Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1925)
- Date
- 1925-06-11
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr. 12 Der Israelit Blätter 11. Juni 1925 Warschau. Sonntag und Montag den 9. und 10. Siwan findet die Landeskonferenz der orthodoxen Arbeiterorganisation Poale Emuno Jisroel in Warschau statt. Für die Konferenz sind folgende größere Referate in Aussicht genommen. Das Wesen der Arbeiterorganisation Poale Emune Jisroel (I. L. Orlan), Unsere Kulturarbeit (A. Z. Friedmann), Unsere ökonomische Arbeit (S). D. Broder), Unsere Erez Jisroel-Arbeit (H. Rosnor), Ueber Organisation und Presse (Herr A. B. Eckermann). Warschau. Bei den Kuttusgemeindewahlen in Pultusk haben sieben Listen um den Erfolg gekämpft. In der letzten Phase der Wahlbewegung haben sich die drei orthodoxen Listen vereinigt, so konnte die Orthodoxie m Pultusk nach einem heftigen Wahlkampf mit sieben Mandaten — die übrigen: Handwerker zwei, Zionisten eins, Unparteiische zwei — die Majorität erringen. Warschau. In seiner blinden Oppositionswut gegen alles Jüdische ließ der Zionist Grünbaum es sich nicht nehmen, das Ministerium des Innern anzugreifen, weil dieses nicht verhinderte, daß die lokalen Behörden den Radomer Rav Kostenberg unterstützt haben. Diese haltlosen und für einen jüdischen Abgeordneten absolut unziemlichen Angriffe riesen eine Serie ironischer Bemerkungen seitens der andersgläubigen Sejmmitglieder hervor. Alle Anwesenden verspotteten Grünbaum. Warschau. Der unerwartet große Zustrom, dessen sich dio „Mesiwtha" in diesem Semester erfreut, hat das Budget dieser Anstalt aus dem Gleichgewicht gebracht. Bekanntlich lernten an der „Mesiwtha" bisher zirka. 300 Schüler, während in diesem Semester die Rekordzisser von zirka 700 Hörern erreicht wurde. Es mußten sofort 8 neue Lehrräume adaptiert und das Lehrpersonal vergrößert werden. Zur Deckung des finanziellen Mehrbedarfs müßte eine besondere Aktion eingeleitet werden. Der Anstaltleiter, Rabbi Schlomo Joskowicz, Schwiegersohn des Gerer Rebben, hat sich zu diesem Zwecke nach Deutschland begeben Und mehrere Städte besucht. Der in Berlin weilende Radziner Rebbe stand ihm hierbei in anerkennenswerter Weise zur Seite. Krakau. Vor einigen Wochen wurde hier eine kapitalkräftige Gesellschaft von orthodoxen Juden mit dem Zwecke Boden in Erez Jisroel zu erwerben, gegründet. Die Gesellschaft delegierte die Herren Eh. Blühbaum und Benzion Großfeld nach Palästina, um den nötigen Boden anzukaufen. (Dieses isolierte Vorgehen ist höchst bedauerlich und unzweckmäßig.) Krakau. Samstagabend, den 9. Mai, hielt das Mitglied. des zionistischen Aktionskomitees, Herr Dr. Thon, welcher als Angreifer des orthodoxen Judentums genügend bekannt ist, einen Vortrag über seine letzten Eindrücke in Palästina, wobei er die wichtige Rolle der Orthodoxie in Palästina besonders heroorhob. Er loote nicht nur die quantitative, sondern auch die qualitative Arbeit der orthodoxen Einwanderer wie „Bnei Berat" und des Jabloner Rebbi üsw., welche einfach Wüsten in fruchtbare, blühende Gegenden verwandeln. Solche Worte von einem verbissenen Gegner der Orthodoxie sind bemerkenswert. Lublin. Aus Anlaß des am 10. Jjar stattgefundenen 70. Geburtstagfestes des Czortkower Rebben beschloß das Baukomitee der Lubliner Weltjeschiwoh, ein den Namen des Grohrabbi von Czortkow tragendes Zimmer im Wohntrakte zu errichten, das für 10 Zöglinge Raum gibt. Es wurden fünfhundert Anteilscheine zu fünf Dollar zur Deckung der Einrichtungskosten herausgegeben, die zum großen Teile bereits vergriffen sind, da aus allen Erdteilen, besonders von Czortkower Chassidim reges Interesse für diese gediegene Art der Ehrung des großen Führers in Israel bekundet wird. Lodz. Der Sejmkorrespondent der „Jiddischen Stimme" in Lodz hatte Gelegenheit, : den Oberrabbiner Sejmdep. Lewin-Sambor wegen Prilutzkis verräterischer Rede zu interviewen. Der Abgeordnete sagte: „Ich finde keine Worte, um den Eindruck zu schildern, der mich beherrschte, als ich sah, wie auf der polnischen Sejmtribüne ein Jude stand, dessen Wähler eine Minderheit darstellen und überdies fromme Juden sind, und inmitten einer volksfromden Umgebung alles mit Füßen tritt, was dem Judentum heilig ist. Der Eindruck eines solches Verrates am Kowaud Hathauroh und Kowaud Tinaukaus schel bes Rabbon läßt sich nicht schildern." „Ich sage ganz aufrichtig," erklärte der Raw, „wenn ich nicht selbst diese Rede angehört hätte, hätte ich nicht geglaubt, daß selbst in der jetzigen Zeit fürchterlichster Demoralisation ein Jude es wagen kann, unter Vorgabe der Vertretung von ganz Jisroel, die Judenheit so schmerzlich zu verwunden. Prilutzki hat sich geirrt, wenn er hoffte, in, den Bänken der Andersgläubigen einen guten Effekt zu erzielen. Die^olnischen Deputierten fanden hierfür nur Ironie. Der Vorsitzende des Bildungskomitees, Deputierter Solti, wendete sich während der Rede Prilutzkis an mich, als dieser sagte, daß die Chadorin tot seien und ich antwortete ihm, wenn 2000 Chadorim mit über 100 000 Kindern Tote heißen und alle Toten so aussehen wie diese, wären wir schon sehr nahe zu Techias hamefsin." Die gesamte jüdische und nichtjüdische Oessenllichkeit verurteilt Prilutzki auss schärfste. , Riga. Der agudistische Abgeordnete Dubin beantragte im lettländischen Sejm, das jüdische Bildungsdepartement durch Beistellung von weiteren zwei Beamten zu erweitern. Dem Anträge wurde stattgegeben. Riga. Sonntag, den 22. Mai, fand die diesjährige Generalversammlung der Aguda-Organisation in Riga statt. Die Versammlung wurde von Herrn A. Wolschonok, Präses der Aguda, eröffnet. Als Tagespräsidenten wurden die Herren A. Wolschonok und Dr. F. Götz gewählt. lieber die politische Arbeit der agudistischen Sejmsraktion referierte Sejmdeputierter M. Dubin. Die Versammlung nahm das Referat mit großer Begeisterung entgegen und sprach dem Referenten für seine unermüdliche Arbeit im Interesse der thoratreuen Judenheit ihren wärmsten Dank aus. Wien. Der Moschitzer Rebbe hielt sich mit einer An- .zahl ihn begleitender Anhänger aus seiner Durchreise nach Erez Jisroel in Wien auf. Der Präsident des Geschäftsführenden Ausschusses der Agudas Jisroel, Rabb. Dr. Pinchas Kohn empfing den ehrwürdigen Gast in den Räumen des Zentralbüros und stattete ihm noch am selben Tage einen Gegenbesuch ab. Wien. Sonntag, den 16. Jjar reiste Großrabbiner Markus Salomon Friedmann aus Sadagora, Präsidialmitglied des Keren Hathora und der Palästinazentrale der österreichischen Aguda, nach Galizien, wo er sich mehrere Monate aufzuhalten gedenkt. Auch in Rumänien, bezw. in der Bukowina, wird der Sadagoraer Rebbe einige Wochen verbringen. Anläßlich seines vorjährigen Aufenthaltes in Ostgalizien und Rumänien hat Großrabbiner Friedmann bekanntlich sehr viel für Keren Hathora und Erez Jisroel geleistet. Wien, Sonntag, den 3. Mai, fand die konstituierende Generalversammlung der Poale Agudas Jisroel, Ortsgruppe Wien statt. Gleichzeitig wurde eine Sonderabteilung „Kevuzath Hoaulim" gegründet, deren Aufgabe die geistige und pb^Nsche Vorbereitung der Mitglieder für den Aufbau Erez Jisroels ist. Die Aguda-Ortsgruppo Wien 2, stellt der neugegründeten Arbeiterorganisation Lokalitäten zur Verfüguna. die den Aulim als Tagesheim, Lesesaal und Lehrzimmer dienen sollen. Die regelmäßigen Schiurim haben bereits begonnen. kolomea. Die Agudas Jisroel hat bei den Kultuswahlen einen vollkommenen Sieg errungen und erhält somit sämtliche dreißig Sitze in der Kultusratsltube. Kolomea gehört mit seinen mehr als. zwanzigtausend Juden zu den größten Städten Galiziens. Antwerpen. Der berühmte Gaon und Deputierte zum polnischen Sejm, Rabbiner M. Schapira, traf hier ein und wurde von einer riesigen Menschenmenge am Bahnhofe begrüßt. In Anwesenheit des Rabbinats, Vertretern der jüdischen Kultusgemeinde und einer großen Zahl angesehener hiesiger Bürger sprach der Gaon bei einem Massenmeeting in der „Fortunia". Beim Erscheinen auf der Tribüne wurde der Redner enthusiastisch begrüßt. Der Vorsitzende des Keren Hathora Komitees, Herr K. Spira, eröffnete mit einer kurzen Ansprache die Verammlung und erteilte dem berühmten Redner das Wort, der in einer zweistündigen Rede die Ziele des Keren Hathora und die Notwendigkeit seiner Zentralisation auseinandersetzte. Redner betonte die Wichtigkeit und Unentbehrlichkeit der im Bau begriffenen Lubliner Jeschiwoh und gab ein eingehendes Referat über die bisherigen vorzüglichen Leistungen des Keren Hathora, der unter anderem polnische und litauische Jeschiwos mit enormen Summen unterstützt. Die Rede entfesselte stürmischen Beifall und die Begeisterung war groß. Ein Versuch von gegnerischer Seite, den Redner durch verschiedene Fragen in Verlegenheit zu bringen, in der Absicht, den gewaltigen Eindruck abzuschwächen, mißlang vollständig. Herr Ch. Finkelstein hat gleich bei der Versammlung zehntausend Fr. für den Keren Hathora gespendet. Das erste Resultat der Sammlung hat fünfundzwanzigtausend Fr. gebracht. Samstag vor Schewouth hielt Oberrabbiner Schapira in der Machsike-Hadas-Synagoge eine großangelegte Derascha. Er forderte Antwerpens Judenheit auf, Keren Hathora nach Möglichkeit zu unterstützen. Die jüdischen Zeitungen Antwerpens bringen ohne Unterschied der Parteirichtung große Interviews mit Oberrabbiner Schapira und informierende Berichte über Keren Hathora. Sonntag hat Oberrabbiner Schapia in Gesellschaft von Oberrabbiner Rottenberg-Antwerpen bei prominenten Persönlichkeiten Besuche abgestattet. Amsterdam. Nach Beendigung der Arbeiten im Haag und in Amsterdam begab sich Abg. Oberrabbiner Schapira nach Scheveningen, Nymwegen und Zwolle, um die Kampagne in diesen Gebieten zu leiten. Ihm zur Seite 'tehen Oberrabbiner Vredenbourg und Oberrabbiner Hirsch. In Rotterdam arbeiten mit glänzendem Erfolge die Herren Oberrabiner Dr. Ritter, D. Hausdoff, H. Schlagter, van Pelz, Kätzensteiner, u. a. m. Es wurden bereits namhafte Beträge eingezahlt. Am 17. Mai sprach Oberrabbiner Schapira in einen: Massenmeeting in Scheveningen, zu dem Delegierte aus Amsterdam, Rotterdam und Haag erschienen waren. - Sämtliche holländische Tageszeitungen besprechen aus- 'ührlich die Leistungen und Aufgaben des Keren Hathora. Die laufende Woche wird für eine Kampagne in Belgien ausgenützt. St. Gallen. Die auf Sonntag, den 24. Mai, von der Landesorganisation der Agudas Jisroel nach Zürich einberufene Paläflinazentral- und Landeskömiteesitzung war von allen Teilen der Schweiz reichlich beschickt. Herr Josef Rothschild gab einen interessanten Ueberblick über die rege Agudatätigkeit in der Schweiz, aus der insbesondere mehrere Neugründungen vdtt Orts- und Jugendaruppen und. die Hreausgävtz eines eigenen Wchf richtenblattes hervot'gehoben zu werden verdient? Diiran chlosien sich die Berichte der einzelnen Ressorts und die- Behandlung der Traktanden, ü. ä. auch die Wahl einer Schomre Schabbos-Kommrfsion und die Festsetzung eines Beitrages für die Agudafonds in Wien. Sodann referierte Herr M, Loewenstein eingehend über das wachsende Interesse für Erez Jisroel in der Schweiz und entwarf ein ausführliches Arbeitsprogramm über dienächste Tätigkeit. Zur Bewältigung der steigenden Sekreltariatsarbeit wurde die Anstellung emes Hftfsfekretars beschlossen; für den Kol Jisroel wird eine Subvention bewilligt. Die Behandlung einer großen Fülle von Anregungen, Fragen und Problemen hielt die Delegierten bis zur Abendstunde zusammen, als der Vorsitzende. Rabb. Brom, die Sitzung schloß. wm Die Agudas Jisroel und die polnisch-jüdischen Ankerhandlungen. Marschau, 8,. Juni. Die Exekutive der Agudas Jisroel in Polen hielt in Anwesenheit der agudistischen Senatoren und Deputierten eine zweitägige Konferenz ab, in welcher das Problem der polnisch-jüdischen Unterhandlungen in Verbindung mit der Anwesenheit Süden Wolffs in Polen eingehend besprochen worden ist An Süden Wolfs wurde ein Begrüßungsschreiben gesandt. In der Schlußresolution wurde es begrüßt, daß man nunmehr zu VerständigungsoerhaNdlungew. zwischen der Regierung und den Juden schreitet, auch wurde die Hoffnung ausgedrückt, daß die Regierung Chedarim und Talmud-^yora- Schulen anerkennen und stützen, sowie Maßnahmen zur Erleichterung der schweren Wirtschaftslage der Juden ergreifen wird. Tagung des agudistischen Arbeikerverbandes in Warschau. Warschau, 8. Juni. Die hier stattgefundene Konferenz der Poale Aguoas Jisroel (Arbeiterorganisation der Aguda) beschloß die Gründung einer Farmschule, zwecks Vorbereitung der Palästina-Emigranten für landwirtschaftliche Tätigkeit. Es wurden ferner Bei cylusie angenommen, in welchen gegen das jüdische weltliche Schulwesen protestiert und die Erhaltung des orthodoxen „Cheders" gefordert wird. Erez Jisroel. Waad leumi und Agudas Jisroel. Jerusalem, 28. Mai. Nachdem Doar Hajaum gegen den Beschluß des Ward leumi, der es ablehnte, dem Wunsche der zionistischen Leitung nach Teilnahme an den Verhandlungen mit Agudas Jisroel über das Gemeindegesetz entsprechen, scharf Stellung genommen hatte, fand gestern eine erneute Beratung im Waad leumi über den Ggeenstand statt. Es lagen Telegramme und Briefe der zionistischen Leitung in London vor, worin gebeten wurde, den früheren Beschluß einer Revision zu unterziehen. Die Sitzung dauerte etwa 4 Stunden. Auch der Vertreter der Zionistischen Exekutive, Colonel Kisch, nahm daran teil. Nach Lebhaften Auseinandersetzungen wurde folgende Resolution gefaßt: Nachdem der Waad leumi von Herrn Kisch Berichte empfangen hat über die Schritte der zionistischen Leitung, mit Agudas Jisroel hinsichtlich wichtiger Einwanderungs- und Anstedlungsfragen zu einer Verständigung zu kommen und nachdem ihm von Herrn Kisch Aufklärung über die begrenzte Kompetenz der m Wien über das Gemeindegesetz beratenden Kommission erteilt wurde, beschließt der Waad leumi, einen Bevollmächtigten nach Wien zu entsenden zur Kenntnisnahme der in Betracht kommenden Vorschläge und Uebermittlung des Materials .an die Delegiertenversammlung, welche allein zuständig ist, in Angelegenheit des Gemeindegesetzes zu entscheiden. Zum Bevollmächtigen des Waad' leumi wurde Herr Elias Berlin ernannt. t«Ä i n allen ürjsgvuppe n. I