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Der Israelit · 1925-08-20 · Heft 34 (20.8.1925) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 34 (20.8.1925)
Date
1925-08-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 Nr. 31 seinen Hut in der Vezirkshauptstadt in Mitteldeutschland gelassen. . . . Der dritte in der Mitte ist ein bekannter Name, ein vielgenannter Mittelreformrabbiner aus Berlin. Abends nach Tisch finden sich die einzelnen Gruppen im Vestibül des Hotels zum Austausch ihrer Tageserlebnisse. Es ist ein Summen und Brummen wie in einem Bienenhause, daß man fast die lieben Kinder nicht hört, die in den Schaukelstühlen unter entsprechendem Bim Bim Hindernisrennen aufführen. . . . In der Schweizerecke fchwizert und schwäbelt es, daß es seine Art hat. „Es goht ihne chaibe guet. ..." Berliner haben Touren gemacht und waren wieder einmal in schönster Lebensgefahr. P o s e n e r der Hauptstadt haben inzwischen eine Brücke nach Frankfurt gebaut. Die Basis der gemeinsamen Unterhaltung bildet der selige Rabbiner Krause. Sie sind den Frankfurtern so dankbar für die ihrem verehrten Rabbi erwiesene Liebe. An der Wand gruppieren sich die Rabbiner um den „großen Namen von Berlin" wie die Vergspitzen draußen um den großen P i s s o k, und dieser doziert in bestem Kanzeldeutsch über die Notwendigkeit der Mittelpartei, zur Milderung der Spitzen auf beiden Seiten. . . . Und über all dem ruht die Hand des guten Papa Kempler. Es ist Hochbetrieb, es ist keine Zeit da zu überschwenglichen Freundlichkeitsäußerungen. Aber er sorgt väterlich dafür, daß es an nichts fehlt, daß alles bis zum letzten klappt, daß jeder, vom Defferte bis zum Thoraaufrufe, zu seinem Rechte kommt. Das Essen ist gut und mit Liebe und Sorgfalt zubereitet. In anmutiger Aufmachung stehen die vollen Platten auf blütenweiß gedeckten, mit Blumen geschmückten Tischen. Unser Wirt sieht aus Erstklassigkeit. Und zuweilen leuchtet auch wie Stolz in seinem Gesichte auf das Haus, das ein Sammelpunkt so vieler geworden, auf seine „Viktoria" in den Bergen, die dazu erkoren wurde, für einige Sommermonate eine „Gemeinde der Gemeinden" zu sein. VI. Sk. Moritz. Wer hoch gekommen ist, will immer noch höher hinaus und hinauf. Das ist Gesetz im Leben unten, wie draußen in den Bergen. Darum ist es feststehende Sitte, daß, wenn jemand in Schuls drei Wochen lang genügend gebadet, getrunken, gewacht und gewartet hat, auf der Rückfahrt für ein paar Tage oder wenigstens Stunden mit der rhätischen Bahn über Bevers noch 500 Meter weiter hinauf fährt, nach St. Moritz. Im Grunde sieht man in St. Moritz nicht viel mehr als „unten" in Schuls. Biele Berge, viele Frankfurter und viele Berliner. Aber hier ist alles höher, die Berge, die Preise und auch die Berliner und Frankfurter. St. Moritz ist im Gegensatz zu Schuls, das ein Heilbad ist und neun Monate im Jahre zwischen den Bergen eingebettet seinen müden Winterschlaf hält, ein ausgesprochenes Luxusbad, mit allen Attributen und Kriterien eines solchen, im Sommer und noch mehr im Winter, da der turmhoche Schnee alljährlich neue Möglichkeiten des weißen Sportes eröffnet. Jetzt aber spiegelt sich der Schnee der Höhen im schönsten Grün von Wiese und Wasser. Man nimmt vom Bahnhof durch die Reihen Doppelspalier bildender Hotelportiers links den Weg am ungemein lieblichen blauen See entlang nach dem sogenannten Kurviertel. Rechts auf der Anhöhe liegt das Dorf. Ueber bescheidene, rotbedachte solide Bauernhäuser ragt protziger 'Stuck neuer Hotels und Sanatorien hinaus. Ein Autobus verbindet angeblich Dorf und Kurpromenade. Er fährt aber, mann und wohin e r will, als sähe die Postdirektion ihre Aufgabe darin, für bessere Bewegung der Kurgäste und Touristen zu sorgen. Wer beispielsweise vom Bahnhof zum Kurhaus fahren will, muß erst den Berg zum Dorf hinaufklettern, bis zur Post wandern und dann — warten. Heil dem Harrenden! Einmal wird das Vehikel erscheinen, sich in Bewegung setzen und zu einem Preise, gegen den man in einer deutschen Stadt einen ganzen Tag Gast der Straßenbahn sein kann, den Mann an das Ziel bringen. Soviel nur zur Warnung. Da wir uns nun links halten und den herrlichen Autobus nur von außen und unten bewundern, find wir .irt gut zwanzig Minuten zu den Sehenswürdigkeiten des Höhenortes gelangt. Die erste, vielleicht bedeutendste, ist das jüdische Hotel, genannt „Edelweiß", dessen Fassade, wie übrigens die meisten der so geheißenen Höhenblumen, weder edel noch weiß anmutet. Ein altes Haus im Vergleich zu der strahlenden „Viktoria" in Schuls. Aber es birgt guten Geist, dieses Haus; verkörpert durch einen Hotelier, der, ein Bild des Friedens und der Abgeklärtheit, in feierlichem langem Schwarz auf seinem Sessel, die lange Pfeife im Munde, sitzt und von diesem sicheren Port aus mit einer Ruhe und Festigkeit die großen täglichen Schlachten der Hauptsaison leitet, die jedem Feldherrn Ehre machen würden. Reklamationen, wenn solche bei Vater Bermann überhaupt möglich wären, scheiterten schon am ruhigen Lächeln, mit der sie vom Sessel aus entgegengenommen würden. „Sie haben recht", ist der sterotype Satz, an dem alles wie an einem Eisenpanzer zurückprallt. Dieser jüdische Wirt könnte, im Garten unter einer mächtigen Linde oder Palme, so wie er da in der Vorhalle mit der Pfeife im Munde sitzt, einem Rembrandt ein herrliches Modell für „Abraham, der unter dem Baume feine Gäste bewirtet", abgeben. Es mag sein, daß die Rechnungen im Eschel- Hotel des Abraham weniger üppig aussielen. Aber so ist auch unser Bermann nicht. Er hat Verständnis für die gute Nachbarschaft von Herz und Magen und er¬ Der Israelit £0. August 1925 zählt gern von den prominenten Persönlichkeiten, die hier und in Meran schon seine Gäste waren. Sein Auge leuchtet, wenn ein schönes jüdisches Wort an fein Ohr dringt. Ja, es soll sich schon ereignet haben, daß er von einem Durchwanderer ein solch schönes Wort als.Vollgeld in Zahlung nahm —: für ein gutes reichliches Abendessen. Und eine zweite Sehenswürdigkeit von St. Moritz. In der schönen neuen Straße zum Kurhaus leuchtete mir an einem Hause am Briefkasten ein bekannter Name entgegen. Ich stieg hinauf und fand — einen alten Freund im schönsten Dreiwochenbarte an dem ausgebreiteten Pergamente einer Thorarolle schreibend. Er hatte sich in den Kopf gesetzt, sich selber mit eigener Hand seine Thorarolle zu schreiben und benutzt den Ferienaufenthalt auf 2000 Meter Höhe dafür. Natürlich ist es ein Frankfurter. Draußen leuchtet der See. Ein Regenbogen, von den Bergen kommend, legt sich tief und quer über das blaugrüne Wasser. Rechts schimmert und glitzert es von den weißen Spitzen herab. Von der Straße dringt der dröhnende Schritt von Kurgästen und Touristen. Heimische Burschen im Sonntagswichs mit kühner Pfauenfeder auf dem Hut singen. Vom Kurhause, wo vier oder fünf Musikanten auf einer Tribüne Kurkapelle „spielen", kommen die wiegenden Töne einer dünnen Jazzmusik. Oben sitzen zwei Menschen und forschen und grübeln mit Eifer danach — warum das eine Efron in der Thora m i t und das andere ohne Wow geschrieben wird. . . . Freilich gibt es noch andere Sehenswürdigkeiten in &. Moritz außer dem jüdischen Wirt und dem Frankfurter Liebhaber-Thoraschreiber. Ich habe aber nur von respektvoller Ferne zu ihnen hinaufgeschaut, zu den weißen Spitzen wie zu den dahinterschimmernden Gletschern, wiewohl Wege und Straßen genug und auch Zahnradbahnen hier zu den höchsten Höhen hinauf- -ühren. Die Versuchung war groß. Allein noch gerade rechtzeitig fiel mir ein schöner Satz ein, den ein östlicher Bruder auf der höchsten Bergspitze in den Lettern und der Sprache seiner Heimat in das Album geschrieben hat: „Horim u'Gwoaus, Viel Hauzoaus Und wenig Hanoaus.-" Nachdem dieser Spruch schon geschrieben steht, hatte ich da oben nichts mehr zu tun und fuhr noch am gleichen Abend ein paar hundert Meter tiefer nach dem herrlichen F i l i s u r hinunter, um am folgenden Tage mit deni Frühzuge nach Davos zu gelangen. (Fortsetzung folgt.) Ninderecke. Jehuda Halevi. Von Heinrich Reuß. lFoitsetzuna) b) Zu Gottes Ehr'. Die weltlichen Dichtungen verdanken nur vorübergehenden Eindrücken ihr Entstehen. Der gereifte Dichter hat sich dieser Jugenderzeugnisse sicher nicht geschämt, aber er hat sie wohl auch nicht fortgesetzt. Denn sein Inneres war so ganz von einer großen, glühenden und unverlöschlichen Liebe erfüllt, daß neben ihr nicht mehr Raum blieb für einen anderen Gedanken. Das war die Liebe zu Gott und zu seinem Volke, die Sehnsucht nach Gott und seiner Gnadenstätte Zion. Dieser Liebe blieb er treu bis zu seinem letzten Hauche. Dieser opferte er in Gedanken und Worten, im Leben und Sterben. Er ist der unübertroffene Sänger der göttlichen Minne. In ihm empfindet das Volk Israel als eine Person, als ein Herz, denkt, harrt und leidet als eine Seele. Wie der Psalmist bekennt auch Jehuda Halevi: „Was könnt' ich neben dir im Himmel wünschen, was hier auf Erden neben dir? An Gott mich halten, ist mir höchste Lust. Ich suche meinen Schutz bei dir, o Gott, und verkünde deine Sendungen." Er fühlte sich wie einer der Boten Gottes, denen Gott eine gelehrige Zunge gegeben zu sagen, was da ist: ein erhabener Gott, ein einziges Volk, eine hochragende Stadt. Seitdem der Mund der vom heiligen Geist erfüllten biblischen Sänger verstummt ist, hat keiner wie der Lernte Jehuda in der wohllautenden Sprache der heiligen Schrift Israels. Gottesbegeisterung, Israels geduldiges Harren und Hoffen mit solch warmer Empfindung im rührenden Liede ausgesprochen. Sein- Volk, das mit bewundernder Verehrung zu ihm aufblickte, hat viele seiner Ge. dichte als Gebete aufgefaßt und seinen Fest- und Trauergesängen einverleibt. Ueber alle Feier- und Trauerzeiten des jüdischen Jahres hat Jehuda Halevi den Reichtum seiner Lieder, von denen mehr als dreihundert bekannt sind, ausgestreut: aber das berühmteste seiner religiösen Lieder jst das Zionslied, das noch heute in allen Synagogen Israels am Trauertage der Zerstörung Jerusalems in feierlich wehmütiger Weise erklingt und die Herzen aller Gläubigen in tiefe Ergebung versenkt. Wie lieblich ist's, auf deinen Wegen gehen. Wie lieblich ist's, auf deinen Wegen gehen. Wie schön, auf deinen Bahnen stehen. Dort ist kein Straucheln, dort kein Fallen, Dort kannst du ohne Krümmung wallen. Drum wandl' ich deine Pfade unverwandt, Es zieht zu dir mich deiner Liebe Band. Du meine Hoffnung, Ziel des Strebens, Des Herzen Hort, du Quell des Lebens, Wie möcht' ich gern dich schaun in deinem ßicfjti | Doch solches Glück geziemt mir Armen nicht. Sehnt sich das Herz, dir nah zu sein, Tret' ich in deines Tempels Pforten ein. Ich trage willig, was mein Volk verschuldet. Mit an dem Joch, das seine Schulter duldet. Zu keinem andern breit' ich meine Arme. Wer außer dir ist's, der sich mein erbarme? Und muß den Tod ich um den Glauben leiden, Ich werde nie von deinem Dienste scheiden. Du, dessen Liebe meinen Arm erhoben, Es schaut mein Aug' zu deinem Himmel droben, Du meine Kraft, du meine Zuversicht. Dem harr' ich noch, wenn schon das Auge bricht. Dein Dienst ist mein erkoren Teil, Drum hoff' ich gläubig auf dein Heil. O gib mir Mut und Kraft, dich nie zu lassen, Laß deiner Liebe Säume mich umfassen. Und zieht heran 'ein dräuend Strafgericht, Ich übertrete deinen Willen nicht, Dein Bündnis wahr' ich unversehrt. Wie ist dein Wort mir lieb und wert! Ein Traum. Wie selig ist's, in deinem Haus zu stehen, In deiner Nähe sich, o Gott, zu sehen! Ich sah im Traume mich in deiner Halle, Sah die zum Dienst geschmückten Priester alle. Das Opfer ward gelegt auf den Altar, Der eingehüllt in eine Wolke war. Mit Wonne hört' ich der Lveiten Chor, Wie er melodisch trug , die Hymnen vor. Der Traum verflog, ich blieb in deinem Kreis, Und pries dich hoch, denn dir gebührt der Preis. (Fortsetzung folgt.) Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseraten teil enkhaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesehlichen Eharaklers auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. CAFE HANSELMANN KAISERGARTEN gegenüber dem Opernhaus Künstler-Konzerte 4—12 Uhr Helle Schaufenster sind die besten Kundenwerber Kostenlose fachmännische Beratung J- Gischler, elektrische Anlagen Gr. Bockenheimerstr. 52-56, Tel. Hansa 5079 Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feui!^-on S. Schachnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate i. V.: S. Schachnowitz, ebenda. Verlag „Israelit", G.m.b.H., Frankfurt a.M. Druck Hermon Verlags-Aktiengesellschaft, Frankfurt a.

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