Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1925)
- Date
- 1925-07-16
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 Nr. 29 19. Juli 1928 Das Lokal verlassend, gab er Chaim Maier folgende Aufklärung: „Die Knöpfe werden ein wenig näher angenäht werden, der Kragen wird mit Benzin gereinigt und von den Aermeln wird herausgelassen, da Stoff da ist, dann wird es keine schlechte Ware sein." „Und warum haben Sie das Jaquett nicht haben wollen?" Leibuschs Augen leuchteten schielend auf. (Fortsetzung folgt.) Rinderecke. Rabbi Rleir von Rothenburg. Von Heinrich Reuß. (Fortsetzung). 3. Rabbi Meirs Schüler. Von den Schülern R. Meirs sind zwei durch ihre Werke berühmt geworden. Der eine war Mordechai ben Hillel in Nürnberg. Er schrieb ein Werk, das aus dem Talmud dasjenige zusammenfaßt, was für die religiöse Praris von Wichtigkeit ist. (Sefer Mordechai). Er beklagte das Unglück seines Volkes und die schweren Leiden der Zeit in rührenden Bußgebeten. Er verließ seine Heimat nicht und starb mit seiner Familie den Märtyrertod, als der Edelmann Rindfleisch die jüdischen Gemeinden in Süddeutschland, ausrottete (1296). Der bedeutendste Schüler R. Meirs war der große Rabbenu Ascher ben Iechiel, auch Rosch genannt. Es gelang ihm, Deutschland zu einer Zeit zu verlassen, als eine Verfolgung der Juden im Anzug war. Ueber Süddeutschland reiste er nach Spanien und wirkte als Rabbiner in Toledo. Er machte einen Auszug aus dem Talmud, lieh die ausführlichen Verhandlungen und die hagadischen Bestandteile aus, berücksichtigte die Meinungen anderer Erklärer des Talmuds und spricht dann seine eigenen Urteile und Entscheidungen aus. Dieses Werk, der Rosch, wird allen Traktaten des Talmuds beigefügt und von jedem zu Rate gezogen, der eine religionsgesetzliche Entscheidung treffen will. Auch zur Mischna schrieb er eine Erklärung. Für seine Kinder verfaßte er als Kundgebung seines letzten Willens Grundsätze, nach denen sie ein Leben in Gottesfurcht und Menschenliebe führen sollten. Dieses Testament ist unter dem Namen „Orchoth Chajim" (Lebenswege) oft gedruckt worden und ist ein Beweis der sittlich hohen Lebensauffassung und Lebensführung des berühmtem Meisters. Aus „Orchoth Chajim". „Mache Geld nicht zu Deiner Lebenshoffnung: Das ist zum Götzendienst der erste Schritt. Vielmehr wandle in Demut vor Deinem Schöpfer und gib, wo es sein Wille ist, Dein Geld fort, den Ersatz kann er Dir gewähren. Gib leichter Geld als Worte von Dir, das böse Wort lege auf die Wage des Verstandes, bevor Du es aussprichst . . . Sieh nicht auf den, der in Reichtum über Dich emporgestiegen, sondern auf die hinter Dir Zurückgebliebenen. Aber in dem Dienst und in der Furcht Gottes sieh auf den Größeren, wie auf den Geringeren. Freue Dich mit Zurechtweisungen, nimm Rat an und willig die Belehrung; erhebe Dich nicht stolz über die Menschen, bleibe der Staub, auf den alle treten . . . Rede von niemandem Böses, verspotte und verleumde keinen Menschen, und hat jemand Unschickliches gesprochen, so gib ihm keine freche Antwort. . . . Bleibe dankbar jedem, der Dir zu Deinem Der Israelit Brot geholfen: sei aufrichtig gegen jedermann, auch gegen Nichtjuden: grüße jeden zuerst ohne Unterschied des Glaubens: erzürne keinen Fremdgläubigen . . Rabbenu Ascher ist der Vater des berühmten Rabbi Jakob ben Ascher. Mit den Eltern und sieben Brüdern wanderte er nach Spanien aus. Dort lebte er in ärmlichen Verhältnissen. Desto reicher floß aus dem Quell seines Geistes und seines umfassenden Wissens ein Strom religiöser Belehrung, aus dem noch heute die Talmudkundigen schöpfen. Er war innig vertraut mit den geistigen Erzeugnissen seines Vaters, der nordfranzösischen, deutschen und spanischen Talmudisten und ordnete diesen umfangreichen und unübersichtlichen Gesetzesstoff nach einem eigenen Plane in vier Büchern, die jedoch nur die Gebote und Vorschriften enthalten, die sich auf das religiöse Leben der Juden außerhalb des Heiligen Landes beziehen. Sein Werk nannte er Arbaah Turim (auf die vier Reihen Edelsteine im Vrustschilde des Hohenpriesters hinweisend): 1. Tur „Orach Chajim" oder Pfad des Lebens mit den Dinim (Vorschriften) über Segenssprüche, Gebete, Thoravorlesung, Sabbat, Fest- und Fasttage. 2. Tur „Jore Deah" (er lehrt Erkenntnis) mit den Dinim über rituelles Schlachten, über verbotene Tiere, Speisen und Getränke, über Zins, Beschneidung und Vorschriften für die Ahroniden und Trauernden. 3. Tur „Eben Haeser" (Stein der Hilfe) mit den Ehegesetzen. 4. „Choschen Hamischpat" (Brustschild des Rechts) mit den bürgerlichen Gesetzen. Dieses große Werk des Aschen ist hernach von bedeutenden Gelehrten wieder näher erklärt worden und wurde später der Ausgangspunkt zu dem berühmten Religionskoder des Rabbi Josef Karo, zu dem „Schulchan Aruch". 4. Welche Ursachen aber haben die Leiden der Juden im Mittelalter hervorgerufen? Gegen unsere Vorfahren erhob man drei unbegründete Anklagen: a) diejenige der Tötung von Christenkindern, um deren Blut zu gebrauchen; b) diejenige der Hostienschändung und endlich c) die Anklage der Brunnenvergiftung. a) Obwohl die heilige Thora an vielen Stellen unter Androhung der Ausrottung durch Gott den Israeliten verbietet, irgend Blut zu genießen, und obwohl den Juden von jeher eine angeborene Scheu vor Blutgenuß eigen ist, erhoben die Christen in allen Ländern, besonders aber in Deutschland, die Beschuldigung gegen die Juden, die zuerst von den Heiden gegen die Christen selbst vorgebrächt worden ist und die Ursache der ersten Christenverfolgungen war, nämlich die, die Juden seien durch ihr Religionsgesetz oder durch geheime Ueberlieferung verpflichtet, Christen zu töten (Ritualmord) und ihr Blut zu gebrauchen, um entweder damit ihr Osterbrot (Mazzoth) zu bereiten oder durch den Genuß des Blutes ihre Gesundheit und den Fortbestand ihres Volkes unversehrt zu erhalten. Wenn nun irgendwo und irgendwann infolge eines Mordes, eines Unglücksfalles oder einer Zufälligkeit ein Christ für immer oder nur auf kurze Zeit verschwunden war, klagten unverständige oder böswillige Menschen die Juden an, als hätten diese den Mord begangen, um dem Christen das Blut abzuzapfen und es zu gebrauchen. Das Blutmärchen fand bei der großen Menge und bei den Behörden Glauben. Der Haß gegen die Juden, der Neid auf ihren Besitz, die Rachsucht, der Aberglaube, der Glaubenseifer, die Unwissenheit und Dummheit, die Lust am Judenmord und an der Plünderung, das waren die wahren Ursachen, daß mandie angeschuldigten Juden entweder gleich hinmordete oder sie verhaftete und sie vor Gericht stellte. Wenn die Juden sich auch verteidigten, ihre Unschuld beteuerten, wenn sie aus dem Religionsgesetz die Unmöglichkeit eines solchen Ritualmordes nachwiesen — man glaubte ihnen nicht. Die Angeschuldigten würden auf die Folterbank gespannt, den schrecklichsten Marterqualen unterworfen, um ihr Eingeständnis zu erpressen. Wenn sie bei der Behauptung ihrer Unschuld beharrten, so quälte man sie zu Tode. Legten sie aber, um aus der Folter befreit zu werden, ein falsches Geständnis ab, .so war der flammende Scheiterhaufen, ein grausamer Tod, ihr Schicksal. Ueberall hatte die Blutbeschuldigung die Ausplünderung, die Ermordung und die Vertreibung der Juden zur Folge. Der Papst Jnnocenz IV. hatte im Jahre 1247 versucht, die lügenhafte Anklage gegen die Juden zurückzuweisen. In der päpstlichen Bulle heißt es: „Wir haben jammervolle Klagen der Juden Deutschlands erhalten, daß sowohl einige Geistliche, als besonders auch weltliche Fürsten und andere Adlige und Mächtige ihrer Länder gegen die Juden gottlose Pläne aushecken, damit sie ungerechter Weise ihre Güter rauben und an sich bringen können . . . Obwohl die heilige Schrift unter anderen Gesetzesvorschriften sagt: „Du sollst nicht töten" und verbietet, daß am Passahfeste irgend eine Tötung stattfindet, so beschuldigen sie dieselben doch fälschlicherweise, daß sie am Passahfeste über dein Herzen eines getöteten Kindes das Abendmahl, im Wähn, das jüdische Gesetz schreibe selber ihnen dies vor, während es doch offenbar gegen das Gesetz ist. Ja. sie werfen den Juden boshafterweise den Leichnam eines Toten hin, wenn es ihnen gelingt, einen solchen irgendwo zu finden. Auf Grund solcher und anderer Erdichtungen wüten sie gegen.sie und bemühen sie ihrer Güter, ohne eine Anklage, ohne ein Geständnis, ohne Beweisverfahren, und sie bedrücken sie mit Nahrungsentziehung, Kerker und so vielen Quälereien und so großen Drangsalen, indem sie ihnen allerhand Strafen auferlegen und ihrer so viele wie möglich zu schmachvollstem Tode verurteilen, so daß diese Juden, obwohl unter vorgenannten Fürsten lebend, doch unter einer schlimmeren Herrschaft find, als ihre Väter unter Pharao in Aegypten waren. Sie werden gezwungen, die Orte, wo sie und ihre Vorfahren seit undenklichen Zeiten wohnten, zu verlassen und jammervoll in die Verbannung zu gehen. Daher ihre Ausrottung fürchtend, hielten sie fürs beste, ihre Zuflucht zur Fürsorge des apostolischen Stuhles zu nehmen. Da wir sie also nicht ungerechterweise gequält wissen wollen, empfehlen wir durch dieses apostolische brüderliche Schreiben, daß ihr euch so viel wie möglich wohlwollend beweiset. Wo ihr ungerechte Angriffe gegen sie wahrnehmet, so stellet sie ab und gebet nicht zu, daß sie in Zukunft durch solche und ähnliche Bedrückungen heimgesucht werden. Die Bedrücker der Juden sollen mit dem Kirchenbann belegt werden." (Fortsetzung folgt.) Aufgabe. Wem von euch sind nicht die Namen Josef (Hazadik), Chur (Mirjams Sohn, der einst Mosche Rabbenus Hand beim Beten stützte (2. M. 17,10, 12), und K orach, dessen Geschichte wir erst neulich gelesen, bekannt! Doch wer kann mir noch andere Personen aus der Tauro angeben, die die gleichen Namen hatten? Rabb. Dr. Winkler-Kopenhagen. Ls ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren odee sonstige Angaben religionsgesehlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. HANSELMANN gegenüber dem Opernhaus K iin s t1 e r - K on z e rte4—12Uhr Verantwortlich für deu! allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Schachnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate i. B.: SlSchaänorvitz, ebenda.— Verlag „Israelit"; G.mb-Ä, Frankfurt ä.3.U. Druck Hermon Verlags-Aktiengesellschaft, Frankfurt a. M.