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Der Israelit · 1925-10-01 · Heft 40-41 (1.10.1925) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 40-41 (1.10.1925)
Date
1925-10-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 Nr. 40/41 Der Israeli! i: Oktober 1825 Blickes in den Laden, der mit seinen geöffneten Türen frech und herausfordernd in der langen Reihe der festgeschlossenen Läden stand. Auch Polizei war bereits am Plaetz, die sich automatisch dem Menschenauflauf anschlotz und sich nun zu beiden Seiten des Ladens postierte,: um ihn vor Angriffen zu schützen. Allein keiner dachte nur im entferntesten daran. Jemand anzugreifen. Die Menschen standen nur da und schauten und starrten, als trauten sie ihren Augen nicht, als wollten sie sich überzeugen, ob es wirkliche Wahrheit sei, daß Rüben, ein Jude aus ihrer Mitte, am Hellen Sabbatmorgen fein Geschäft öffnete, Kunden aus- und eingingen wie an Wochentagen. Und es kam kein Blitz vom Himmel und die Erde erbebte nicht hundert Meilen im Umkreise ... Die Menschen wechselten. Die einen gingen, die anderen kamen. Die rasch gegessen hatten, kamen wieder und lösten die anderen ab. So ging es den ganzen Tag, die Menge um den Laden Rubens nahm nicht ab. Soviel konnten die angestrengten Blicke erspähen, daß sich Rüben selbst im Laden nicht befand. Hinter der Theke stand ein junger, christlicher Angestellter und parierte die starren Blicke der Menge draußen. Er war eigens für diesen Sabbat angestellt. — Rüben hatte eine alte Mutter, die seit Jahren gelähmt das Bett hütete. Als die Alte an diesem Sabbatmorgen den Lärm aus der Straße vernahm, strengte sie alle Glieder und Sinne an, reckte und streckte sich, so gut sie es mit ihrem siechen Körper konnte, und horchte gespannt auf die ungewohnten Geräusche. Es schien ihr. als hörte sie wiederholt den Namen ihres Sohnes nennen und ein unheimliches Gefühl beschlich ihr krankes Herz. Die sie bedienende Frau, sonst sehr redselig, hatte ein verlegenes Gesicht und wußte nichts zu sagen. Die Kranke rief nach den Nachbarinnen, aber diese, sonst sehr gesellig und gesprächig zu ihr, mieden jetzt ängstlich ihre Türe. Endlich aber platzte eine schwatzhafte Nachbarin heraus: „Euer Sohn Rüben hat heute seinen Laden geöffnet." „Wa—a—a—s?" schrie die Alte mit einer Stimme, die man bei ihr lange nicht mehr gehört. „Mein So—o—ohn? Da will ich doch selber mal sehen." Und da geschah etwas wie ein Wunder. Die kranke Frau stürzte sich aus dem Bette, das sie schon seit Jahren nicht verlassen hatte und humpelte, auf zwei Stöcke gestützt, zur Türe hinaus, die Straße hinunter, wie vön geheimen Kräften getrieben; schleppte sich bis zur Gassenecke, von wo aus sie die Ansammlung und den Laden sehen konnte. Sie wußte nun auf einmal alles . . . Aber das klare traurige Bewußtsein kam nur für Augenblicke. Es war ein entsetzlicher Abschied aus dem Leben. —- Als man sie aufhob und ins Haus trug, war sie nicht mehr bei Bewußtsein. Und als man abends in den jüdischen Häusern die Hawdalahkerzen anzündete, hatte die alte Frau ihre Seele ausgehaucht. So hatte der erste Jude am Sabbat seinen Laden in der jüdischen Gasse des frommen Städtchens geöffnet . . . Ainderecke. Jehuda tzalevi. Von Heinrich Reutz. (Fortsetzung). In dieser Weise belehrt der jüdische Meister den königlichen Schüler. Dieser ist nun felsenfest von der Wahrheit der jüdischen Religion überzeugt und bekennt sich zu ihr. Der Meister aber will den König verlassen, um in das „Herz der Länder" zu ziehen. Der Chazarenkönig entläßt ihn mit den Worten: „Nun, dann ist es Sünde, Dich zurückzuhalten, Gott stehe Dir bei und lasse Dir Glück zuteil werden. Ziehe hin in Frieden!" Der Meister, der in das „Herz der Länder" ziehen will, ist unser gottbegnadeter Denker l selber. Nie hat ein anderer Mund so beredt und i begeistert die Vorzüge unserer Religion gepredigt, das Judentum so auf sich selbst gestellt, es dem i schulmäßigen Denken übergeordnet; kein anderer i Verteidiger hat Israel so als Wurzel, Blüte und Frucht einer vom göttlichen Licht erleuchteten und : für wahre Tugend erglühten Menschheit zu Ehren! gebracht. Israel — das Herz der Menschheit, Kanaan — das Herz der Länder, die bebraische Sprache — die heilige Sprache, Israels Gebete — der Ausdruck des göttlichen Willens, Israels Zukunft — die allgemeine, Menscherweredelung: Das sind die Leitsterne Israels auf seinem schweren Wege in der Nacht der Zerstreuung. — 4. Jehuda Halevis Reise und Reiselieder. Als der Kusari im Jahre 1141 vollendet war, beschloß der mehr als SO Jahre alte Levite, seine Worte wahrzumachen. Hatte er im Geiste erkannt, daß Palästina vor allen Ländern von Gott bevorzugt war, so wollte er auch dort sein Leben beschließen. Er war kein Schönredner und Gedichtemacher, der nach dem Beifall der Menge haschte; was er schrieb und sang, auch seine Liebe zu Zion, war gefühltes, wahres Leben. Darum rüstete er sich zur Reise. Seine Angehörigen wußte er gut versorgt. Wohl hatte er sie sehr lieb; sein Enkel Jehuda war ihm ans Herz gewachsen — stärker aber war die Sehnsucht nach der geistigen Heimat. Tochter und Enkel, 2,almudschule und ärztlicher Beruf, Synagoge und Gemeinde mußten vor der höheren Pflicht zurückstehen. Die Freunde rieten ab, schilderten die Gefahren der Reise und die Unsicherheit im heiligen Lande (fünf Jahre vor dem zweiten Kreuzzuge). Jehuda achtete der Warnung nichf; ja, sie bestärkte ihn vielmehr in dem Entschlüsse, das Leben den Heiligtümern Gottes hinzugeben. Seine Reise durch Spanien glich einem Triumpfzuge. Ueberall wurde er als der Fürst des Geistes und des Gesanges gefeiert. Bescheiden lehnte er die Huldigungen ab. Dann setzte er den Fuß auf das schwankende Schiff, auf dem er wegen widriger Winde und stürmischer See Monate lang in enger Zelle wie gefangen saß. Sehnsucht, Abreise, Seefahrt, Sturm und innere Erlebnisse wurden anschaulich durch seine Reiselieder geschildert. Wegen der Stärke des Gefühls und der Greifbarkeit der Darstellung — der Seesturm! — gehören diese Lieder zu den erhabensten Erzeugnissen seiner Muse und der Poesie überhaupt. — Sehnsucht nach Zion. Mich drängt's nach meines Gottes Hause hin, Wo die Gesalbten thronten, weilt mein Sinn. Nicht gönnt ich mir, die Lieben satt zu küssen, Nicht läßt die Sehnsucht meine Hab' mich missen. Ach, wlüig geb' ich alles hin, vertrau dem Meer mich an. Ms daß mein Auge schau' den Ort, wo Gottes Herlichkeit gethront Ein trunkener Blick, mein tiefes Sehnen lohnt. Dort sitz' ich dann, von Himmelsluft gekühlt, Bon Jordans Flut wird meine Hütt' umspült. Da preis' ich, danke, lobe, finge.. D daß ich's bald, ja bald vollbringe! Der Seesturm. Es brüllen die Wellen und rollen In wechselnder Mächtigkeit über die Fläche. Der Himmel dunkelt, es schäumen die Wasser — Der Tiefe entsteigend Zerschellen die Wellen gegeneinander. Es siedet und brodelt, es zischt und heult. Und keine Macht bezwinget die gewaltigen Massen. Doch jählings brechen sie zusammen, Es teilt sich der Gischt Zu Schlünden hier, zu Bergen dort. Das schwache Schiss Wird bald hinauf, hinabgeschleudert. Mein Auge sucht die Helfer, — wo sind sie? Da wendet sich mein Herz zu Ihm, Der Israel durchs Meer geführt. Ich rufe zu Gott, doch furcht' ich, Daß meiner Sünde wegen Ihm mein Gebet mißfalle. Und wilder tobt das Meer, der Ostwind bricht die Masten, Der Schnabel schwankt, der Kiel erzittert, Gleich lahmen Flügeln schlottern die Segel, Und aus den kalten Tiefen Steigt brausend empor der kochende Gischt. Da kommt Verzweiflung über die Herzen, Und Wut erfüllet sie gegen das Schiffsvolk. Wo ist nun eure Macht? Du armseliger Schisfsherr, Du lahmer Steuermann, Ihr stumpfen Ruderer, Ihr blinden Wächter! Wie trunken tanzt euer Schiff auf den Wellen Und wirft die Menschen Als wertlos Gut hinaus. Der Leviathan ruft, wie ein Bräutigam, Die Gäste sich zum Hochzeitsschmause, Mit ewiger Hand Umschließt der Ozean seine Beute, Und kein Entrinnen gibt's und keinen Zufluchtsort. Ich aber, erhebe mein Auge zu Dir, o Gott, And bete Dich an in Ehrfurcht, Und wenn mein Herz erzittert Und bebt in tiefen Aengsten, So fleh' ich zu Dir . Wie Jona, der Sohn Amithais, Und denke des ewigen Schilfmeers Und singe ein fröhliches Lied von den Wundern am Jordan. Da wertet sich mein Herz, Wie von Edens Lust erfüllt, Denn gütig ist der Herr, Er wandelt bitt'res Leid in Lust Und wandelt seinen Zorn in Gnade; Ja, hoffend schau ich auf Ihn, Der die wilden Meere bändigt. Die Sonnenstrahlen ausgießt Und Winde niedersendet Auf seine Erde in ewiger Ordnung. * * $ Er hat seinen Zorn gewandt Von dem Niedriggeborenen Und die Seele vom Untergang befreit, Aus den Höhen ergießt sich Frieden Ueber die Tiefen. Des Sturmes Heulen verstummt, Und wie zu Del gewandelt, Fließt sanft das zornige Meer. Die Furcht entweicht, es schweigt die Angst, Und Englstimmen aus der Höhe Verkünden den Verzagten Erlösung! O mög' auch Israel, dem schwerbedrängten, Auf dem die Hand des Feindes lastt, Das hin und her gejagt wird Gleich einem Schiff im Sturm, O mög' auch Israel wieder die frohe Botschaft tönen: Erwachet, erwacht Aus trüber Nacht, Ihr Kinder der Treue! Der Herr der Ehren Will wiederkehren, Zu leuchten euch aufs neue. , (Fortsetzung folgt.) (Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseraten- Sll enthaltenen Empfehlungen ritueller Daren oder sonstige Angaben religionsgesehlichen Charakters auf ihre - _ Zuverlässigkeit zu prüfen._ Helle Schaufenster I sind die besten E Kundenwerber 1 Kostenlose fachmännische Beratung B J. Gischler, elektrische Anlagen 1 Gr. Böckenheimerstr. 52—56, Tel. Hansa 5079 ■ Dem Wunsche weitester Kreise Rechnung tragend, hat sich die technische Fabrik Landauer u. Cie., Frankfurt-West entschlossen, ihre seit vielen Jahren bestens bekannten Qualitäts-Produkte nunmehr auch in herzustellen und zwar unter Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Dr. Wreschner, Bad Homburg. Näheres Inserat. verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Schachnowrtz, Frankfurt a. M.; Inserate i.B.:S.Schachebenda. — Verlag „Israelit", G.m.b.H., Frankfurt ct.M, Druck Hermon Verlags-Aktiengesellschaft. Frankfurt a. M.

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