Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1925)
- Date
- 1925-12-03
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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S. Dezember 1S2S D e r A s r a e 1 t. r Nr. 49 Seits 15 Herde des Herrn Hixsch" anzuschließen und sich damit dem Gespötte, ihre Kinder aber dem „Rückschritte"" und der Verdummung preiszugeben. Von zwei Seiten wurde der Angriff auf diesen so unbequemen Herrn Hirsch eröffnet, von den Vertretern nämlich der beiden Institutionen, die ganz eigentlich für die Propaganda des Abfalls geschaffen waren. Der Leiter der Gemeindeschule und der Inhaber der Gemeindetanzel teilten sich in die traurigen Ehren dieses Kampfes. Den Reigen eröffnete, wie billig und der Ancienin!ät entsprechend, der Direktor, öder wie er damals noch hieß, der Oberlehrer der Realschule der Israelitischen Gemeinde. (Fortsetzung folgt.) Antisemitismus auf Welle 470. - Man schreibt uns: Die Frankfurter Sendestation des Rundfunks sendet von Zeit zu Zeit in später Abendstunde auch Witze und Anekdoten in die Welt hinaus. Die Anekdoten sind mehr oder minder neu, mehr oder minder, meistens minder, ^ut. Man nimmt sie, wie alles Dergleichen, mit einer gewissen Bonhommie auf und regt sich darüber weiter nicht auf, wenn gelegentlich ein Fehlschuß die Lachmuskeln nicht gestreift hat. In letzterer Zeit hat aber der Frankfurter Rundfunk den Ehrgeiz, auch fü d i s ch e Witze zu produzieren, und da pflegt es schon zuweilen vorzukommen, daß anstatt des ausgebliebenen Lachens sich berechtigter Aerger einstellt. So bekam man beispielweise an einem der letzten Abende ein witzig sein wollendes Histörchen zu hören, ungefähr in dem Sinne, daß sich ein Judd (der Sprecher sprach gut Sachsenhäuserisch) unbefugter Weise in den Himmel hineingeschlichen hätte, wo er doch als solcher eigentlich ganz anderswo hingehörte. Und es wird im weiteren erzählt, wie hübsch es Petrus anstellte, daß er ihn mit der Vorsviegelung einer „Versteigerung" aus dem Himmel wieder in die Hölle lockte. Gelacht hat vermutlich keiner darüber, schon deswegen nicht, weil der sogenannte Witz so alt ist, wie alle antisemitischen Kalauer dieser Art. Geärgert haben sich aber von den 60 000 Rundfunkabonnenten Frankfurts gewiß sehr viele über diese bodenlose Takt- und Geschmacklosigkeit. Die Rundsunkstation, die bei den Sonntagsmorgenfeiern sogar auf konfessionelle Parität hält, sollte bei den Ab enderhei te r u n g e n auch etwas mehr Willen zu Takt und Geschmack zeigen. Vielleicht hat die Frankfurter Leitung des Rundfunks die.einzelnen Künstler und diese selber ihre Temperamente nicht immer in der Hand. Sie sollten sie aber in dj? Hand zu bekommen suchen. Und wenn irgendwo, so ist hier eine Präventiv zensur sehr von nöten. Vielleicht bedurfte es nur dieser Anregung. Aus Gemeindeu. Vereinsleben. (Neues aus der Agudo-Jugendgruppe.) Einen Vortragsabend über das Thema: „Wir und die hebräische Sprache" findet in den Räumen unserer Jugendgruppe am Montag, den 7. Dezember, abends 8% Uyr statt. Als Redner sind gewonnen die Herren Abraham Einstein (Lehrer der hebräischen Sprache) und Jakob Landau (Redakteur des „Moria). Gäste, Damen und Herren, sind zu dieser Veranstaltung herzlichst eingeladen. Der Geschichtskurs des Herrn Redakteurs S. Schachn o w i tz findet am Sonntag, den 6. Dezember, — außer Sonntag Chanukka — wieder regelmäßig abends 8.45 Uhr statt. Im Rahmen unserer Mittwochausspracheabende referiert am Mittwoch, den 9. Dezember, abends 8% Uhr, Herr Dr. Harry A b t über das Thema: „Misrachi und Achduth". Wir bitten um zahlreiches Erscheinen. Die wöchentlich nach Schluß der Synagoge in unseren Räumen Freitagabend staitsindendenden Siprovorträge fallen während der beidennanirrni® qus. Dessen ungeachtet finden auch an diesen Sabbaten um 8 Uhr wie üblich, in den , Räumen des Mekor Chajim unsere sogenannten „Gemütlichen Freitag-Abende" statt, bei welchen wir für ein besonders gutes Programm Sorge tragen werden. (Kinderheim in Hofheim.) Im Raphael Jeanette Ettlingersches Kinderheim (Verein für erholungsbedürftige jüdische Kinder e. V.) in Hofheim i. Taunus, beginnt die Winterkur am Montag, den 21. Dezember. Es ist den Kindern Gelegenheit geboten zu Wintersport, Liegekuren in sonnigen, geheizten Veranden, Höhesonne, Bestrahlung und Bäderbehandlung. Für ärztliche Ueberwachung und beste Verpflegung ist gesorgt. Anmeldungen sind an die Leiterin, Frl. Heller, Hofheim i. T., Kapellenstraße 12, zu richten. (Jiddisches Theater.) Ein Jiddischer Theaterabend findet Sonntag, den 13. d. Mts., abends 8 Uhr statt. Die Leitung hat der bekannte Künstler M. Sakaschanski, Zürich. Zur Ausführung gelangt: a) „Der grobe Jung sucht Jiches", b) „Chajim Ja'nkel spielt Fußball" unp „Bilder aus dem jüdischen Volksleben mit Gesang" von Ben Schimy. Die Namen Sakaschanski-Lehmann, welche sich schon durch ihr öfteres Auftreten so beliebt machten, bürgen für echten Kunstgenuß. Vorverkauf täglich im Hochschen Konservatorium und an der Abendkasse. (Ehanuka-Fesi.) Wie aus dem Annoncen-Teil hervorgeht, laden die Jüdische Frauenvereinigung und die Agudas Jisroel-Jugendgruppe zu ihrer am 14. d. Mts. stattfindenden Chanukka-Feier mit dem Programm „Makkabäer in Frankfurt" ein. Die bewährten Kräfte, in deren Händen die künstlerische Leitung liegt, verbürgen einen genußreichen Abend. Da die Veranstaltung wohltätigen Zwecken dient, ist ihr ein voller Erfolg zu wünschen. Wie wir hören, hat der Kartenverkauf bereits sehr rege eingesetzt, so daß prompte Bestellung von Karten sich empfehlen dürste. Es ist von Seiten des Festkomitees dafür Sorge getragen, daß die . Speisen und Getränke am Büffet zu mäßigen Preisen verabfolgt werden. 0 Betriebe, die der Aufsicht der Syn. Gem. Israelitische Religions- Gesellschaft unterstehen: Bäckereien: David Stein, Stolhestratze 12, Aron Mainzer, Hanauerlandstr. 1. Konditoreien: Julius Grünebaum, Hanauerlandstr. 4, Sally Simons, Ostendstratze 60. Metzgereien: X Halberstadt, Allerheiligenstratze 61, Siegm. Bender, Hanauerlandstratze 16s, Leopold Löb, Bleichstratze 9, Jacob Schön, Uhlandstratze 50, Leo Vogel, Vörneslratze 44. Wurstlereien: Max Philipps, Zeit 4, S. Solomon, Gr. Eschenheimersiratze 19. Geflügelhandlungen: Ionas Halberstadl, Allerheiligenstratze 61» Wolf Auerbach, Atterheiligenstratze 77. Kolonialwaren: David Bauer, Börneflraße 29, Philipp Heinrich, Mainstr. 23, Markus Ittstenbaum, Kttngerstratze 11» Mayer Eh. Melamet, Schwimmbad 2. Milchhand lungen: Abr. Rothschild, Sandweg 6, Leonhard Weis, Ostendstratze 11. Restaurationen: Julius Ries, Bethmannstratze 52, S. Salomon, Gr. Efchenheimerstratze 19. Fabrikationen: B. Rntzbaum, Kl. Obermainstratze 21, Sam. Thalmann, Ostendstratze 12, Thalmann & Schwab, Schühensiratze 4. Laut Absatz 2 des § 1 des Gesetzes vom 21. März 1899 betreffend die Synagogengemeindeverhättniffe in Frankfurt a. HI. sind diejenigen im Synagogen-Gemeindebezirk Frankfurt a. IN. wohnenden Juden von der Zugehörigkeit zur Synagogengemeinde „Israelitische Gemeinde" befreit, welche binnen der gesetzlich bestimmten Frist von drei Monaten nach erfolgtem Zuzug bezw. nach Erreichung der Großjährigkeit, bezw. nach Eintritt der Witwenschaft unter Vortage einer Bescheinigung des Vorstandes der Synagogengemeinde „Israelitische Religionsgesellschaft" über ihre Mitgliedschaft dem Polizeipräsidenten in Frankfurt a. IN. schriftlich anzeigen. daß sie ausschließlich der „Israelitischen Religionsgosellschast" angehoren wollen. Wie sich schon aus der Bestimmung über die Witwenschaft bezw. Volljährigkeit ergibt, hat die Erklärung des Familienoberhauptes Rechtswirksamkeit auch für die Ehefron und die minderjährigen Kinder. (Die außerordentlichen Vorträge des Mekor Lhajim- Vereins.) Vom Vorstande des Mekor Chajim wird uns geschrieben: Wie alljährlich, hat der Verein es auch in diesem Jahre sich zur Ausgabe gesetzt, an den Sonntagabenden seinen! Mitgliedern ein reiches, auch den verwöhntesten Anbrüchen genügendes Programm zu bieten. Trotz der Ungunst der Zeiten hat der Verein es sich angelegen fein lasten, eine größere Anzahl auswärtiger Redner zu gewinnen, die unserem Rufe — es fei auch an dieser Stelle dankbar erwähnt — in entgegenkommendster Weise gefolgt sind, bzw. noch folgen werden. Durch den edlen Wettstreit in unserem Vereinsleben sind die einheimischen Kräfte, die uns das ganze Jahr hindurch in selbstloser Weise zur Verfügung stehen, f» sehr in Anspruch genommen, daß wir, so leid es uns tut, uns nicht in dem Maße ihrer bedienen können, wie wir so gerne möchten. Als Auftakt unseres Winterprogrammes hatten wir am mxy einen Vortrag unseres hochverehrten Herrn Emil G oldfchmidt über die imV W nana- Auch dieser Vortrag fand großen Zustrom und war ein würdiger Auftakt und zugleich Vorgeschmack jener Zeit, da wir der smii» nana teilhaftig werden sollen. Den Reigen der eigentlichen Winteroorträge begann Herr Herz Holpern über Midrasch. Ein stets gern gehörter Redner, der von der übersprudelnden Fülle seines Wissens jederzeit zu spenden bereit ist. Ihm folgte unser verehrter Dozent Herr Rabb. Dr. Josef Breuer mit einer Einführung zu seinem diesjährigen i"in-Zyklus in gewohnter meisterhafter Form Prophetenworte kündend, die unsere Gegenwart aus dem reichen Born der Vergangenheit verstehen lasten. In überaus fesselnder Rorm verstand es an einem dritten Sonntag Herr Rabb. Horowitz aus Jerusalem unter dem Titel: „Die Geschichte des Schetijah:Steines" seine zahlreiche Hörerschar zu unterhalten. So lebendig ward in seinem Munde die p»"rpa rH'L». die er uns entrollte, daß der allgemeine Wunsch rege wurde, diesen herrlichen Vortrag einem größeren Kreis durch den Duck zugänglich zu machen. Herr Rabbiner Dr. A n s b a ch e r-Wiesbaden er.ööfnete in freundnachbarlicher Weife mit einem Vortrage übe „Den Einfluß der Formen auf die Geisterwelt" die Reihe der auswärtigen Redner. In formvollendeter Rede wußte er zu plaudern, er lehrte uns, wie man scheinbar leeren Normen Geist, echtjüdischen Geist einhauchen kann, daß sie mehr sind als nur Formen. Herr Schachnowitz machte uns den „Bet- und Bußtag" zu einem ü"v trotzdem er uns (dem Ernst des Tages Rechnung tragend) ernstes iw» hören ließ, indem er uns „Leben und Lehre eines Rabbi Jisroel Calanter l>"2r"oor Augen führte, in einer Weise, wie nur er es versteht. Man lebt und erlebt Geschichte. Mit einem Vortrag über „Hawdalah" lernten wir vergangenen Sonntag in Herrn Rabbiner Dr. Breslauer-Fürth einen ganz vorzüglichen und fesselnden Redner kennen. Stolz sein auf unser Judentum. Mitleid haben (nicht Begierde) für alles Unjüdische, so möchte er jüdische Menschheit sehen. Als „Hinkender" geht wohl ein Jaakauw aus dem Kampf mit Esau hervor — aber gerade darauf bezüglich läßt rrapn den «'ai sprechen: nxn ns vwim snn nsrn -pivv Va ns nvy •'in .(u"-’ 'i n’iDs) ancn psn baa D©bn nVnnV n'nvv-i pps nmmn So oeaebt der Mekor Chajim seinen Sonntag — er ist ihm nichts anderes als napV posi dv- 3. S. (Nachhilfeunterricht.) Die Vereinigung jüdischer Akademiker Frankfurt a. M., vermittelt Nachhilfe- und Vorbereitungsunterricht für alle Schulklassen durch Studierende der hiesigen Universität. Interessenten'werden höflichst gebeten, sich an Bbr. Wolf Bodenheimer, Hanauer Landstraße 25, Telefon 4524 zu wenden. Levi Lindenbaum r sr* Am iVoa n“-n dem Jahrzeitstage seines eigenen Vaters, ist im 82. Lebensjahre ein treues Mitglied unserer Gemeinde von uns gegangen, Levi L i n d e n b a u m n"s-, ein aufrechter, wahrhafter c>'»V st>, dem die Ausübung der n-nxn tiefstes Herzensbedürfnis war. Aus Westfalen stammend, kam er in jungen Jahren nach mancher Stadt, doch nirgends fand er den Kreis, der seinem religiösen Gemüte zusagte, bis ihn sein Weg in die Gemeinde Rabbiner Hirschs 7“xr führte. Dort blieb er für dauernd, gründete sein Geschäft und später seinen Hausstand und führte beides in echt jüdischem Sinne. Der Gemeinde in Liebe anhängend, nahm er regen Anteil an ihren Geschicken und Institutionen, doch widerstrebte es stets seinem bescheidenen Charakter, nach außen hin heroorzutreten. Aber viele wissen es, in welch hohem Maße, und namentlich auf wie feine Weife er, besonders im Geheimen, np-rx und ionn i*>na geübt hat. Gar manchem wird es noch in Erinnerung sein, mit welcher Bereitwilligkeit der Verstorbene sich im Vereine zur Uebernahme von Gevatterschaften bei Unbemittelten betätigte, und wie er auch späterhin den betreffenden Familien immer wieder sein Interesse bekundete. Den Armen und Bedürftigen stand sein Haus stets offen, und es waren viele, die den Weg zu ihm fanden. Wohl niemals schied ein Bittender von ihm mit dem Gedanken, daß der Heimgegangene dem bedürftigen Bruder gegenüber seine Pflicht nicht ganz erfüllt habe, soweit-er es vermochte. Der Verklärte wußte, daß es nicht die Gabe an sich ist, aus die es ankommt, sonden daß weit mehr die Art und Weise wirkt, wie sie gereicht wird. Eine Spende, gepaart mit freundlichen Worten, wohl gar mit einem Einlaß ins Zimmer und einer kurzen Unterhaltung vermag erst den Gebeugten aufzurichten -und ihm das Gefühl seiner Menschenwürde zu lassen. Hier hat der Verstorbene, unterstützt von seiner edlen, gleichgesinnten Gattin, vorbildlich gewirkt. Wer beobachten konnte, mit welcher Gewissenhaftigkeit Levi Lindenbaum n“sr die Pflicht des nvrw-Gebens erfüllte, wie er nicht müde wurde, feine Kinder immer wieder auf die hohe Bedeutung gerade dieser rm» hinzuweisen, dem mußte es zum Bewußtsein kommen, wie ernst es dem Dahingegangenen mit dem Gedanken mar, daß wir alles, was wir besitzen, nur dem Segen von verdanken, wie auch alles, was er uns versagt, nur zum Guten ist. Ein durch nichts zu erschütterndes Gottvertrauen war wohl die hervorragendste Eigenschaft des edlen Vestor-