Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1925)
- Date
- 1925-09-10
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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ST Der Israelit ßr. 37 1925 Aus den Messiaserzählungen. sw (Schluß.) In dieser Nacht konnten aber die beiden Jungen, die in einem Bette lagen» keinen Schlaf finden. Die ganze Nacht unterhielten sie sich über das wundersame Grab des Königs David. Gegen Morgen verbürgten sie sich mit Handschlag gegenseitig, daß sie nun gemeinschaftlich die" Heimat verlassen und nicht eher sich Ruhe gönnen werden, als bis sie Davids Grab gefunden haben. So taten sie auch, und eines Tages waren die beiden Söhne Rabbi Ahrons verschwunden. Keiner wußte wohin, wieso. Lange Zeit wanderten die beiden Iungen über Berg und Tal, über Feld und- Wald, ernährten sich von Pflanzen und tranken aus den Wasserfällen. Viel litten sie unter Hunger, unter Kälte bei Nacht, unter Sonnenglut bei Tag. Trotzdem gaben sie die Arbeit und das Suchen nicht auf. Sie hatten ja gelobt, nicht eher zu ruhen, als bis sie ihr Ziel erreicht hatten. Und überall, wohin sie kamen, fragten sie nach dem Platze, wo sich Davids Grab befände. Allein, keiner konnte ihnen Auskunft geben. So vergingen Monate und Jahre. Die Jungen magerten ab, ihr Augenlicht verdunkelte sich, ihre Hände erschlafften, ihre Füße wankten, ohne daß sie ihr Ziel erreicht hätten. Eines Tages, sie waren bald am Ende ihrer Kraft, stießen sie auf ein Vogelnest, vor dessen Eingang eine Taube girrte. Da hoben die Jungen ihre Augen zum Himmel und sprachen: „Gute Taube, liebes Täubchen, erbarme dich unser und sage uns, wo sich das Grab Davids befindet." Die Taube girrte in ihrer Sprache, durch ein Wunder den Kindern verständlich: „Gute Kinder, liebe Kinder. Der Adler raubte mir meine Jungen, und ich weine Tag und Nacht über dieses Unglück. Gehet zum Geier, er weiß es vielleicht." „Und wo ist der Geier?" „Gehet über sieben Berge, über sieben Hügel bis zum siebenten Felsen. Dort auf dem Gipfel des siebenten Felsens hat der Adler sein Nest gebaut." Lange wanderten nun die Knaben wieder über Berge, Hügel und Felsen, bis sie zum Adler gelangten. Zu ihm erhoben sie die Augen und riefen: „Adler. König der Vögel, kannst du uns sagen, wo sich die Grabstätte Davids, unseres Königs befindet?" ' Da sprach der Adler: „Ich bewege mich in den Höhen und kümmere mich nicht um Tiefe und. Abgrund. Gehet zur Schlange, sie sagt es euch vielleicht." „Und wo ist die Schlange?" „Ueber sieben Flüsse müßt ihr gehen, dann über sieben Teiche und sieben Wüsten., Am Rande der siebenten Wüste findet ihr die Schlange." So wanderten die Jungen über Ströme, Teiche und, Wüsten, bis sie zur Kluft gelangten, wo die Schlange ihr Heim hatte. Da knieten sie nieder und baten: „Schlange, liebe Schlange, erbarme dich zweier suchender Wanderknaben. Sage uns, wo Davids Grab sich befindet." Die Schlange zischte: „Hat Jemand je gehört oder gesehen, daß eine Schlange,?Tochter der Schlangen, sich der Menschenkinder erbarmt? Scheret euch schleunigst von dannen, wenn ihr nicht anders mein Gift verspüren wollt." Da erschraken die Knaben und liefen davon. Sie liefen und liefen, bis sie erschöpft zu Boden fielen und in tiefen Schlaf versanken. Als morgens die Sonne erstrahlte, erwachten beide Iungen zugleich. Und der ältere sprach zum jüngeren: . „Ich hatte einen sonderbaren Traum." „Auch ich," unterbrach der andere. „Erzähle deinen Traum." „Ich sah einen Greis vor mir." „Auch mir ist ein Greis erschienen," rief Schimi. „Mit langem, weißen Bart und mit reinem Engelsgesicht, ein Ledergurt umwand seine Lenden." „Genau wie der Alte, der mir erschienen ist," rief der andere. „Und der Alte sprach zu mir," fuhr Josi fort, „ich bin der Prophet Eliah. Gesehen hat nun Gott im Himmel eure Liebe und Anstrengung und schickte mich zu euch, daß ich euch ans Ziel weise. Wenn ihr aus dieser Wüste hinausgehet, so wandert ihr weiter genau sieben Tage, sieben Stunden, sieben Minuten und sieben Sekunden, bis ihr an einem großen Stein angelangt "seid. Dort erblickt ihr einen großen Vogel mit gespreizten. Flügeln. Auf diesen Flügeln setzt ihr euch zur Rechten und zur Linken und ihr werdet in Windeseile zur Grabstätte des Königs David gebracht werden." „So wahr ich lebe, genau dasselbe sprach der Alte auch zu mir, Wort für Wort," rief Schimi. „Und wenn ihr nun in die Höhle hinabgestiegen seid, seht ihr den König auf seinem Ruhebette liegen. Am Bette steht ein Krug reinen Wassers. Genau um die Nachtmitte hört ihr eine Stimme, die ruft: „Wie lange, wie lange?" In diesem Momente holt ihr das Wasser und gießt es über die Hände des Königs David. Dann erhebt er sich, greift nach der Harfe zu seinen Häupten und bei den ersten Tönen, die der Harfe entströmen, kommt Moschiach. Habt acht, Kinder, daß ihr die Minute nicht verpasset." „Ein Gotteszeichen," rief der Jüngere. „Genau das Gleiche, Wort für Wort sprach der Alte auch zu mir." Sogleich machten sich die Iungen auf, wanderten sieben Tage und sieben Stunden, sieben Minuten und sieben Sekunden bis zum groben Steine, darauf der Vogel mit den gespreizten Flügeln stand. Auf diesen setzten sie sich zur Rechten und zur' Linken des Vogels und bald flogen sie durch die hohen Lüfte bis zum Grabe des Königs David. Sie stiegen in die Höhle hinab und sahen das Ruhebett mitsamt dem Wasserkrug, genau so, wie es ihnen der Alte im Traume beschrieben hatte. Allein, das goldene Licht, das die Höhle füllte, blendete sie solcherart, daß sie alles andere nicht mehr sahen und ganz benommen dastanden. Wie die Mitternachtsstunde kam und die Stimme ertönte: „Wie lange, wie lange," vergaßen die Jungen des ihnen gewordenen Auftrages und blieben wie gebannt stehen, ohne nach dem Wasser zu greifen. Die heilige Minute war verstrichen, und eine zweite Stimme wurde hörbar: „Noch ist die Zeit nicht gekommen, nicht gekommen — —" Jetzt erst erinnerten sich , die Jungen der Worte des Propheten und sahen mit' Schrecken, daß sie, die Gelegenheit verpaßt hatten. Aber die heilige Minute war vorbei. Das Licht verschwand und alles hüllte sich in tiefe Finsternis. Eine geheime Hand erfaßte.,nun die Iungen und zog sie aus der Höhle heraus. Draußen wartete ihrer der große Vogel, der sie wieder aufnahm und sich hoch in die Lüfte erhob. Am Morgen erwachten die Jungen im freien Felde. Von der Ferne sahen sie die Häuser und Zinnen ihres Heimaisortes. Jehuda Halevi. Von Heinrich Reutz. (Fortsetzung). Wie Jehuda Halevi dachten viele, aber er hat •66 für jeden fühlbar ausgesprochen, er hat die Seufzer und die Klagen, die Wünsche und die Hoffnungen seiner Nation mit dem treffendsten Wort in der schönsten Form ausgedrückt. Jedes dieser Lieder ist Malerei, Musik und Poesie zugleich. Die Zionslieder Jehüdas haben ihresgleichen nicht in dem Schrifttum der ganzen Welt. . Komm, mein Freund! Komm, Geliebter» komm doch.2viedep! Hchon im Garten blüht der Flieders Hrachen drau'n — o wirs sie nieder! Harfen, Glöcklein, Goldpokale — Komm zum alten Freudenmahle» , Und der alte Glanz erstrahle! Säum' ich auch, sieh', ich erscheine, Dich' erwählt ich und sonst keine, ' Du bist meine Wahl, ich Deine. Wo ist unter Todesstreichen Mein ein Volk so in den Reichen? Wo ein Gott, der mir will gleichen? Auf, zum alten Nest! Ihr Tauben, weit verbanüt Im fremden, wüsten Land, Auf zum alten Nest! Was hält noch hier euch fest? Zu eurer Kindheit Glück, Zur Heimat kehrt zurück! Gott ist's, der's begehrt, Und Ruh' ist euch beschert. Ach, wären Tauben wir, Wir flögen fort von hier Nach Süd, nach Nord beschwingt. Wo's uns nach Zion bringt! Was groß an Macht und Wort Erstünd'uns wieder dort. Schwert, gegen uns gekehrt, Wird stumpf an seinem Schwert. Die sich mit Hoffnung trug, Dem Hoffen war nicht Lug! Vergaßt ihr Liebespflicht, Vergaß ich Liebe nicht. Du, liebes Kind, sollst gleich Zurück ins alte Reich, Heil wird Euch, lang entbehrt. Am häuslich stillen Herd. Im Osten weilt mein Herz. Du Erdenwonne, hohe Königsfeste! Dir flüstern meinen Gruß die fernsten Weste! Wie jammern mich, gedenk ich alter Zeiten, Dein Glanz, der bleich und Deine Trümmerreste. Gern flög ich hin zu Dir auf Adlersflügeln, Daß Deinen Staub mein Tränenstrom durchnäßte. Kein Honig mir so süß, als wenn ich endlich Auf Deine Steine meine Lippen preßte. Im Osten weilt mein Herz, ich selbst in Westens Rand. - Wie soll mich freu'n, woran ich sonst wohl Lust empfand? Wie gilt mir Hispaniens Gut mir nichts, wie mir so hoch Den Staub zu schau'n der Stätte, wo der Tempel stand. Das ewige Volk. Sonn' und Mond in heller Pracht Leuchten fort zu ew'ger Wacht,