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Der Israelit · 1925-09-24 · Heft 39 (24.9.1925) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 39 (24.9.1925)
Date
1925-09-24
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
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Nr. 39 Seite 13 24. September 1925 Brief aus Palästina. Feuerschaden. — Dritte und vierte Alijay. — Das Kongretzö schiff. - Lord Plumer. I e r u salem, 10. September. Eine große Feuersbrunst in der Jaffaer Altstadt richtete viel Schaden an'und vernichtete viel jüdisches Gut. Die Jaffaer Polizei und Feuerwehr versagte vollkommen und ließ das Feuer große Dimensionen an- Ukhmen, bis sie sich endlich, von den Bewohnern gedrängt, entschloß, die Administration. und Feuerwehr von Te!-Awiw zur Hilfe herbeizurusen. Erst jetzt konnte das Rettungswerk in geordneter Weise einsetzen. Mehrere jüdische Geschäfte und Fabriken sind bis auf den Grund i abgebrannt. In einer der letzteren gab es eine Explosion, 1 die die Verwirrung noch vermehrte. In den palästinensischen Zeitungen hat sich eine scharfe Aussprache entwickelt über das Los und die Stellung der Einwanderer aus der sogenannten „vierten Alijay , die! von den früher Eingewanderten etwas scheel und mit I Verachtung, ja als „Landfremde" angesehen werden. Es I wird den Eingewanderten aus der dritten Alijah vor- I geworfen, daß sie sich als alleinige Herren des Landes I gebärden und am liebsten nach dem System des „numerus clausus“ mit ihren Nachzüglern verfahren möchten. Es wird gewarnt vor dieser Trennung und eher eine Samms lung nach Landsmannschaften empfohlen. Dieser letztere Borschlag gewinnt an Bedeutung angesichts der Tatsache, daß man bislang in diesen Kreisen, der Chaluka die Sammlung nach Landsmannschaften zum Hauptvorwurs machte. Uebrigens fehlen in den Artikeln über die Rivalitäten zwischen der dritten und vierten Alijah greifbare Angaben, die diese Ungeheuerlichkeit belegen könnten. Für die Kongreßteilnehmer von Palästina war von der „Palästina Expreß" eine gemeinsame Fahrt auf dem Schiff „Cornelia" organisiert, und in reklamenhaften Versprechungen konnte man schon lange Monate vorher über alle Bequemlichkeiten und Herrlichkeiten der Fahrt lesen. Prof. Nahum S l u s z, der Kongreßberichterstatter des „Doar Hajom" stellt der Schiffsgesellschaft gerade kein glänzendes Zeugnis aus, aber noch weniger den zionistischen Organen, die diese „echtjüdische Gesellschaftsiahrt" angeregt und vorbereitet hatten. Der Berrchti Schalter geht mit einem Nebensatz über die „rituelle I Küche" auf dem Schiff hinweg, die wohl versprochen s aber nicht geführt wurde, so daß auch „die Frömmsten der Frommen es mit dem Koscheressen nicht genau nehmen konnten." Auch darüber mag er nicht viel sprechen, daß der versprochene B e t s a a l in Wahrheit eine rauchgefüllte Ecke auf dem schmutzigsten Teile des Oberdecks gewesen ist. Dagegen Beschwerde zu erheben, überläßt er den Mitreisenden Vertretern der Orthodoxie und den vielen Offiziellen, die sich aus dem Schisse befanden. Er erhebt Klage darüber, daß die Schiffsgesellschaft auch in allen anderen Beziehungen von ihren Versprechungen wenig gehalten hatte. 357 Reisende waren zu viel für das kleine Schiff, das von Triest nach Jaffa nicht mehr wie 210 Mann mitnehmen durste. Aus Mangel an Ladung schaukelte das Schiff auf der stürmischen See gewaltig und verursachte schwere Seekrankheiten auch bei l dm sonst Seefestesten. Die Führer hatten eine Aktion ein- . geleitet, um die Schwachen und Kranken in Alexandria auf einen anderen Dampfer umzuschisfen. Sie waren aber die ersten, die im Hafen von Alexandria das Schiff verließen und sich nicht mehr blicken ließen. Die anderen konnten die Umschiffung wegen des erhöhten Preises nicht ermöglichen. 17 Betten der zweiten Klaffe waren dreifach, an 42 Reisende, verkauft worden. Es ist dies die Einleitung für den Kongreßbericht des bekannten Professors Nahum S l u s z, dessen Angaben gewiß als zuverlässig geltrn dürfen, bis freilich auf diejenige von den "Frömmsten der Frommen", die sich angeblich über die Kasthrusgesetze hinwegsetzten. Es werden es wohl viele getan haben, aber zu den Frommen gehörten sie nicht. Sie hätten sonst wohl vor Antritt der Reise erst.Erkundigungen in dieser Hinsicht eingezogen und sich nicht auf die Schiffsgesellschaft oder auf die zionistischen Reisebüros verlassen. Der Empfang Lord Plumers in Palästina brachte b>e lleberzeugung, daß mit dem Personenwechsel kein Syftemwechfel eingetreten ist. Bei der Bgerüßung in Tel- und in Jerusalem, das übrigens im Fahnenschmücke prangte und noch festlicher aussah als bei dem Empfange Samuels, betonten die jüdischen Vertreter das Manbat und die Hoffnungen der jüdischen Bevölkerung auf _D er Israelit jdie mändatsfreundliche Politik Plumers, ohne damit einen Protest von Seiten der Araber hervorzurufen. Die Erwiderungsreden Plumers waren englisch reserviert, aber durchaus sympathisch. Die Araber bestürmen den neuen Oberkömmissar mit allerlei Petitionen und Interpellationen, die sich in der Hauptsache auf Amnestie für Araber, die wegen politischer Vergehen oder. antizionistischer Ausschreitungen in Haft sitzen, erstrecken. Gegen eine Erfüllung dieser Wünsche bei genügender Sicherheit für die Zukunft wird auch von jüdischer Seite nichts einzuwenden fein. . Aus der jüdischen Stadt. (Bon unserem Korrespondenten). Tel-Awiw, 13. September. In Tel-Awiw macht sich ein Mangel an Wohnungen bemerkbar. Trotz der starken Baubewegung in Tel-Awiw, wo monatlich zirka hundert neue Häuser aufgestellt werend, ist doch ständig Mangel an Wohnungen, und die Wohnungspreise sind sehr hoch. Der große Wohnungsmangel läßt sich damit erklären, daß der größte Teil der Einwanderer, die monatlich die Zahl von etwa 3 bis 4 tausend Personen ausmachen, in Tel-Awiw bleiben.. Es ist ja selbstverständlich, daß trotz der rapiden Schnelligkeit, mit der Tel-Awiw wächst und sich ausbaut, es unmöglich ist, für die tausenden Immigranten, die monatlich kommen, Wohnungen herzustellen. Aus diesem Grunde sind hier auch die Wohnungspreise sehr hoch. Eine ganz bescheidene Wohnung von zwei Zimmern und Küche kostet hier 7 bis 8 Pfund monatlich. Tel-Awiw wird deshalb noch im Verlauf von mehreren Jahren eine große Häuserbaubewegung haben, und Häuser gelten hier vorläufig als die beste Kapitalsinvestierung und sicherste Einkunftsquelle. Die Baubewegüng in Tel-Awiw würde bedeutend größer fein, wenn der Mangel an Krediten nicht so sehr fühlbar wäre, der sehr stark die Häuserbaubewegung beschränkt/ Die Industrie in Tel-Awiw ist bis jetzt noch sehr schwach entwickelt. Es gibt hier zwar eine ganze Anzahl kleine Fabriken, sie beschäftigen aber sehr wenige Arbeiter. Man kann sagen, daß fast 70' Prozent der Tel-Awiwer Bevölkerung von der Baubewegung lebt, denn außer den Arbeitern, welche beim Vau selbst beschäftigt sind, haben auch viele Arbeiter Beschäftigung bei der Herstellung von Baumaterialien, wie Ziegel, Blocks usw. Mehrere hundert Familien des alten und neuen „Aulim" verdienen ihren Lebensunterhalt als „S i f s i f"- Führer. Sifsit sind kleine Sternchen die am Meere gegraben und auf Kamelen in die Stadt gebracht werden. Der „Sifsif' wird mit Zement gemischt und daraus werden Ziegel hergestellt. Bis vor einigen Jahren war den Juden der Verkehr mit den Kamelen noch ganz fremd. Der Jude hat es nicht verstanden, mit den Kamelen umzugehen, sie zu pflegen, richtig zu füttern ufw. Kaufte ein Jude ein Kamel, so erkrankte es kurze Zeit darauf und verendete. Sich der Kamele zu bedienen, war daher ausschließlich Sache der Araber. Mit der Zeit aber haben auch die Juden gelernt, wie die Kamele zu behandeln sind, und das Führen von „Sifsif" auf Kamelen wurde eine Verdienstquelle für viele südliche Familien. Letzhin jedoch sind viele Beduinen aus entfernt liegenden Gegenden nach Tel-Awiw gekommen und haben die Stadt mit ihren ungeheuer vielen Kamelen üb,rfchwemmt. Tel-Awiw wurde zu einer Lagerstätte der Beduinen und durch die Straßen ziehen tagsüber ganze Karawanen von Beduinen mit ihren langen Scharen Kamelen, mit „Sifsif" beladen. Die Beduinen können natürlich durch ihre billigeren Preise stark mit den Juden konkurrieren, und die Juden werden allmählich von dieser Arbeit verstoßen. Es ist schon so weit gekommen, daß viele Juden ihre Kamele wieder verkauft haben und arbeitslos geworden sind. Wenn wir nun auch noch bedenken, daß die Bauunternehmer ihre Wohnungen später nicht an Beduinen, sondern an Juden vermieten, und daß die Beduinen, die wöchentlich tausende von Pfunden verdienen, das Geld dann nach auswärts führen werden, während die jüdischen Besitzer von Kamelen das Geld in Tel-Awiw ausgeben, dann wird jeder begreifen, von welch großer Bedeutung es ist, diese Sache zu regeln. Diese Woche war in der Tel-Awiwer „Jrija" (Stadtgemeinde) eine Beratung der jüdischen Kamelenbesitzer mit den Bauunternehmern. Es wurde beschlossen, einen Höchstpreis für „Sifsif" zu bestimmen, und ein Büro zu eröffnen, wohin alle Bauunternehmer, die. „Sifsif" brauchen, sich wenden sollen Der Handel in Palästina ist sehr schwach entwickelt; denn der Bedarf der unkultuvierten arabischen Landbevölkerung ist sehr gering, und die Araber, die ihre Produkte aus den Markt bringen, kaufen nichts in der Stadt, sondern verstecken ihr verdientes Geld irgendwo in der Erde. Der Handel in Erez Jisroel liegt zum größten Teil in den'Händen der Araber und die arabischen Kaufleute sind solche tüchtige Geschäftsleute, daß sie die polnischen Juden mit ihren patentierten Handelsfähigkeiten übertreffen. Im Verlauf der letzten Monate hat die Einwanderung aus Rußland sich sehr verstärkt. Vorige Woche ist das Schiff „Lenin" hier angekommen, das einige hundert Immigranten aus Rußland brachte. Es ist eine Tatsache, daß alle Bodenkäuse in Erez Jisroel nur im Westen und Norden des Landes nahe der Gegend Jaffa—Tel-Awiw—Chaifa—Galil vor sich gehen, und der Südosten von Erez Jisroel, der in früheren Zeiten zum Stamme „Jehuda" gehörte, ist von Juden ganz verlassen. In der Gegend von Jerusalem bis Hebron und weiter befindet sich nicht einmal ein Dunam Boden in jüdischen Händen, trotzdem der Boden dort an vielen Stellen als sehr fruchtbar gilt und nicht viel kostet. Der Grund hierfür ist darin zu suchen, daß dort die erste jüdische Siedlung fehlt (Hebron hat eine kleine jüdische Bevölkerung) und die neuen Einwanderer wollen sich nur in Gegenden niederlassen, wo schon eine bedeutende Anzahl von Juden vorhanden ist. Eine Gruppe orthodoxer Juden aus Polen kaufte vor einigen Monaten auf dem Wege von Jerusalem nach Hebron einen hinter Beth-Lehem gelegenen Bodenkomplex von ca. 4000 Dunam zum Preis von 2.80 Pfund. Wie mir einige Mitglieder der genannten Gruppe mitteilten, beabsichtigen sie< in kürzester Zeit den Boden zu besiedeln und dort eine Milchwirtschaft einzuführen. Wenn dieser Versuch in jener Gegend gelingt, dann wäre der erste Schritt zu einem jüdischen Jischiwo in „Jehuda" getan. Allerlei aus Palästina. Jerusalem, 48. September. Ein Tel-Awiwer Prozeß, der sich zurzeit vor dem Oberrabbinat abspielt, verdient einiges Interesse. In amerikanischen Zeitungen ist vor kurzem ein Artikel aus Tel-Awiw erschienen, der ein wenig in die Verhältnisse dieser jüdischen Stadt hineinleuchtet und den religiösen Anarchismus in einem bestimmten Teile der Jugend brandmarkt. Die Herren von Tel-Awiw fühlten sich geschädigt und beleidigt und strengten gegen den Verfasser des Artikels Klage beim Oberrabbinate an. „Kol Jisroel" stellt zwei Fragen, die erste an die Kläger, die zweite an das Rabbinat. Die Kläger, die die unerträglichen Zustände wohl kennen, sollten doch den Mut haben, dies vor der Oeffentlichkeit zuzugeben. Dem Rabbinate aber würde es nach „Kol Jisroel" eher ziemen, gegen die Religionszerstörer energisch einzuschreiten, als gegen diejenigen, hie in ihrer Gewissensnot die Flucht in die Oeffentlichkeit ergreifen. Aus dem Berichte des Völkerbundes ist zu ersehen, daß in der jüdischen Auswanderung aus Polen Palästina als Ziel den ersten Platz einnimmt. Im abgelaufenen Jahre find 7524 Juden aus Polen nach Palästina ausgewandert, nach Argentinien 5590 und nach den Vereinigten Staaten Amerikas 4290. Am letzten Dienstag verstarb hier infolge eines Straßenunfalls Rabbi Abraham Eds, ein Frommer und Gelehrter aus dem alten Jerusalem. Rabbi Eds galt als Gaon und Kenner der Kabbala und fein ganzes Leben war eine ununterbrochene Kette von frommen Handlungen und Wohltaten. Er hielt sich von Politik fern und ging jeder Ehrung, wie überhaupt der Oeffentlichkeit gern aus dem Wege. An der Bestattung nahm eine große Menge aus den Kreisen der Sephardim wie Ajchkenasim teil. Der Bahre voran schritten Zöglinge ver Agudaschulen. Am Grabe hielt Oberrabbiner Rabbi Sonnenfeld ergreifenden Hesped. Personalien. kihingen, 14. September. Herr Distriktsrabbiner Dr. Wohlgemuth hat den ehrenvollen Ruf an die Berliner jüdische Gemeinde nicht angenommen, wie ursprünglich gemeldet war, sondern abgelehnt. Kitzingen. 15. September. Der Abend des 10. September gestaltete sich für die israelitische Kultusgemeinde Kitzingen zu einem Festabend. Galt es doch, das 26. Amts-

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