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Der Israelit · 1925-10-01 · Heft 40-41 (1.10.1925) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 40-41 (1.10.1925)
Date
1925-10-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Wiederaufbau in der Volksschule. Wohl noch niemals in den über 70 Jahren der Geschichte der Israelitischen Religionsgesellschaft war ihre finanzielle Lage so ernst, der Ausblick in ein beginnendes Jahr, soweit materielle Anliegen in Frage kommen, so trübe wie augenblicklich. Eine außerordentliche Kraftanstrengung mußte in nie getäuschtem Vertrauen auf die Opferwilligkeit der Mitglieder unternommen werden, um der Gemeindekasse die dringend nötige Erleichterung zu verschaffen. Die einzelnen Verwaltungen sind, in weit höherem Maße, als es bei Staat und Kommunen geschehen muß, zu schärfster Sparsamkeit, zur Beschränkung auf das Allernotwendigste gezwungen. Das empfindet besonders schwer die Israelitische Volksschule, deren Budget vor dem Kriege aus den Ertrag des großen Stiftungs- Vermögens und auf freiwillige Spenden angewiesen war. Das Kapital ist durch die Inflation geschwunden, die Beiträge fließen, wie zur Zeit überall, recht spärlich. Um so größer ist die Freude, von den in den Äommerferien geschehenen Erneuerungsarbeiten im Schulgebäude berichten zu können. Schon längst waren solche geboten. Ader Kriegsjahre und Inflationszeit hatten jede kleinste Reparatur unmöglich gemacht. Kein Wunder, daß allmählich nicht unbedenkliche Bauschäden entstanden. An der Wind und Wetter ausgesetzten Außenfront konnte schon der Vorübergehende die schadhaften Stellen merken: ebenso schlimm war es im Inneren des Gebäudes, nicht zu reden von dem auch hygienisch wenig einwandfreien Zustand der seit vielen Jahren nicht ausgebesserten Klassenräume. - Nicht viel besser war der Zustand der Lehrmittelsammlung. Die am meisten gebrauchten Karten und Veranschaulichungsbilder waren schon viel zu lange, viele schon seit den Gründungsjahren der Schule, in Benutzung. Als gerade zur Zeit des Kriegsausbruchs die Erneuerung in Erwägung gezogen wurde, verschob man sie natürlicherweise auf die bald erhofften Friedensjahre. Wer konnte ahnen, welche endlose Zeit bis dahin vergehen würde, in der das noch vorhandene Gute übermäßig in Anspruch genommen und ebenfalls abgängig werden mußte. Nun ist das meiste völlig verschlissen und muß ersetzt werden. Neue Lehrpläne und Unterrichtsmethoden, damit zusammenhängend neue Vorschriften der Schulbehörden, machten ohnedies eine gründliche Erweiterung unaufschiebbar. Außerdem kann und darf die Schule, die nunmehr als die Grundschule für alle Kinder in einen bedeutend erweiterten Wirkungskreis gestellt worden ist, in ihrer Unterrichtsausstattüng nicht hinter den gleichartigen städtischen Volksschulen zurückstehen, denen zur Erweiterung und Verbesserung ihrer veralteten und zum Teil auchstark verbrauchten Lehrmittelbestände größere Mittel zur Verfügung stehen, aus denen sie in diesem und den nächsten Jahren ihre Sammlungen neu aufbauen können. Es war bei der drückenden Finanzlage ein doppelt -schwerwiegender Entschluß, als es die Schulverwaltung auf sich nahm, die Mittel zu einer gründlichen Besserung aller Schäden zu beschaffen, ohne dabei den Gemeindesäckel als solchen zu belasten, der durch den laufenden Schulbetrieb genügend in Anspruch genommen ist. Den Grundstock des Erneuerungsfonds lieferte der Reinertrag des Synagogenchorkonzerts: leider mußten 20°/o der Bruttoeinnahmen für Eintrittskarten als Vergnügungssteuer abgeführt werden. So gehört auch die Vorschule zu der großen Zahl derer, die die Zweckmäßigkeit dieser Besteuerungsart in ihrer Anwendung auf Wohlfahrtsveranstaltungen nicht nur theoretisch beklagen. Der weitaus größte Teil des Bedarfs wurde durch eine Sammlung aufgebracht, deren Leitung in gewohnter hingebender Weise ein bewährter- Freund und Förderer der Schule übernahm. So konnte schon vor den Sommerferien mit den Arbeiten begonnen werden: über ihre zweckmäßige, sparsame Ausführung wachte der Herr Oekonom des Hauses tagtäglich mit vorbildlicher Treue und Sachkenntnis. Erst einige Wochen nach Wiederbeginn des Unterrichts war das Schulhaus wieder benutzbar: in der Zwischenzeit ermöglichte die Realschule in dankenswerter Weise die Aufrechterhaltung des Unterrichts. War das nun ein freudiges Staunen, als die Schüler wieder in die gewohnten Räume einzogen! Freundlich und hell das Aeußere des Schulhauses: Vorplätze und Treppenhaus in schön abgetönten Farben angelegt. Und gar erst die Klassenzimmer! Nicht mehr, wie früher üblich, die öde, grauweiße Kalkfarbe. Weiß glänzen die Decken, in den verschiedensten Farben leuchten die Wände. Man muß die natürliche Freude der Kinder gesehen haben, als sie nach einer kleinen Feier im Dorraume ihre Klassen wieder betraten, um neben allem anderen auch den hohen erzieherischen Wert der Neuherrichtung recht würdigen zu können. Im Schulhause verbringen viele von ihnen den größeren Teil ihres Tages, dort empfangen sie ein eindringliches Vorbild von Schönheit und Reinlichkeit. Schade, daß es in Vorplätzen und Klassen noch an dem heutzutage verhältnismäßig billig und dabei ohne Schwierigkeit nach bestimmten Grundsätzen zu beschaffenden Bild schmuck fehlt. Dann könnte die Schule noch weit mehr als jetzt den Sinn und die Empfänglichkeit für das Schöne wecken und pflegen. Wer. da von Luxusausgaben sprechen wollte, der sei auf das Hingewiesen, was S. R. Hirsch wie in allem so, auch auf dem Gebiete der Erziehung unser größer Wegweiser, im Pentateuch-Kommentar und anderwärts über die Bedeutung des ästhetisch Schönen in der Menschheitsgeschichte ausspricht. Von solchen Gesichtspunkten aus wird man den erzieherischen Wert des nicht nur durch Ordnung und Reinlichkeit. sondern darüber hinaus auch durch Schönheit der Ausstattung glänzenden Schulhauses wohl würdigen müssen. Zunächst allerdings muß für das Notwendige gesorgt werden. Der Schule fehlte bis jetzt ein Flügel, ohne den ein gesunder Gesangunterricht nicht erteilt werden kann. Der Reinertrag des Konzerts war in erster Reihe für diese Anschaffung bestimmt, und inzwischen konnte zu sehr mäßigem Preise ein gutes Instrument erworben werden. Wichtig und auf die Dauer kostenfparend ist auch die elektrische Beleuchtung des Hauses. Der größte Teil der Schulräume dient nachmittags und bis in den Abend dem Mädchenho rt und den Lernkursen. die sich sehr erfreulich entwickeln. Auch dem Schulunterricht selbst wird die neue Beleuchtungsanlage zustatten kommen, namentlich wenn einmal die Mittel zur Beschaffung eines modernen Lichtbilderapparats ausreichen, der heute für manche Unterrichtszweige fast unentbehrlich ist. Die Turnhalle bedarf neuer Geräte für gymnastische Uebungen. Die allerdringendsten Anschaffungen für Lehrmittel sind bereits vollzogen. Diel Notwendiges wurde zurückgestellt in der Hoffnung auf die Zukunft. Dringend not ist auch die Einrichtung einer Lernmittelhilfskasse, um bedürftigen Schülern die heute besonders schwer fallende Anschaffung der unentbehrlichsten Hilfsmittel für den Unterricht zu erleichtern. Ohne Bücher, Karten usw. ist der Unterrichtserfolg in vielen Fällen oft recht problematisch. Die Not der Schulkasse läßt es nicht zu. wie bei den öffentlichen Schulen, jährlich eine feste, Summe für diese Zwecke in den Etat einzustellen, mit der die Schulleitung, sei es noch so sparsam, Haushalten kann. Es mag ein wenig kühn sein, heute an eine über die dringendsten Tagesbedürfnisse hinausgehende, Kosten verursachende Aufbauarbeit zu denken. Aber in dem Maße, wie sich unter den Eltern die Erkenntnis verbreitet, daß die Volksschule als die Grundschule ihrer Kinder genau so ihre Schule ist wie ihre ältere Schwester,', werden sie sich anstrengen, sie auch würdig ausstatten zu helfen. Mögen die Zeiten wirtschaftlich noch so trübe sein: gerade in solchen Tagen hat der alte jüdische Optimismus sich am meisten bewährt: er wird auch jetzt bei allen großen und kleinen Gemeindefragen nicht versagen. St. Kinderecke. An die Kinder Frankfurts! Die Thora lädt ihre Freunde zu ihrem Jahresseste am letzten Festtage (mm rmraw) ein. Dürft Ihr Euch, liebe Kinder, zu ihren Freunden, also Eingeladenen zählen? Ja! Ihr lernt in Schule und Haus, die Knaben sicherlich auch noch in einem Jeschiwokurse oder sonst bei einem Schiur. Die Mädchen haben das Bestreben, soviel wie möglich aus der Thora zu erfahren, in der Schule, bei Vorträgen usw. Also seid Ihr alle Freunde der Thora und sreundlichst zu ihrem Jahresfeste eingeladen. Dieses Fest ist zunächst ein Fest der Synagoge. Aber darüber hinaus veranstaltet „K e r e n Hathora", der dazu da ist, alle -Lehrstätten der Thora zu unterstützen, am Simchasthoranachmittag 4 Uhr in der Aula der Realschule, Am Tiergarten, ein Thorafest für die Kinder, an dem alle jungen Freunde „aufgerufen" und

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