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Der Israelit · 1925-07-09 · Heft 28 (9.7.1925) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 28 (9.7.1925)
Date
1925-07-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 28 WWWWWIWWWWWWWW Der Israelit 9. Juli 1928 gutem Willen geschehen und es heißt dann: sich der unvermeidlichen Sache unterzuordnen." Malke erwiderte darauf mit keiner Silbe. Sie fühlte aus sich Esthers Blicke ruhen, und war auf sie, auf Herschke und am meisten auf sich böse. Sie rief Herschke nicht, und beschloß, über die Angelegenheit überhaupt nicht nachzudenken. Aber die Minute verstrich und ihr Entschluß teilte das Schicksal hundert anderer Beschlüsse, die auf ihre Beziehungen zu ihm ohne Einfluß waren. Lebt man doch in den Baracken und hier ist Herschke höher gestellt und genießt ein größeres Ansehen als andere. Und so fand einige Tage darauf die Verlobung statt. Es waren nur wenige nahe Bekannte zugegen. Esther absentierte sich, und das schmerzte Salmon sehr. Er kannte Esthers Gefühle der Mißachtung für Herschke. Im Herzen gab er ihr recht, denn so sollte es auch wirklich sein. Die Schande läßt sich nicht in Abrede stellen, obwohl die Partie zu Stande kommen muß. Er versuchte es, Esther zu überreden, sie möge es ihm zuliebe tun, daß die Feier nicht gestört wird. Esther war schon nahe daran, nachzugeben. Aber im letzten Augenblick zerschlug sich die Sache infolge Malkes Benehmen. „Wenn sie aus freiem Willen nicht zugegen sein will, brauchst du sie nicht zu bitten, dann kann man sie auch ohne sie begehen." Während der Verlobung war Salmon aufgeräumt, segnete das Brautpaar, bat Herschke, er möge Malke gut behandeln. Das Zusammensein dauerte bis spät nachts. Später, als alles schon in den Baracken schlief und Salmon in der herrschenden Stille merkte, daß auch seine Töchter'schon eingeschlafen seien, drückte er sein Gesicht in den Strohsack und weinte bitterlich, weinte zum ersten Mal in seinem Leben wie ein kleines Kind einen Teil der Nacht hindurch. (Fortsetzung folgt.) Kinderecke. Rabbi Meir von Rothenburg. Von Heinrich Reuß. 1. Seine Bedeutung und seine Lebensschicksale. Eine der hervorragendsten deutschen Talmudgrößen in der Zeit des Mittelalters (476 bis 1517) war Rabbi Meir von Rothenburg. Er war im Jahre 1230 in Worms a. Rh. geboren und verlebte seine Jugend in Würzburg und in Frankreich. Als Rabbiner wirkte er in Rothenburg an der Tauber, in Worms und in Mainz. Wegen seiner Gelehrsamkeit war er in seiner Zeit in Deutschland als der beste Kenner des Talmuds anerkannt. Darum wandten sich die jüdischen Gemeinden, die über eine religiöse Angelegenheit im Zweifel waren, mit Fragen (Schaaloth) an ihn und baten ihn um ein Gutachten oder eine Entscheidung. Wie viele anderen bedeutenden Männer erwiderte R. Meir auf die Anfragen durch Antworten (T'schuboth). Aus diesem Schriftwechsel zwischen den Fragenden und Erwidernden vermögen wir die Verhältnisse der Juden im Mittelalter, ihre Freuden und Leiden, ihre Beschäftigungen und Berufe, ihr Leben in Haus und Schule, in Synagoge und Gemeinde kennen zu lernen. Diese Responsenliteratur ist nicht nur eine reiche Fundgrube für jüdisches Recht und jüdische Sitte, sondern sie gibt uns auch Aufschluß über das gesellschaftliche und berufliche Leben unserer Väter in der Leidensnacht des Mittelalters. Wegen seines ausgebreiteten Rufes scharten sich von allen Seiten Schüler um ihn, den man als die „größte Leuchte" seiner Zeit verehrte. Der Druck der Verhältnisse, die vielen Leiden, die zur damaligen Zeit die deutschen Juden zur Auswanderung zwangen, veranlaßte auch R. Meir, Deutschland den Rücken zu kehren und das Land der Sehnsucht, Palästina, aufzusuchen. Doch die Abwanderung der Juden war gegen die Absicht der deutschen Kaiser, die die Juden, so sehr sie auch gehaßt und verachtet wurden, als Gegenstand der Ausbeutung und Erpressung, als Mittel zur eigenen Bereicherung im Lande behalten wollten. Wurden sie doch, weil sie an die kaiserliche Kammer Schutzzins entrichten mußten, Kammerknechte genannt und als solche verschenkt, verpfändet und verkauft. Als R. Meir schon glücklich in Oberitalien angekommen war und nur noch die Ankunft seiner Reisegefährten abwartete, wurde er von einein abgefallenen Juden erkannt, verraten und auf Befehl des Kaisers Rudolf von Habsburg ergriffen und verhaftet. Der Kaiser befürchtete, daß die Auswanderung des berühmten Meisters der Thora vielen Juden ein Beispiel zur Nachahmung geben werde. R. Meir wurde 1286 auf dem Schlosse Wasserburg als Geisel gefangen gehalten und später auf die Burg Ensisheim im Elsaß gebracht. Die Juden in Deutschland waren bereit, durch eine hohe Geldsumme den verehrten Rabbi aus der Haft zu befreien. Die Auslösung der Gefangenen galt ja von jeher in Israel als eine der erhabenen Pflichten eines Juden. R. Meir lehnte aber die Auslösung ab. Er erklärte, wenn er seine Freiheit durch ein hohes Lösegeld seiner Glaubensbrüder erkaufe, werde er dadurch die ungerechten Machthaber nur ermuntern, ohne Grund andere Juden gefangen zu nehmen, um sich durch das erhoffte Lösegeld zu bereichern. So werde das ohnedies hartbedrückte Volk der Juden noch mehr ausgeplündert werden. In der Gefangenschaft wurde R. Meir milde behandelt. Der Verkehr mit seinen Schülern war ihm gestattet, so daß sein treuer Begleiter Simson ben Zadok unter seinen Augen ein religionsgesetzliches Werk vollenden tonnte. Selbst nach seinem im Jahre 1293 erfolgten Tode gab die Obrigkeit die Leiche nicht zur Bestattung frei. Erst 14 Jahre später gelang es einem frommen Manne, Süßkind Wimpfen aus Frankfurt, gegen ein hohes Lösegeld die Leiche aus der Haft zu befreien. Er erbat sich nur die Auszeichnung, nach seinem eigenen Ableben an der Seite des verehrten Rabbi ruhen zu dürfen. Auf dem Friedhofe zu Worms, in seiner Geburtsstadt, fand endlich R. Meir seine letzte Ruhestätte. Reben ihm wurde später auch Süßkind Wimpfen bestattet. 2. Seine schriftlichen Werke. R. Meir hat außer den schon erwähnten vielen religiösen Gutachten noch Erklärungen zu schwierigen Teilen des Talmuds geschrieben. Bekannt geworden ist sein Name auch durch eine Elegie, die noch in unserer Zeit am 9. Ab in den Synagogen die Trauernden an ihr nationales Unglück erinnert. Abtrünnige Juden hatten aus Haß gegen ihre ehemaligen Glaubensbrüder öffentlich behauptet, der Talmud enthalte christenfeindliche Stellen. Der Papst Gregor IX. gebot den christlichen Regierungen, sämtliche Talmudhandschriften einzuziehen und auf ihren Inhalt prüfen zu lassen. Wenn sich der Talmud als Ketzerschrift erweise, solle er öffentlich verbrannt werden. In Paris mußten im Jahre 1240 vier Rabbiner, unter ihnen auch Rabbi Iechiel, die Anklagen, die ein treuloser Jude, Nikolaus Donin, gegen den Talmud erhob, widerlegen. Die Behörden schenkten aber dem Verräter mehr Glauben als den Verteidigern des Talmuds, und das Glaubensgericht verdammte den Talmud zum Feuertode. Im Jahre 1242 wurden 24 Wagen voll von kostbaren, unersetzlichen Talmudhandschriften auf einem Platze in Paris öffentlich verbrannt. Diese Verbrennung des Talmuds erschien den Juden in der ganzen Welt als eins wiederholte Zerstörung des Heiligtums. Der Schmerz darüber härmte auch im Herzen R. Meirs, und er äußerte ihn in der Kinnah (Klagelied) „Schaali Serufah". Hast, Thora, Du der Jünger Schmerz erkundet. Die, ach, so gern in Deinem Schatten weilten? Jetzt keuchen trauernd sie einher, verwundet. Verwundert, daß die Flammen Dich ereilten. Sie harrten freudig, daß Dein strahlend Licht Die Leuchte werde, leuchtend einer Welt: Nun hüllt sie Finsternis, so grau, so dicht, Kein Strahl ist, der ihr Dunkel matt erhellt. Drum ist so bitter Deiner Treuen Schmerz, Druni brennt die Wunde wie von glühenden Funken, Drum stöhnt und jammert das gebroch'ne Herz Dem Klaggeheule gleich der Klage-Unken. „Wie? Du ein himmlisch Feuer, Gott entsprossen, An Dir könnt' irdisch Feuer zehren? , Und ist vor Deiner Glut sie nicht zerflossen, Die Hand, die es gewagt. Dich zu zerstören?" Hat darum Gott mit Feuer Dich gegeben. Weil Du nicht solltest sein der Flammen Raub? Macht darum er den kleinen Sinai' erheben, Weil nicht hinab Du sinken wirst in Staub? Wirf, Sinai, hinweg Dein Prachtgewand, Verhülle Dich, gleich Witwen, schwarz und nächtig! Und meine Träne schwemme weg das Land Und wachse an zum Strome groß und mächtig: Und ströme fort und fort zu Moses' Grabe Und poche fragend an des Grabes Pforte, Ob eine neue Lehre er denn habe. Daß darum man verbrannt hat Deine Worte? Ist das der Doppellohn, den Du versprochen Zu unserem Erbe in dem heiligen Land, Das gleicht der Stadt, die schwere Schuld verbrochen, Man unser Kleinod auf dem Markt verbrannt? Seit Deiner Harfen Saiten sind gesprungen, Mag keines Sängers Stimme ich mehr lauschen: Seit Deiner Treuen Wehschrei ist erklungen, Ziemt mirs, mein Kleid mit Bußgewand zu tauschen. Ach, allen strahlt des Tageslichtes Schimmer, Nur Dich, nur mich soll Finsternis bedecken! Wird Deiner nie Dein Hort gedenken, nimmer Die Liebe Deiner Jugend mehr erwecken? Nein! Büßest Du auch heute gramerfüllt, Gott tröstet Dich, denkt wieder Deiner Söhne. Dann schreitest Du einher in Schmuck gehüllt. Und laut erschallen Deine Jubeltöne. Dann hebt auch mir das Herz sich hoch in Wonne, Die finstern Nebel alle sind gefallen: Dir leuchtet Gott, der Welten ew'ge Sonne, In Deinem Lichte alle Völker wallen! (Fortsetzung folgt.) Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseratenkeil enthaltenen Empfehlungen ritueller Daren oder sonstige Angaben religionsgesehlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. CAFE HANSELMANN KAISERGARTEN J. 6 i s c h I e r, Elektrische Anlagen A II , I mit und ohne elektrischer Mlüilüul AIMIPI) Einrichtung. Schwere UaUUfll Lulll|Jull Ausführungäußpreiswert Große Bockenheimerstr. 52-06 Telefon Hansa 5079 Telefon Hansa 5079 Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Srhachnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate i. V>: S. Schacknorvitz, ebenda. — Verlag „Israelit", G.m.b.H., Frankfurt a. Ä'i. Druck Hermou Verlags-Aktie.: g«

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