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Der Israelit · 1925-10-15 · Heft 42 (15.10.1925) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 42 (15.10.1925)
Date
1925-10-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
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^-ne 10 Nr. 42 Abend ins Wirtshaus und zahlte jedesmal mit einem Golddukaten. Das schien dem Wirt verdächtig, und in der Angst, sich an einem Verbrechen mitschuldig zu machen, meldete er die Sache dem Ortsrichter. Dieser ging der Sache auf den Grund, ließ sich ungekannt mit dem Bauer in eine Zecherei ein und erfuhr noch am gleichen Abend den ganzen Sachverhalt. Die unehrlichen Finder wurden verhaftet und der Betrag, von dem nur eine unbeträchtliche Summe fehlte, Rabbi Hirschel zurückerstattet. In die maßlose Freude des Rabbi mischte sich Schmerz und Wehmut, daß er, wenn auch nur kurze Weile, im Gedanken einen Unschuldigen verdächtigt hatte.. Ungesäumt fuhr er mit dem Gelde nach Schniatin, bac Meier Amschel um Verzeihung und übergab ihm den Betrag, wobei er aber nicht den Vorwurf unterdrückte, daß er, Amschel Meier, eines Anderen Schuld auf sich genommen und somit ihn beinahe zur Sünde verleitete, einen Gerechten zu verdächtigen. Amschel Meier aber rechtfertigte sich damit, daß er den Schmerz des Rabbi nicht ertragen konnte, und da er keinen anderen Weg wußte, ihm den Schaden zu ersetzen, so bekannte er sich zu der Schuld, in der Ueberzeugung, daß der Rabbi ihm doch nichts nachtragen würde. &ls der Rabbi von ihm ging, gab er Amschel Meier den Segen, daß der Reichtum nimmer weichen möge von khm, feinen Kindern und Kindeskindern bis ans Ende aller Zeiten. Daher stammt der Reichtum der Rothschilds. Äinderecke. Jehuda Halevi. Von Heinrich Reutz. (Schluß.) Gott über alles. In Hoffnungsrausch, in Schreckenswahn, Dich wird die Seele stets bejah'n. Dir dank' ich, ob auch schaukelnd bebt Und wankt und schwankt mein Lebenskahn. Ob majestätisch, sacht das Schiff Die Flügel breitet wie ein Schwan, Ob brandend, brausend wie mein Herz Tost hinter mir der Ozean. * * * Nicht Handel, Wandel kümmert mich, Und ob Verluste mir geschah'». Die eigene Schwester lass' ich selbst. Die Herz mir wie Geburt ersah'n, Ihr Kind, mir tief ins Herz geprägt, In Liebe sanft mir zugetan; Und Juda, meinen einz'gen Sohn — Vergißt ihn Juda je, der Ahn? Nichts gegen deine Liebe, nichts Ist alles dies, darf ich dir nah'n. In Zion weih' ich dir mein Herz, Du sollst als Opfer es empfah'n. Dem Sterbenden bezeugst du dort: Ich schloß mit dir die Lebensbahn. 5. Jehudas letzte Lieder, fein Tod. Nach einer langen zermürbenden Fahrt verließ Jehuda in Alexandria das Schiff. Von den ägyptischen Glaubensgenossen wurde er freudig begrüßt, gastlich ausgenommen und mit Ehren überhäuft. Das Oberhaupt der ägyptischen Juden, zugleich ein hoher Beamter des Kalifen, lud ihn dringend nach Kairo ein. Nur ungern folgte er diesem ehrenvollen Rufe, und lange ließ er sich nicht in der Hauptstadt halten. Sein Herz drängte nach dem Ziele seines Lebens. Ob er Jerusalem erreicht hat? Ob fein Inneres aufjauchzte beim Anblick der ersehnten Trümmer? Oder ob seine tiefe Schwärmerei angesichts der traurigen Wirklichkeit im christlichen, von den Sarazenen bedrängten Jerusalem einer lähmenden Ernüchterung weichen mußte? Wir wissen es nicht. Nichts gibt uns Aufschluß als seine letzten Lieder, aus denen ein tiefer, tiefer Seelenschmerz heraustönt. „Die Zeit nahm ihm Leib und Seele. Die Flucht des Glückes und der Jugend, die Schmerzen der Wanderung nagten dreifach ihm am Herzen". Er starb in dieser trüben Lebens- . £ « t ~\*CQvltt 15 Oktober 1925 stimmung. Niemand kennt das Jahr seines Todes, niemand zeigt uns das Grab dieses eolen Sängers und großen Menschen. Der Trennung Schmerz (letztes Lied). Mein Aug' von Tränen naß und doch versengt Von heißen Seufzern, die das Herz beengt! Ihr fragt verwundert, wie der Träne Flut Ausströme aus des Innern Feuerglut? O wüßtet ihr, wie mir das Herz zerrissen! Doch nein, von solcher Qual sollt ihr nie wissen. Die Zeit hat Leib und Seele mir genommen Und will für ihre Schuld mir nicht aufkommen. Des Glückes und der Jugend Flucht, auch Schmerzen Der Wanderung nagen dreifach mir am Herzen. Einst hielt' die Tag' ich für beständig weilend, Doch wir verträumen sie, sie ziehen eilend. Du fragst, die Frische, ob sie mir geschwunden? O Freund, denk' nicht mehr an den einst Gesunden! Das Antlitz, das von Frohsinn einst gestrahlt, Der Trennung Schmerz hat's trübe, schwarz bemalt. Tiefe Wehmut beschleicht unser Herz, wenn vor unsern umflorten Augen diese Sonne Jehuda mit dem goldenen Herzen in die Nacht hinuntersinkt. ' Und dennoch — mag der Sehnsucht Sklav' durch die mangelhaften Zustände im heiligen Lande, durch die kleinlichen Menschen, durch die Niedrigkeit ihrer Gesinnung zu seinem Schrecken aus dem holden Traum in die erbärmliche Wirklichkeit versetzt worden sein — sein Leben war kein Traum, sondern Vorbild edler Menschlichkeit, sein Lied der Ausdruck der jüdischen Volksseele, sein „Kusari" der laute Heroldsruf, der Friede verkündigt, gute Botschaft bringt, Heil ansagt, der zu Zion spricht: Dein Gott ist König. „Hüte dich, daß du den Leviten nicht verlässest"! muß noch heute unsere Losung sein. Jehuda Halevis Lieder sollen auf den Lippen eines jeden selbstbewußten Juden lebendig klingen, im Herzen Israels die Liebe zu Gott und zu Zion erwecken und zu hellen Flammen entfachen. Er schloß mit Gott die Lebensbahn, starb für Israel und Zion. Die jüdische Sage hat seinen Tod verklärt, und wiederum ist es Heinrich Heine, der ihr seinen liederreichen Mund leiht: Ja, das ist das Zionslied Des Jehuda den Halevi, Sterbend auf den heil'gen Trümmern Von Jerusalem gesungen. Barfuß und im Büßerkittel Saß er dorten auf dem Bruchstück Einer umgestürzten Säule; Bis zur Brust herunter fiel - Wie ein greiser Wald sein Haupthaar, Abenteuerlich beschattend Das bekümmert bleiche Antlitz Mit den geisterhaften Augen. Also saß er und er sang, Wie ein Seher aus der Vorzeit Anzufchau'n — dem (Srat> entstiegen Schien Jeremias, der Alte. Das Gevögel der Ruinen Zähmte schier der wilde Schmerzlaut Des Gesanges, und die Geier Nahten horchend, sanft und mitleidig. Doch ein frecher Sarazene Kam desselben Wegs geritten, Hoch zu Roß, im Bug sich wiegend, Und die balnke Lanze schwingend. In die Brust des armen Sängers Stieß er diesen Todesspeer. Und er jagte rasch von dannen, Wie ein Schattenbild beflügelt. Ruhig floß das Blut des Rabbi, Ruhig seinen Sang zu Ende Sang er, und sein sterbeletzter Seufzer war Jerusalem. Ls ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseraten teil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgefehlichen Lharakters auf ihr, Zuverlässigkeit zu prüfen. eirvuie MaiüveusMüÜec Zeiss Feldsfecher ^evngfascr für Reise, Jagd, Sport und Theater I * «in erreich. t.er'A.uswaltl Beratung und Besichtigung ohne Kaufzwang ( Scfilesicfty'Steoftlein 5. nt.fi.5. Telefon Hansa 2208 Kaiserplatz 17 Hansa Grosswäscherei1 \ vorm. Gebr. Vogel < I Spessart 1382 u. 1383 Boyenstraße 8*14 , 5ausfiai(ungs>tDäscfie [ nach Gewicht ( naß, getrocknet und gemangelt Damen- und Hefren-Bügeiwasche 4 Abholung kostenlos 4 KOHLEN» GASHERDE äl'ahonäreu.rransportable KACHELOFEN mtt’patentRauchgasbrennung WÄSCHEREIMASCHINEN Horstkötfar/CnodL (? Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das ^Feuilleton <5. Sckächnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate i. V.: S. Schachnowitz, ebenda. — Verlag „Israelit", G.m.b.H., Frankfurt a. M Druck Hermon Verlags-Aktiengesellschaft, Frankfurt a. M.

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