Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1925)
- Date
- 1925-09-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 39 Der Israelit 24. September 1925 antisemitischen Hetzern folgen, werden immer kleiner und einflußloser. — Ihr Bund hat die Ausgabe, dahin zu wirken, daß alle Ihre Glaubensgenossen als gleich berechtigte Bürger, ungestört von völkischen Hetzren, im Lande ihrer Väter und Kinder leben können." Staatspräsident Mrich schloß: „Diese Erklärung gebe ich im Namen der Regierung ab, die ich vertrete! Ich wünsche, daß der Gedanke der Gleichberechtigung sich so sehr und so intensiv den Massen des Volkes mitteilt daß Ihr Bund nicht mehr nötig sein möge. Solange dies aber nicht der Fall ist, müssen Sie auch weiterhin uner müdlich als Reichsbund jüdischer Frontsoldaten auf dem Posten sein." Mesterreicb. Antisemitische Einheitsfront gegen den jüdischen Sport. Wien, 21. September. In Wien werden die Meisterschaftskämpfe um die österreichische Ringmeisterschaft geführt, an denen sich auch der bekannte jüdische Turnverein „Hakoah" beteiligt. Die Kraftproben der jüdischen Helden konnten nicht recht zur Auswirkung kommen. Richter wie Publikum nahmen gegen die jüdischen Kämpfer Partei, so daß der Hakoah auf die weitere Austragung des Kampfes verzichtet Wiener Zeitungen sprechen von - einer „antisemitischen Einheitsfront gegen den jüdischen Sport." P$icn. Kritische finanzielle Lage der jüdischen Gemeinde Warschau, 21. September Die Verwaltung der jüdischen Gemeinde Warschaus ist angesichts der kritischen Wirtschaftslage des jüdischen Mittelstandes, der feine Verpflichtungen gegenüber der Gemeinde nicht erfüllen kann, in eine schwere finanzielle Krisis geraten. Wie dem I. T. A.-Vertreter mitgeteilt wird, ist die Verwaltung zum ersten Male seit dem Bestände der Gemeinde nicht in der Lage, aus Anlaß der kommenden Feiertage irgendwelche Unterstützungen an Bedürftige zu gewähren, obwohl sich die Gesuche zu Tausenden häufen Die Vorsteher aller Synagogen und die Mitglieder der Gemeindeverwaltung hielten eine gemeinsame Sitzung ab, in der über die Beschaffung von Mitteln für die jüdischen Armen beraten wurde. Fälschungen und Verdrehungen. Warschau, 15. September. Im Warschauer „Jud" wird über einen zionistischen Aufruf an die jüdische Bevölkerung für den Nationalsonds berichtet, der den Namen vieler <.>-veutender Rabbiner trägt. Die Unterschriften wurden aber aus die Weise gewonnen, daß den zur Unterschrift aufgeforderten Rabbinern eine gewisse kurze Frist gestellt wurde, innerhalb deren sie zusagen oder ablehnen sollten. Nacy Ablauf der Frist wurden ihre Namen stillschweigend auf das Rundschreiben gesetzt. Viele Rabbiner haven aber die Aufforderung gar nicht gelesen oder sie unbeachtet gelassen, und sie legen nun Protest ein gegen den Mißbrauch ihres Namens. In Nummer 31 des „Jud" werden r zwei Proteste gegen diese Manipulationen veröffentlicht. Der eine trägt die Namen des Gerer Rebbe, der Rabbis aus Sokolow, Amfchinow, Biala, der Oberrabbiner Schapiro aus Piotrkow und Silberberg-Warfchau. Der Ls ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseraten keil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesehlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. _ ZUCKERKRANKE Aleuronai - Gebäcke von allen Autoritäten empfohlen MAGENKRANKE RodenbaelVs Grahambroi NSHRMITTELFABRIK FRIEDRICH GÜNTHER Verkauf Hermes weg 8—12 - Hansa 3862 u.795 sowie in den Filialen der Brotu. Keksfabrik Osthafen G. m. b. H. Esch-Original (Muspe’s) Oefen sind ausgespr. Dauerbrenner und werden der soliden Ausführung- und der Fufibodenerwärmung wegen bevorzugt Roeder-Herde, Grudeherde Esch t Co.,ZeiI 23 Fernsprecher Hansa 1156-57 zweite Protest ist vom A. C. der Agudas Harabanim in Polen unterschrieben. Auf gleiche Machenschaften ist ein im „Moment" abgedrucktes Interview mit dem Gerer Rebbe zurückzuführen, wonach sich dieser im Prinzip für den Nätionalsond erklärt hätte. Ungeachtet des entschiedenen unverzüglichen Dementi des Gerer Rebe im „Jud" werden Proklamationen unter der jüdischen Bevölkerung verbreitet, die sich auf die angeblichen Aeußerungen des Gerer Rebbe stützen. Muttersprache (jiddisch) verkehren können.. — Im allgemeinen werden die Beamten ermahnt, die Vorschriften im Geiste der Zentralregierung durchzuführen: im Falle unberechtigter Drangsalierung der jüdischen Bevölkerung werden die Beamten zur Verantwortung gezogen werden. Der „Wyszkower Rebbe" gestorben. Warschau, 15. September. Dieser Tage verstarb in Wyszkow an Herzschlag der berühmte Rabbi Zevi Arje Gelbard, dessen Anhänger in ganz Polen nach vielen Tausenden zählen. Der Verstorbene genoß einen Ruf als großer Talmudist und Gelehrter. Zu der Bestattung trafen zahlreiche Chassidim aus Warschau und aus vielen anderen Städten ein. In der Stadt waren alle Läden geschlossen. Der Nachfolger des Verstorbenen wird dessen ältester Sohn, Rabbi M. I. Gelbard, sein. Fragen der ffbwtij, jüdischen SRittbnfjeiten in Genf. Gens, 18. September. Am 16. September hielten der Minister des Aeußern Polens, Skrzynski, und der Vertreter des Londoner Joint Foreign Committee und der Pariser Jca, Lucien Wolfs, eine Besprechung ab. Mr. Lucien Wolf machte Skrzynski darauf aufmerksam, daß unter der Judenheit Polens, sowie auch außerhalb Polens Unzufriedenheit darüber besteht, daß die Bestimmungen des Abkommens zwischen der polnischen Regierung und der jüdischen parlamentarischen Vertretung in Polen nicht erfüllt werden. Skrzynski versicherte, die polnische Regierung haben den besten Willen, das Abkommen zu verwirklichen, es fei aber ein Aufschub nötig, weil der Inhalt des Abkommens erst noch Gesetzesform erlangen müsse. Es sei aber keinerlei Grund zu einem Pessimismus vorhanden. Die gegen den antijüdischen Numerus clausus in Ungarn bei dem Internationalen Gerichtshof in Haag eingereichte Klage bildete am 16. September Gegenstand einer Untersuchung der Minderheitskommission des Völkerbundes. Es lag ein Bericht dreier Sachverständiger vor. Es würde beschlossen, die An gelegenheit dem Völkerbundsrate zu übergeben, der in der nächsten Woche darüber zu verhandeln haben wird. Die Minderheitskommission des Völkerbundes beschäftigte sich am 16. September auch mit einer Klage gegen die litauische Regierung, die bekanntlich alle Geschäftsschilder mit nichtlitauischer Sprache entfernen ließ. Der frühere litauische Ministerpräsident Galvanauskas teilte dem Völkerbundsrat mit, daß die Regierung das Gesetz anunullieren wird. Herr Lucien Wolfs hatte am 16. September eine Besprechung mit dem griechischen Vertreter beim Völkerbund, Fentis, über das Zwangsfonntagsuhegefetz in Griechenland und Salonicki. Der griechische Vertreter gab das Versprechen ab, daß die griechische Regierung das, Gesetz modifizieren wird, derart, daß die Juden Erleichterungen erlangen. Die antireligiöse Vorfeiertagskampagne in Rußland. Riga, 18. September. Die jüdischen Sektionen der kommunistischen Partei (Jewsektia) in der Sowjet-Union haben auch aus Anlaß der diesjährigen hohen Feiertage die bei ihnen traditionell gewordene antireligiöse Kampagne eingeleitet. In der in einen Arbeuerklub umgewandelten großen Chorsynagoge zu Charkow veranstaltete die dortige Jewsektia eine große antireligiöse Propaganda-Versammlung. Die Redner, insbesondere der Kommunist Scheingold, forderten die Versammelten auf, die jüdischen Feiertage als Arbeitstage zu betrachten, dagegen aber die revolutionären Feiertage zu begehen. Am Schluß der Versammlung wurde ein Film vorgeführt, in welchem die jüdischen Feiertage und religiösen Hebungen verspottet werden. RrrMsrird. Ein Resierungs-Dekret gegen den Antisemitismus der Behörden. Moskau, 8. September. Auf Anweisung der Zentralregierung erließ der Rot der Kommissare der Provinz Podolienein Dekret, das allen untergeordneten Stellen zur Nachachtung übermittelt worden ist. In dem Dekret wird erklärt: 1. Die jüdische Bevölkerung der Provinz muß in den Sowjets von Stadt, Dorf und Distrikt mehr als bisher, und zwar im vollen Verhältnis zu ihrer Zahl, vertreten sein. Die Vertreter sollen den jüdischen arbeitenden Massen nahetehen. 2. In jedem Sowjet muß sich ein Beamter beenden, der die jiddische Sprache beherrscht, damit der Sowjet mit der jüdischen Bevölkerung in deren Mutterprache verkehren kann. 3. Alle amtlichen Dekrete sollen außer in den offiziellen Sprachen, auch in Jiddisch veröffentlicht werden. 4. In dem Personal der Steuerämter muß ein radikaler Wechsel eintreten, es sollen Steuereinnehmer angestellt werden, die mit der Lage der jüj dischen Bevölkerung vertraut und mit derselben in der £tt$l(ttt$. Einweihung einer neuen liberalen Synagoge m London. London, 17. Sepetmber. Am 13. September wurde in St. John's Wood Road zu London die neue liberale Synagoge eingeweiht. Die neue Synagoge ist die größte in Groß- Britarmien. Referent Mattuck sagte, die neue Synagoge werde ein Heim des liberalen Judentums sein, von wo aus eine Zusammenarbeit mit Männern und Frauen aller Religionsbekenntnisse im Interesse des Friedens und des Wohles der Menschheit gepflegt werden soll. (?) Dann wurde die Persönlichkeit des infolge Krankheit abwesenden Mr. Claude G. Mo nie f io re, des Präsidenten der liberalen jüdischen Bewegung in England, gefeiert, woraus der Sohn des Gefeierten, Mr. Leonard Montefiore, eine von seinem Vater verfaßte Ansprache hielt. Nach den Festreden wurden die Thorarollen in einer feierlichen Prozession zur Bundeslade gebracht. In der Prozession schritten mehrere Frauen, die ebenfalls Thorarollen trugen, unter ihnen Mrs. Lily Montagu, die Schwester Lord Swaythlings. Der erste Schritt der englischen Reform zur Aktivität erregt Interesse und Aufsehen. Eine Mahnung an die gesetzestreuen Führer, tatvoll durch Belehrung und auf dem Gebiete der Erziehung dieser neuen Gefahr zu begegnen, ist er auf alle Faue. Vermischtes. Frankfurt a. TU., 23. September. 2lus unserem Leserkreise wird uns mitgeteilt, daß das im Inseratenteil der Nummer inserierende Virginia-College Trchterpensionat in M o n t r e u x, ein gemischtes jüdisch-' chrisltiches Institut fei, trotzdem ein jüdischer Lehrer und Prediger in Deutschland als Referenz genannt ist. . Streng religiöses Wlädcfien das gut kochen kann, zu 4' Personen per sos. gesucht. Hausmädchen vorhanden. Arbeitsnachweis Frkfm., Langestratze 3011. 8lu6enl erteilt Unterricht in' sämtl. Fächern ein.Oberrealschule, sowie in ,oi'2irm und NNW., Off, y, 18422 a.d. Erp. Suche für meine Tochter» 18 I. alt. 'mit höh.^Schül- 'bildNng sinö '' - - ' Lehrstelle. Samstag fr., per l' Okt. 25. Off. Unt: 18421 an die Erp. ä&ffm;/' ÖstenM. 12? wünscht all, Bekannten' Allen Berw andten, Freunden,-'Bekannten-> ■ und Kunden wünscht f2"' nnätr) trrn wünschen allen Freunden Dr.Jos.. liod Frau B e rli «. Allen Freunden, Gästen u. Bekannten herzlich st 3iv “iaa Pension Sucher Franks. a.M.,Zeil 291. Die mirv. allen Seiten zahlreich zugegangenen tt-rm - Wünsche erwidere. auf ‘ diesem Wege herzlichst Frau Bertha Mokrauer Wwe. Oberstedten!"• Allen Freunden und Bekannten herzlichst ö"ni Sarah Landsberg MirjamLandsberg Frankfurt Äm Main 350414