Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1925)
- Date
- 1925-07-02
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 14 Nr. 27 Der Israelit Wenn ich Rothschild war'! Von Scholem Alejchem. „Wäre ich Rothschild", spekulierte der Kaßrieliwker Melamed Neb Eli-Meier vor seinen Schülern, als seine Frgu Donnerstag nachmittags energisch Geld forderte, um die Einkäufe für den Sabbat zu besorgen, „wäre ich Rothschild, nun, ratet, was ich täte? (Reb Eli-Meier führte indes eine tüchtige Tabakprise seiner Nase zu.) Vor allem sorgte ich dafür, daß mein Weib stets ein „Dreierl" Bargeld bei sich hat. danlit sie mich am Donnerstag in Ruhe läßt. Zweitens möchte ich meinen versetzten Sabbatkaftan auslösen, nein — lieber „ihren" Pelz, damit sie einmal aufhört zu brummen und über ftälte zu klagen. Dann kaufte ich dieses ganze Haus, mit allen drei Stuben, mitsamt der Kammer und dem Keller und dem Boden — sie soll mir dann nicht über den engen Raum klagen? Da hast du zwei Zimmer, koch', back', wasch', so viel es dir beliebt, mich aber laß schön in Ruh'- ich lebe dann ruhig meinem Beruf! Keine Sorgen mehr, kein Grübeln mehr: Woher „auf Schabbes" nehmen — wie schön wäre dieses Leben! Die Töchter verheiratet, befreit von der drückendsten Last, was fehlte mir dann noch? . . . Nun beginne ich mich für die Gemeinde zu interessieren. Zu allererst spende ich ein neues Dach für das alte Lethaus, damit der Regen nicht mehr auf die Köpfe der Betenden tropfe. Auch das Bad muh neu restauriert werden, denn — heute, morgen, kann, muh dort ein Unglück geschehen, wenn es gerade in dem Moment zusammenstürzt, wo die Iuden darin baden. Und wenn schon das Bad hergestellt wird, so muh ja auch die Krankenstube von Grund aus in ein schönes Spital umgebaut werden, aber in ein wirkliches Spital, mit ordentlichen Betten, einem Arzte, Medikamenten, täglichen Suppen für die Kranken. wie es in anständigen Städten zu. sein pflegt. Und ein Versorgungshaus soll entstehen, damit alte, gelehrte Greise sich nicht im Beth-Hamidrasch herumquälen, und ein Verein zur Bekleidung armer Kinder, dah sie nicht mehr entblöht in den Straßen herumlungern, und ein Kreditverein ,wo sowohl ein Melamed als ein Kaufmann oder Handwerker keine Wucherzinsen mehr zu zahlen brauchen, nicht das letzte Hemd versetzen müssen. Und ein Verein zur Ausstattung armer Mädchen, damit alle armen, erwachsenen Mädchen mit Ausstattung gehörig verheiratet werden (dabei stieh Reb Eli-Meier einen liefen Seufzer aus, während er auf seine dreißigjährige Tochter Pessele blickte), und noch viele, viele ähnliche Vereine und Stiftungen gründe ich bei uns in Kahrieliwke . . . Doch warum gerade Kahrieliwke? Ueberall, wo Iuden wohnen, führe ich solche schönen Einrichtungen ein, überall, in der ganzen Welt! Damit aber alles in Ordnung geführt werde, ratet einmal, was ich täte? Ich gründe einen großen Verein, dem die Aufsicht über alle lokalen Vereine zukäme, über alle Iuden, damit alle Iuden überall ihr Brot haben und in Eintracht leben und in den Lehrhäusern sitzen und Chumesch mit Raschi und Gemara und Tosafoth und M'harscha und alle anderen sieben Weisheiten und siebzig Sprachen lernen. Und unter allen Lehrhäusern soll ein großes Lehrhaus, natürlich in Wilna sein, wohin die größten Gelehrten der Welt kommen sollen. Und alles soll unentgeltlich sein auf Kosten des G'wir (Reichen): alles soll in Ordnung und planmäßig geführt werden. Es soll jedes „Ich-gebe-dir-gibmir" aufhören, alle sollen auf das Gemeinwohl bedacht sein, nur auf das Gemeinwohl! . . . Damit man aber für das Gemeinwohl sorgen kann, muß für den einzelnen gesorgt werden. Und wie wird für den einzelnen gesorgt? Natürlich so, daß er sein Brot hat. Denn Brot, sage ich euch, ist das erste und wichtigste; ohne Brot keine Einigkeit. Des Bissen Brotes wegen verfolgt einer den andern, schlachtet ihn ab, sticht ihm die Augen aus! . . . So ist es bei den Juden, so auch bei anderen, überall auf der ganzen Welt. Ueberall Neid, Haß und daher-ftedes Leid, jedes Unglück, alle Verfolgungen, Räubereien, Mördereien und Gemetzel ... Der Krieg — der ist, höret, das größte Unglück in der Welt. Wenn ich Rothschild wäre, müßten alle Kriege aufhören, spurlos verschwinden! Wollt ihr wissen, wie? Durch mein Geld! Ich will es euch erklären, und ihr werdet es verstehen. Einstmals machten sich die Engländer über die Buren her, Deutschland, Franzosen und die anderen über den Chinesen, mit dem Zuchtriemen des Schulmeisters in der Hand. Sie wollten ihn Mores lehren, daß er seinen Zopf abschneide und Hosen anlege. Was geht es euch eigentlich an? Der Chinese will just ein weites Kleid und einen Zopf tragen. So soll er in Gottes Namen tragen, was ihm gefällt. Wessen Sorge ist das? Oder etwa der Türke mit seinem roten Fez. Was geht es jemand an, daß man ihm just ein Stück Land nach dem andern wegnehmen möchte? Und wenn vom Wegnehmen die Rede ifi: — da will ja selbstverständlich jeder das beste Stück. Sagt einer: „Nehmet euch Stambul und laßt mir den Bosporus!" und ein zweiter: „Nehmet euch Stambul und gebet mir den Bosporus!" so kommt ein dritter und meint: „Wißt ihr was? Ihr könnt lange Stambul und den Bosporus wollen, ich nehme für mich die Dardanellen! . . ." Darob ein Lärm: „Dardanellen? Was heißt das? Wir sollen gestatten, daß du die Dardanellen bekommst? Die Dardanellen sind Gemeingut, sie gehören allen an!" Es wird so lange dardanellt, bis vom Kanonenlärm die Luft erzittert und Menschenblut in Strömen sich ins Meer ergießt. Da habt ihr nun eure Dardanellen! . . . Nun käme ich und sagte: „Gemach. Brüder, ich stehe zu Diensten. Um was ist es euch eigentlich in dem ganzen Wirrwarr zu tun? Meint ihr denn wirklich die Hagada? Oder vielmehr die Knödel?*) Lieber gewähre ich euch eine Anleihe. einige Milliarden; wenn euch Gott hilft, werdet ihr mir bezahlen . . .". Nun, versteht ihrs? Ich habe ein gutes Geschäft gemacht, und die Menschen hören auf, einander wie Vieh für nichts und wieder nichts abzuschlachten. Und dann — wozu noch Waffen und Heere und den ganzen Lärm? Und wenn der Krieg aufhört, ist es aus mit dem Neid und dem Hasse. Was Türke, Engländer, Franzose, Zigeuner öder Jude! — Die ganze Welt sieht dann anders aus, wie es im Propheten heißt: „An jenem Tage, wenn der Messias kommt ..." Und vielleicht, ha! . . . Wenn ich Rothschild wäre, möglich, daß ich das Geld überhaupt abschaffte! Weg mit dem Gelde! Was ist denn eigentlich Geld? Geld ist ja bloß eine konventionelle Einrichtung, ein fingiertes Ding, eine Leidenschaft, die größte, von der alle besessen rnd ... Wenn es aber kein Geld gäbe, so gäbe es auch keine Leidenschaft mehr . . . Begreift ihr es nun öder nicht? Nun? Fragts ich nur: Wo nähme man dann „auf Schabbes?" Reb Eli-Meier vertieft sich in Gedanken, reibt die Stirn und untersucht die Taschen.) Ia, wo nehme ich denn jetzt „auf Schabbes?" . . . (Hine Kopie des salomonischen Tempels).. Aus Anlaß der Hundertfünfzigjahrfeier der amerikanischen Unabhängigkeit wird in Philadelphia Line große Ausstellung arrangiert. Das größte Gebäude der Ausstellung wird eine Kopie des salomonischen Tempels sein, das Gebäude wird unter der Aufsicht des Bibelgelehrten Prof. Dr. John Kelchner aufgeührt. Ferner werden Bauten hergestellt, die die Zeit von der Epoche der Chaldäer bis zum Untergang des Römischen Reiches charakterisieren sollen. Darunter wird sich ein charakteristisches Libanon- Waldhaus befinden. *) Altes Sprichwort: gemeint einen materiellen Nutzen. 2. Juli 1928 Der Gemütskranke. Von Hermann Seckbach. In einer Zelle — leer und kahl — Liegt ein Jude, ein alter Mann. Das Antlitz gramducchwühlt und schmal, Sein schweres Leid er nimmer tragen kann, „£>, Gott, errette mich aus meiner Not" Dies ist — seit Jahren — sein Gebet „Und gib in Gnaden mir den Tod, Wenn es in deinem Willen steht. Doch laß mich jüdisch, unter Brüdern sterben. Nicht hier, wo man das „Schema" nicht kennt. Gehör ich nicht zu Jakobs Erben? Ist mir solch' Ende nicht vergönnt?" So betet der Alte seit Jahr und Tag, Und niemand ihn wohl hören mag! Und doch, sollte es nicht wohl glücken, Den Kranken dieser Not zu entrücken. Uinderecke. •D’&’n w-inrr^ mni Aus dem Nachlasse des Hatikwah-Dichters O. Jmber. Q'B'n minx nxix jimn?yti27t öip' ’ay ny - a'ata *mr> *n» •rm. rrrr x1? D'im itibtx ta 'v rnxix pma »mam mr>p XL" apsr 'inxsrV 12m pmaa D'i2 •nnn in^V' o'T2 „ LI'N '22 by - NX-IX jima;VV12718 'NN1V *V*7X 'I - pW nxix mim 711'2X •DDunny w 02*171 tai mpi N81N NX*1X ptna 01B1N 0'2210 71122p rv'bwl-,' ö'iVn yvwx ]im2 ♦mntaai ta2 by ü'ütid D'a^iy 7m»w nx*ix jima '71-IVP2 ’ay WX1 by - n'ö'n rrnnx nxix prra •rrm '2'ya ziww twbyi miwTi 'W221 nx*ix |iin2 :.i2'xi7i ’ry tan mm 'Nllta 711X21' J1'2 71122 •H2X271 711^1NB2 '*« f'v2 -V'2NB mr nxnx pma rN2*12B 'TUST 'B$? 711X22 'p'7»WN22 HDX 182 '2X1 «NN2X2 'W221 *702 'ta2 Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseraten, teil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesehlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. CAFE HANSELMANN KAISERGARTEN gegenüber dem Opernhaus Künstler-Konzerte 4—12 Uhr j J. Gisch Ier, Elektrische Anlagen Elefetr. Bügeleisen, Heizu. 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