Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1925)
- Date
- 1925-09-24
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 4 Nr. 19 Der Israelit Blätter 24. September 1928 kann nicht Worte des Dankes genug finden für diese Arbeit. In der feierlichen Schlußsitzung sprachen alle leitenden Organe des Ihoratreuen Judentums durch ihre Vertreter ihren Dank aus. Und bei der rührenden Abschiedsfeier der Lehrerinnen im Mondeslicht auf den Holzbänken unter den Fichten war es wie ein Symbol, daß der Mond, der Regler des jüdischen Jahres, in ergreifendem Schweigen dem Werk seinen Segen aus Himmelshöhen spendete. Wir sind sicher, daß in den nächsten Jahren schon die Früchte reifen werden, deren Leime in Robow in den Boden gesenkt wurden. Den wahren Dank für das Geschehene wird erst die Zukunft zeitigen. Die letzte Nacht in Robow. Es hatte den ganzen Tag hindurch geregnet. Der Himmel paßte gut zu der allgemeinen Stimmung. Abschiedsstimmung. Der letzte Tag ging zur Neige, die letzte Lektion war zu Ende. Sie hatte uns mit den 15 Stusengesängen des Psalmen höher und immer höher getragen. Wehmut erfaßte das Herz, aber die Wehmut darf nicht vorherrschend Platz greifen, denn wir wollen ein fröhliches Abschiedsfest feiern. Es war noch am Vorabend recht lustig. Nun war es Nacht, die letzte Nacht in Robow. Die Lehrerin aus Frankfurt sagt: „Kinder, wir wollen noch einmal zu unseren Bänken dort im Walde." Die Parole wird befolgt. Im Zuge begibt man sich nach dem Walde, und bald nimmt jede ihren gewohnten Platz auf einer der Holzbänke ein. Von zwei Bäumen zu beiden Seiten werfen zwei kleine Taschenlaternen ein blasses Licht auf die Klaffe. Es ist wie ein Märchen, ein Sommernachtstraum, in dem alles oben und unten und ringsum, der volle Mond, der rauschende Bach und die von leisem Nachtwinde bewegten Bäume, Leben bekommen. Cs ist die letzte Nacht in Robow. Auf der Estrade wird das Gesicht unserer Lehrerin sichtbar. „Schwestern," sagt sie zum Abschiede, „ihr seht, wie fest uns die kurze Zeitspanne zusammengeschloffen hat. Es ist die Macht der Idee, die uns zusammenhält. Unsere Trennung ist nur eine räumliche, im Geiste bleiben wir beisammen." Dann spricht sie über Hanna in der Bibel, die Schofartöne, über die Bedeutung von Zedoko und des kommenden Jom Hadin. Flammende Begeisterung leuchtet in aller Augen und bricht sich in Tränen durch. Es sind noch kaum die gleichen Mädchen, die erst vor einer Stunde so lustig und ausgelassen ihr Fest feierten. Alle sind nur von einem Gedanken beherrscht: Wie schön wäre doch ewiges Beisammensein in den grünen Auen und Feldern im Anblicke der Berge Judäas in Jerusalem! „Und wegen unserer Sünden wurden wir aus unserem Lande vertrieben." Run bedarf es der Arbeit, der geiistgen und körperlichen, um das verlorene Gut wieder zu gewinnen. Robow ist der Vorgeschmack des neuen geheiligten Lebens auf geheiligtem Boden. „ ., Die verehrte Jinitiatorin, Frau Schemrer, spricht noch einige Worte, darauf hinweisend, daß es gerade zehn Jahre her sind, daß die -pv' ma-Idee bei ihr erwachte. Eine Schülerin spricht in schönen Worten den Dank an die geehrte Lehrerin aus, die keine Mühe noch Arbeit scheute und aus weiter Ferne hierher eilte, um ihren östlichen Schwestern geistige Hilfe zu reichen. Dann spricht eine Lehrerin aus B e n d z i n. Sie ermahnt die Schülerinnen, nunmehr alle Kräfte für die heiligen Bejs Jakow-Jdeale einzusetzen und den westlichen Schwestern zu zeigen, daß sie nicht umsonst mit ihrer geistigen und materiellen Hilfe zu uns gekommen sind. „Nicht mit Tränen, sondern mit frohen Liedern verlassen wir die Stätte, wo wir in sechswöchiger Arbeit, uns selbst umgearbeitet haben." Und aus 60 jüdischen Kehlen erhebt sich der harmonische Gesang: „Emes ist unsere Tauroh." Jüdische Mädchen, fest entschlossen, jüdische Pionierarbeit zu leisten, singen Thoralieder. Und oben leuchtet der blasse Mond. Es raunt der Bach und es rauscht in den Wipfeln der Bäume. Es sind die stummen, ewigen Zeugen eines festen jüdischen Entschlusses! Nach der Mürzburger Tagung. Was war das Faeit des Bundes- und Delegiertentages in Würzburg? Diese Frage überlegte ich mir aus der Rückreise und kam zu dem Resultat, daß, wie auf allen unseren agudistischen Tagungen, auch hier in Würzburg für die Referate zu viel Raum gelassen war und so zu wenig Zeit übrig blieb, um viele wichtige praktische Organisationssragen zu behandeln. Und doch waren eigentlich alle nach Würzburg gekommen, um durch reichlichen Gedankenaustausch neue Impulse zu intensiver praktischer Aguda-Arbeit zu erhalten. So wurde u. a. die auf jeder unserer Aguda-Tagungen, auch in Würzburg auftauchende Pressefrage zu flüchtig berührt, um den Ernst eines der größten Mängel genügend empfinden zu lassen, der unserer Organisation anhaftet. Und vielleicht wäre die einhellige Stimme der Jugend im Stande gewesen, unseren G. A. anzuspornen, baldigst in dieser Beziehung Remedur zu schaffen. Denn ein einheitliches offizielles, absolut orientierendes Organisationsblatt, für Kreise, denen der hebräische „Haderech" nun einmal unverständlich ist und noch wohl auf Jahrzehnte unzugänglich bleiben wird, tut bitter Not. Ebenfalls läßt auch die diskussionslose Annahme der von Herrn Dr. Robert Weiß, nach seinem vorzüglichen Erez Jiroel-Referat, eingebrachten Resolutionen erwarten, daß auf dem nächsten Delegiertentag wieder festgestellt werden muß, daß auf diesem Gebiete nicht mehr geleistek worden ist, als bis heute. Aus den Vorwürfen, die die Stadt- und Landgruppen einander machten, ging hervor, daß Berlin, wo doch bewährte Agudoführer arbeiten, nur auf sozialem Gebiete — was allerdings notwendig ist — Agudo-Praxis übt. Oder ist damit die Tätigkeit erschöpft, um der Agudas Jisroel die Jugend zuzuführen? Wo liegt der Fehler? Meiner bescheidenen Meinung nach darin, daß unsere großen Führer unseren Schwesterorganisationen im Osten sosehr ihre Kraft widmen und daß für die dortigen — selbstredend wichtigen — Probleme so sehr ihr Denken und Trachten absorbiert wird, daß sie die Gefahren, welche unserer Organisation in West- Europa, nicht zu mindest in Deutschland, drohen, kaum beachten können. Die Debatte, welche über die „Esra" geführt wurde, hat dies m. E. zur Genüge bewiesen. Ich erachte es deshalb für notwendig, um der Stagnation, der Verständnislosigkeit und Jnteressenlosigkeit, die noch in hohem Maße im „Westen" herrscht, entgegenzuarbeiten und namentlich die Heranwachsende Jugend für unsere Ideale Nsn naitf? zu begeistern, daß unsere Führer in weit größerem Maße als bis anhin, sich den verschiedenen Landesverbänden widmen und es sich persöniich angelegen sein lassen, in unseren westeuropäischen Organisationen, nicht nur die Aguda-Jdee immer mehr zu festigen und zu vertiefen, sondern auch für die Ausweckung zur praktischen Aguda-Arbeit einen stets kräftigeren Resonanzboden zu schaffen. M. D. L e w e n st e i n, Zürich. Aus der Bewegung. Berlin. Hier ist der Keren Hathora nach den einzelnen Synagogen und Boteemidroschim getrennt organisiert worden. Jede dieser Synagogen bildet ein Bezirks- Kommissariat, und sämtliche Bezirke werden zu einem Keren Hathora-Kommissariat Groß-Berlin verbunden. Sowohl die Rabbonim der Adatz Jisroel als auch fast alle gesetzestreuen Rabbinen der „Jüdischen Gemeinde" Berlin haben ihre Mitarbeit freundlich zugesagt. Frankfurt a. 211. Am 3. d. Mts. sprach Wolf S. Jacobson im geschlossenen Damenzirkel über die Bees Jaakow- Bewegung und fand Verständnis und Liebe für das bedeutungsvolle Werk. Darmstadt. Nach gutbesuchtem. Wolf S., Jacobson'schen Vortrag, dessen Wirkung von gehaltvollen Ansprachen der Rabbiner Dr. MerKach und Wassermann vertieft wurde, sind 35 Mitglieder dem K. H. K. beigetreten. Hamburg. Neue Keren Hathora-Kommiffariate' sind jüngst gegründet worden in Hersfeld (50 Mitglieder), Guxhagen und Marburg. Zürich. Am 29. August fand die Generalversammlung der Agudas Jisroel Jugendgruppe Zürich statt, die trotz des Seenachtfestes überaus gut besucht wurde. Punkt 9 Uhr eröffnete Herr stud. med. Heiselbeck die Versammlung und gab in kurzen Ausführungen eine genaue Uebersicht über die Tätigkeit und Leistungen der Agudas Jisroel Jugendgruppe. Als besonders erfreulich, betonte er die Erstarkung der Jugendgruppe, der es zu verdanken fei,, daß das aufgestellte Programm in beinahe vollem Umfange ausgesührt werden konnte. An Stelle des zurückgetretenen.Präsidenten, der verschiedener Verhältnisse halber eine Wiederwahl nicht annehmen konnte, wurde Herr Meier Lewenstein einstimmig zum Vorsitzenden gewählt. Als weitere Mitglieder des Vorstandes wurden gewählt: die Herren stud. phil. Wald, Robert Goldfchmidt, Kürt Rothschild, Jacob Eitz. Wennn auch die Wahlen selbst sowie die Bestellung der verschiedenen Kommissionen in angemessener Zeit erledigt wurden, gab der weitere Punkt der Tagesordnung zu längeren Debatten Anlaß. Eine Anregung des Herrn stud. phil. Wald, eine schweizerische Jugendkonserenz der Agudas Jisroel einzuberufen, wurde insofern angenommen, als beschlossen wurde, dahin zu wirken, daß jeweils vor Abhaltung des schweizerischen Delegiertentages der Agudas Jisroel eine Jugendtagung vorangehen soll. Des Weiteren wurden Schiurim- und gemütliche Abende festgesetzt. Die Frage über die zu veranstaltenden Vortragsabende mußte dem Vorstände zur Entscheidung überlassen werden, da sich eine Strömung geltend machte, Vortragsabende orthodoxer, politisch parteiloser Richtung zu berücksichtigen. Der Vorstand gibt hiermit bekannt, daß die Vor-: lesung über "Jüdische Literatur", vorgetragen von Herrn Dr. Lewenstein Dienstag nach Sukkaus, also am' 24 Oktober, 8 Uhr abends, wiederum beginnen und als- ' dann regelmäßig weitergeführt wird. Jeden Schabbos nachmittag findet ein Gemoroh Schiur, vorgetragen von . Herrn stud. phil. Wald statt. Beginn jeweils 2% Uhr. Baden. Die Reorganisation der Iugendgruppen Baden-Luzern hatte sich als notwendig erwiesen und wurde nun auch durchgeführt. Bei . dieser Gelegenheit wurden in beiden Städten noch Jungjugendgruppen ge-; gründet. Wir werden darüber noch berichten. Basel. Im Lokale der Schauinre Thora in Basel fand die konstituierende Versammlung der Agudas Jisroel - Jugendgruppe statt. Herr Elias Sternbuch hielt ein kurzes Referat „Die Aufgaben der Gegenwart" betitelt, in der er Entstehung und Entwicklung der Agudas Jisroel Weltorganisation würdigte und die heutige Lage derselben beleuchtete. Alsdann sprach Herr M. W.. Lipschütz über „Die Pflicht der heutigen Jugend", mit'besonderer Berücksichtigung der schweizerischen Verhältnisse und vermittelte die tieferen Gedankengänge der Aguda. Nach Anhörung beider gutausgenommener Referate schlossen sich alle Anwesendem etwa 25 an der Zahl, der reorganisierten Jugendgruppe an, woraus auch sofort die Kommission bestellt wurde, an deren Spitze Herr Sal. Feldinge.r steht. Die reorganisierte Jugendgruppe hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihre Mitglieder über die Lage der Aguda stets auf dem Laufenden zu halten und für die Institutionen der Aguda intensiv zu arbeiten. Ihre Zahl ist inzwischen bedeutend gestiegen. Genf. Die hiesige Ortsgruppe der Agudas Jisroel benützte die Anwesenheit des Herrn Konsul Sally Güggenheim-Basel, um ihn zu einem Vortrage zu gewinnen. Der Propagandavortrag wurde auch sehr gut besucht und ernteten seine Ausführungen reichen Beifall. Sein Verlangen um Gründung einer Talmud-Thora, um die Jugend der Thora zu erhalten, wird in Bälde in die Tat umgesetzt sein. Krakau. Am Samstag, den 15. Ellul und 23. Cllul hielten Fräulein Judith Rosenbaum aus Frankfurt a. M. und Fräulein Betti Rothschild aus Zürich vor zahlreichem Publikum inhaltreiche religiöse Vorträge, die großen Beifall fanden. Die Vorträge haben zur Erweckung wahrhaftiger jüdischer Gesinnung in den Kreisen der hiesigen Frauenwelt sehr viel beigetragen. Glückwunschablösungen zu Rösch Haschonoh. Danzig: S. . Goldhaber. — M. Lubard. — Jak. Munwes. — 6. Nachmannsohn. — E. Nachmannsohn. — L. Nachmann. Freiburg i. B.: Joseph Dreifuß. — Moses Kahn. — Sig. Kaffewitz. — I. Picard. — Jacob Scherf. — Prof. Dr. Löwy. Halberstadt: Lifette Ascher. — Rabbiner Dr. Auerbach. — Josef Bachmann. — Max Baer. — Samuel Baer. — Josef Baer. — Rosa Baer. — Justin Berliner.— Frau L. Berlin. — Louis Cohn. — Lehrer Eschwege.— Rabbiner Dr. Phil. Frankl.'— Bernhard Frank. — (Bott* fried Goldschmidt. — Siegfried Helisch. — Albert Jacobsohn. Albert Josel, — Jacob Königshöfer. — Markus Koschland. — Hermann Nuhbaum. — Jsak Nußbaum. — Joses Nuhbaum. — Pick. — Moritz Reichenbach. — Fabian Senior. — Rabbiner Dr. Schlesinger. — Siegm. Strauß. — A. Tannenberg. — Leop. Tarlöwskh. — Meier Wieger. Nürnberg: Familie Moses Halle. — Familie Max Halle. — Frau Toni Hofmann. tnufvuf. Noch ist der tragische Tod -es vor 5 Jahren von einem polnischen Standgerichte zum Tode verurteilten und erschossenen Nabl>iners8ekapiva vvnTlohb in allgemeiner Erinnerung. Der unglücktiche Mann hatte an. einem Balkonfenster in lebhafter Bewegung fein Mincha-Gebet verrichtet und war dümufhin beschuldigt worden, den Bolschewisten verräterische Zeichen gegeben zu haben. Das noch immer schwebende Wiederaufnahmeverfahren zieht sich ins Unendliche : hin und wird ' immer wiedör vertagt. Inzwischen ist die unglückliche Witwe des Erschossenen. die mit 7 unvetsorgten Kindern verlassen dästeht. auch wirtschaftlich ein Opfer der polnischen Krisis geworden. Sie ist, mit warmen Empfehlungen des L o d z e r R a b b i - ' n a t s ausgerüstet, nach Deutschland gekommen» um sich ein kleines Kapital zur Wiedereröffnung eines' kleinen Geschäftes zu beschaffen. Die deutschen Inden werden sich ' trotz eigener Not diesem Liebeswerk an den Hinterbliebenen eines Märtyrers, der als Jude gestorben ist, nicht entziehen.' Wir find bereit, Spenden in jeder Höhe enkgegenzünehmen Unter der Bezeichnung: «Für Ftcku Rudel Schapiea" Frankfurt a. M., r'snn n:wn ins* 1)ec!fagdes„9seae(t(<,S.m.6 J.