Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1925)
- Date
- 1925-09-10
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 14 Nr. 37 10. September 1925 Bilder sind's von Israel, Das besteht als Gottesmacht. Gottes linke Hand vertriebt, Gottes Rechte nimmt's in acht. Ewig, ein Naturgesetz, Dauert es, wie Tag und Nacht. Aufruf an Israel. Taube, du ferne, jetzt jubele laut, Antworte dem, der rufet, eile herbei, Betend fink' nieder, zeig' dich ihm treu! Hm zu dem Nest dein, der Zionsstadt, hin — Denkstein stets blieb sie dem gläubigen Sinn — Der dich ließ wandern in Elend und Not, Will dich erlösen aus Jammer und Tod. Auf! und zurück ins herrliche Land, Arab und Edom verschmähe als Tand! Häuser der Feinde reißt du dann ein, Tempel der Liebe wirst Gott du dann weihn! (Fortsetzung folgt.) Kinderecke. Teschuwo und Jugendkraft. Eine Ansprache an die Jugend von B. <£. 1. Teschuwo heißt Umkehr. Noch seid Ihr, liebe Kinder, nicht gegangen und sollet schon umkehren? Noch habet Ihr nicht gesündigt und sollet schon Buße tun? Noch freuet Ihr Euch strahlend reinen Gewissens und sollet Euch das Hirn zermartern, was Ihr denn gefrevelt? So möget Ihr denken und fragen in den Wochen der Teschuwo. ■ Auf alle Mizwaus freuet Ihr Euch jeweils voraus. Denn Ihr wisset, daß man sie Euch mittun läßt, ohne daß Ihr schon voll verpflichtet seid. Auch wisset Ihr schon, wie man es macht mit dem Schaufor, dem Moraur, dem Tallis, der Gelilo, und gern zeiget Ihr, was Ihr schon begriffen habt. Aber Mizwas Teschuwo, — Rückkehr von Sünden — wer von Euch kann diese Mizwo begriffen haben? Freut Ihr Euch auf Ellul? 2. Tröstet Euch! Auch Eure Lehrer, auch Eure Ellern stehen hierbei vor einem Rätsel. Die Chachomim sagen: Nicht erst, als die Menschen böse Sünder wurden, schuf der Allgütige die Teschuwo. Nein, er schuf sie, als noch keine Menschen lebten und als noch keine Welt stand. Vielmals, sagen die Chachomim, wollte Gott die Welt erschaffen, doch sie hatte keinen Bestand. Da schuf er die Teschuwo, gründete auf sie die Welt, und dann erst hatte sie Bestand. Auch Erwachsene möchten wissen, was damit gemeint sein, kann, und doch ahnen sie es nicht. 3. Aber wir mit unseren jungen Köpfen wollen uns an das Rätsel heranwagen. Ihr habt, liebe Kinder, schon von den Urzeiten gehört, als noch Ungetüme die Erde bevölkerten, deren Rachen Häuser und Bäume schlucken konnte, die, wie Iob sagt, durstend hoffen, daß der Iarden in ihren Schlund brause. Nichts von ihnen ist geblieben als Trümmer ihres gewaltigen Knochenbaues. Unerbittlich sind die Naturgesetze der Vernichtung, die über sie hereinbrachen, so daß wir sie heute aus Bergestiefen hervorgraben. Auch wisset ihr von Kontinenten, die untergegangen, von Meeren, die zu Wüsten geworden, von wilden Stämmen, deren Leben nicht viel vom tierischen sich unterscheidet und von „gebildeten", großen Völkern, die einander in mörderischen Kriegen vernichten wollten. Und wenn Ihr erschreckt und erstaunt fragtet, warum es denn nicht besser und schöner ging, dann erhaltet Ihr wohl in der Schule die Antwort: So war es immer, und so kann, so muß es oft noch kommen. Auch hörtet Ihr von furchtbaren Krankheiten, die manch unschuldiges Kind von Vater und Großvater erbt, und wenn Ihr fragtet, warum und wozu dies sei, so fehlte Der Israelit nie in der Antwort das böse Wörtchen „Muß", das jedes Leid vermehrt und jede Bitternis verstärkt. Keine Lösung . . .? 4. Liebe Freunde! Begreifet Ihr nun, daß nur auf Teschuwo gegründet die Welt Bestand hat? Bestand hat nichts in der Welt, auch das Schönste, das Reinste nicht. „Alles ist eitel", werdet Ihr bald im Buche des Weisen lesen. Aber Euren Schmerz darüber, daß alles so vergänglich, — diesen Schmerz, dieses Leid in Euch solltet Ihr einmal beobachten. Tut es Euch gut weh, daß soviel Schlimmes auf Erden ist? Hat es gut Euch im Awmonate geschaudert über Ihn, den Vater, der Seine Kinder ins Eril schicken mußte, und dem nun nach ihnen bangt? Hat es gut Euch über die Glaubenskämpfe des Mittelalters in den ivirp geschaudert? Ist Euch die scheinbare Ungerechtigkeit der Weltordnung gegen unschuldige Märtyrer gut ins Herz geschnitten? Ist es so, dann ist ja dies ein Zeichen, daß in Euch gut fortlebt das bessere Bewußtsein vom Rechten und Geraden und Wahren! 5^ Liebe Kinder! In Euch lebt es, und neu möchtet am liebsten Ihr die Welt erbauen, neu sie gründen auf Eure Gradheit. In Euch lebt es, das Ewig-Gute, das bei Weltenschöpfung schon geschaffen war in der Menschen Seelen, das Mächtige, Ewige, das Welten stützt und baut, daß sie nicht wanken,' — es lebt in Euch der Wille, gleich Iirmijahu ..einzureißen und auszuroden, zu vernichten und zu verwüsten, zu bauen und zu pflanzen," — es lebt in Euch die Teschuwo! 6. Und weil siein Euch lebt, so leuchtet sie in Eurem ganzen Inneren umher, grell und unerbittlich. Wie fremd Euch erscheint und geisterhaft erschreckend Euch beengt ^er Raum Eures Elternhauses, wenn er gar zu grell erleuchtet wird in finstrer Nacht, so seht Ihr erschreckt, wie unheimlich fremd Eure Seele im Lichte dieser Teschuwo ausschaut, wie unkindlich Ihr oft von Euren Ellern gedacht, wie unjüdisch Ihr Eurem Thoraunterricht nachgegangen, wie unheimatlich Ihr oft dem Unschuldig-Heimatlosen begegnet, endlich wie tot Ihr oft dem Gotteslobe des Gebetes gefolgt seid. So Vieles fandet Ihr unhaltbar in der Welt und Euch selber als Rechtsverwalter' — so sehet Ihr nun, wie auch in Euch selber viel entschuldbares, schwächliches, ekles „Muß" gesteckt, — und in jugendlichem Stolze räumet Ihr alles Entschuldbare, alles Muß hinaus und werdet wieder ganz freie, leistungsfähige, weil leistungswillige Diener dessen, was Ihr sollet vor Gott und Menschen, werdet liebe Kinder des reinen Gottes. 7. So habet Ihr, bevor noch die Iugend überwunden, Teschuwo getan, dieselbe Teschuwo, die älter ist als die Welt, und die da heißet: Ewiges, edles, anspornendes Leid über das Böse, ewige, tätige Freude am Guten. So hat das Einzig-Ewige Euch ergriffen, hat Teschuwo Euch für ewig gestützt und verläßt Euch nicht. Nun gehet und höret Euch den Schaufor an, dieses ewige Wehklagen und Frohlocken der Teschuwo, und sprechet oft die Middaus Gottes, aus denen wir Teschuwo lernen. Dann habt Ihr wie an allen Mizwaus, so auch an Teschuwo, Ellul und Selichaus Eure Vorfreude. 8. Auf bösen, wilden Gängen befiel im Morgengrauen einen Mann, von dem Euch die Gemoro erzählt, der Wille zur Teschuwo. Reich bunte er heimkehren an fremdem Gut. büßen 'onnte er seine Lüste an geraubten Freuden und geschickte Mordbuben konnten seines Frevels Zeugen schweigen heißen. Ihn aber traf eines Morgensternes Strahl. Wie eines Vaters mild gestrenges Auge rief ihn dieser: Tu Teschuwo! Da irrte er fern vom Wege seiner Genossen und rief: Himmel und Erde, erbarmet Euch meiner! Die aber antworteten in eisigem Schweigen: Wir sind selbst auf Erbarmen angewiesen, denn von uns ist prophezeit, der Himmel werde wie Rauch sich verstreuen und die Erde wie ein Gewand dahinmodern. Da rief er: Sonne und Mond, habt Erbarmen mit mir! Die aber erwiderten im kalten Morgenstrahle: Auch mk suchen einen Erbarmer, denn von uns ist geweissagt. schämen werde sich einst bic Sonne, sich vergraben vor Scham der Mond. Da stützte der Reumütige seinen Kopf auf seine Kniee und weinte drei Tage und drei Nächte. Am vierten fanden ihn die Frommen seiner Stadt und hörten eine Himmelsstimme: Die Tränen haben ihm des Himmels Tore geöffnet. Keine Tränen, liebe Kinder! Kunstwasser, wie Mathias Claudius sagt, steht Eurem Gesichtchen nicht. Aber das wisset: Das Ewige, die Teschuwo, lebt, lebt in Euch. Gehet zu Slichaus. Dann sagt es Euch der Morgenstern. RabbiAbrahamSimchaHurwitz V'XT. Rabbiner von Bornow, wurde gefragt, warum in den drei nacheinanderfolgenden Sidraus, p*>i npn mp, die alle ein p haben, dieser Buchstabe einmal zu Anfang, einmal in die Mitte und einmal zum Schluß gestellt ist. Er antwortete darauf mit folgendem hübschen Gedichtchen: 'N1NQN2 s-nva nvuns •nnoy nxaa rnviva nnx ♦rvmioa *poi fin Mi - n:a mtw1? rnv -rnn nprm mp »nawx*ia i^> smp nix jru irmnxi mvx pbn xin *]isnn jnmnxa tmpn-naia nrns^ nar trxaa :msn npm -vrnp ‘raixa cmm» xav^i *nnn yxaxn ©np nix Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseratenkeil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesehlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. CAFE HANSELMANN KAISERGARTEN gegenüber dem Opernhaus Künstler-Konzerte 4—12 Uhr KARL KISSINGER Hetrenschneiderei Massanfertigung in höchster Vollendung ZEIL 123' (Zeilpalast) Tel. Taunus 429 Helle Schaufenster sind die besten Kundenwerber Kostenlose fachmännische Beratung J. Gischler, elektrische Anlagen Gr. 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