Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1925)
- Date
- 1925-07-02
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 27 Sette 9 2. Juli 1928 Familiensinn besaß. Wir möchten nur ein Gebiet seiner Tätigkeit eingehender würdigen, nämlich seine Verdienste in der Ausübung von “nn Der Grundzug seines Charakters war eine unendliche Herzensgüte, wenn sie sich auch bisweilen hinter einer etwas rauhen äußeren Schale verbarg. Unsere Weisen sehen jede Gefälligkeit und jedes Einsetzen der eigenen Person, nicht nur im Dienste einer größeren Ausgabe, sondern auch in dem eines Einzelnen als Ion tv£».m an. Viele, viele Wohltaten hat Joseph Erlanger in diesem Sinne seinen Mitmenschen erwiesen,, man kann ruhig sagen, daß er kaum mit irgend jemandem zusammenkam, ohne ihm früher oder später in irgend einer Weise gefällig zu sein. Vor allem verstand er es meisterhaft, andere zum Geben zu veranlassen, nicht nur im Kreise der ihm Nahestehenden, sondern auch in nicht gesetzestreuen Kreisen, ja selbst von Nichtjuden erhielt er Gaben für jüdische Zwecke. Scherzweise sagte man, eine Bekanntschaft mit ihm koste stets Geld. Es gibt einfach keinen Zweig der jüdischen Wohltätigkeit, auf dem Joseph Erlanger nicht tätig war, dazu kam, daß er in sehr gutem Einvernehmen mit den Luzerner Regierungsbehörden stand und diese Freundschaft aur dazu benutzte, um der jüdischen Gesamtheit wie dem einzelnen zu helfen. Zahlreichen armenostjüdischen Brüdern, die aus anderen Kantonen der Schweiz ausgewiesen waren, hat er so die Niederlassungsmöglichkeit im Kanton Luzern verschafft und ihnen zur Existenz verholfen. Er war der Begründer des Israelitischen Hilfsfonds für die Schweiz, dessen segensreiche Wirksamkeit besonders auch jüdychen Ferienkindern aus Deutschland zugute kam, ebenso jüdischen gesetzestreuen Studenten unda'iina, denen in der Inflationszeit auf diese Weise mehrere Male sm kostenloser Ferienaufenthalt an einem deutschen Luftkurorte ermöglicht wurde. Joseph Erlanger unterhielt für jeine wohltätigen Zwecke ein eigenes Zentralbüro für jüdische Angelegenheiten in Luzern. Von hier aus sandte er nach allen Richtungen Briese, namentlich, auch in die Schweizer Kurorte, in denen er um Gaben ansprach und sie auch empfing. Er hatte eine eigene Kasse für Hachnosas Kalloh, ferner eine solche, die den Namen Gmilus Chessed-Kasie führte und dazu diente, verschämten Armen langfristige, selbstredend zinslose, Darlehen zu gewähren. Mit besonderer Liebe sorgte er für Jeschiwaus, für Witwen und Waisen, denen er wie ein Vater war, und für Erez Jisroel, namentlich auch für das Schare Zedek- Hofpital. Joseph Erlanger war im Kriege der geistige Begründer des roten Mögen David. Was dieser für die jüdischen Kriegsgefangenen in allen Ländern geleistet hat, dürste noch Irisch in aller Erinnerung sein. Der Verblichene übte ferner in musterhafter Weise das fmk bv> *Ton cms. In der Grippezeit 1918, als man sich scheute, die Verstorbenen in»» zu sein, griff er manchmal ohne jede Hilfe kraftvoll zu. Wenn die Eltern starben, nahm er sich als Vormund der Waisen an. In der Schweiz ist das gesamte Beerdigungswesen städtisch, so daß früher in Luzern auch auf dem jüdischen Friedhofe die Bestattung der Toten durch Nichtjuden versehen werden mußte. Joseph Erlanger hat es vor einigen Jahren durchge.setzt, daß dies in Luzern in der herkömmlichen Weise von Jehudim vollzogen werden darf. Jeden Kranken war er "po», im Kantonshospital batte er stets Zutritt, da er dort als „jüdischer Geistlicher^ galt. Seiner ganzen geistigen jüdischen Einstellung nach konnte Josen^ Erlanger nur ein eifriger und überzeugter Agudist sein. Er war der Begründer der Agudas Jisroel Jugendgruppe Luzern, ferner war er bis vor kurzem lange Jahre hindurch Vorsitzender der Palästina-Zentrale in der Schweiz. Auch dem Zentralrate der Agudas Jisroel gehörte er als Mitglied an. Voller Begeisterung eilte er vor zwei Jahren zur Kenessioh Gedauloh nach Wien und berauschte sich an der Fülle von Eindrücken,, die ihm die Berührung mit den ostjüdischen Brüdern, namentlich aber dem Chofez Chaim und dem Gerer Rebben, brachten. Eine besondere Freundschaft verband ihn seitdem mit dem Sokolower Rebben, bei dem er damals den Schabbosnachmittag verbrachte. Beim Lesen dieser Zeilen erinnert sich vielleicht mancher,!vie man ihm damals einen Streimel auf den Kopf setzte nnd er im Kreisender Ehassidim eifrig mittanzte. Ueber-!,aupt war ihm. von jeher eine Vorliebe für ostjüdisches Wesen zu eigen. Fast jeder Ostjude, der durch Luzern kam, weilte als Gast in seinem Hause.' In ganz eigenartiger Weise verstand er es, andere zur Ausübung von Mizwaus zu veranlassen. Sein gesunder, echt-jüdischer Optimismus, sein großes Gottvertrauen, wirkte auf den anderen anfeuernd ein, man darf ruhig von ihm sagen, daß er 0'21N n« N270 war. Gar manchem hat er im stillen geholfen, vielen, ohne daß sie es erfuhren, mit Vorliebe solchen, die durch die Inflation ihr Vermögen verloren hatten. Viel, unendlich viel, haben seine Familie, und seine zahlreichen Fvxunde an ihm verloren; für die gesetzestreue Judenheit in der Schweiz bedeutet sein Tod iniolge seiner vielseitigen Tätigkeit einen schweren.Verlust. Möge rrapn den trauernden Angehörigen Seinen Trost spenden, mögen seine und seine bmib d’® » als '!pv> vor den Thron des Höchsten treten und dort für sie und ganz Jisroel zum Guten eintreten. 'ib'nnvbi Die Beerdigung fand am Donnerstag, den 25. Juni unter ungeheurer Beteiligung aus allen Kreisen statt, auch viele Nichtjuden nahmen daran teil, u. a. das Mitglied der Luzernschen Kantonal-Regierung, §ierr Negierungsrat Dr. Walter, sowie zahlreiche Freunde des Verstorbenen von Nah und Fern. Da er sich gelegentlich einmal geäußert hatte, .daß bei ihm kein Hesped stattfinden solle, so sprach Herr Rabbiner Brom, Luzern, nur wenige Worte des Dankes aus und verlieh ihm Der Israelit _ noch den Chower-Titel, ferner sprach im Namen der Familie Herr Nafti Erlanger einige wenige Abschiedsworte. Auf dem Grabsteine der unvergeßlichen Mutter des Verstorbenen, Frau Bertha Erlanger rrs? stehen die Worte: nnnvv m^nrr Andere zu erfreuen, war ihre Freude! Man kann sie auch dem Sohne nachrühmen, der^ jetzt mit ihr vereint ist. Sprechsaal. Ich habe die Besprechung des Gronemannfchen „Hawdolo und Zapfenstreich" in Nr. 25 des „Israelit" mit Interesse gelesen und finde sie in jeder Beziehung zutreffend. Es wäre höchstens noch schärfer zu betonen, wie skrupellos der Autor mit Nennung von Namen umspringt und es dabei mit der Wahrheit nicht immer sehr genau nimmt. Die Erzählung auf Seite 119 über Rabbiner Dr. Vogelstein, Karger und Hermann Lehmann, wenigstens soweit sie den letzteren betrifft, entspricht in keiner Weise den Tatsachen, und ich muß es direkt als eine Verunglimpfung bezeichnen, wenn der Verfasser den Namen meines Vaters, Hermann Lehmann, (früher Stettin), im Zusammenhang mit Spässen, die der Verfasser auf Kosten seines eigenen Großvaters treibt, mißbraucht. Emil H. Lehmann. Der Bericht über die Generälversammlung des Vereins zur Förderung ritueller Speisehäuser e. V. Hamburg, ist einseitig und verrät die Absicht, Herrn Mainz zu diskreditieren (? Red.) und ihn als den hinzustellen, der sein eigenes Werk, da er der Einzige ist, der seit Gründung dem Verein oorsteht, zerstöre. So wird eingangs zwar berichtet, daß die Opposition von den Herren H. Mainz, Guggenheim und Kahn geführt wird, aber nichts erwähnt von der Anerkennung, die der erste Redner, Herr Dr. Löwenthal, den langjährigen Mitarbeitern und besonders Herrn Mainz, zollte. In Wirklichkeit hat Herr Mainz nicht z u e r st das Wort ergriffen, sondern nachdem von 6 bis 10 Uhr hin und her debattiert und er wiederholt aufgefordert war, sich zu äußern, da ja die Angriffe gegen die Verwaltung in erster Linie ihn treffen müßten, da er Vorsitzender der Kaschruth-Kommission war. Erst nach vierstündiger Debatte, als die Diskussion geschlossen werden sollte, ließ sich auf Drängen der Versammlung Herr Mainz herbei, einen Ueberblick über die Geschichte des Vereins seit Gründung zu geben und nahm den Vorstand vielfach in Schutz, ohne anzugreifen. Rur die Behandlung der Kölner Angelegenheit konnte er nicht gutheihen. Ferner fehlt in dem Bericht, daß auch Herr Louis Kahn es für nötig fand, die Dienste des Herrn Mainz, die er seit Gründung des Vereins demselben gewidmet hat, anzuerkennen und die Art und Weise zu rügen, wie einige Mitglieder des Vorstandes gegen Herrn Mainz aufgetreten sind. P. A. Briefkasten. L. G. Wir. konnten die Herstellung-weise des von Ihnen genannten Milchpräparates nicht seststellen. — Jedenfalls nicht ohne Weiteres. Ch. B. 16. Nasch i ist im Alter von 25 Jahren nach seiner Heimatstadt Troyes in Nordfrankreich zurückgekehrt, wo er bis zu seinem am 29. Tamus -,86> (1105) erfolgten Tode verblieb. Dort befindet sich auch sein Grab. Ben Chumu. Es gibt -pn Übersetzungen von Zuntz, Philippsohn, Bamberger u. v. m. Die Mendelssohnsche Uebersetzung ■jnrWK mnn ist in hebräischen Leitern gehalten. "3. K. Die Bärmizwoh findet am ersten Sukkaustage 1925 statt. — Ihre Bestellung wurde vorgemerkt. N. N. Wer Kritik üben will, darf sich nicht hinter N. N. verstecken, sondern mutz, wenigstens der Redaktion gegenüber, seine Ansichten mit seinem vollen Namen Lecken. Familiennachrichten. Silberne Hoch zeit: Abraham Adolf Adler und Ehefrau Jettchen geb. Strauß, Frankfurt a. M.. Fahrgasse 150 am 6. Juli. Bärmizwoh: Paul Müller, Sohn von Maurice Müller, Stratzburg, Rue Hagenau. — Hans, Sohn des Herrn Jul. Seewald, Babenhausen (Hessen) am 11. Juli '5- Frankfurter Berichte. Eine Gedenkfeier in. der Volksschule. Ohne ein Wort der Klage hatten wir Rektor Falk zur ewigen Ruhe gebettet. Nachdem sich eine Woche gerundet, fand sich ein geladener Kreis von Vertretern des Vorstandes, des Gemeinderates, der Lehrerkollegien usw. am letzten Dienstag in der Aula der Israelitischen Volksschule zusammen, um einer schlichten Gedenkfeier der SchulefürdieSchule beizuwohnen. Ein -mb ona» des Herrn Oberkantor Peissachowitsch eröffnete die Feier, und Herr Konrektor H i r s ch b e r g hielt die erste Rede. Er sprach zu den Kindern, zu den Kleinen und Kleinsten, aber auch zu den Größeren, und ließ das Bild Rektor Falks vor der Seele entstehen, in Worten, die sich zu einer mei st erlichen Gedenkrede im Jugendstile fügten. Es sprach dann Herr Jacob Rosenheim im Namen des Schulrates der Israelitischen Volksschule und fand herzliche Töne für das Andenken des großen, stillen Lehrers. Im Namen des E l t e r n r a t e s der Volksschule sprach Herr Waisenhausverwalter Marx, von sinnigen Erklärungen zum Wochenabschnitte ausgehend. Zum Schlüsse ergriff Herr Rektor Baruch Stern das Wort, um zusammenfassend noch einmal das Bild des Verstorbenen zu zeigen und damit das Gelöbnis zu verbinden, daß der Geist Rektor Falks in der Schule fortleben und fortwirken wird. Herr Oberkantor Peissachowitsch beschloß die in ihrer Schlichtheit doppelt wirkungsvolle Gedenkfeier mit einem zu Herzen gehenden cam rriw rr Hesped im Mekor Chajim. Der Mekor.Chajim, dem die Lehrtätigkeit Rektor Falks b"sr zum guten Teil gehörte, veranstaltet eine größere Gedenkfeier diesen Sonntag den 5. Juli in den Räumen des Vereins, Langestraße 18, bestehend aus Ansprachen vonseiten der Verwaltung und dem Hesped eines Dozenten. Alle Mitglieder des Mekor Chajim, insbesondere diejenigen, die als Teilnehmer an feinen Schiurim sich zu den Schülern Rektor Falks zählen durften, sowie alle Freunde des Verstorbenen, werden um pünktliches Erscheinen gebeten. Die Gedenkfeier beginnt präzis 6 U h r abends. Bskichligung. Zu der Notiz über den talmudischen Ferienkurs des B. I. A. ist berichtigend mitzuteilen, daß der Ferienkurs nicht, wie irrtümlich angezeigt, in Lüneburg, sondern in Würzburg stattfindet. Vereinskalender. Verein Mekor Chajim. Samstag morgen nach Schul Dinim. — mittags 12V4 Uhr in der Frauensynagoge der Klaus mnK 'S' Herr Professor Weyl. — nachmittags 4 Uhr im Vereinslokale „Mikro", Herr Dr. W. H ofm ann. — eine Stunde vor Nacht, im Hörfaal, „Midrasch", Herr H. H a l p e r n. Sonntag nach Schul „Mizwas Haschern" (auch Mittwoch), Herr Red. S. Schachnowitz. — vorm. 9l/4 Uhr (auch Dienstag eine Stunde vor Minchoj im Vereinslokale „Gemoro"; Herr Dajan Posen. — Abends 6 Uhr Langestraße 16 Hesped auf Rektor Falk Monta g bis einschl. Fr ei ta g nach Schul Mischna, — abends 7 Uhr (auch Mittwoch) Gemoro; Herr Rabb. Dr. Jos. Breuer. — abends 83/4 Uhr (auch Donnerstag) Gemoro; Herr Dr. El. Posen. Allabendlich 8^/4 Uhr Schaß-Lernen. Jeden Nachmittag 2—7 Uhr Lerngeiegenheit im Vereinslokale. Jahrzeits-Sttftungen: Sonntag: Adolf Dann-Stiftung. Dienstag: Eva Friedländer geb. Strauß-Stiftung. Mittwoch: Max Munk-Stiftung. Donnerstag: Lehmann Weil-Stiftung. Freitag: Josef Kösterich-Stistung. Agudas Iisroel-Jugendgruppe. Sonntag, 8 Uhr vormittags, „Gemoro"; Herr Leop.Oppenheimer. — 2 Uhr nachm., „Mischna"; Herr Jacob Landau (ebenso Samstag 6 Uhr abends). —9 Uhr abends „Lektüre"; Herr Dr. Abt. Montag, 7*9 Uhr abends. „Gemoro für Fortgeschrittene"; (auch Donnerstag) Herr Hirschberg, Hegelstratze 18. — y29 Uhr, (gemeinsam mit der Esra) Turnkursus. — Va9 Uhr Dinim Herr G. Schnerb. — 9 Uhr Gemoro Herr Halpern. Dienstag, 7B Uhr abends (auch Donnerstag);' „Gemoro"; Herr Dr. Willy Hofmann (auch Samstag 3 Uhr). — 3/49 „Gemoro" Herr Schnerb. Mittwoch, l/g9Uhr abends, Zwanglose Aussprache — 1/29 Uhr „Dinim für Fortgeschrittene"; Herr G. Schnerb (ebenso Samstag 5 Uhr). Donnerstag abend 7s9 Uhr (auch Sabbat 4 Uhr) „Sugraus"; Herr L. Kurzweil. — 7s9 Uhr Besprechung verschiedener Themen. Samstag-, 10 Uhr morgens, „Gemoro": Herr Dr. Posen, Am Tiergarten 42. — 10 Uhr, „Kizzur Schulchan Aruch* für Anfänger, Herr Louis Kahn. — 11 Uhr „Tnach"; Herr Dr. Hofmann, Eschenheimer Anlage 1. — 12 Uhr, „Mischna" für Fortgeschrittene Herr Lehrer Hirschberg. l/a3 Uhr, „Sidro"; Herr Halpern.— 7s7 Uhr. „Mischna für Anfänger"; Herr G. S ch nerb.