Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1925)
- Date
- 1925-09-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 Nr. 39 die Früchte seiner schweren Mühen zu genießen. So hatte ihm Kaiser Wilhelm l. jahrelang aus seiner Privatschatulle eine ansehnliche jährliche Bonifikation überweisen lassen, die auch von Lessen Nachfolgern weiter gewährt wurde. Anläßlich der Feier des 50 jährigen Lehrerjubiläums am 22. Januar 1894 verlieh ihm Kaiser Wilhelm H. den Kronenorden IV. Kl., bei dieser Feier wurden dem großen Gelehrten Glückwünsche und Ehrengaben seitens vieler jüdischer Organisationen und Großgemeinden wie Berlin, Frankfurt, München, London, Kopenhagen, Breslau, 'Köln u. v. a. zuteil. Am 15. Nov. 1876 hatte ihn die philosophische Fakultät Leipzig zu ihrem Ehrendoktor ernannt, im Jahre 1877 wurde er ordentliches Mitglied der deutschmorgenländischen Gesellschaft, und im Juni 1882 Ehrenbürger seiner Vaterstadt Biebrich. Auch nach seiner Versetzung in den Nuhestand 1894 arbeitete Vaer noch wissenschaftlich weiter, bis der am 27. Februar 1897 eingetretene Tod ihm die Feder aus der Hand nahm. Seine am 2. März erfolgte Bestattung be- . deutele ebenfalls eine große Ehrung für den Verstorbenen. Und nun nach 28 Jahren — am 100. Geburtstag des Großen — wird Biebrich seinen für die Wissenschaft unsterblich gewordenen 'S. Baer dadurch ehren, daß man an seinem Eeburtshause eine Gedenktafel aus Marmor anbringen wird, die jedem Vorübergehenden sagen soll: Hier wurde einst ein Großer und Frommer geboren, dessen Andenken für ewige Zeiten gesichert ist. ♦«21*? p'22 N21 Nachtrag: Von Interesse dürfte die Grabinschrift sein, die einst der Freund Baers, Prof. Dr. Berliner, verfaßte. Sie lautet: rs jinaDnV nanp irwTtp QDn 'imiaja rrn pnx D">« .irw'bn 82 7>V 2V 'imyV «222 j?2X 221» ♦EPppta V'pV2D 'v'2p'1 v'22 'd'2sv 22N 81N ,.121N 'V?»1N nv&n bv "mioan* »* '.22*120 PV21 ÜVV 21V2 12»Q -N218N N82' 8^1 V'21N22 8221 Rinderecke. Jehuda Halevi. Von Heinrich Reutz. (Fortsetzung). Jehuda Halevi war diese Bekehrung eines großen Königs und mächtigen Volkes nicht zur mohammedanischen oder christlichen, sondern zur unterdrückten jüdischen Religion ein willkommener Anlaß, alle seine hohen und tiefen Gedanken über eben dieselbe Religion in der Form eines Zwiegesprächs zwischen Bulan und einem jüdischen Meister (Sangari) darzulegen: Der Götzendiener Bulan hörte im Traume: „Deine Gesinnung ist gut, aber Deine Handlungen sind verwerflich!" Um die richtige Gottesverehrung zu erfahren, befragte Bulan einen Weltweisen (Philosophen). Dieser antwortete ihm, der hocherhabene Gott kümmere sich nicht um die einzelnen Menschen und ihr Tun. Diese Antwort befriedigte den König nicht. Er wandte sich deshalb an einen Christen und hierauf an einen Moslem. Die Vertreter der beiden Religionen erkannten nach der Lehre Moses Gott als den Weltenschöpfer an. Der Christ verlangte aber den Glauben an den zum Menschen gewordenen Sohn Gottes, an einen dreieinigen Gott. Der Moslem forderte noch den Glauben, daß Mohammed das Siegel der Propheten fei; denn kein anderer Mensch wäre im Stande, ein so treffliches Buch, wie den Koran, zu verfassen. Bulan konnte aus innerer Ueberzeugung die Lehren der beiden Religionen nicht gutheißen, weil sie sich nicht mit dem Verstände vertragen, Der Israelit und weil sie nicht durch Beweise gestützt werden konnten, denen sich die Vernunft unterwerfe. Christ und Moslem hatten sich beide auf die Lehre des Judentums, die Thora, berufen und sie als wahr anerkannt. Darum holte er auch noch die Auskunft eines Juden ein, obwohl er von einer solch verachteten Nation nichts Vernünftiges erwartete. Der jüdische Meister zog aber durch die jüdische Lehre den König so in den Bann des Judentums, daß er sich ihm gefangen und zu eigen gab. Er (Sangari) erklärte: „Ich glaube an den Gott meiner Väter, die er unter herrlichen Wundern aus Aegypten in das Land Kanaan geführt und denen er Propheten gesandt hat. Dieser Glaube bedarf keines Beweises. Ein ganzes Volk war Augenzeuge dieser Wunder und Tatsachen. Darum hat auch die Philosophie (das vernünftige Denken über die Welt) nicht das Recht, die Erlösung Israels aus Aegypten, die Offenbarung auf dem Sinai und die späteren göttlichen Sendungen anzuzweifeln. Die Weltweisheit ist nicht im Stande, die höchsten Fragen des Lebens, das Dasein und das Wesen Gottes und die Erschaffung der Welt zu lösen. Das. Judentum verträgt sich sehr wohl mit der Vernunft, weift diese aber in ihre Grenzen zurück, weil es andere Beweise der Gewißheit besitzt. Daß es einen Gott gibt, das beweist die Offenbarung dieses Gottes auf dem Berge Sinai. Nach der Ossenbarungslehre ist Gott auch der Schöpfer der Welt und des ersten Menschen. Adam, von Gott geschaffen, besaß die höchste menschliche Vollkommenheit und vererbte sie auf seine geeigneten Nachkommen, besonders auf Abraham. Von diesem Stammvater geht die angeborene Tugendhaftigkeit auf Israel über. Das Volk Israel ist das Herz und der Kern der Menschheit. Er allem war befähigt für die göttliche Gnade der Prophetie. Die Propheten bist deten eine Zwischenstufe zwischen Menschen und Vorzüge Israels war das durch Gottes Gnade bevorzugte Land Kanaan. Das geeignete Mittel aber, Israel fort und fort zum Träger der Offenbarung zu machen, waren die Gebote und Verbote Gottes, besonders die Priester--. Tempel- und Opfergesetze, über die der menschliche Verstand nicht grübeln darf. Den Kern des Judentums bilden nicht die Pflichten der Sittlichkeit und die Vernunftgefetze, sondern die Religionspslichten, die allein das göttliche Licht in Israel erhalten. Ein frommer Jude flieht nicht die Freuden der Welt, verabscheut nicht das Leben, sondern ist ein gerechter Herrscher über die Genüsse der Welt,, über seinen Körper und Geist. Das Knechtesleben Israels ist kein Beweis für feine Hoffnungslosigkeit, die Machtentfaltung des Christentums und des Islams kein Beweis für die Göttlichkeit dieser Religionen. Bei Gott steht Armut und Elend in höherem Ansehen als Größe und Stolz. Aber Israel ist der Dulder für die ganze Menschheit, die in Jesajas Worten von Israel spricht: „Es trägt unsere Krankheit, und unsere Schmerzen sind ihm ausgeladen." Israel, das Herz der Menschheit, fühlt in größerem Maße als andere Glieder alle Leiden, von denen die Völker betroffen werden. Trotz allem Elend ist es aber nicht erstorben, sondern nur gefährlich krank, und es erhofft feine Rettung von einem Wunder Gottes. Wie im Gesichte Jecheskels die trockenen, toten Menschengebeine sich zusammengefügt, mit Adern, Fleisch und Haut überzogen und, vom Geiste Gottes durchweht, wieder belebt haben, so wird, das sieche Israel von neuem aufleben, wenn Gottes Wort über das Volk ergeht. Gott hat Israel mit gutem Bedacht unter die Völker zerstreut, um diese mit dem Geiste Gottes zu durchdringen. Es ist das Samenkorn, das, obwohl dem Auge verborgen und scheinbar verwest, trotz alledem keimt und sprießt und zuletzt seine erste Gestalt in vermehrter Zahl wiedergewinnt. So wirke, verborgen zwar, aber sicher, auch Israel. Christentum und Islam find Vorstufen des Judentums. Sie läutern und veredeln die Menschen, sie bereiten sie vor für das höchste Ziel: Die Anerkennung der Lehre des Judentums. Das ganze Menschengeschlecht wird dann in Israel den Träger des göttlichen Lichts anerkennen, sich mit September 1925 ihm vereinen und mit ihm eingehen: in das Messias- und Gottesreich. (Fortsetzung folgt.) Sprechsaal. Ansitte oder grober Unfugs Die Höhe des Berges ist erklommen im. Angedenken an jene großartigen Handlungen, wie sie. der Hohepriester im Tempel zu Jerufcholojim verrrichtete im. Angedenken an jene Augenblicke, in denen sich die Scharen der versammelten Beter im Bo.rhose niederwarfssm und dabei laut und begeistert die Worte sprachen: „Boruch schem k'wod malchuso . . . ." unsere Stimmung, hat sich zum Gipfelpunkte emporgehoben, unsere Knie beugten sich in Demut und Ehrfurcht vor dem Allerhöchsten, und unser Gemüt entlastet sich durch andächtiges, inniges Gebet. Rascher schlagen unsere Lebenspulse, nur kurze Zeit, und es ist vollbracht. Schon bricht herein die Dämmerung, am dunklen Himmel blitzen schon die. hellen Sterne; und wie zuvor am Abend, auch jetzt sich uns das Herz erhebt, die Seele wieder. ihre Schwingenbreitet, und Jung und Alt, voll jubelnder. Begeisterung Herz und Seele auf zu Gott erhebend, ihr ganzes Sein und Können ihm gelobend, ihr Leben jetzt, wenn Er's verlangt,, ihm weihend, das Auge auf zum fernen Himmel richtend, stimmt ein das Volk in den fast überirdifchM herz-- erschütternden, bedeutungsvollen Ruf: „Schma jrsroel, haschem elokone.echod" ein Schoforton-- — Szenerie-Wechsel: im eiligsten Tempo wird das Maariw- Gebet herutnergeleiert, kein boruch hu uworuf fchmo, kein Omen, die Sitze klappern,. jeder entledigt sich schnellstens seines Sargenes, die Schuhe werden an- und ausgezogen ohne die Hände zu waschen. — alles rennt,, rettet flüchtet, Kinder jagen durcheinander, von der Männerschul zur Frauenabteilung und umgekehrt, ein Lärm, daß der Chasan sein eigenes Wort nicht versteht, jeder ist darauf bedacht, sein Päckchen mit dem Machsor, den Tachrichim und den Iomkippurschuhen möglichst schnell zu schnallen — und dies alles, alles während des Maariv-Gebetes. Bis das letzte Kadisch unter Dach und Fach ist, ist kaum noch Minjon! Und wenn da die Frage aufgeworfen wird, warum sagen wir sofort nach Ausgang von Jom Kippur in der Schmona-esrach schon wieder: „E'lach lonu owinu, kt chotonu", wo wir doch in der Hoffnung uns wiegen, Gott habe nach all den vielen reuigen Sündenbekenntnissen während des Tages sein „Solachti" — „i ch habe verziehen" — auch für uns ausgesprochen, dann müssen wir sagen, diese Brocho „S'lach lonu . . ." ist für die vielen „Machaschowos chuz", für die vielen „fremden Gedanken", den großen Mangel an Andacht, den wird beim Maariv-Gebet bekundeten. Sind wir so hungrig, haben wir nicht auch während des Jahres schon wiederholt einen ganzen Tag gefastet? Ist ein solch wildes Treiben nicht im höchsten Maße unwürdig? „Al ta'aseh t'siloscho K'wa", „Das Gebet soll dir nicht, als festgestellte Pflicht und Bürde erscheinen"! Da der geschilderte Zustand fast überall zu beobachten ist, wäre es Pflicht der maßgebenden Faktoren, insbesondere der Rabbiner und Vorstände, Abhilfe zu schaffen ad majorem Dei gloriam — zur höheren Ehre Gottes. Dr. Felix Wertheimer -Düsseldorf. Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Jnserakenfdt enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgefehlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. Künstler-Konzerte 4—12 Uhr CAFE HANSELMANN KAISERGARTEN Herrenschneiderei Massanfertigung in höchster Vollendung ZEIL 123* (Zeilpalast) Tel. Taunus 429 KARL KISSINGER Helle Schaufenster sind die besten Kundenwerber Kostenlose fachmännische Beratung J. Gischler, elektrische Anlagen Gr. Bockenheimerstr. 52—56, Tel. Hansa 5079 Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Schachnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate i. V.: S.Schachnowitz, ebenda. — Verlag „Israelit^, G.m.b.H., Frankfurt a.M Druck Sermon Verlags-Aktiengesellschaft, Frankfurt a. M.