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Der Israelit · 1925-07-30 · Heft 31 (30.7.1925) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 31 (30.7.1925)
Date
1925-07-30
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
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Seite 14 Nr. 31 Der Israelit 30. Juli 1925 nur um günstiges Geschick bitten, um gute, einsichtsvolle Herrscher, die ihre Regierung mit Umsicht ausüben und sich ihrem Willen fügen. Man mutz dem Vaterlande Opfer darbringen, es gegen einen äußeren Feind verteidigen, be schützen, um für die künftigen Geschlechter bessere Zeilen anzubahnen. Jetzt hatten sich diese Begriffe ganz verflüchtigt. Er hatte ein Haus besessen und es wurde ein Raub der Flammen. Der Laden wurde ausgeraubt und ausgeplündert. Wird er später wiederum ein Haus, ein Geschäft sein eigen nennen? Woher, wer wird es ihm geben? Und wenn ja, wem wird es nach seinem Ableben zu fallen? Die Binder sind ja in verschiedenen Ländern und Krähwinkeln gestorben. Haben sie denn sterben müssen? Wofür? Wem nützte ihr Tod? Israel ist fürs Vaterland gefallen — bei diesem Gedanken erschien ihm das Wort „Vaterland" wiederum unbegreiflich, es wird eben nur so als Phrase angewandt . Hat er denn in einem finsteren, nassen Loch ohne Licht und entsprechendes Essen wohnen müssen, bis Maierke daran zu Grunde ging? Wem war denn damit gedient? Wer hat es geheischt? Und das Leben in den Baracken? Vor seinem geistigen Auge passierte der in den Baracken zugebrachte Zeitraum und macht bei Sare und Riwkele halt. Wie schauen die jetzt aus? Wie ist Sure nur verwandelt! Wird sie es ertragen können? Und wie lange noch wird sie dort verbleiben? Und wenn man sie von den Baracken zurückschicken wird, wohin dann? Wohin wird die Unglückliche sich begeben? Ein kalter Schweiß drang plötzlich durch Schmuls Poren, es stieg ihm ein Gedanke auf, welcher ihm folgendes Bild vorgaukelte: Riwkele ist gestorben, Surele reißt sich das Haar vom Kopfe, die Kleider vom Leibe. Varackenweiber bilden eine Gruppe und sie stürzt sich zu Boden und zetert: „Schmul, Schmul, wo bist du? Schon ist auch Riwkele nicht mehr da! Schmul vernimmt deutlich Sures Weinen. Seine Augen füllen sich mit Tränen und durch diese sieht er, wie durch einen Nebel, es steht ein Wagen vor ihm mit einer eingespannten Kuh. Sure wird in den Wagen gehoben, ein Barackenverwalter steigt auf den Bock, denn der Kommissär hat ihm einige Kronen gegeben, damit er sie ins Irrenhaus bringe. (Fortsetzung folgt.) Ein Sabbat in Bechhofen. Bechhofen liegt am Ende der Lokalbahn, die von Ansbach ausgeht. In fruchtbares, ebenes Land hinaus anderthalb Stunden weit fährt die Bahn, bis sie ihr Endziel Bechhofen erreicht hat. Nachdem ich Bechhofen kennen gelernt habe, hat es für mich symbolische Bedeutung, daß die Fahrt dort Schluß macht. „Dreistufig, meint Hirsch, entsprechend den Wegen unserer Väter ist das Golus, durch das wir wandern. Gelingt es uns, zuder Höhe abrahamitischer Lebensführung zu gelangen, so dürste damit die dritte und letzte Stufe des Golus, das Ende einer Entwicklung erreicht sein. Wenn „Gottesfürst" wir von den umwohnenden Völkern genannt werden, so wird dies das Ende allen Bruderhasses bedeuten." In Bechhofen, verehrter Leser, da hat der Bruderhaß geschwiegen, auch als ringsum die kleinen Orte und ganze bayrische Städte von Antisemitismus wiederhallten. In welch häßlichen Formen sich im Jahre 1922/23 der Judenhaß in Bayern^zeigte, das erzählten mir viele der Betroffenen. Hitlerbanden, Hakenkreuzlieder johlend, durchstreiften die Dörfer. Hier reißt man den Juden die Gärten nieder, dort erschießt man ihnen die Hunde, die jahrelang treue Wächter ihrer Häuser waren. Man geht an den jüdischen Mitbürgern vorbei und grüßt sie nicht mehr. Haussuchungen nach Waffen hält man in jüdischen Häusern. Man plant Gemeines gegen die Tächter der Juden. Da wächst in den jüdischen Männern gar mancher Landgemeinde ein grimmiger Zorn. Sie waren jahrelang im Krieg und scheuen nicht die Gefahr und nun — Faust geballt und Beschimpfung abgewehrt. Aber das leiden die besonnenen jüdischen Frauen nicht. Dl möchtet ihr braven Frauen eure Männer nicht nur zurückgehalten haben von zwecklosem Bruderkampf, möchtet ihr sie anfeuern zum Gehorsam gegen Gott im Himmel und sein heiliges Gesetz. Frei von dem Gift des Judenhasses war die Luft in Bechhofen, ein Wunder und ein sehr wohl begründetes Wunder. Abrahamitischer Geist hat in Bechhofen seinen ständigen Wohnsitz. Oder was ist es sonst, daß in Bechhofen auch die christlichen Fabriken am 'nw geschlossen haben? Glaubt Ihr es nicht, geht und seht mit eigenen Augen! Gewiß die Fahrt hin ist weit. Aber Ihr werdet entschädigt. Eine wundervolle gastliche Aufnahme wartet Eurer, die Ihr kommt, um zu sehen, wie fernab vom Weltgetümmel, aber doch im regsten Industriebetrieb der Geist unseres Stammvaters hochgehalten wird. Und geht Ihr mit Eurem Gastgeber oder Eurer Gastgeberin über die Straße, achtungsvoll lüften sich allüberall die Mützen. Vor dem Geiste von ivos nmas der noch heute seine Träger zu Gottesfürsten adelt, verkriecht sich der Judenhaß in seinen finsteren Winkel und wird es nicht wagen, hervorzutreten. Nicht allein treues Festhalten am Gottesgebot, sondern auch echte Demut und Be scheidenheit, die in jedem Dorfkind das Ebenbild des Schöpfers achtet, zieren unser Gastgeberpaar. Und über Bechhofen hin flutet etwas von der unglaublich hoch stehenden Geistigkeit der Menschen. Sie erfüllen in Bechhofen des Sängers Wort :rrd!> N2VN p AHsb Dnnsan Fertig mit Geschäft und Haushalt, sabbatlich gekleidet, sitzen wir volle zwei Stunden vor Sabbatbeginn und besprechen, was uns am Herzen liegt. Unvergeßlich wird mir diese Vorsabbatruhe sein. Ich wüßte sie nirgendwo sonst zu erleben. Als es Zeit wird, fordert mich mein Gastgeber auf, mit ihm nach Schul zu gehen. Wir gehen die Hauptstraße ein Stückchen hinunter, biegen in eine kleine Seitenstraße ein an deren Ende ein Bach leise rauschend dahinzieht.. Mein Gastgeber bleibt vor dem Tore einer Scheune stehen und lädt mich durch eine Handbewegung zum Eintreten ein „Ja, aber, verzeihen Sie," bemerkte ich, stehen bleibend Sie sagten doch, wir wollten nach Schul gehen." „Es stimmt schon," antwortete in seiner einfachen Herzlichkeit mein Gastgeber, „gehen Sie nur." Ich konnte nicht umhin, noch einen Blick aus das Aeuhere des Gebäueds zu tun. Hohe dunkle Bretterwände, einige einfache Glasfenster, eine geräumige Scheune! Ich mochte zweifelnd meinen Führer angeschaut haben, denn er sprach mir ermutigend zu, doch in die Synagoge hineinzugehen. Ich gehe einige Schritte vorwärts. Sofort ziehen Wände und Decke des inneren Raumes meinen Blick auf sich mit einer solchen Macht, daß mir für Sekunden der Atem stockt im beklemmenden Gefühl des vorher nirgends Geschauten. Ueber und über sind Wände und Decke mit Malereien ver sehen. Aber nicht nur das, Decke und Wände sind überall mit den herrlichsten Pesukim beschrieben. Nicht nur ein bedeutender Künstler, sondern auch ein guter Kenner unseres Schrifttums muß hier die Hand am Werke gehabt haben. Daß ein großer Künstler hier gearbeitet haben muß, meint mein Gastgeber, geht daraus hervor, daß sie schon vor vielen Jahren kamen, die Kunstkenner von München und Düsseldorf, um der Gemeinde die Synagoge abzukaufen. Man wollte der Gemeinde eine neue Synagoge, ein neues Ritualbad und ein Lehrhaus bauen, und dafür die alte Synagoge mitnehmen und sie in einem Museum in Düsseldorf ausstellen. Unter dem Namen „Scheunensynagoge" ist in Künstlerkreisen die Bechhofener Synagoge bekannt, und aus vielen Städten kommen des öfteren namhafte Kunstkenner, um diesen einzigartigen Bau zu besichtigen. In tiefster Bescheidenheit steht sie da die Synagoge mit einem Ehrfurcht gebietenden Innern. An der Westwand des Jnnenraumes steht der Name des Malers und nicht weit davon hat der Künstler auf der gleichen Wand dem Andenken Jeruscholajims Stätte gegeben. Nichts ist bekannt von dem Leben des Künstlers, der in tiefer Frömmigkeit hier gearbeit haben muß, als fein Personennamen. Mit Absicht hatte mein Gastgeber mich früh nach Schul geführt. Gar viel Interessantes konnte er mir über die Synagoge erzählen, wie sie der Gemeinde um keinen Preis verkäuflich gewesen sei und wie nun die Behörde über ihre Unantastbarkeit wacht. Ich konnte mich hingeben der Wirkung von Malerei und Inschrift. Da werden ringsum die Kerzen entzündet, denn kein neumodisches Licht darf den Charakter der Bechhofener Scheunensynagoge stören. Vollzählig und pünktlich erscheint ganz Kahal in Schul, keiner ist in Bechhofen mechallel schabbos. In würdiger Weise hält Bechhofen seinen Lehrer. Trotz sehr kleiner Mitgliederzahl hat die Gemeinde ihren Lehrer in die staatliche Besoldungsordnung erngereiht kn einer Zeit, da anderswo die Gemeinden lieber lehrerlos blieben, als sich den berechtigten Forderungen anzupassen. Von Sabbatstimmung erfüllt, erwartet uns nach Schul die Gastgeberin. Thoraworte würzen das Mahl. Man trennt sich spät, um sich früh zum Schulengehen wiederzusehen. Eine schöne Sitte der kleinen bayrischen Gemeinden sei hier erwähnt. Nach Schul besucht die ganze Gemeinde den Vaalhabajis, der Gäste im Hause hat, und so wurden wir am natf in Bechhofen mit der ganzen Gemeinde persönlich bekannt. Der Tag nach raw ließ uns den Geist der echten Jüdischkeit in Bechhofen noch einmal voll empfinden, losgelöst von aller Jrdischkeit. Unsere Gastgeber führten uns auf die Stätte des Bes chajim in Bechhofen. Sie unterscheidet sich von vielen dadurch, daß sämtliche /ms« . in derselben Farbe gehalten sind. Nicht weit vom Eingang finden sich mehrere alte Keworim von Rabbinern, deren Instandhaltung Bechhofen als Wrenpflicht auf sich genommen hat. Nicht nur der Scheunensynagoge gelten die Besuche der Kunst- Professoren. Sie gehen auch hier auf das Bes anlom, das in seiner Einfachheit und seinem hohen Alter auch auf den nichtjüdischen Besucher seine Wirkung nicht verfehlt. Da finden sich max» von der Last der Jahre tief zur Erde gebeugt. Man liest auf ihnen die altehrwurdige Zahls-P. I. W. Besuch im Ferienheim der Adaß-Schule bei Berlin. Berlin, 24. Juli. Nach anderthalbstündiger Fahrt durch Vororte mit blütenschwerer Lust stehen wir vor dem freundlichen, versteckt liegenden Hause, das in diesen glutheißen Wochen erholungsbedürftigen Knaben und Mädchen der Monbijouplatzschule eine Stätte der Pflege und frohen Tum melns ist. Ein Achtjähriger im Badehöschen und mir Hemdjackett kommt vom nahen See und weist uns den Weg. Am Tor empfängt uns eine der edlen Helferinnen, die hier die muntere Horde meistern und bemuttern. In allen Formaten, Altersklassen, Geschlechtern, Bekleidungs¬ und Nichtbekleidungsgraden lagern unsere kleinen und kleinsten Adaßschulkinder in den Winkeln, Wiesenmatten, Spielflächen und --- hohlen Bäumen der wundervollen Landschaft, die das schlichte Heim fast ganz umgibt. „Frei wie der Pogel im Laub . . . ." singt eine Zehnjährige vor sich hin. Frei wie der Vogel ist hier nicht nur die Bewegungsmöglichkeit jedes Kindes. Auch das Heim selbst ist wie ein „Jefch meojin" entstanden; keine Gemeindeverwaltung, kein Kuratorium hat es geschaffen. Der Direktor der Schule und einige Lehrkräfte, dazu einzelne auf dem Gebiete des Geldschaffens besonders bewanderte Privatpersonen haben das Werk zu Stande gebracht. Außer der ständigen Belegschaft werden hier noch „Tageskinder" mitverpflegt, Kinder, die täglich herausgesahren kommen und mit ihren „Ganztags"-Kameraden nahe dem Heim am See ihre Ferien verleben. Während wir noch von der Helferin aufs Gründlichste und Liebenswürdigste über alles, was die lieben Kleinen sollen und nicht sollen, belehrt werden, geraten wir über das brandfpiegelfefte Aussehen, das einige uns bekannte Bleichgesichter sich hier ehrlich ersaulenzt haben, trotz ihres schnellen Vorbeihüpsens in immer sich steigerndes Erstaunen. Als erst meine lieben Schiurgängnr, also die Barmizwo-Herren, in schnell übergeworfenen Jacketts sich vorstellten und zum Jaumkippurkoton einluden, da waren wir ganz zuhause in der Adaß, und zugleich zuhause in Gottes weiter Natur. Vielleicht erklangen die Schlaufcheßreh middaus und Baß- Ammi zum ersten Male vor den Ohren der Teltower Bäume und Büsche, und zwar gleich mipi aulalim, aus jugendlichem Munde Wohl Jeder, auch wer nicht vor 1% Wochen die feierliche Einweihung dieses Heimes miterlebt hat, wird gerne an diese herrliche Stätte zurückdenken. Gewiß wird ein Nachklang davon auch jedem Jungen, der diesen Jaumkippurkoton mitgehalten, zeitlebens eine „Haschiwenu" des «nin vrm an» verbleiben. Ktrtberecfe. Biblische Frage. Die Antwort aus die Frage des Herrn Rabb. Dr. Winkler („Israelit" Nr. 29) lautet: 1) 1. B. M. Kap. 36,5: n 11 j? 2) 4. B. M. Kap. 13.7: ö 1 * p 3) 4. 93. M, Kap. 31,8: yin fiKl oder 2. B. M. Kap. 36,30: *n n p Richtige Lösungen sandten ein: Ch. I. Bogen, Karsruhe; I. Offowskt, Berlin; Marcus Arthur Weinberger, Hamburg; Salka Silber, Berlin; Kalman Schächter, Frankfurt a. M. Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder önfttge Angaben religionsgefehlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. CAFE HANSELMANN KAISERGARTEN gegen&ber dem Opernhaus Künstler-Konzerte 4—12 Uhr J. Sabbat-Lampen mit und ohne elektrischer Einrichtung. 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