Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1925)
- Date
- 1925-08-13
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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fiepausgegeften ppn dep fandesorganifation dep Jtgudas-Jispoef Iw fleutfcfiland Jahrgang Frankfurt a. M./ 13. August 1925/23. Aw 5685 Nummer 16 Die Eröffnung der Des Zaakauv- Jorlbildungskurse bei Krakau. Wenn die Gründung des Keren Hathora, die von so vielen Seiten nrit einer gewissen Skepsis begrüßt wurde, sich Dank der zielbewußten Arbeit der an der Spitze stehenden Persönlichkeiten mehr und mehr Anerkennung, in den weitesten Kreisen in Ost und West Erringt, soweit es sich um die Förderung der alten Jeschiwaus und um die Erweckung neuen Thoralebens auf oft steril scheinendem Boden handelt, so ist es insbesondere die Mädchenbildung im Osten, die der Einbeziehung in das Arbeitsgebiet des Keren Hathora eine mächtige Vertiefung zu verdanken hat. Die Schöpferin der orthodoxen Mädchenschulen, die unter dem Namen B es Jaakauv unsren Brüdern in Galizien und Polen bereits die Hoffnung auf das Heranblühen eines wahrhaft jüdischen Frauengeschlechtes geschenkt haben, Frau Sara Schenirer, hat es von vornherein als den schwierigsten Teil ihrer Aufgabe betrachtet, sich, einen Stab von geeigneten, pädagogisch gebildeten Mitarbeiterinnen heranzuziehen. Die entsetzliche Not der Stunde, die Tatsache, daß Tausende von jüdischen Mädchen in einer Art von geistiger Blindheit heranwuchsen, ohne von „Schema Jisroel::, geschweige denn von dem reichen Pflichtenkreise der jüdischen Frau eine Ahnung zu haben, nötigte z u n ä ch st, in der primitivsten Weise vorzugehen und kaum der elementaren Lehre entwachsene Kinder zur Würde von Lehrerinnen zu erheben. Aber es war von vornherein klar, daß es sich dabei nur um ein Anfangsstadium handeln konnte. Durch die Verbindung mit der Keren Hathora-Zentrale und ihrem pädagogischen Leiter, Herrn Dr. Leo Deutschländer, ist es nun rascher als wie man denken konnte, gelungen, eine Basis für die pädagogische Ausbildung der Bes Jaakauvlehrerinnen zu finden. Es sollen zu diesem Zwecke in regelmäßigen Zeitabständen Fortbildungskurse stattfinden, die sich auf die Dauer von 6—8 Wochen erstrecken und in denen die in der Praxis stehenden jungen Lehrerinnen durch intensive Arbeit unter Leitung geschulter Lehrkräfte sowohl methodisch als inhaltlich für ihre heilige Aufgabe immer mehr tauglich gemacht werden sollen. Der erste dieser Fortbildungskurse ist am Sonntag den 5'. Av auf Bergeshöhen, in der reinen, würzigen Luft der Karpathen, 3 km von der letzten Eisenbahnstation entfernt, feierlich eröffnet worden. An diesem Ferienkurs in Robow bei Nowy-Targ nehmen etwa 40 Lehrerinnen der Be.s Jaakauv-Schulen teil. Die Leitung liegt, wie bereits gemeldet, in der Hand des Herrn Dr. Leo Deutschländer und seiner Gattin, denen die Herren Dr. Ernst Ehrentreu aus München und die Damen Rosalie Mannes aus Zürich und Judith Rosenbaum aus Frankfurt a. M. zur Seite stehen. Die äußeren Zurüstungen zu dem ganzen Unternehmen sind der unermüdlichen opferfreudigen Tätigkeit des Senators Deutscher in Krakau zu danken. Die Finanzierung ruht fast ganz auf den Sammlungen, welche die deutschen Mädchengruppen der Agudas Jisroel zu Gunsten des großen Erziehungswerkes an ihren polnischen Schwestern eingeleitet haben, und das durch die Leitung des deutschen Keren Hathora im Laufe der Wintermonate in wirksamster Weise unterstützt worden ist. Zu der Eröffnungsfeier mitten im Wald hatten sich eine Reihe von Ehrengästen aus den Karpathen-Kurorten, sowie die Führer der galizischen Agudas Jisroel eingefunden. Senator Deutscher schilderte in eingehender Rede die Entstehungsgeschichte der' Bes Jaakauvbewegung und sprach den Instanzen der Agudas Jisroel den wärmsten Dank für ihre Hilfsarbeit aus. Darauf ergriff Herr Rabb. Tobias H 0 rpvitz namens des G. A. der Agudas Jisroel das Wort zu einer groß angelegten Rede, der wir folgendes entnehmen: „Man wirft uns vor ,daß wir die Stellung der Frau im jüdisch-religiösen Leben herabdrücken. Das trifft nicht zu. Das höchste, was wir in unserer Glaubenslehre haben,, ist der Glaube an die Einzig-Einigkeit Gottes, der das Judentum in den Generationen und in all seinen Teilen zusammenhält. Diese uns erhaltene Kostbarkeit ist aber der Frau in die Hand gelegt worden. Sie erzieht die Kinder von der Wiege auf zu den höchsten Idealen des Judentums. Gegen die FrauenbilduUg ist nichts einzuwenden. Nach Maimonides steht es der Frau frei, die schriftliche Lehre zu studieren. Heute, da auch alle profanen Bildungsquellen der Frau geöffnet sind, ist es sogar heilige Pflicht, daß die jüdische Frau mit den Pflichten des Gesetzes wie mit dem Geiste der Lehre vollkommen vertraut wird. Mit der Thora, der Urquelle aller Lebensideale, werden wir siegen!" Der Leiter der Kurse. Herr Dr. Deutschländer aus Wien, hält nun ein Referat über die hohe Bedeutung des Lehramtes im Judentum. Kein.Pädagoge der Geschichte und Weltliteratur hatte den Mut, bis zur Anschauung unserer Weisen über den Lehrer zu gehen: „Wenn der Lehrer einem Engel Gottes gleicht, dann erst suche man Lehre aus seinem Munde." Wenn die Jugend die jüdische Wissenschaft kennenlernt, dann wird sie die Größe unseres Volkes ganz erfassen. Kein Volk der Erde kann mit solchem Stolze auf seine Ahnen zurückschauen wie wir. und unsere Propheten können uns eben als höchstes Ziel der Zukunft nur die Gestalten der Vergangenheit dahinstellen. „Schaut auf den Felsen, aus dem.ihr gehauen seid, auf Abraham, euren Vater!" Die Ausgabe der Frau, der Mutier wie der Lehrerin, ist groß und von erhaltender Bedeutung für unser Volk. Es heißt ja auch: „Verlasse nicht die Lehre deiner Mutier" (nicht des Vaters). Mit der Hoffnung, daß die Schülerinnen ihrer Pflicht sich stets bewußt sein werden, schloß der Redner. Darauf schließt Herr Senator Deutscher die feierliche Versammlung und erklärt die Kurse für eröffnet. Die Esra-Tagung auf derHomburg vom 16. bis 19. Aw 5685. Ein einfacher fränkischer Bauernhof, die „Bergmühle" am Fuße der Burgruine Homburg, war der diesjährige Tagungsort für den Esra. Dorthin waren sie zusammengekommen aus allen Teilen Deutschlands, um zu beraten und Stellung zu nehmen gegenüber dem, was die Gegenwart von uns fordert. Keine Betriebsamkeit und Geschäftl'huberei, sondern intensive Geistesarbeit war der Grundton dieser Tagung, deren Wert und Erfolg sich nicht nach den gefaßten Resolutionen und Beschlüssen allein bemessen läßt. Die Tagung auf dem einsamen Gehöft, fern von jedem überkommenen Banausentum war der Prüfstein dafür, ob der Esra ein jüdisches Mileu schaffen konnte. Die Aufgabe wurde erfüllt. I. Mit wenigen, knappen Worten leitete am Donnerstag mittag Eli Munk -Berlin als Bundesleiter die Tagung ein, deren Verlauf Distriktsrabbiner Dr. B a m b e r g e r -Kifsingen, in dessen Bezirk der Ort der Tagung liegt, mit herzlichen Worten den besten Erfolg wünschte. Es folgen noch mehrere Begrüßungsansprachen, Verlesung von Telegrammen, und nach dem Tätigkeitsbericht der Vundesleitung sowie der beiden Presseorgane (Führer- und Jugendblätter) setzt die Generaldebatte ein. Jeder von uns hat es doch schon irgendwo mitgemacht, wie dieser Punkt der Tagesordnung der Tagungsleitung am meisten Schwierigkeit bereitet, wie sich die Debatte ins Uferlose ergießt und tausend Wichtigkeiten, die doch nur Nebensächlichkeiten sind, zur Sprache gebracht werden. Doch nichts von alledem. Es war das uneingeschränkte Vertrauen zur Bundesleitung, die restlose Zufriedenheit mit der von ihr und ihren Beauftragten geleisteten Arbeit, welche die Generaldebatte nur zu einer Gelegenheit und Möglichkeit für mehrere kleine Anfragen gestaltete. So konnte denn schnell zu einem wichtigen Teil des Gesamtprogramms geschritten werden, zur Statutenfrage. Auf der letzten Fuldaer Tagung imv2v5684, war die neugewählteBundesleitung damit betraut worden, ein Statut zu entwerfen, das bis zum nächsten Bundestag Gültigkeit besitzen sollte. Dieses im veröffentlichte Statut unterschied sich in prinzipiellen Fragen so wenig von den jetzt eingereichten Breslauer und Hamburger Entwürfen, daß nach einem einleitenden Referat von Eduard F r e u n d für den Breslauer Entwurf, Carl Meyer -Hamburg sowie Harry Abt -Frankfurt sich in ihren Referaten für den Hamburger bezw. Bundesleitungsentwurf auf kurze, ergänzende Bemerkungen beschränken konnten. Die von einer Statuten-Kommission vorgeschlagene einheitliche Fassung wurde vom Plenum en bloc angenommen. Es liegt im Wesen eines Statuts, daß es Formulierungen enthält, die Gemeingut eines jeden derartigen Werkes sind. Entscheidend ist nur der Tendenzparagraph, dessen Fassung in unserem Bunde bedeutungsvoll genug ist, um ihn einer weiteren Oeffentlichkeit bekanntzugeben. Paragraph 2 lautet: „Der Bund erstrebt die Erziehung seiner Mitglieder zu solchen omir»' d i e sich in ihrem Einzel- und Gemeinschaftsleben dem göttlichen Gesetz unter st elle n." Die das Verhältnis zur Agudas Jisroel betreffenden Paragraphen erfuhren keine Veränderung.^) Es wurde jedoch, veranlaßt durch die in Würzburg jüngst gefaßte Resolution der A. I. I/O., eine Kommission eingesetzt, die das beiderseitige Verhältnis noch einmal zu prüfen hatte. Es muß an dieser Stelle ausdrücklich betont werden, daß für-uns zumal nach der in Frankfurt vor einiger Zeit getroffenen Vereinbarung mit den Herren Jacob R 0 f e n h e i m und Leo Munk keinerlei Veranlassung vorlag, die Frage wieder aufzurollen, es war lediglich ein Akt der Loyalität unsererseits, wenn wir die Würzburger Resolution zum Gegenstand einer eingehenden *) Sie besagen, daß Esra organisatorisch selbständig, jedoch in innigster ideeller Uebereinstimmung mit „Agudas Jisroel" arbeitet und deren rabbinifchem Rat untersteht. Ein Mitglied des O. V. der A. I. I. £>., der Esra- Führer fein mutz, gehört der Vundesleitung des Esra an. Red.