 (15.10.1925) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 42 (15.10.1925)
Date
1925-10-15
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 20 Seite 3 15. Oktober 1925 Seit dem Beginne unserer Tätigkeit haben wir etwa 1200 Steilen vermittelt lieber bie auf bem (Bebiete der Stellenvermittlung gewonnenen Erfahrungen haben wir zu berichten: Bewerbermaterial: Fast alle Stellensuchenden gehörten dem Kaufmannsstande an. Sie waren Bürobeamte ohne Spezialkenntnisse. Letzteres eine Ursache der Inflationszeit, in der die Angestellten bis spät in die Nacyt in den Büros festgehalten wurden und dadurch an der Aneignung von Spezialkenntnissen gehindert wurden. Vereinzelt finden sich unter den Stellensuchenden solche, die eine Stelle als Handwerker suchen. Eine kleine Anzahl von Bewerbern wollte sich dem landwirtschaftlichen Berufe zuwenden, behufs praktifmer Vorbereitung für Erez Jisroel. Bis dato haben wir hier wenig Erfolge zu verzeichnen, hoffen aber, in Bälde durch Vermittlung der Palästina-Zentrale in der Lage zu sein, eine Anzahl von .Eleven unterzubringen. Bewerbungsschreiben: Da die uns zugegangenen Bewerbungsschreiben sich oftmals in ganz unbrauchbarem Zustande befanden, haben wir Leitsätze in einem Merkblatt zusammengestellt, das wir allen Bewerbern zugehen lassen. Auskünfte: In dreifacher Weise haben wir die Bewerber beraten: a) Geschäftsgebaren: Wir haben uns zum Prinzip gemacht, nur solche Stellen zu vermitteln, von denen uns bekannt war, daß die Firmen Tarif bezahlen. Wir haben begonnen, eine entsprechende Kartothek anzulegen. b) Lebenshaltungskosten: Da viele Bewerber sich gezwungen sahen, Domizilwechsel vorzunehmen, haben wir auf Anregung des Hamburger Angestellten-Ausfchuffes uns eine Sammlung der an den wichrionen Plätzen maßgebenden Tarifpreise für Zimmer und Pensionen angelegt. c) Die Mehrheit der gesetzestreuen Angestellten ist nicht organisiert und befindet pch in völliger Unkenntnis der einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen. Wrr haben begonnen, die wichtigsten Gesetze zu sammeln. Als erstes Merkblatt in dieser Sparte ist eines unter dem Titel: „Die Kündigung" erschienen, das vo.: uns bezogen werden kann. o) Stellen mit Kost und Logis. Wohl eine der schwierigsten Fragen, mit der wir uns zu befassen hatten, war die Unterbringung der Lehrlinge auf dem Lande, da dort in der Regel nur Stellen mit Kost und Logis in Frage kommen. Die Verantwortung, die wir durch die Unterbingung auf dem Lande übernahmen, war eine doppelte. Auf der einen Seite war es die Frage des Kaschruth, auf der anderen Seite lag oie Gefahr der Ausnützung nahe. Wir haben über die erstere Frage uns insbesondere mit den leitenden Kreisen der Agudas Jisroel unterhalten, und auf Grund einer Besprechung mit denselben haben wir uns entschlossen, grundsätzlich allen Stellensuchenden gegenüber zu erklären, daß wir jegliche Verantwortung für das Kaschruth ablehnen. Da in den nächsten Monaten voraussichtlich ein steigender Bedarf in Stellen mit Kost und Logis sich geltend machen wird, wird es Aufgabe der Angestellten-Ausfchusie sein, hierauf besonderes Augenmerk zu lenken. Stellenlofenverficherung. Der alte „Schomre Schabbos Verein" hatte eine Verficherungskaffe gegen Stellenlosigkeit. Durch den Krieg und die In: flationszeit sind die Mittel des Vereins erschöpft. In einer 1924 ^attgehabten Sitzung wurde die Reorganisation der Versicherungskasse beschlossen und wir mit der Reorganisation derselben betraut. Nach den vorliegenden Plänen soll diese Reorganisation wie folgt vor sich gehen: Ordentliches Mitglied der Verficherungskaffe kann jeder gesetzestreue Angestellte und jede Angestellte werden. Mitglicdsbeitrag beträgt 3 Prozent vom Monatseinkommen pro Monat. Außerordentliches Mitglied kann jede Einzelperson und jede juristische Person, die mit der Einrichtung des Vereins sympathisiert, werden. Der Mitgliedsbeitrag ist beliebig. Nach einer Mindestmitgliedschaft von 6 Monaten kann der Versicherte Arbeitslosenunterstützung in der Höhe von 70 Prozent seines letzten^ Einkommens erhalten und zwar auf die Dauer von 9 Monaten im Verlaufe von 2 Jahren. Da die Mittel des Vereins in den Zeiten der Krisis sehr leicht erschöpft werden können, ist die Schaffung eines Reservefonds geplant und sollen große Firmen zu Zeichnungen für den Reservefonds unter sehr günstigen Bedingungen aufgefordert werden. Ferienheime. Wir haben im Jahre 1924 und 1925 versucht, Angestellte zu ermäßigten Preisen in Hotels unterzubringen. Die Erfolge, find nicht ermutigend. Trotz Ermäßigung von 15—20 Prozent hatten nur wenige Angestellte von der Einrichtung Gebrauch gemacht, so daß es wohl nicht ratsam erscheint, im kommenden Jahr mit den ^otels in Verbindung zu treten. Andererseits sollte erwogen werden, ob nicht ein eigenes Ferienheim zu errichten wäre. Finanzen. Ueber die Finanzlage sei folgendes erwähnt: Die Unkosten der Zentrale wurden durchweg von freiwilligen Spenden bestritten. Der O. V. der Jugendorganisation subventionierte uns mit 25 Mark monatlich. Die Leitung der deutschen Landesorganisation der Augdas Jisroel lehnte trotz mehrfacher Eingaben eine Subvention ab, da sie für diese Zwecke keine Mittel disponibel habe. Auf die Dauer kann freilich ein derartig wichtiges Instrument der agudistifchen.Arbeit nicht von freiwilligen Spenden aufrecht erhalten werden, sondern es muß vielmehr sofort mit dem Ausbau der Versicherungskasse,, die auch die Mittel für die.Erhaltung der Abteilung Stellenvermittlung liefert,. begonnen werden. Der Israelit _ Blätter_ Es wird Aufgabe der vom Delegiertentage neu zu wählenden Leimng fein, hier sofort mit der Arbeit einzufetzen. Schlußbemerkung. Wir wollen unseren kurzen Bericht nicht schließen, ohne all den Damen und Herren zu danken, die in uneigennütziger Weise in den letzten 2 Jahren sich kn den Dienst unserer Arbeit gestellt und die die ungeheuer mühselige Kleinarbeit in den Angestelltenausschüssen geleitet haben. Nur dank ihrer Arbeit war es uns möglich, innerhalb zweier Jahre so schöne Erfolge zu erzielen, daß sich bereits alle gesetzestreuen Firmen aus allen Lagern daran gewöhnt haben, sich bei der Besetzung freier Stellen unserer Vermittlung zu bedienen. (Schluß folgt) 5685. Die Zentralleitung der Agudas Jisroel - Landesorganisation in Erez Jisroel schreibt: Das abgelaufene Jahr war eine Glanzperiode des orthodoxen Judentums in Erez Jisroel wie für die Aguda überhaupt. Kaum ein Tag verging in diesem Jahr, der nicht seinen Segen für das gesetzestreue Judentum in Palästina gezeitigt hätte. Wir lassen Tatsachen sprechen. 12 Erziehungsstätten für Knaben und Mädchen in Jerusalem, Tel-Awiw, Safed, Tibenas, Pethach Tikwah und Bnej Brat stehen als lebendige Zeugen dafür da, datz es eine Agudas Jisroel gibt und datz diese ihre Aufgabe erfüllt. Fünfzehnhundert Schüler, die die Bänke der genannten Erziehungsanstalten besitzen, verkünden den allmählichen For.schritt der Aguda, zeigen, datz die Aguda nicht allein für die Gegenwart, sondern auch für die Zukunft arbeitet und Erez Israel eine der Thora und Tradi ion treue Generation verheißt. Im abgelaufenen Jahre sind Agudakanzleien eröffnet worden in den Hafenstädten Tel-Awiw und - Haifa. Die O.ganisa.ion in Tel-Awiw mit ihren 700 Mitgliedern kommt gleich nach der in Jerusalem, das als Zentrum der Aguda und des gesetzestreuen Judentums gellen darf. Zur Zeit hat die Agudas Jisroel Gruppen in den Städten Jerusalem, Tel-Awiw, Safed, Tibenas, Haifa und Pethach Tikwah. In diesem Jahre hat die Aguda einen schönen Anlauf zum Bodenerwerb genommen. Agudas Jisroel erreichte in diesem einen Jahre mehr als andere Organisationen in Jahrzehnten. Der in diesem Jahre erworbene Bodenkomplex beträgt ungefähr ein Drittel des gesamten Bodens, den der Keren Kajemeth der Zionisten von Anfang seines Bestehens bis heute erwerben konnte. Zur gleichen Zeit wurde aber auch für den Jischuw alles Nötige getan. Im Monat Tamus wurde der Grundstein zur Kolonie „ M a ch a n e j I s r o e l" gelegt, die heute einen Anziehungspunkt des Emek Jsreel bildet, so datz keiner die Ebene bereisen kann, ohne die Kolonie auszusuchen. In den drei Monaten wurden 30 Häuser. errichtet. 40 Arbeiter sind in der Kolonie beschäftigt, darunter 6 Fami.ienväter, alle treue Hüter von Lehre und Gesetz, arbeiten mit Stein und Mörtel und ringen sich Zeit ab für die Thoralehre, für das gemeinsame Gebet dreimal im Tage. Noch war die Niederlassung nicht vollkommen fertig und schon stand im Mittelpunkte des Tales in der Ansiedlung Kfar Gideon eine rituelle Mikwa, die die Aguda auf den Boden des N. F. als einzige für alle Kolonien des Emek errichtet hat. Autzerdem besitzt „Maachne Isroel" alles, was zum religiösen Leben gehört. Synagoge, Schochet usw. Mit Entschlossenheit ging man an die Organisationsarbeit. In kürzester Zeit organisierte Agudas Jisroel die besten Arbeiter unter den gesetzestreuen Olim und ein gutorganisierter Verband der Arbeiter der Agudas Jisroel wirkt in den Arbeitszentren Jerusalem, Tel-Awiw und Petach Tikwa zum Segen. „Machane Israeli hat die Vorstellung Der Iden i ät der Begriffe „neu>r Jischuw und Religionslosigkeit" umgewo.fey, ebenso hat die orthodore Arbeiterorganisation^ gezeigt, datz ein A.beiter nicht unbedingt ein Sabbaten.weit. er. und Thoraverächter sein mutz. „Machane . Israel" rettete die Ehre des neuen Jischuw in dem Matze, wie die Arbeiterorganisation der Agudas Jisroel die Ehre der jüdischen A bei er rettete. , Zur Erleichterung der Lage der Arbeiter wurden in diesem Jahre von der Agudas Jisroel Arbeiterküchen in Jerusalem und Tel-Awiw eröffnet und ansehn iche Vorschüsse wurden an die Arbeiter verabreicht für Anschaffung von Baumaterial. Eine Leihkasse wurde zu Gunsten der Olim aus dem Mittelstand gegründet für industriell Beihi.fe. Jüngsthin öffnete in Tel-Awiw auch ein Nachtasyl seine schönen Räume. Auch soll. dieser Tage ein Auskunftsbüro der Agudas Jisroel eröffnet werden, das alle Informationen auf dem Gebiete der Landwirtschaft, des Handels und der Industrie den Interessenten bieten soll. Auch in geistiger Beziehung gelang es der Aguda. dem öffentlichen Leben im Lande bis zu einem gewissen G.ade ihren Stempel aufzudrücken und sie wird nun auch an offizieller Stelle als die Repräsentanz des gesetzestreuen Judentums angesehen und beachtet. Jh.e Zeugnisse und Gutachten werden endlich von Regierungsstellen und fremden Konsulaten offiziell anerkannt. Zu Ende des Jahres erhielt die Aguda eine Anzahl von V fen für die ersten A.bei.er in '„Machane Isroel", und es ist für die Zukunft zu hoffen, datz sie wenigstens die Zahl der für den Ausbau ihrer Arbeit nötigen Zertifikate erhält. Agudas Jisroel hat die besondere Aufgabe, über die Bewegungsfreiheit des gesetzestreuen Judentums in Erez Isroel zu wachen und hat in dieser Beziehung Hand in Hand mit der orthodoxen Gemeinde zu Jerusalem ihre Aufgabe erfü lt. Mit grotzer Energie wehrte sie den Angriff auf die religiöse Selbständigkeit der Gesetzestreuen ab, der mit dem Gemeind ege setz geplant war. Mit Hilfe der „Zeire Agudas Jisroel" konnte der P.otest von 4000 Fami ienvätern zustande kommen, dem wir es verdanken, datz der gefährliche Entwurf, wie in den vergangenen 5 Jahren, auch dieses Jahr nicht Gesetz wurde. Die Stimme der Aguda erreichte die Zentralregierung und wurde auch vom Völkerbund gehört, und es -ist Hoffnung vorhanden, datz diese Frage auf der Grundlage von Freiheit und Gerech'igkeit ihre Lösung findet. Auch die Verhandlung mit der Zionistischen Organisation, wenn auch ihre praktischen Erfolge bisher minimal sind, kann nur auf Rechnung des Siegeszuges gebracht werden, den der Agudagedanke durch die jüdischen Massen macht. Die Versuche, die Aguda zu ignorieren, sind fehlgeschlagen, man mutz fürderhin wohl oder übel mit ihr rechnen. Die Methode der Aguda wirbt für sich. Die Massen lassen sich vom Strome nicht mehr mitreitzen und wollen nicht mehr leidendes Objekt der zionist schen Politik in diesem entscheidenden Augenblicke se n. Auch die Männer an der Spitze der in der Mitte schwebenden O ganisation mutzten sch überzeugen, datz die Menge nicht hinter ihnen ist und fühlten sich in der F r a u e n f r a g e bis zum gewissen Grade gebunden an den Willen der Thoratreuen. - Dieses Jahr erhielt das gesetzestreue Judentum in Palästina eine wesent.iche Verstärkung durch den Charakter der Einwanderung. Des Jahr, in dem die Einwanderung die höchste Ziffer erlangte, zeichnete sich auch durch die Qualität der Einwanderer aus. Während in den f.üheren Jahren die Alija zu 90% aus Jünglingen, die das. Joch der Thora von sich abgewogen, bestand und welche eine Gefahr für den Iifchuw bedeuteten, hatten wir dieses Jahr eine A.sia, die sich zu 90% aus selbstständigen, frommen Baaleba im aus dem Mi.telstande zusammensetzie, die sowohl in wirtschaf.licher wie in geistiger Beziehung reichen -Segen ins Land brachten.

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