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Der Israelit · 1925-08-27 · Heft 35 (27.8.1925) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 35 (27.8.1925)
Date
1925-08-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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4 27. August 1925 Frankfurt a. IN., den 7. Llol 5685 Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Januar 1924: Deutschland 1 Goldmart monatlich; Ausland: Viertelkahrpretse (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 8.-; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; Frankreich 18 Fr.; Belgien 18 Fr.; Holland2 fl.; Italien 20 Lire; Jugoslawien 70 Din.; Litauen 7.80 Lit.; Rumänien 880 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder s Zloty; Schweis S Fr.; Dschecho-Slowakei S Kronen; Ungarn 50000 Kronen; Dänemark 6Kronen; Norwegen 6 Kronen; Schweden 3.60 Kronen. Einzelnummer dreißig Goldpfennige. . Der Israelit erscheint jede» Donnerstag. Inserate 4» wolvps. für die stevengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 30 Pf. Die 76 mm breite Reklamezetle: letzte Textsette 1.80 Mk.. vorletzte Textsette 8.— Mk.; Chiffregebühr in Höbe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Inserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. JnseratenanN'ahwr durch den Verlag des Israelit D.m. k. H>, Franks, a. an., Gr. Eschenheimer Straße 88, Tel. Hansa 68A sow. durch sämtl. Annoncen-Exved. des In- und Auslands. Alleinige Znseratenann. für Franks. Geschäftsanzeigen: SttL Schmidt, Langestraße 7, ll. Platzvorfchriften ohne Berbindnchkeit. Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 19802. — Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr. 79606 — Postsparkassenamt Budapest Nr. 184A — Postscheckkonto Warschau Nr 190787. - PostsSkckamt Zürich Nr. vm 7284 — Inkasso-Bank Rotterdam —Postscheckamt Amsterdam Nr. 2« 889 — Böhmische Unionbank in Prag —Rune» Marmarosch Biank&Co.it» ■ •-Bukarest — Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. Trost und Erhebung. Siebenfach gewirkt ist der Trostfaden, der von der Aw-Trauer zur Elul-Aufrichtung und Tischri-Erhebung führt. Ein tiefes Midraschwort ordnet die an sich die gegebene Kapitelfolge nicht einhaltenden Prophetenabschnitte der sieben Trostabschnitte sinngemäß wie folgt: Mit seinem Doppeltrostrufe gelangt der Prophet an das von Gott doppelt geschlagene Volk n vn nnph '2. Allein das Volk weigert sich, Trost anzunehmen aus dem Munde, aus der Hand eines Menschen, und wäre er auch ein Jesajas, nachdem es direkt von Gotteshand die Strafe erhalten hatte. ,,Hat mich Gott selbst vergessen?" klagt Zion. 'ii 'i miy *|T>x mxm Unverrichteter Sache kehrt der Prophet zu Gott zurück mit der Meldung: Sie wollen nicht!- •nörm xV msno Darauf Gott: v2vN2» xi.l '22X '22X- Ich, ich selbst reiche euch den Trost. Es jauchzt nun das Volk laut auf mit dem Nlpy '21' '11X 'vij? und 'in w'wx »w, Doppelt, vielfach, das heißt vollkommen seht göttlicher Trost ein, wo auch die Strafe doppelt, zur Sühne doppelter Sünde, von Ihm diktiert war. Was ist doppelte Sünde? Das jüdische Volt hatte zwiefach gefehlt: I1'2tt^ üix fa'unb Qipa1? üix fl. Indem es seiner Thora die Tieue gebrochen, hatte es auch seine reine Menschlichkeit eingebüßt. Und derselbe Prophet, der dem Volke mit Flammenwort den Abfall von Gott und seinem Gebote vor Augen uihrt, weckt und schärft auch sein menschliches Gewissen, zeiht es des Mordes, des Raubes, des Betruges durch zweierlei Maß, der Rechtsbeugung gegenüber hilflosen Witwen und Waisen. Doppelt, als Mensch und als Sohn Israels, hatte der Jude gefehlt. Doppelwesen war auch in anderem Sinne Israels Schuld und Schicksal in der Geschichte. Anstatt zu dem Einen Einzigen zu hallen, huldigten Israels Könige, und zum Teil auch bie von Judäa, nebenher auch dem Götzen- und Bilderdienst. "ö’^s22" ixvn« Ein Doppeltes wollten sie, wo unzerreißbare Einheit von Natur aus gegeben war, ein Doppelreich, Spaltung zwischen den Stämmen, die sich in Gottes Hand einen sollten. v'inxb #*nv Brüder, Söhne eines Vaters, ringen später in der nächmakkabäischen Zeit um die Herrschaft, und das Volk verblutet. Das ä’^m ixvn erleben wir zu gleicher Zeit auch auf geistigem Gebiete, da sich die Sadduzäer von den Führern des Volkes, Peruschim genannt, und den hinter ihnen stehenden Massen trennen, der Thora die Alleinbeherrschung des gesamten Lebens streitig machen und, nicht zum ersten Mal (ihre großen Vorbilder waren die Hellenisten), eine scharfe Grenze ziehen zwischen Lehre und Leben, den Dualismus proklamierten, wo nur Einheit und Einheitlichkeit den weiteren Bestand von Staat und Volk bedingen konnten. Diese sadduzäische Sünde der Teilung und Verdoppelung hat nicht zum geringsten Teile zur zweiten Zerstörung des jüdischen Staatswesens beigetragen. Besteht aber Israels Sünde darin, daß es ein Doppeltes suchte, so war es nur gerechtfertigt, daß es mit Doppeltem, mit Zwiefachem gestraft wurde. Litten und leiden wir überall in den Ländern der Not zunächst als Menschen, gleich den andern Bürgern des getroffenen Landes, so weist doch unsere Not überall auch eine starke eigene jüdische Note auf. Bei jeder Katastrophe der Weltgeschichte wurden wir mitgeussen, jeder Schlag, der irgendwo und irgendwann ein Volk traf.und trifft, erfaßt die Juden in der Mitte dieses Volkes mit gleicher Schwere, sodann aber erfordert er immer auch noch seine eigenen jüdischen Dpfer ... . Die Wellen des. Hasses und der Erbitterung, die jede Weltkatastrophe, jeder Krieg, jede verheerende' Naturerscheinung, von dem schwarzen Tode bis zum letzten Weltkriege, zurückließ, wendete sich mit tödlicher Sicherheit gegen uns. Wir sind auch im Wirtschaftsleben mit dem Doppelten gestraft. Zwei Ruhetage in der Woche und doppelte Feiertage, doppelte Schulen in den meisten Orten für profane und jüdische Bildung. Sogar der Feinde haben wir zweierlei: A e u ß e r e Feinde, die, von Haß getrieben, den jüdischen Namen schmähen und innere Feinde, darauf hinausgehend, die Erhaltung und Entfaltung des jüdischen Lebens zu unterbinden. WaT uns aber. über all diesen Jammer erhält und erhebt, ist, die aus prophetischer Verheißung geschöpfte Gewißheit, daß doppelter Sünde und doppelter Strafe doppelter Trost entgegenwinkt. Es ist nicht Trost,' es sind Tröstungen, verschiedener Art, die uns werden und unsere Vollendung und Erlösung bedingen. Ueber die Erlösung aus materieller Eolusnot hinaus erhoffen wir die „Befreiung der Seele",- als Menschen und. als Juden erfaßt uns der Doppelstrahl der nationalen und geistigen Befremngssonne. Die Errichtung des Nationalheimes in Palästina, die Erreichung eines menschenwürdigen.Daseins auf der Basis von Recht und Liebe in den Ländern der Diaspora, es ist dieses nur der eine Trost, der kleinere Teil der Erlösung,- der,i»m zweite und bessere Hälfte ist die „Erlösung der Schechina", die Läuterung der jüdischen Neschomo, die Befreiung des jüdischen Geistes in seiner ganzen Tiefe und Reinheit, die Offenbarung des Gottesgedankens in seiner ganzen Größe und Herrlichkeit, das Hinanführen der- Völker zu einem Höhenleben in Schönheit, Reinheit und Heiligkeit, ans heilige Licht, das ein Jesajas wie die anderen Propheten und Sänger und Talmudweisen so treulich gehütet. Doppelt, ja siebenfach erklingt uns Erlösungsgesang in den sieben Prophetenabschnitten des Trostes vom Sabbat nach der Zerstörung bis zum Feste des Jahresanfanges. '3 1'IN' 1W2 1X11 '1 1122 ,1^21 121 -1 'S. Wochenrundschau. Wiener Kongreßwoche. Die Wiener Kongreßwoche, die in Verbindung mit dem Zionistenkongreß eine ganze Reihe von Sonderkongressen der Unter-' und Rcbenverbände der Organisation tagen sah, hat bis zur Stunde, Dienstag Abend, keine sonderlichen Ueberraschungen oder gar Sensationen gebracht. Draußen werden die aufgepeilschicn Hnkenkreu-ler durch Polizeikordons in der Stärke einer ganzen Wehrmacht in Schach gehalten, und im Kongreßsaal spielen sich die Redetourniere zwischen den verschiedenen politischen, wirtschaftlichen und religiösen Richtungen des ' Zionismus in den gewohnten und erwarteten Bahnen ab. Auf das Ergebnis wird noch zurückzukommen sein. Uns interessiert aber naturgemäß besonders der Verlauf der M i s r a ch i - Konferenz: denn

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