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Der Israelit · 1925-06-18 · Heft 25 (18.6.1925) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 25 (18.6.1925)
Date
1925-06-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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18 IuNi 1925 Der Israelit Nr. 25 Seite 9 echter jüdischer Ethik vor. Die Andacht zum Kleinen, die ganze Größe jeder gewissenhaft und g r ü n d - [ sch vollbrachten Arbeit, der Abscheu vor der leisesten Ilngradheit oder Unaufrichtigkeit, die tiefe Demut des ewig Forschenden und niemals Aburteilenden, die ungekünstelte Selbstverständlichkeit der religiösen Pflichterfüllung — das sind so einige Blüten aus dem reichen Kranze jüdischer Lebensvollendung, der den Heimgegangenen schmückte. Er war ein Bild seelischer Gesundheit, feind allem Krankhaften, Gemachten, aller Sclbstbespiegelung und Geziertheit, ein liebender Freund seiner Schüler, die ihm in Hamburg, Frankfurt und wohin sie auch das Leben verschlagen haben möge, ein ewig dankbares Andenken bewahren werden. Ncwyork, 10. Junr. Herr Dr. Benjamin L e w i n , iioifrüher im Schuldienste der „Freien Vereinigung" in Palästina stand und sich durch einige hebräische Werke aus der gaonitischen Zeit einen Namen erworben hat, ist als Professor ,mt die Hochschule „Bes Midrasch Lcthora" berufen worden. Dr. Lewin nahm die Stelle ,,ur provisorisch an und gedenkt später nach Palästina zmückzutehren. Sprechsaal. Zum Thema des Jeschiwo-Lerncns. Infolge eines mir aus Köln, von einem ehemaligen Schüler der min na'v' in Preßburg zugegangsnen Schreibens, dem ich zu meiner größten lieberr a s ch u n g und zu m e in em in n ig sten Bedauern entnehme, daß manche Leser d. w. Blattes meinen Hierselbst veröffentlichten Aufsatz über: „Eine geistige Renaissance der mri?’'' als einen direkten ~ oder einen Flankenangriff gegen die Preßburger na'v', peziell gegen die dortige Lernart und den dort herrschendein Geist, betrachten, halte ich mich verpflichtet —, trotzdem, daß ich nie Personenkultus getrieben, noch heute trelibe! — in aller Aufrichtigkeit zu erklären, daß ich solches zu tun nie und nimmer beabsichtigte! Es ist auch lächerlich, anzunehmen, daß ich, der ich nie und nimmer die mannigfaltigen geistigen Anregungen, die ich während meines vierjährigen Aufenthaltes in der m'&r> zu Preßburg erhalten habe, und die ich in dieser Geartung vielleicht nirgends anderswo hätte gewinnen können, es istx lächerlich, anzu nehmen, daß ich, der ich nie und nimmer die in Preßburg einpsangenen geistigen Eindrücke vergessen werde, so daß ich fast m Versuchung komme, mit dem heiligen Sänger auszurufen: iai d^tt’ “inaspx dx — daß also ich die Absicht gehabt hätte, mit meinen erwähnten Aussührungen — wie der Briefschreiber meint — „durch das still schweigende Hinweggehen über den Wert der Preßburger diese in den Hintergrund zu stellen." Vor kurzem erst registrierte ich aus einem mich getroffenen traurigen Anlasse mit wehmütigem Stolze die Tatsache in diesen Blättern, daß mein Vater »"an acht Jahre hindurch zu den Füßen des isio ana Vya und des imv tnip bm gesessen und daß dessen Vater ai Ipv'8 xa'psi"ini»pxLnain acht Jahre hindurch im Hanse der isio ernn saß und lernte, und im Vorworte zu meinem Hirsch-Buche: „In seinen Spuren . . 3. V und VI erzählte ich mit berechtigtem ° Stolze, wie mein Großvater mütterlicherseits, der irx^x bsa mit dem Epitheton ornans v'i'vbnaV ini'vn inx vom großen W iLio ans brm beehrt wurde, — und da sollte i ch nun die Absicht gehabt haben, meine ehemalige alma mater, deren Grundsteine von erwähnten gelegt wordein sind, „in den Hintergrund zu stellen!" nra nurns nb'bn- Nein! Solches war nie und nimmer meine Absicht. Und jeder objektive Leser wird es eingestehen müssen, wie meine Ausführungen nur das in Deuts chl a n d erwachte Bestreben vor Augen haben, um h i e r- U [ b st mm'b niwn mnrö aufs neue ma’E?’ zu gründen. Für diese n e u zu gründenden nia'v' sind eben meine Ausführungen geschrieben. Sie wollen ein Memento sein, damit man bei Errichtung solcher Institutionen in Deutschland womöglich Fehler vermeiden soll, woran die ma^’ im Osten mehr oder minder laborieren, und die man bei N e u g r ü n d u n g e n viel eher vermeiden kann. Die na'v' zu Preßburg gehört eben nicht zu solchen Aerigründungen, sie hat eben ihre alten und bewährten Traditionen. Und sie ist und sollte eben keine einfache na'v sein. Sie wird vielmehr seit ca. einem Jahrhunderte auch als Fachschule betrachtet; ße war nicht nur offiziell, sondern auch de facto die R a b b i n e r s ch u l e des orthodoxen Judentums in Eroßungarn, und als solche hat sie allenfalls die Berechtigung, ja die Verpflichtung zu einer eigenartigen talmudischen Unterrichtsmethode, die mit einem eventuellen künftigen rabbinischen Beruf der Schüler zu rechnen hat. Auch verwahre ich mich aufs allerentschiedenste dagegen, daß man die von mir in meinen Ausführungen cnoähnte Episode mit meinem aus Husgt stammenden Ziinmergenossen als eine Verallgemeinerung aufch?>e. Ich konzediere es dem sehr geehrten Briefschreiber sehr gerne, daß der größte Teil der Preßburger na'-v'- Bnchurim vom anderen Kaliber war, und i'arnb» vn, daß ick eben diesen iina als Prototyp eines Preßburger -Zöglings hin stellen wollte. Wollte ich solches tun, dünn hätte ich eben mir und allen meinend"!^», auf ^ic ich mit berechtigtem Stolze zurückblicke, und die ebenfalls Zöglinge, wo nicht geradezu Musterzöglinge, der Preßburger na'v' waren, ins Angesicht geschlagen!' Ich wollte nur auf die Notwendigkeit eines gründlichen -Unterrichtes in der m'v Hinweisen und illustrierte dies mit erwähnter Episode. Es ist auch gar nicht notwendig, daß man mich auf die großen Verdienste der Preßburger na'v' aufmerksam mache, indem man darauf hinweist, wie ihr große und bedeutende Rabbinen der letzten Jahrzehnte entstammen, habe ich doch gelegentlich' des bereits erwähnten traurigen Anlasses genugsam heroorgehoben; wie zu gleicher Zeit mit meinem Vater eine ganzo Reihe in der ganzen Judenheit gefeierter Rabbinen die na'M in Preßburg besuchte. Zum Schlüsse erlauben wir uns noch die Bemerkung, daß der Schreiber dieser Zeilen sich in punkto der Anerkennung und Würdigung der großen Verdienste der Preßburger na’P’ in Vergangenheit und Gegenwart von keinem der gewesenen Schüler derselben überbieten läßt. Und wenn vielleicht derselbe auch in dem einen oder anderen Punkte eine gewisse Rücksichtnahme auf .das eine oder das andere wünschte, und dies eben im Interesse der um so glorreicheren Zukunft der Preßburger na'v so wird dieser Umstand doch nie und nimmer hinreichend genug sein, um seine Verehrung gegenüber seiner einstigen alma mater auch nur im geringsten zu vermindern. Sarospatak, den 12. Juni 1925. Rabbiner Philipp Fischer. Briefkasten. A. M. London. Wenn Sie Rabbi Iosua Aschtrenasy meinen, dessen Grab jetzt in Krakau ausaesunden wurde, so finden Sie in einer der nächsten Nummer unseres Blattes btc gewünschte Auskunft. Kl. in Fr. und Andrre. Ibre Anregung, öffentliche Vorträge im Sinne des jüngsten Leitartikels zu veranstalten, wird ihre Ausführung finden. Wie wir hören, beabsichtigt der Franksurler Niekor Chajim in Gemeinschaft mit anderen Vereinen demnächst einen öffentlichen Vortrag über dieses höchst aktuelle Thema m de Wege zu leiten. H. H. Zentrale für jüdische Wohlfahrtspflege, Langestraße 50. Cassel, 14. Juni. Die Veteranen aus früheren Feldzügen: Hermann Engelbert, Heinrich Bodenheimesr. Tobias Häusser, sämtlich aus Cassel, und Samuel Mansbach aus Niederstem, Kr. Fritzlar, wurden zu Ehrenmitgliedern der Ortsgruppe Cassel des R. I. F. ernannt. Berlin, 5. Juni. Von der Friedrich-Wilhelm- Vittoria-Stistung des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes wird uns geschrieben: In der Sitzung des Kuratoriums der Friedrich- Wilhelm-Viktoria-Stiftung vom 3. Jum ds. Js. sind eine Reihe von Versicherungsfragen von allgemeiner Bedeutung zur Beschlußfassung gelangt. Es wurde festgestellt, daß die Zahl der vorliegenden Subventionsanträge eine überraschende Höhe bereits erreicht hat. Einige Mißstände, die sich in der Praxis herausgestellt haben, sollen durch nachstehende Beschlüsse abgestellt werden. 1. Subventionen sollen weiterhin nur bewilligt werden zu Versicherungen, die im allgemeinen nicht vor dem 60. Lebensjahre der Versicherten zur Auszahlung gelangen. 2. Au Angestellte jüdischer Büros werden Subventionen nur gewährt, wenn sie mindestens seit 3 Jahren im Dienste jüdischer Organisationen stehen. 3. Den Versicherungsnehmern soll empfohlen werden, den Beginn der Versicherung aus ca. 4 Wochen nach Stellung des Antrages festzusehen, damit zum ersten Zahlungstermin bereits die Bewilligung des Zuschusses seitens der Friedrich-Wilhelm-Vittoria» Stiftung vorliegt. Vermischtes. Frankfurter Berichte. Neue Friedhofsanlagen. Das Gemeindeblatt der „Israelitischen Gemeindest enthält einen Lageplan nebst Erläuterungen zu dem voraussichll ch im Jahre 1927 zur Eröffnung gelangenden n e u e n F r l e d h o f. Er ist an der Friedberger Warte gelegen und wird im Osten von der Hamburger Landstraße, im Norden und Westen von neuen Straßenzügen, durch die eine Verlängerung der Trambahnlinie 8 laufen wird, begrenzt. Gegenüber dem neuen Friedhof der Israelitischen Gemeinde liegt auf der anderen Seite der neu anzn- Lübeck, 25. Mar. (Verspätet mitgeteilt.) Ende März ds. Js. verließ Herr Rabbiner W a j f e r m a n n '"x unsere Gemeinde, um eurem eh envollen Rufe nach Darmstadt zu folgen. Fast sieben Jahre hat Herr Rabbiner W.. eine überaus segensreiche Tätigkeit rn unjerer Gerne nde entfaltet. Die ersten Jahre ferner Amtstätigkeit verliefen noch zu Lebzeiten ur\z cö u vergeßlichen Rabbiner Dr. Salomon Carlevach dem er ein treu ergebenes Freund und eine wertvolle Stühe gewejen ist. Nach dem Tode unseres großen Rabbiners b"t wurde Herr Rabbi er Wassermann zum Rabbinatsrerweser ernannt, bis dann die Wahl des Herrn Dr. Josef Ca le/ach '"2 zum Rabbiner erfolgte. Herr Ravbiier W. bekleidete hier, auch unter der Amtstätigkeit des jetzigen Herrn Rabbiner Dr. Winter '"3, das Amt eines Dajan und hatte sich allezeit ganz besonders der Heranwachsenden Jugend väterlich angenommen. Ec hrrlt die vom Verein Machsike Hadatz re ansta.te en öffentlichen und privaten Schiurim ab und sorgte, wo er nur konnte, für die Verbreitung unjerer heiligen Lehre. In allen Schichten der Gemeinde erfreute er sich einer ganz besonderen Beliebtheit, die auch der seinem Scheiben allgemein zum Ausdruck kam. In allen Kreisen unserer Gemeinde bedauerte man aufs lebhafteste, diesen ebenso großen und tiefgründigen Gelehrten, wie bescheidenen und lre'oenswürdigen Menschen scheiden zu sehen. Seitensdes genannten Vereines und. seiner Freunde wurde ihm bei einer ihni zii Ehren veranstalteten Abschiedsfeier eine Prachtausgabe des Talmud Bablr und Jeruschalmc überreicht. Wir gratulieren der Gemeinde Darmstadt, in welcher Herrn Rabbiner Wassermann ein weit größeres Arbeits- und Wirkuiigsfeld zuteil geworden. Zu feinem Nachfolger hier in Lübeck, hat die Israelitische Gemeinde Herrn Rabbiner Emanuel Donath '"2 aus Randegg berufen, einen Schwiegersohn des weit und breit bekannten Rabbiners Nobel b"nr aus Halberstadt. Berlin, 11. Juni. Von dem Jüdischen Frauenbund wird uns mitgeteilt: In Niendorf a. d. Ostsee wurde anr 1. Juni ein Erholungsheim für Sozialbeamtinnen eröffnet. Das Heim bietet einen sehr behaglichen Aufenthalt bei einem Pensionspreis von Mt. 4.50 pro Tag.. Meldungen für die Sommernronate werden möglichst bald an die Geschäftsstelle des Jüdischen Frauenbundes, Berlin C. W., Rosenstr. 2/4, erbeten. Rhina, 14. Juni. In einer Mitgliederversammlung des hiesigen Kriegervereins wurde dem Veteran Auscher Klebe aus Rhina mit einer ehrenden Ansprache do's Vorsitzenden eine Gedenkmünze für 50 jährige Mitgliedschaft überreicht. Fritzlar, 14. Juni. In vollkommener Rüstigkeit beging in Großenenglis der Rentier S. Kaiser seinM 80. Geburtstag. Dem Jubilar wurden von nah und fern zahlreiche Ehrungen zuteil. legenden „Friedhofstraße" das bereits im Jahre 1914 erworbene neue Friedhofsgelände der „Israelitischen Religionsgeseltschast". Wir geben hier eine verkleinerte Skizze des Lageplans, der links unten den Friedhof der Israelitischen Gemeinde, rechts gegenüber denjenigen der Synagogengemeinde Israelitische Religionsgesellschaft zeigt. Berufung Das langjährige Mitglied des Synagogenchores der Israelitischen ReligionsgeseUschaft, Herr Markus G e r - I i ch, ist nach erfolgreichem Probevortrag ab 15. August an die erweiterte Synagoge Unterlindau als Kantor berufen morden. Herr Eerlich gehörte 5 Jahre dem Synagogenchor als Solist an und hat sich während dieser Zeit große Verdienste um den Chor erworben. Jüdische Ferienkolonie. Der paritätische Verein für Ferienkolonien mußte während der letzten Jnflationsjahre feine segensreiche Tätigkeit vorübergehend einschränken. Run ist beabsichtigt, in den Sommerferien wieder recht viele Frankfurter Kinder in die Gebirgswälder in der Rühe Frankfurts zu senden, darunter auch zwei Abteilungen jüdischer Kinder. Mit der Einrichtung der jüdischen Kolonien setzt der Verein eine alte Tradition fort; er kann jedoch

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