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Der Israelit · 1925-10-15 · Heft 42 (15.10.1925) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 42 (15.10.1925)
Date
1925-10-15
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Üeeaungegeben von dti fandesocgonifanon der Agudas Iisroek in DeutfeKlaud U- Jahrgang Frankfurt a. Ä7.,!5. Vktober 1925 / 27. Tischri 5686 Nummer 20 ’ Die zionistischen Arbeiter im Kampfe gegen die jüdischen Heiligtümer. Wie berei's telegraphisch gemeldet, haben die radikal-zionistischen Arbeiter Palästinas, beren unauslöschlicher Hab gegen die religiösen Hei.igtümer des jüdischen Volkes Won manches ungeheuerliche Attentat gezeitigt hat, in diesem Jahre zu einem Schlage ausgeholt, der denn doch auch für nicht gerade rechts stehende kreise der jüdischen Gesamtheit das Matz des Erträglichen weit übersteigen dürfte. Der Kulturausschutz des allgemeinen palästinensischen Arbeiter-Perbau des oeröffenMchtö im Organ dieser Organisation, dem .„Ha d o w o r ", die Aufforderung zu einem durch Eisenbahn und Fußwanderung zu unternehmenden mehlwöchentlichen Ausflug durch Palästina, der vor R o s ch h a s ch o n o beginnen und die beiden Roschhaschono - Tage, Schabbos Teschuwa, Jom Kippur und den ersten Sabbat des .Süktoth- Festes umfassen sollte. , Die Veröffentlichung wirkte im jüdischen Erez Iisroel selbstverständlich wie eine Bombe, aber mit Ausnahme der agudistischen Kreise wagte, soweit wir sehen können, niemand irgendwelche Aktion, um das Unheil zu verhüten, oder wenigstens die Öffentlichkeit, die sich allmählich an die bewutzLe Verhöhnung der höchsten nationalen Heiligtümer des jüdischen Volkes geiwöhnt hat, zu mobilisieren. ' Die Leitung der palästinensischen Landesorganisalion der „Agudas Iisroel" richtete am -3. Tisch i an die zionistische Exekutive, der der Kultur-AusschUtz der Arbeiter unmittelbar untersteht und die seinen Institutionen die Geldmittel gewährt, ein ausführliches Schreiben, in dem zunächst. die Veröffentlichung des „Hadowor" zitiert und alsdann gesagt wird: „Sie werden sich den furchtbaren Eindruck vorstellen können, welchen die Veröffentlichung in den Kreisen des orthodoxen Judentums des heiligen Landes hervorge^ rufen hat. Ein derartiger Ueberfall auf das religiöse Empfinden im heiligen Lande ist unerträglich. Nur die russischen Bolschewisten haben es bisher gewagt, ein solches Attentat auf den Jom Kippur zu verüben, und es ist ein überaus schmerzlicher Gedanke, daß sich diese bolschewistische Schandtat im heiligen Lande auf heiligem Boden, dort wo wir ein Jüdisches Natonalheim errichten wollen. Wiederholen sollte. Selbst die reformierten Juden in ber; Diaspora und alle diejenigen, die den Sabbat ge^ Awungenermaßen oder freiwillig entweihen, selbst auf allen diesen hat bisher die Ehrfurcht vor der Heiligkeit dös -Jom Kippur geruht. Auch die Völker der Welt respektieren diesen Tag; und hier in unserem heiligen Lande erlauben sich Männer vom jüdischen Stamme, diese Keduscha des Jom Kippur in bewußter Absicht zu entweihen -und sie schrecken nicht einmal davor zurück, diesem Beginnen die weiteste öffentliche Verbreitung durch Zerrungen und Inserate zu geben. Wir beehren uns, Sie als oberste Behörde des Kultur- Ausschusses zu ersuchen, sofort die schärfsten Maßregeln, zu ergreifen, um die Ehre Gottes und.die Ehre des jüdischen Landes zu retten und öffentlich zu erklären, daß die Wanderer an den heiligen Tagen an einem Orte ruhen morden. Da die Erbitterung in den weitesten Kreisen sehr groß ist, halten viele die Veranstaltung von öffentlichen Protestversammlungen für notwendig. Wir erbitten uns Ihre gefl. Antwort noch im Laufe des heutigen Tages." . Hierauf antwortete die zionistische Exekutive unterm 4. Tischxi wie folgt: „Wir haben Ihr Schreiben vom 3. cr. erhalten und teilen Ihnen mit, daß wir die nötigen Maßregelst ge-, tröffen haben, um die Entweihung des Jom Kippur' Durch eine Eifenbahnfahrt zu verhindern. Was Die Rückreise am Sabbat anbetrifft, fo geht aus der Zeitung sowohl als aus dem Schreiben hervor, daß der Ausflug nur acht Tage dauert. Aus diesem Grunde hoffen wir. Daß die Ausflügler, von ihrer Wanderung schon am Freitag und nicht am Sabbat mit der Eisenbahn heimkehren werden." Die 'Leitung der palästinensischen A g u d a wendete sich' hierauf nochmals an die zionistische Lütung mit folgendest vom 4. Tischri Datierten Schreiben: ,Mir bedauern, daß Sie lediglich die Verhütung der Jom Kippur-Entweihung durch die Eisenbahnfahrt versprechen, während doch auch die Fußwanderung von Stadt zu Stadt unter Mitnahme von allerlei Utensilien eine vollkommene Heiligtums-Entweihung darstellt, die. mindestens nicht geringer einzuschätzen ist, als die Eifenbahnfahrt. In dieser Hinsicht beehren wir uns, Sie zu bitten, die nötigen Maßregeln zu ergreifen, damit die Wanderer den ganzen Jom Kippur Rüst machen, und uns darüber zu verständigen, daß dies gesichert ist. Diese Forderung bezieht sich auch auf den ersten Sabbat der Wanderung, den S a b b a t - T e s ch u w a, der in Ihrem Schreiben überhaupt unerwähnt geblieben ist. Ebenso genügt nicht die Hoffnung, die Sie hegen, daß die Ausflügler schon am Freitag zurückkehren werden, nachdem es in dem „Hadowor" ausdrücklich heißt: „am 9. Tage von Haifa nach T el-Awiw". Cs ist daher nötig, daß Sie sich der Aenderung des Programms absolut vergewissern, so daß die Rückfahrt am Freitag, oder am Sonntag stattfindet. Wir bitten um sofortige Antwort, damit wir die aufgeregten Gemüter beschwichtigen können." Die Antwort der Zionistischen Exekutive vom 5. Tischn lautete: „In Beantwortung Ihres Schreibens vom - 4. cr. teilen wir Ihnen mit, daß die zionistische Leitung alles getan hat, was sie kann und für nötig findet, um die öffentliche Entweihung des Jom Kippur in einer Form, welche die Gefühle der jüdischen Einwohner des Landes verletzt, zu verhindern. Sie findet, daß Ihre Befürchtungen ungerechtfertigt sind." Diese skandalöse Antwort der Zionistischen Exekutive, die damit die öffentliche Sabbat? enlweihung durch eines ihrer Organe in aller Form durch Duldung sanktioniert hat, veranlatzte die palästinensische Aguda, die Vorgänge durch Flugblatt bekannt zu machen und zu einer großen öffentlichen Pcotestversammlung in Meo Scheoüm aufzufordern. Die ProtestversÄmmlung fand unter ungeheurem Andrange statt. - Herr Oberrabbiner I o s e f E h a j i m S o n - nenfeld schilderte in erschütternden Worten die Situation und forderte die Verächter alles Heiligen, von denen man sich kaum vorstellen könne, daß sie jüdischen Samens seien, auf, noch vor Jom Kippur Teschuwa zu tun. Wenn sein Bes Din zustimme, so würde er dafür sein, in allen Gebeten der zehn Teschuwa-Tage das Gebet 'pns p pm einzuschalten. Nach ihm sprach der jetzt nach Erez Iisroel gekommene, berühmte Lubliner Raw, Rabbi Elija Klatzkin, Worte der Ermunterung und der Zuversicht in den endlichen Sieg des Gottesgedankens über die Feinde des göttlichen Gesetzes. „Jede Steinreihe, die sie niederreitzen, werden wir im Aufbau des Heiligen Landes doppelt erbauen." Der Lubliner Räw schlug vor, daß man in allen Ländern der Diaspora als Protest gegen die unerhörten Vorgänge ein rv>JVn ]THS einführe, dessen materiel'es Erträgnis durch Agudas Iisroel zur Stärkung des Thorageistes und der thoratreuen Siedlungen im Heiligen Lande verwendet werden solle. Rabbiner Rubi n sagte unter anderem, es sei nölig, die Männer, die sich in so beispiellosser Weise gegen die Heiligtümer Gottes erhoben hätten, aus der nationalen Gemeinschaft des jüdischen Volkes für ausgesondert und ausgeschlossen .zu erklären. Rabbi Ä. G. H u r w i tz führte in wirkungsvollen Worten aus, wie das Heilige Land mit der Hut der Thora innig verknüpft sei.';3Me Vernichtung der Tbora rn bedeute den Untergang des neuen Jischuw, bedeute die Verwirklichung der Drohung: ♦rrniK ewrrvvu oamt pttn upn .rrbi „Die Orthodoxie hat den Jischuw mit ihrem Herzblut aufgebaut, und nun kommen jene Nichtswürdigen, um diesen Jischuw wieder zu vernichten und ein neues Golus heraufzubeschwören. Sie sind es. die das jüdische Volk von seinem Boden vertreiben. Deshalb mutzte sich das ganze Judentum der Welt zum einmütigen Protest gegen solches Beginnen erheben." Rabbi I u n g r e i s wies darauf hin, daß die Vorgänge schließlich nur hie Konsequenz jener Gleichgültigkeit seien, mit denen jüdische Gemeinden unter Zustimmung' von orthodoxen Gemeindemitgliedern Männer an die Spitze der Gemeinde berufen, die selber den Sabbat öffentlich entweihen. Nach dem Din Thora sei es glattweg verboten, eine Persönlichkeit, die die Thora wissentlich nicht beobachtet, an die Spitze einer jüdischen Gemeinde zu berufen. Wenn die Jugend aber sieht, wie die unzweideutigen Bestimmungen der Thora solchergestalt ruhigen Herzens außer Kraft gesetzt werden, so kann sie natürlich in der Sabbatentweihung nicht mehr einen Hochverrat am jüdischen Volke erblicken. Nachdem noch Rabbi Jadler in flammenden Worten der Entrüstung der jüdischen Bevölkerung Ausdruck gegeben hatte, wurde die hei.ige Lade geöffnet und unter dem lauten, markerschütternden Weinen der großen Versammlung'^ 122'VN rezi.iert. Vor geöffneter Lade, im Angesicht der geschändeten Thora, wurden alsdann eine Reihe von Resolutionen verlesen und angenommen, welche die Sachlage zusammenfassen, und die Wahl eines Ausschusses beschlossen, der weitere Schritte unterneBauen soll, um die Wiederholung der -Schandtaten zu verhindern. Die Versammlung protestierte zugleich gegen das Verhalten der zionistischen Exekutive, die der Entweihung der Heiliglümer gleichmü ig zusehe. die die Schulen des Kulturausschusses und dis sonstigen Institutionen der Arbeiterorganisation unterstütze, ohne die Wahrung des Sabbats zu erzwingen. Die Versammlung fordert das orthodoxe Judentum, die Rabbiner und Gemeindeführer in der ganzen Diaspora auf, den zionistischen Fonds die UnLe.stützung zu versagen, solange diese ihrerseits Institutionen und Körperschaften unterstützen, die den Sabbat öffentlich entweihen. Nach fünfstündiger Dauer wurde die Versammlung um 10 Uhr abends geschlossen. Ein Jahr Slobokko in Hebron. Die Slobtkoer Jeschiwa in Hebron sieht auf ein Jahr ihres Bestehens zurück. Es ist nicht allein die Tatsache, daß die auf heiligem -Boden wirkende Filiale der Slobtkoer Jeschiwa es bereits im ersten Jahr zu einer Schülerzahl von 100 gebracht hat, was diesem Anlaß die Bedeutung gibt, es ist mehr die Tatsache, daß mit ihr die Thora aus dem Golus ins heilige Land zurückkehrt und dort festen Boden findet. Was der Jeschiwa in Hebron besonderen Glanz verlieh, ist, daß die beiden Führer persönlich schön im ersten Jahre hier anwesend waren oder noch sind: Oberrabbiner M. M. Epstew, und „der Alte" (Rabbi Nathan Zewi Finkel), der die Seele der Jeschiwa ist und bleibt. Rabbi Epstein ist vorerst na^ ^uauen zurückgekehrt, Rabbi Finkel ist hier geblieben. Nur wenige kennen ihn unter diesem Namen. Er heißt allgemein nur „der Alte". Was dieser Schüler des Rabbi Simcho Siesel, der geistige Enkel Nabbi Israel Salanters für dis Jeschiwa getan und tut, bildet ein großes Kapitel der jüdischen Geschichte des letzten Jahrhunderts. Der Slobotkoer Bächur, der sich an „diesem Alten" emporrankt, sich de'en Seelenremyeit und Lebensweihe anzueignen gesucnt hat, wude zum nachahmungswerten Vorbild in Stadl und Land, wenn er gelegentlich zu den Feiertagen die Heimat besuchte. Finkel, der treue Wahrer geheiligter Traditionen, ist zum Erzieher Litauens geworden, soweit dort das Licht der Iüdifchkeit, vom Oele des Mussar ge--

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