Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1925)
- Date
- 1925-10-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Gelle 6 Nr. 42 Der I »r ae 1 t t 15, Oktober 1925 liefern wir einen eleganten Kneifer mit Gläsern, Double ebne Fassung, der eigens für Nase and G.esichtsbiidung hergerichtet wird. Es istnichtmehf.nö.tig.daß Sie sich mit schlechtpassenden. Gläsern, falsch und schief sitzenden Kneifern behelfen, die Augen dadurch"vernachlässigen und-schädigen. Besprechen Sie sich mit unseren Fachleuten ohne Kaufverpflichtung,-wir beraten Sie gut und bedienen Sie sehr preiswert Lieferung für aue Kassen OrthozentrischeKneifer- Gesellschaft, Opernplatz. Für die Reise Feldstecher, Operngläser -von 20.— Mk. an. Schutzbrillen und' Kneifer, in allen Farben Brief aus Palästina. Jerusalem, 20. September. Die Empfänge, die der neue Oberkommissar, Feldmarschall Plumer, im Stadtgarten veranstaltete, um sich mit den Vertretern der Stadt und der Parteien bekannt zu machen, stechen so sehr von den Festlichkeiten, die seinerzeit „unser Samuel" aus gleichem Anlaß abhielt, ab, daß sie heute Stadtgespräch in Jerusalem bilden. Man ist enttäuscht und dennoch freudig überrascht. Alles ging mit einer militärischen Einfachheit vor sich, wie man sie hier noch nie gesehen. Es gab nicht einmal eine offizielle Rede, sondern der Oberkommissar ging von Tisch zu Tisch und unterhielt sich unbefangen und ungezwungen mit den Gästen, etwa 50 an der Zahl, sagte da eine Artigkeit, machte dort einen Witz, überall einfach, korrekt und liebenswürdig. Eigentliche höhere Beamten waren nicht zu sehen, und die ganze prunkvolle Ausmachung, Bediente, Lakaien und Spalierbildungen, fehlten. Am meisten fiel aus, daß Damen aus höheren Befehl fehlten. Vielleicht wollte Lord Plumer damit den jüdischen Parlamenten, die ein gut Teil ihrer Zeit und Kraft im Kampfe für das Recht der Frau im öffentlichen Leben vergeuden, etwas sagen. Es kann auch Rücksicht auf die arabischen Delegationen gewesen sein, die grundsätzlich die Teilnahme von Frauen an öffentlichen Veranstaltungen ablehnen. Mit Colonel Kisch und anderen jüdischen Vertretern unterhielt er sich eingehend über Fragen des Jifchuw. Am Journalistentisch, wo B e n A b i, der Chefredakteur des „Dor Hajom" das Wort führte, versprach er den Herren scherzend, sie nach der Insel Samoa zu verschicken (da Malta zu nahe fei), für den Fall, daß sie falsche Alarmnachrichten oder erdichtete Aeußerungen in seinem Namen in die Welt hinaussenden sollten. Die Macht der Presse verkenne er nicht, aber auch nicht ihre Gefahren, so wisse er, daß die Schuld Deutschlands am Weltkriege nicht so war, wie sie gewisse Journalisten hinstellten. Der Verlauf der Veranstaltung machte aus die Beteiligten den besten 'Eindruck, freilich kam die schaulustige Menge draußen nicht aus ihre Rechnung. Den gordischen Knoten in den Arbeiterstreitigkeiten glaubte Herr Colonel Kisch nach alexandrinischer Art mit dem Schwerte lösen zu können. Er ,^)loß kürzer Hand die Kanzlei des misrachistischen Arbeiteroerbandes und bestimmte, angeblich im Aufträge der Organisation, daß ein Vertreter des Misrachi Sitz und Stimme in der Kanzlei des allgemeinen Arbeiterverbandes in Haifa erhalte. Rach Streitigkeiten und wüsten Schlägereien, nach einer Terrorwirtschaft von vielen Monaten, ist kaum zu hoffen, daß mit diesem plötzlichen Energieansall des Herrn Kisch den Zuständen ein Ende gemacht wird. Die Differenzen sind viel tiefer als daß man sie mit einem Federstrich aus der Welt schaffen könnte. Die W a s f e r f r a g e ist noch nicht gelöst und die Not ist nach wie vor groß. Der Stadtgouverneur S t o r r s hat eine Wasserkommission eingesetzt, in die auch zwei Juden hineingewählt wurden. Beide find aber nun aus der Kommission ausgetreten, wie sie sagen, weil ihre Meinungen und die von ihnen zur Sprache gebrachten Klagen der jüdischen Bevölkerung nicht genügend beachtet wurden. Von der Stadtverwaltung Tel-Awiws ist eine Liste von 181 Straßen angefertigt worden, die ihre Namen nach bekannten jüdischen Geisteshelden aus frühester, früherer und späterer Zeit erhalten. Es wird eine Bar Kochba-Straße, eine Jesaja-Straße, eine Hillelstraße usw. geben.. Auch spätere Kultursührer aus der Zeit der Haskala und aus den Anfängen des neuen Jifchuw finden in den Straßenschildern der ersten jüdischen Stadt ihre Verewigung. Im „Dor Hajom" wird bemängelt, daß der Wilnaer Gaon, dessen Schüler zu den ersten Begründern des alten Jifchuw an der Schwelle unseres Jahrhunderts gehören, in dieser. Liste übergangen ist. Wir denken, die Anhängerschaft des Wilnaer Gaon, es ist das gesamte thoratreue Judentum, wird sich leicht trösten. Ein anderes Denkmal könnte Tel-Awiw dem großen Gaon setzen, indem es seinen Geist und seine Schriften in seinen Lehranstalten zur Geltung kommen läßt. Personalien. Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Emvfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesehlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. LEEKEirKirANKE Aleuronal- Gebäcke von allen Autoritäten empfohlen MAGENKRANKE Kodenbach's Grahambrot NKHRMITTELFA8RIK FRIEDRICH GÜNTHER Verkauf Hermes weg 8—12 - Hansa 3862 u.795 sowie in den Filialen der Brotu. Keksfabrik Osthaien G. m. b. H. Esch-Original (Msspe's) Oefen sind ausgespr. 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Rabviner Dr. Ehrentreu sagte nur, daß die Tage zwischen dem Versöhnungstag und dem Laubhüttenfest jede Bekundung der Trauer verbieten und daß die eigentliche Trauerfeier in der Synagoge von „Ohel Jacob", der Schöpfung des Verstorbenen, stattfinden wird. Der Vorsitzende der Kultusgemeinde München und der Präsident des Verbandes Bayrischer Israelitischer Gemeinden, Oberlandesgerichtsrat DL Neumeyer, rühmte in dem Dahingeschiedenen, der der Gemeinde Jahrzehnte als Vorstandsmitglied und dem Verband als Mitglied des Rates astgehört ^hatte, die bedeutsame Persönlichkeit, die auf den verscknedensten Gebieten, als der grafte Kaufmann, der deutsche Wirtschaftspolitiker, - et Gelehrte, Schriftsteller, Redner und Menschenfreund, so Hervorragendes geleistet, der aber seine ganz besondere Kraft der Fürsorge für seine Glaubensgenossen gewidmet, habe und vorbildlich Deutschtum und Judentum in seiner Person vereinigte. Er betonte vor allem, daß Sigmund Fraenkel es gewesen ist, der unter Zurückstellung aller Parteiinteressen auf die Einheit der Gemeinde wie der. gesamten bayrischen Judenheit hingearbeitet habe, so dap durch ihn der Zusammenschluß aller Juden Banerns im. Verband Bayrischer Israelitischer Gemeinden mit ermöglicht wurde. Als Vertreter der Handelskammer München, deren zweiter Vizepräsident der Verblichene gewesen, gedachte Geh. Kommerzienrat G a u t s ch der langjährigen verdienstvollen Tätigkeit Fraenkels auf dem Gebiete des Handels und des Verkehrs. Für das Rabbinerseminar, Berlin, dessen Kuratorium' Fraenkel angehörte, widmete Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer dem Verstorbenen kurze Worte des Gedenkens. Die München-Loge ließ ihrem Expräfidenten durch Justizrät Dr. Feucht^ wänger die letzten Grüße entbieten. Rabbi Solomon Lewin H a m bürg, 12. Oktober. In Hamburg starb dieser Tage Rabbi Salomon Lewin aus Bialystok, ein bekannter äußerst verdienter Führer i des gesetzestreuen Judentums in Polen. Der Agudabc. wegüng schenkte er seit .ihrem Entstehen seine ganzem Kra u Und seinganzes Können. Ein Zögling der Wowschinör- Jeschiwah, war er gut bewandert in der talmudischm Literatur und benutzte seine freie Zeit, um zu lernen und zu lehren. Aus sozialem und philanlrophiscyem Gebiete wird er in seinem Heimatlands kaum-ersetzt werden. Das jüdische Hamburg wußte den großen Verstorbene^ zu schätzen und gab ihm ein großes, würdiges Chrengeleite. An der Bahre sprach u. a. Herr Rabbiner Dr. B am b e rg e r. Alexander Carlebach Lübeck, 12. Oktober. 2m Alter von 53 Jahren-ist der durch seine arößzügi.qe Wobltätiakeit und durch sein lebhaftes Klall-Jntereiie rühmlichst bekannte Bankier Alexander Carlebach in den Sukkot-Tagen dahingeschieden. Ein würdiger Sohn seines unvergeßlichen Vaters, des Lübecker Rabbiners Dr. Salomon Carlebach b“^j> hat der Heimgegangene durch Fleiß und Tüchtigkeit sich . eine, hervorragende soziale Position errungen, diese aber immer nur zur Förderung der religiösen Ideale des gesetzestreuen Judentums benutzt. Bei. der Gründungder Agudas Jisroel-Welt-Organisation. gehörte er zu den eifrigsten Mitgliedern des Provisorischen Komitees, und reiche Mittel hat er der. Bewegung von Anfang an wie insbesondere auch während des Krieges, als es sich um praktische Hilfstätigkeit in den Ländern des Ostens handelte, zur Verfügung gestellt. Durch feine Ehe mit der Tochter des weit berühmten Moskauer Philantropen Persitz waren ihm die Nöte der ostjüdischen Massen noch näher gerückt worden, so daß die ZusammerMsung der Gesetzestreuen in der Aguda bei ihm ganz besonderem Verständnis begegnete. Die von seinem Bruder geleitete höhere Schule in Leipzig, die zur Rettung Hunderter jüdischer Kinder vom Chilull Schabbos im Laufe der Jahre segensreich gewirkt hat, verdankt in erster Reihe seiner Initiative ihr Entstehen und seiner Opferfreudigkeit ihre weitere Entwicklung. Dem Heimgegangenen wird die gesetzestreue Judenheit allzeit ein dankbares Andenken bewahren. n"a^rn Gelnhausen. 7. Oktober. Am zweiten Tag des n" Festes, kurz nach Beginn des n-nm? -Gebetes wurde unser cillbeliebtes Mitglied Hermann Schmidt von einem Unwohlsein befallen, welches ihn zum Verlassen des Gotteshauses zwang, das wieder zu betreten, ihm nicht vergönnt war. Nach kurzem Krankenlager, im Alter, von 72 Jahren, stattete er feine rhino nntw am nauwi naip.ny dem himmlischen Vater zurück. Vor etwa 12 Jahren nach dem Ableben seiner Gattin kam der Verstorbene aus Carlstadt bei Würzburg hierher, um im Kreise seiner Kinder und Geschwister seinen Lebensabend in Ruhe und Behaglichkeit zu verbringen. Der Weltkrieg brach aus und. forderte von ihm seinen einzigen Sohn zum Opfer- Schwer tras ihn dieser Schlag: doch noch inniger als zuvor, schloß er sich seinem Gotte an. Morgens und abendskonnte man ihn bei Tefilloh bezibur antreffen, mit jugendlicher Behendigkeit eilte er zur Erfüllung von Mizwaus, wo sich ihm Gelegenheit bot; um mm »127 zu hören, versäumte er. keinen Schiur. Seinem Leben, glich fein Sterben. Bei vollem Bewußtsein sagte er wenige Minuten vor seinem Verscheiden mit laut vernehmbarer Stimme Widuj und Am 2"' a-y trugen wir ihn DDn in stummer Wehmut zur letzten Ruhestätte. , Acht Tage später, am niav bv nt7betteten wir an seine Seite das älteste männliche Mitglied unserer Kehillo.h, Leopold Herz, Bergen, der einer alteingesessenen gutjüdischen hiesigen Familie entstammte. Plötzlich, ohne vorheriges Kranksein, ereilte ihn mitten in. der Unterhaltung im Hause eines seiner Schwiegersöhne im Alter von 79 Jahren am Rüsttage des Laubhüttenfestes der Tod. In ihm verliert unsere Gemeinschaft ebenfalls einen Mann, der für die Erhaltung des Kultus in traditionellem Sinne nach bestem Können bestrebt war, der Pflege jüdischen Geistes Interesse entgegenbrachte und über den religiösen Abfall der Jugend häufig Worte der Klage und des Tadels fand. n"ann Eine Hutiderkjährige. Geilenkirchen, 2. Oktober. Am vergangenen Jom Kippur 'beging Frau Jonas G 0 ttfchal k ihren 101. G e bür t s t a g in körperlicher und geistiger Frische. Sie fastete noch den ganzen Taa und betete in inbrünstiger Weise zu ihrem Schöpfer. Abends, nach Ausgang, des 2"* brachte ihr der christliche Gesangverein ein Ständchen. Von allen Seiten wurde sie beglückwünscht. Briefkasten. Lehrer I. B. in G. K, 'Es hängt dieses ganz vom Ortsbrauche ab. Hier in Frankfurt würde in diesem Falle der Barmizwoh am »".iin mtp leienen. S. Sch. in Mannheim. Erziehungsanstall Repzin, Adresse- Deutsch-Israelitischer Gemeinde- Bund. Dienstag, den 20. Oktober, abends 8 Uhr,, spricht aus Veranstaltung der Südwestdeutschen Konzertdirekion Wladimir I ab 0 t ins k i, der bekannte Kommandeur der früheren jüdischen Legion in Palästina und der Führer der-Opposition aus dem.letzten. Zionistenkongretz im großen Saalbau über die Probleme des P a l ä st i n a a u f - bau. Ueber den Kartenverkauf siehe Inserat.