Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1925)
- Date
- 1925-08-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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W. Jahrgang. Frankfurt a. M., den - 6. August -1925 16. Aw 6685 Nr. 32 Der IsraenFJ) Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum 1 Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Januar 1984: Deutschland 1 Toldmark monatlich; Ausland: Viertel» jahrpretse (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Koste» des Streifband-Ver» sandes) Deutsch-Österreich: Schillings.-; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; Frankreich 18 Fr.; Belgien 18 Fr.; Hollands fl.; Italien 80 Lire; Jugoslawien 70 Din.; Litauen 7.80 Lit.; NumLnten 300 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark »UW Tageskurs oder 5 Zloty; Schweiz 6 Fr.; Tschecho-Slowaket 88 Kronen; Angarn 80000Kronen; Dänemark 6 Krone»; > Norwegen 8 Krone«; Schweden 8.80 Kronen. Einzelnummer dreißig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jede« Donnerstag. Inserate 40 Goldpf. für die stebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bet Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 30 Pf. Die 76 mm breite Reklamezeile: letzte Tertsetre 1.60 SW., vorletzte Scxtjcttc 2.- Mk.; Thiffregebühr ln Höbe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt »ach Tarif. Bet laufenden Jnserataufträgen tartfm. Preiserhöhung jeder«. Vorbehalt. Inseratenannahme durch den Verlag des Israelit CB. m. b. Franks, a. SR., Br. Eschenheimer Straße 88, Tel. Hansa 5848 so«, durch sämtl. Annoncen-Erved. des Sn- und Auslands. Alleinige Inseratenann. für Franks. Geschäftsanzeigen: Äni. Schmidt, Langestraße 7, ll. Platzoorfchriften ohne Berbtnduchkett. „ » direkt an den Verlag auf Warschau Nr 190767. - Postscheckamt Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 19808. — AußerMm an: Postsparkasse Wien Nr. 79608 — Postsparkassenamt Budapest Nr. 18484 — Postscheckkonto Zürich Nr. VM7881—Inkasso-Bank Rotterdam — Postscheckamt Amsterdam Nr. 24869 — Böhmische Nntonbank in Prag —Bane« Marmarosch- Blank & Co. in - - ~ Bukarest — Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. ‘ Die „Äußerlichkeiten" des Thorajudentums. Von Rabbiner PH. Fischer in Sarospatak (Ungarn). Ein uralter und immer sich wiederholender Vorwurf, den seit jeher dieinneren und äußeren Feinde des Thorajudentums gegen dasselbe zu erheben pflegen und der auch zu den hauptsächlichsten Ausgangspunkten der jüdischen Reformbestrebungen der Neuzeit gehörte, ist es, den der Prophet Jesaja (28,10) mit den Worten wid ergibt: tstt ew N'ztr ipy ip ipb ip ix'ixV IS *5 „Gebot um des Gebotes willen, Schranke um der Schranke willen, Kleinlichkeit hier, Kleinlichkeit dort!" Das alte Judentum ist ein unerträglicher Ballast von Geboten und Verboten, Wobei die großen, wirklichen, erhabenen Ziele des Lebens nicht zur Sprache und Geltung kommen. Es handelt sich um lauter Kleinigkeiten, Geringfügigkeiten, cnrr mr cw mr- Was und wie man essen oder nicht essen darf, arbeiten oder ruhen soll, kulinarische Vorschriften, veraltete Sanitätsmatzregeln, minutiöse Zeremonialgesetze, wie man sich kleiden, Haar und Bart abnehmen darf oder nicht und dergleichen noch vieles; lauter Kleinigkeiten! Das soll alles den großen, allmächtigen Gott kümmern! Und dannerst der Talmud! Wie ist derselbe voll der Gesetzeshänfungen, der Buchstabenilaubereien, der Vorschriften ohne. Leben! Hat sich doch einer der Anführer der Reformbestrobungen des vorigen Jahrhunderts so weit vergessen, daß er die schöne Behauptung wagte, daß die alten, Rabbiner nichts anderes verstanden hätten, als nur ihre Nasen in die Töpfe stlneinzustecken!.; Und wenn es nun auch nicht zu beftreiten i-t, daß die heiligen Reden unserer großen Propheten, diese Gewissensstimmen der Menschheit, die erhabenste Wik enthalten, und. daß auch die so viel geschmähten talmudischen Folianten lostbäre Schätze erhabenster Weisheitslehren in 'ich bergen, —. so sagen eben unsere Feinde, haß der Prophetismus eine mit dem sttlheren sogenannten „mosaischen Judentume" »her tritt der „Gesetzesreligion" im lebhaftesten Widerspruche sich befindende Evolution sei, und daß die im Talmud vorkommenden erhabenen Weisheitslehren, wie einzelne Tropfen auf heißen Stein sind, ganz und gar sich in der großen Sandwüste der übrigen trockenen, geisttötenden ErÄrternngen verlieren. Oder aber — rufen die inneren und äußeren Feinde des traditionellen Judentums in alter und neuer Zeit aus — sollte es denn von wesentlicher Bedeutung sein können, ob z. V. die Gehäuse der viereckig und nicht von anderer Form sind?! Daß die Y'L'L nur aus vier zusammengelegten Fäden zu bestehen haben?! Und so weiter fort all die weitläufigen minutiösen Bestimmungen der sogenannten Zeremonialgesetze. Lauter müßige Tüfteleien! Nun, was ist unsere, der Anhänger des alten, historischen, traditionellen Judentums, Antwort auf diese und ähnliche höhnischen Angriffe? Wir antworten hierauf mit den Worten des Midrasch: m^b m bs n-iinw rniro frrin „Die Thora wurde mit schwarzem Feuer auf dem Hintergrund von weißem Feuer geschrieben." Ja, die Thora enthält in ihren Vorschriften das weiße himmlische Feuer erhabenster kosmischer und moralischer Motivs und bsglückendster und heilsamster Auswirkungen, das weiße himmlische Feuer göttlicher Ideen und Lehren unter der Hülle des schwarzen Feuers, unter der Hülle der für uns staubgeborene, irdische Wesen bestimmten Buchstaben des Gesetzes! Es ist - dies ebenso wie bei dem Anblicke eines von Künstlerhand geschaffenen wunderbaren Gemäldes. Der einfache Mann aus dem Volke wird bloß die Wohlgetroffenheit der Züge bewundern. Wie vortrefflich der Meister es verstanden hat, die Statur, die Nase, die Augen usw. des Betreffenden wiederzugeben. Aber der Kunstverständige bewundert die Kunst des Malers, der es verstanden hat, mit solch einfachen Mitteln, mit den schlichten Oelfarben gleichsam eine-neue Schöpfung ins Dasein zu rufen. Er sieht aus den glutvollen Augen auf dem Bilde auch den belebenden Geist hervorstrahlen, er bewundert den. charakteristischen geistigen Ausdrnck all der Gesichtszüge. Er bemerkt das aus all den Pinselstrichen des Meisters hervorlugende, hervorblitzende geistige Weben der Persönlichkeit. So verhält es sich auch mit den scheinbaren. „Aeußerlichteiten" der Thöragesetze. Der liebevoll sich Versenkende bemerkt das Weben eines höheren Geistes hinter dem verbergenden Schleier all dieser scheinbaren ^.Aeußerlichkeiten". Und so flehet auch der heilige Sänger: 'J'y b2 ^min» ntj'n*o „Enthülle meine Augen, daß ich schaue Wunder aus Deiner Lehre!" — Mit diesen Worten flehen wir zu Gott, daß, wenn wir lernend und übend Seinem Gesetze nähergetreten sind, er die Binde von unseren Augen lüfte, daß wir nicht nur an dem Aeußeren seiner Lehre haften bleiben, sondern einzudrmgen vermögen und aus Gottes Lehroffenbarung die Wunder seiner Weisheitsgröße schauen lernen?) Daher lautet auch ein Ausspruch der Weisen: NIL» 8^2-om Dnjr rro mirr^ '»„Wer die Thorarolle ohne Umhüllung ansaßt, der wird auch ohne Umhüllung begraben werden — d. h. ohne NIL»"« . Fürwahr, derjenige, der bei den Vorschriften der Thora sich nur an die äußeren Erscheinungsformen derselben hält und es durchaus nicht wahr haben will, daß dieselben Träger und Bewahrer tiefsinniger Gedanken und Wahrheiten, Lehren und Unterweisungen sind, der wird früher oder später dazu gelangen, den sittlichen Wert und sittigenden Einfluß derselben ganz in Frage zu stellen und wird endlich die Beobachtung derselben gänzlich vernachlässigen und so in buchstäblicher Weise ML» K^3 Dm ohne niL» zu Grabe getragen werden?) Wie dies alles schon der große Vorkämpfer für die vergeistigte Auffassung der Thoravorschriften so markant schildert: „Sind jene Ansichten (der neuen Zeit) über die Anforderungen der Thora wahr — — — ei, so ist doch in Wirklichkeit der bändereiche Talmud nichts als milbenklaubende Spitzfindigkeiten: so ist ja wirtlich das praktische Judentum nichts als geistlose Quälerei! -—" Daher tönt auch für uns die Mahnung Ben-Usiels: „ — Sinn muß liegen in allen NIL» — und vor allem in denen, die sich selb st als erziehend ankündigen, ihr Geist muß sich erschließen lassen: sie nennen sich ja selbst Zeugnis, Denkmal, Symbol -" (Neunzehn Briefe, 18ter Brief). lind dies ist auch der Sinn jenes rätselhaften Ausspruches des Midrasch:' tinh. pin» '2 2^2 rmiV» rrnnn rm nxrn '» »nxb „Denn süß ist das Licht." Heil dem Menschen, dem die Thora so klar und hell erscheint wie der Schnee." i) S. R. Hirsch zu Pf. 119,18. -) Man sehe auch S. R. Hirsch zu III. B. M. 26,14 u. f.