Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1925-07-02 · Heft 27 (2.7.1925) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 27 (2.7.1925)
Date
1925-07-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450337-2450363--72311-2529677
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Der Israelit Nr. 27 Seite 3 I 2. Juli 1925 _ I finden Wolff beging die große Klugheit, Einzelheiten aus dem Wege zu gehen, sich aus das bloße Sondieren und Anbahnen zu beschränken und eigentliche Verhandlungen den jüdischen Parlamentariern in Polen selbst zu überlassen, ihnen sonach jedes bedrückende Gefühl einer Bevormundung nehmend. Der Boden war nicht schlecht vorbereitete Noch kennt man die Einzel- , Helten nicht und das lakonische offizielle Kommunique schweigt sich über diese aus, aber es genügt schon, wenn man heute in Polen selbst von einer polnisch-jüdischen Verständigung spricht. Wer die Lage vor Wochen, ja vor Tagen erst gekannt hat, tonnte kaum auf eine so rasche Lösung des Knotens rechnen. Nur muß man hoffen, daß hier der Knoten nicht nach alter alerandrinischer Art mit dem Schwert durchschnitten wurde, und vielleicht sogar auf Kosten der religiösen Interessen der Massen. Man hört, daß die Konzessionen der jüdischen Abgeordneten in Sachen der Sonntagsruhe die Orthodoxie nicht ganz befriedigen. Gerade hier wäre u. E. absolute Beständigkeit und Beharrlichkeit am Platz. Es wäre ein Raub » an den Massen, die treu zum Sabbat halten, auch in wirtschaftlicher Beziehung, wenn die Herren Dr. Reich und Dr. Thon auf weitere Forderungen zu gunsten der sabbathaltenden Laufleute verzichtet hätten, um sich mit diesem Verzicht bessere nationale Chancen zu sichern. Andererseits aber verhielten sich die Zionisten vom radikalen Flügel von Anfang an ablehnend zu den Verhandlungen, weil sie für ihre nationale Sache nicht genug dabei herausschlagen zu können glauben. Man wird bald erfahren, worauf sich die vielfache Unzufriedenheit mit dein Verständigungspakte stützt. Die Sabbat-Idee im Mittelpunkte der Weltanschauung. ii. Von Rabb. Dr. Ansbacher in Stuttgart. Doch, nicht nur den großen Fragen, die hohe Geister beschäftigen, ist der Stempel des Sabbatgedankens ausgeprägt, die Frage, an der jeder Sterbliche einmal vorbeikomryt, die einen Mosche ben Amram wie Mosche den Maimon beschäftigt, die einen Leibniz seine Theodice schreiben ließ i^> jni p’nx - 'ih 3ivi warum der Fromme und Gerechte oft auf Erden zu leiden habe, während dem Frevler das Glück lächelt, wo finden wir eine bessere Lösung dieser Frage als in dem Gedanken an den natp lbav Dr» an eine höhere Welt jenseits der Sterne, wo alle Untrer Plutovismus, der sie aus feuriger Masse entstehen läßt, die sich im Erdinnern noch im Urzustände erhalten habe und ab und zu sich durch die Vulkane einen Ausweg schafft. Wir sehen, in der geologischen Küche wird mit Wasser gekocht und man bekämpft sich wie Feuer und Wasser. Allerdings wird man bei diesen Hvpothesen sehr lebhaft an den Midrasch erinnert, der folgendermaßen lautet (X. 3 rni rvwxi3): Wie schuf Gott seine Welt? prvv> meinte - Er nahm zwei Ströme, einen aus Feuer, einen anderen aus Schneewasser und wischte sie. xi’in 'i meinte, es feien vier Ströme gewesen, entsprechend den vier Himmelsrichtungen, ki'in 13 xvn 'i nimmt deren sechs an. zwei mehr als sein Partner, für die Richtung nach oben und unten. Hadrian fragte einst xnn 13 5Wi,T 'i. wie er lief) die Entstehung der Wett denke und er antwortete ihm: ..Nach der Theorie, die Njrm 13 Xm ausgestellt habe. Als Hadrian die Möglichkeit bezweifelte. führte ihn R. Josua bar Chanina in ein l keines Zimmer und forderte ihn aus, seine Hand nach allen Richtungen auszustrecken". Soweit der unia- Zwei bekannte Dinge werden hier erörtert. Die Mischung von heiß und kalt, also die plötzliche Erkaltung — sagen wir glühender rtaoa durch Schnee oder Eis, ein Verfahren das heute bei vielen Fabrikationen angewandt wird, ist nas eine. Der Glutstrom nimmt sofort feste Form m. (Schluß folgt). ebenheiten ausgeglichen, alle Zweifel gelöst, alle Fragen beantwortet werden? Und wenn es noch fo sehr in des Menschen Brust „wallet und siedet und brauset und zischt", dieser Sabbatgedanke an einen gerechten Ausgleich glättet alle Wellen. Wäre ja das höchste Kleinod des Menschen, die Willensfreiheit, ihm versagt, wollte Lohn und Strafe unmittelbar auf Tugend und Laster folgen, wäre ja dann Gerechtigkeit und Frömmigkeit nichts als kluge Berechnung. Sagen doch unsere b"m — merkwürdig klingend und doch so wahr — „Gott sah alles, das er erschaffen und siehe, es war jnn 12p mix» mo „sehr gut, d. h. der böse Trieb." Also jener schwarze Geselle, der soviel Unheil in die Welt bringt, wird sogar „sehr gut" genannt, denn ohne ihn wäre der Mensch ein willenloses Geschöpf, nichtfähig des Ka mp f e s , aber auch nichtdesSieges. Die Welt ist k e i n A u s - stellungspark, wo vollkommene Wesen, aus der Hand des Schöpfers geworden, präsentiert werden sollen, sondern das Arbeitsf e l d , wo der Mensch der Vervollkommnung z u - st reben soll. Nicht vollkommen zu sein, ist der Beruf des Menschen auf Erden, sondern es zu werden, das ist eine höhere Aufgabe. Ist der Mensch selbst abgeirrt, die Teschuwoh, die nach des Talmuds vortrefflichem Wort schon vor der Welt geschaffen, kann ihn immer noch zurückbringen. Auch der Leidenschaft ist gleichsam die Sabbatgrenze mnn sX3 ist gesetzt, auch der Jezer horah hat sich vor der sabbatlichen Majestät der Teschuwoh zu beugen, so der Mensch die Kraft in sich entfaltet. Zum Schluß sind es noch die zwei Ideen, die von je die Sehnsucht Jisroels, bezw. der Menschheit darstellten, die Erwartung der rftixi aus den Golusleiden und die Beseitigung des Krieges unter den Völkern der Erde. Sie sind die Uebertragung des Schabbosgedankens auf das Weltpolitische. Wer den Naturgesetzen ein Genug zugerusen — wie dies der Sabbat ausspricht — der rufe auch den Leiden Jisroels ein Genug entgegen. Wie die Stube des Arbeiters, des um sein Brot Ringenden sich am mw in die Stätte des Friedens verwandelt, so wird sich auch — so sei es bald Haschems Wille — das von den Pfeilen des Hasses umd.rohte Lager J'i s - roels in eine Stätte des Friedens und der Ruhe verwandeln. Und was für unser Volk die Erlösung aus dem nv»1?* tosW' ist für die Menschheit die ersehnte Verbrüderung, die Zeit, „da man umschmiedel die Schwerter zu Pflugscharen und die Lanzen zu Rebmessern", die Zeit fiiEM ,713 jiiV 3’twv ha in die S ch e i d e zum dauernden Sabbatfrieden das ge- Bemerkungen zu npin 'Es* Don Rabbiner Ar. Winkler in Kopenhagen. I. 19.2: minn npn dxt- DasistderGrundfatz der Tauro lax1? 'n ni3t ipk» daß man jage, weil es Gott geboten hat; daß man allen anstürmenden Fragen nach Grund und Bedeutung der Mizwaus mit der kurzen Antwort begegne: „Weil Haschem boruch hu es so verlangt.,. Das ist Grund genug nach den Torahbesehlen zu handeln, auch wenn sie uns als »'pinals unerklärliche Anordnungen erscheinen, xili ,i»3NX 'vl»x iipini Alle anderen Begründungen aber, die dem menschlichen Verstände entspringen, sind durchaus unzureichend. — n. 20,11: Dojra I.iv»3 y^on nx 1'1 Er schlug von py *|"öo zweimal Buchstaben ab, zu Anfang und zu Ende, also von v und -j, von in1? Vunb i und von p y und i» — qi» mLi da kann aus den mittleren Buchstaben das Wort hervor. (Vom Vers, des *w»ix n»in). HI. 20.29: pnK sm '2 b3 1XT1- ..Als die ganze Gemeinde sah, daß Aron verschieden war." — Wie konnte sie das sehen, da doch nur Moses und Eleasar allein aus dem Berge waren? Darauf eben gründet sich die von Raschi zitierte Auslegung des Midrasch (v"'s,131 13123)- sowie die des Talmuds ('X x '1 .i"i> Daselbst, sowie in i"2Mtp' <r\ pivs T'S heißt es nun: ixi"i xbx 1x11 npn bx. zückte Schwert einkehrt. Es darf uns wohl mit Stolz erfüllen, daß alle Vertreter des Pazifismus, mögen sie demselben in philosophischer Form eines Kant, in belletristischer einer Berta v. Suttner das Wort geredet haben, oder mögen sie, was noch mehr bedeutet, als Staatsmänner ihn zu verwirklichen bestrebt sein, daß sie alle bewußt oder unbewußt Jünger eines Jesaja und Micha sind. Und mögen auch düstere Zeiten schrecklichen Völkermordens hinter uns liegen, es entmutigt uns nicht, ja es gibt uns vielleicht desto mehr Hoffnung, daß wir dem Völkerfrühling näher sind, nx .t\t 2isr nvh Zur Abendzeit wird es wieder hell werden. Wir erinnern an die talmudische Erzählung von R. Akiba, der mit seinen Genossen über die öde Tempelstätte ging, als ein Fuchs über dieselbe schritt, was den Kollegen Tränen, R. Akiba dagegen ein Lächeln entrang. „Wie kannst du dich freuen ob solchen Anblicks" fragen die Weisen. „Gerade das gibt mir Anlaß zur Hoffnung." So wie diese Verheißung in Erfüllung ging „Zion wird wie ein Feld bepflügt werden", geht auch einst die zweite der Verwirklichung entgegen „wieder werden sitzen Greise und Greisinnen an den Toren Jerusalems." Waren es vielleicht rrw» '°?3N, Vorläufer der Erlösung, wenn wir das Wort Joels (4,10) fast buchstäblich zur Wahrheit werden sahen v'Nvi^ »3'ni»i»i N131N^ 33'NX 1N3- Schmiedet um Eure Pflugeisen zu Schwertern, Eure Rebmesser zu Lanzen, als man friedlichen Zwecken dienende Hausgeräte hingab zur Anfertigung von Waffen, so haben wir wohl desto mehr Recht, die Umstellung des Satzes auch in nicht allzu ferner Zeit erwarten zu dürfen. So sehen wir, daß die Schabbos-Jdee nicht nur das A und O des Religiösen, sondern auch den Mittelpunkt aller sittlichen Grundsätze, die Richtlinie im Gefühls- und Geistesleben darstellt, die Sonne ist, deren Strahlen sich in den erhabensten Ideen zur Veredlung der Menschen auswirken. Freilich können diese Ideen dem rat? nur abgelauscht werden; wenn er auch im p r attischen Leben *pn mwy» ini33i Richtung gebend und gebietend herrscht, nicht äußere Werkheiligkeit bleibt, sondern unser Innenleben durchdringt und befruchtet. Ideen allein ohne Ausdrucksform müssen naturgemäß verflüchtigen, letztere ohne geistigen Inhalt verknöchern. Ein Gleichnis erzählt von einem Philosophen, der einst an einen Rabbi die Frage stellte: Wozu die Ritualgesetze, die Ideen des Judentums seien wohl vorzüglich, aber der „Formen" könne man entbehren. „Vortresslich sprichst du," erwidert der Gelehrte, „als Anerkennung für deine geistreiche Frage mache ich dir den Wein Raschi übersetzt: „Lies nicht „wann", sie haben gesehen", sondern „wajerou", sie wurden gesehen" (i^rv vgl. auch hier: "ixinnxi")- weil nach dem Ableben Arons die sie bis dahin einhüllende Ehrenwolke ihnen entzogen war. — Ich stehe hier vor einem unlösbarem Rätsel! Warumsteht Raschi sich zu einer solchen Deutung gezwungen? Warum mutz das Wort unbedingt „wajerou" „sie wurde gesehen", warum soll es denn nicht einfach„wajiru" „sie fürchteten" gelesen werden?! Läßt doch das Doppeljod in ixi"i gar keinen Zweifel zurück, daß unsere Lehrer es , wajiru" gelesen haben wollten! „Wajerou" wird ja niemals mit zwei „Jod" geschrieben!' Sie wollten schlickt damit sagen, daß das Volk, nachdem ihm mit Aron zugleich auch der Schutz der Ehrenwolke genommen war. z u fürchten begann! Wohl hat der Midrasch (,-731 mp) die Wendung nsnis ,1VX3 1X11 und,iann nn w rinin ('3 I3i»3 XQ1N1N-) aber dort ist ja von dem xti npn ^x gar keine Rede! Uleines Feuilleton. Rabbi Elieser Aschkenasy. In den politischen Zeitungen machte vor kurzem eine Meldung von der Auffindung der Grabstätte des Rabbi Elieser Aschkenasy in Krakau die Runde. Was uns die Historiker von diesem Weisen des 16. Jahrhunderts zu erzählen wissen, ist nicht viel. Geboren 1812, starb er nach einem Leben reich an Wandern und Wirken im Alter von 73 Jahren im Kislev 1885 in Krakau. Seine Geburisstätte dürste in der Levante zu suchen sein. Er war ein Schüler

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.