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Der Israelit · 1925-06-18 · Heft 25 (18.6.1925) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 25 (18.6.1925)
Date
1925-06-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 25 Der Israelit 18. Juni 1925 Ist es nicht ein Widerspruch in sich selbst, ein Attentat auf alle politische Logik, eine „religiös-neutrale Landeskirche" schaffen zu wollen? Und doch muß man den „Landesverband", wenn man seine juristische Verankerung in der Reichsversassung einerseits, feinen wirklichen Charakter andererseits miteinander vergleicht, als solchen Versuch der Einung des Unvereinbaren anfehen. Die Reichsverfassung gewährt den „R e l i - gionsgesellschaft en", d. h. einzelnen Gemeinschaften, die sich auf einem gemeinsamen religiösen Bekenntnis ausbauen und ausschließlich der Verwirklichung dieses Bekenntnisses im Leben dienen, die öffentliche Anerkennung. Sie läßt aus dem Zusammenschluß solcher einzelner Religionsgesellschaften große, das ganze Land umfassende Gesamt- Religionsgesellschaften erstehen und betrachtet diese dann als den organisatorischen Körper des Religionsbekenntnisses. Die staatliche Anerkennung können Gemeinde- Verbände daher nur als Religionsgesellschaften erstreben. Täuschen wir uns also nicht darüber: ob staatlich anerkannt oder nicht, der Berliner Landesverband tritt in der Tat mit dem ehrgeizigen Anspruch auf, d i e jüdische Religionsgesellschaft in Preußen zu sein. Er will die jüdische Religion schlechthin — ob auch im Kreise eines für die Gesamtjudenheit unbeachtlich scheinenden Häufleins von Menschen — immerhin in Preußen für die Gesamtheit, vor dem Staate, vor der Welt, vor Gegenwart und Zukunft vertreten; will als Wahrheitszeuge dastehen für das ja nicht von gestern und heute gewordene, sondern seit Jahrtausenden lebendige geschichtliche Judentum, wie es auf deutscher Erde von den untersten Zellen des jüdischen Gesamtheitskörpers, den tznipn ni^np' verwirklicht werden — soll. Kann dieses Zeugnis vor dem Richterstuhl der Wahrheit bestehen, dann mag sich Israels Gesamtheit seiner freuen. Ist das Zeugnis aber falsch — wie wenig die Träger dieses falschen Zeugnisses sich ihres Irrtums auch bewußt sein mögen, — so ist es heilige Pflicht der die Wahrheit Erkennenden, diese laut in die Welt h i n e i n z u r u f e n , die ja nur an der reinen jüdischen Gotteswahrheit genesen kann. Run wohl: Das Zeugnis, das der „Landesverband preußischer Synagogengemeinde n" nach seiner Struktur und seinem Wesen von Gott und Judentum ablegt, i st falsch, und es wird nicht richtiger dadurch, daß leider an der organisatorischen Verbreitung dieses falschen Zeugnisses so manche wackere Juden Mitwirken, die es besser wissen und sich dennoch aus politischer Taktik oder aus Schwäche zu seiner Deckung hergeben. Man wird in der Satzung oder (wie sie sich, dem hohen Ziele angemessen, nennt) der Verfassung dieser „Religionsgesellschaft" vergebens nach einem Sterbenswörtchen darüber suchen, was denn nun inhaltlich das religiöse Bekenntnis, die religiöse Weltanschauung ihrer Bekenner oder das Formalprinzip, auf dem sich das Bekenntnis aufbaut, fei. Daß das Zufall ist, oder gar als überflüssig betrachtet worden sei, wird niemand den Mut haben zu behaupten. Denn bei dem leisesten Versuche, die hier zu einer angeblichen Religionsgesellschaft zusammengeschlossenen Gemeinden auf eine einheitliche religiöse Ueberzeugung, oder gar auf die aller Welt bekannten Grundlehren des historischen Judentums festzulegen, würde sich die Unmöglichkeit solchen Unterfangens rasch und gründlich offenbaren. Wie sollten denn die Bekenner der „Richtlinien des liberalen Judentums", jenes Denkmals vollendeter Abkehr von der jüdischen Wahrheit, aus eine Verfassungsurkunde festgelegt werden können, die etwa Im Sinne des geschichtlichen Judentums auf den Grundsatz der Verbalinspiration des Pentateuchs und der Göttlichkeit der mündlichen Offenbarung die ewige Verpflichtungskraft des mosaischrabbinischen Gesetzes gründet? Dieser angeblichen preußisch-jüdischen „Religionsgesellschaft" bleibt also tatsächlich nichts anderes übrig als die vollendete Anonymität ihres geistigen Bestandes, deren monumentaler Ausdruck die schweigsame Verfassung des „Landesverbandes" ist. Diese Anonymität aber, unter deren Schleier die widersprechendsten, um Weltenfernen von einander getrennten Auffassungen über Gott, Kosmos, Offenbarung, nationales Wesen, Lebenspflicht und Erlösung sich verbergen, möchte sich dennoch als jüdische Religion ausgeben. Sie mukr es um der Reichsverfassung willen, und ste muß es, weil unsere Liberalen das nationale Einheitsprinzip der Zionisten nicht anerkennen wollen. So wandelt sie um der Einheit willen die eindeutige Wahrheit des Judentums in ein wesenloses Nichts und bringt damit die Gesamtheit um ihre höchste Lebensaufgabe: '.“DipninpS den Namen Gottes, dessen absolute Wahrheit nach innen und außen zu verkünden. Um der Einheit willen! Denn das wollen wir bei aller Gegnerschaft gegen den „Landesverband" und seine geistigen Führer keinen Augenblick vergessen; es ist nicht etwa — wie das in der Vorkriegszeit bei den analogen Bestrebungen vielfach der Fall war — bloße Ruhmsucht und Angleichung an die christlichen Konfessionen, was hier zu einer so ungeheuerlichen und widerspruchsvollen Verleugnung der Wahrheit treibt, sondern ein durchaus ideales Streben: der in die Irre gebende Zug zurjüdischenEin heit. Weil die wahre jüdische Einheit, die ganz in der Verpflichtung auf das Religionsgesetz wurzelt und darum im Golus in der konfessionellen Organisation der gewiß auch durch Abstammung und Geschichte Ge einten einen völlig adä.uaten Ausdruck finden kann, weil diese wahre jüdische Einheit den Liberalen und Zionisten abhanden gekommen ist. darum sehen sie sich zur Erfindung eines neuen Einheitsbegriffes genötigt, der, beiden Rechnung tragend, ebenso neu als unwahrhaftig ist. Der „Landesverband" ist alles andere denn eine Religionsgesellschaft, die er zu sein vorgibt, er ist formell nichts weiter als eine Verwaltungsgemeinschaft der Großgemeinden, dem innersten Wesen nach aber eine nationale, oder, bescheidener ausgedrückt, stammestümliche Juden-Organisation. Klar bewußt und konsequent handeln daher in dieser politischen Aktion nur die Zionisten. Sie, denen etwa ein Viertel der Sitze in der von ihnen zum „Parlament" erhobenen Verbandsversammlung zugefallen ist, forderten eigentlich ein offenes Bekenntnis zur religiös völlig farblosen, unparteiischen jüdischen „Volksgemeins ch a f t". Sie wissen, daß sie dieses Ziel iu Deutschland geradewegs nicht erreichen können und dulden daher das „religions-gesellschaftliche" Scheingebilde im vollen Bewußtsein seiner Unwahrheit, weil es ihnen die Tribüne bietet, uni ihre völkische Auffassung in die Massen zu tragen und hinter der zerbrechlichen Form der konessionellen Einheit ihr eigenes Gemeinschaftsideal zu pflegen. Anders die Liberalen, die im stolzen Gefühle eines geradezu überwältigenden politischen Wahl- Sieges in die Verbandsversammlung einziehen und die dennoch, ganz von den unfaßbaren Klammern des Unbewußten gelenkt, die Besiegten von morgen sein werden. Entfremdung und Assimilation haben sie aus dem Judentum der Gechichte, dem Judentum der Thora, mehr oderminder hinausgeführt. Der skeptische Rationalismus, der das liberale Judentum geschaffen, und die Stimme des Blutes, der uralten Kulturgemeinschaft ringen um die Seele ihrer Besten. Sie tehen an der Kreuzung zweier Wege, von denen )er eine zur Taufe, der andere zum Zionismus 'ührt. Die diesen letzteren aus politischen Bedenken nicht gehen wollen, werden mit wahrer Inbrunst an der konfessionellen Verpuppung des Bemerkungen zu “i1? nV» 's. Don Rabbiner Ar. Winkler in Kopenhagen. I. 13, 2. «Wie kommt es. datz die Berichte über Mirjam und die Kundschafter nebeneinander stehen?" — Diese Frage ist nicht recht verständlich: Die Tauro berichtet eben chronologisch! — Allein oben (LO, 35) gibt Raschi (nach Talm. t"d,7 5i2w) als Grund für die umgewendeten Runs an, zwei traurige Berichte dadurch von einander zu sondern. So fragt er mit Recht, wieso wird hier Über zwei gleich traurige Begebenheiten unmittelbar nebeneinander berichtet? II. 13, 11. nwaa nva^> yvi' naa^ Tossosat z. St. bemerkt: Hier wird der Stamm Manasse als Stamm Josef bezeichnet, weil auch letzterer einmal, gleich den Kundschaftern, üble Nachreden überbrachte; sonst wird immer der Stamm Esraim nach Josef benannt. — Diese Angabe ist höchst merkwürdig: Weiter unten (32, 33; 34. 23 und 36, 1, 5, 12) werden ebenso wie hier die Nachkommen Manasses als die Josefs bezeichnet! Ja, noch mehr: Während ..Menasche ben Josef" eine häufig wiederkehrende Erscheinung ist, kommt dagegen, unseres Wissens, «Esraim ben Joses" nirgends vor! III. 13, 31: laaa sin pm '2. Raschi. «Gleichsam dem Allerhöchsten gegenüber, haben sie das gemeint", also: ..Denn es (das Volk in Kanaan) ist stärker als Er!' In den Chomefch-Ausgoben ist hierher Midrasch (,121 -I2na2) als Quelle angegeben; es hätte aber eher der Talmud als solche bezeichnet werden sollen und zwar '2 r: mnjö 'S n"1? nt?io n T'ü raisni Dort geht diese Beziehung auf Gott von der doppelten Bedeutung des Wortes uaa aus, indem gesagt wird: 1ZQV uöö '->,751 Raschi zu Sota will diesen Satz gestrichen sehen, weil 12»» als 1. P. pl. und als 3. P. sing.? gleichlautend sei; man könne also nicht sagen: ..Lies nicht „mimmennu", sondern ..miminennu". — Als Randglosse wird bemerkt, daß auch die diesen Satz nicht haben. Diesem Glossator dürste es wohl entgangen sein, datz dieser '121 'ipn h« auch im Talm. jeruschalmi 0V'n T'S n’iyri) und im Midrasch ('t 'io xaimm ras «m ‘maa) vorkommt. — Tossasot zu Arachin 15b zitieren eine Erklärung (die gewiß dem Aruch s. v. bv2 entnommen ist), wonach das Nun in na»' als 1. P. pl., ohne Dagesch, während es in -na» das die 3. P. sing, bedeutet, mit Dagesch geschrieben werde, lehnen sie aber unter dem Hinweis darauf ab, daß das Nun in beiden Fällen dageschiert sei. nsaipa na'tp endlich führt gar eine L. A: wa »mehr als seine Rechte", an. Indes ist die uns vorliegende L. A. durchaus korrekt, bedarf auch keiner Aenderung und ollte am allerwenigsten gestrichen werden, zumal Raschi an den beiden anderen Stellen (pis/i mnaa df) sie nicht antastet. Die Erklärung des 'ipri ist in der Tat so, wie die von Tossasot angeführte Die Einwendung, die diese machen, wird nämlich durch das Zeugnis Jbn Esras zu II. M. 1. 9 hinfällig, wonach die babylonisch e Masora das Nun in ija», .,1. P. pl.", ohne Dagesch schreibt. Der frag!. Satz mutz demnach so gelesen werden, „Al ttkre mimmenu allo mimmannu". — Die Bemerkung des „Sifse Ehachomim", daß die in Rede stehende Deutung sich auf das Wort rrin stütze, ist grundfalsch, denn darnach käme das gerade Gegenteil von dem heraus, was die Deutung besagen will! — Uleines Feuilleton. In Träumen. Empor viel steile Sternenstufen seh'n wir Gestalten schweigend schreiten, aus Himmelshöhen herniedergerusen, die Erdenträumer zu geleiten. — Wir schlummern noch. — Auf starren Steinen ruh'n unsre Häupter, leid-ermüdet. Es hat uns bezwungen unser Weinen, unfern Gesang hat Schmerz geschmiedet. Auf Steinen wir. — Doch oben kündet der Allmacht Stimme- Will euch heben, datz ihr die Kleinheit überwindet, — und eure Träume werden Leben! I. Raphael.

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