Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1925-06-11 · Heft 24 (11.6.1925) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 24 (11.6.1925)
Date
1925-06-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450337-2450360--72266-2529629
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

‘Dfäftev keraurgegebea von d$v JCondesoggonifqfion derflgudas-Jisroef in Teutfekland ^Jahrgang ' Frankfurt a. 2TT., kt- Juni (925/ H9- Stwaii 5685 Nummer \2 Zion und der Verg Skopus. Zu dem unter dieser Ueberschrift in der letzten Nummer veröffentlichten Aufsatz eines „jungen Agudisten" schreibt uns Herr Dr. Heinrich Eohenin Cöln: In der Nr. 11 der „Blätter" findet sich eine Be . trachtung eines „jungen Agudisten" über: „Zion und der Berg Skopus." Der Verfasser dieser Betrachtung schreibt unter anderem: „Das Herz blutet uns vor Schmerz, und aus Scham möchten wir das Antlitz verhüllen, daß diese. Entwürdigung und Entweihung unseres Heiligtums geschehen konnte." — Der Leser dieser Zeilen horcht erstaunt und entsetzt auf. Um Gottes Willen, welche „Entwürdigung und Entweihung" ist denn im Lande unserer Vergangenheit, im Lande unserer Zukunft vor sich gegangen. — Der junge Agudist erteilt uns die Antwort: Die Eröffnung der jüdischen.Universität in Jerusalem. — Allerdings will der junge Agudist nicht darin eine „Entwürdigung und Entweihung unseres Heiligtums" sehen, daß sich das neue Institut die Pflege der Wissenschaft zum Ziel gesetzt hat (wahrscheinlich hat der junge Agudist selbst eine Universität besucht), seine Betrachtungen entstammen auch nicht der Sorge für die Zukunft sondern „die der Eröffnung beigelegte Bedeutung, das Ostentative des Handelns" rufen ihn auf den Plan. Cr ist nämlich der Ansicht, daß „demonstrativ, vor den Augen aller Welt, Israels Bestimmung verleugnet worden ist." Auf unsere erstaunte Frage, inwiefern dies geschehen ist, wird uns die Antwort zuteil: „Die Universität in Jerusalem unterscheidet sich in nichts als typisch jüdisch von dem nationalen, wissenschaftlichen Einrichtungen anderer Völker." Nun nehme ich aber an, daß der junge Agudist der gleichen Anschauung ist wie der Israelit, der in Nr. 4 «usgeführt hat: „es gibt keine jüdische Phnsik und Chemie, keine jüdische Medizin und keine jüdische Technik!" Wenn dies aber der Fall ist, dann darf er sich auch nicht darüber wundern, daß die betreffenden Fakultäten nichr „typisch" jüdisch sind. Bei der juoaistischen Fakultät aber verbürgt die Persönlichkeit der bisher berufenen drei Herren, daß sie nur „typisch" jüdisch dozieren werden. Es ist daher nicht recht einzusehen, wie der Verfasser des besprochenen Artikels seine immerhin ^ziemlich" schwer-- wiegenden Beschuldigungen beweisen will. Zwar wird er wohl darin recht haben, daß bei den Dozenten der Universität die Absicht besteht, daß „der Strom menschlichen Wissens von Skopus ausgehen soll," woher hat aber der „junge Agudist" erfahren, daß dieser Strom „die Unvergänglichkeitswelle, die das Judentum in die Welt getragen und dis „Gottesidee" überfluten soll? Daß dies die der Eröffnung beigelegts Bedeutung ist, habe ich jedenfalls nicht bemerkt. In den Reden der Rabbiner Kook und Hertz und auch in den Reden Samuels und Balfours ist vielmehr übereinstimmend zum Ausdruck gebracht worden, daß es nicht das Ziel'der Universität sein dürfe, einen fremden Kulturtypus in Erez Jisroel nachzuahmen, daß vielmehr Lehrer und Schüler die Ueberzeugung in sich tragen müßten, daß das neue Juda der direkte Nachkomme des alten Juda ist. Ich gelange daher zu dem Ergebnis, daß der junge Agudist uns den Beweis dafür noch schuldig ist, daß eine „Entwürdigung und Entweihung unseres Heiligtums" geschehen ist. Die durch die Begründung der Jerusalemer Universität aufgeworfenen Probleme sind tatsächlich ernster Natur, und ich Halte mich, keineswegs für kompetent, hierüber ein abschließendes Urteil zu fällen. : Auf den Plan gerufen hat mich lediglich „das Ostentative des Handelns, die der Eröffnung beigelegte Bedeutuno." Wr fühlen uns verpflichtet, zu hiesen Ausführungen ein Worf der Verteidigung für den „EgM ÄgUjhisten", der uns in diesem Falle weit tiefer zu blicken scheint als sein literarischer Gegner, hinzuzufügen. Zunächst Mmch hat der j.u n g e Agudist in s e i n e r Spruche nichts Anderes gesagt als der älteste und weiseste Agudist drüben im Osten, der greise CH ose z CH a j j m in der seinigen — er hat wie jener die bläsphemische AnrperchÜM Öes&tymm'2 auf das xeMwehaft heraüsgeputzte zionistische Universitäts-Unternehmen als Entwürdigung und Entweihung unseres Heiligtums bezeichnet. WirMöchten um alles nicht die in den Herzen MeWW FtWMMßMe Cnt- MstMg EstEVdie; m mpncfyem jugendlich-vorschnellen Akt. anläßlich der UniversitätseröffnMg^ HeMiel fern Wiener '¥&&& sum etk* mentaren Ausdruck gelangte. Diese Scham und diese Entrüstung ist aber nicht nur edler, jüdischer und zukunftsverheißender als die saturierte Abgeklärtheit manches westeuropäischen Akademikers, sondern sie wird auch in viel höherem Maße dem'objektiven Tatbestand gerecht. Alles, was Herr Dr. Cohen in dieser Hinllcbt ansührt, bleibt an der Oberfläche.' Die Jerusalemer Universität muß nach Entstehungsgeschichte und Anlage zu einer Propagandastätte des im1»» und der n-i'sd werden, und es ist ein unverantwortlicher Illusionismus, sich darüber, gewollt oder ungewollt, einer Selbsttäuschung hinzugeben. Die Eingeweihten wissen, daß man lediglich unter dem Druck des Barons Edmund von Rothschild in Paris und aus Gründen politischer Opportunität sich aus ein Jahr bat bestimmen lassen, die sogenannte „wissenschaftliche" Behandlung der Bibel, d. h. die ^welkritik und alles, was damit an auflösenden unjüdischen Geistesströmungen zusammenhängt, aus den „heiligen"‘ Hallen der Jerusalemer alma mater künstlich fernzuhalten; vielleicht wird es wohlmeinenden, aber etwas tatsachenblinden Faktoren gelingen, diesen diplomatischen „Burgfrieden" noch auf ein weiteres halbes oder ganzes Jahr zu verlängern, damit die religiösen Weihereden der Herren Oberrabbinen Kuk und Hertz nicht gar zu schnell ab absurdum geführt werden. An den inneren Notwendigkeiten wird durch eine derartige Bertuschungspölitik nichts geändert. Wer auf Zions Höhen die U n i v e r s i - tat, d. h. die Herrschaft dex freien, voraus s e tz u Ng S l o s e n bewußten Mensch e n v e r n u n f t will, der muß auch das, was dem jüdischen Volke bisher selber Vorausf e ß un g aller Wahrheit und aller Vernunft war, das Dort der Gottesoffenbarung, der Souveränität der zünftigen Wissenschaft und ihrer Methoden preiszugeben bereit fein. Er mag günsti gsten Falles>her Treue neben dem Abfall, der „Apologetik" neben, der .ttbd ein mehr>oder minder „gleichberechtigtes", d. h. nach allen psychologischen Gesetzen einflußloses Plätzchen sichern und sich dann selber bereden, er habe damit für Gott und seine Thora einen Erfolg erzielt. — Agudistifch ist solche Selbzufriedenheit nicht. ' So wie „Agudas Jisroel die T h o r a a l l e i n als ewig gültiges politisches Organisationsprinzip für das ganze jüdische Volk betrachtet, und es darum verschmäht, sich einer auf anderen organisatorischen Ideen ausgebauten Gemeinschaft einzüfügen, so ist ihr eben diese Thora allein auch der beherrschende Keimpunkt aller wissenschaftlichen Erkenntnis, Forschung und Lehre. In ihrem Lichte will sie die Welt und ihre Fülle, die Menschenseele mit ihren geistigen Potenzen erkennen und erforschen — nicht aber einem Werke dienen oder auch nur zujubeln, das nach eüropäisch-amerkanischem Vorbilde in der furchtlosen („not tim.id and halting,“ mahnte laut und vernebmlich Sir Herbert Samuel an der Wiege der juoaistischen Universität!) kritischen Zergliederung des göttlichen Lichtgebildes unserer Thora höchstes Ziel und höchste Forschertugend erblicken muß. Uns dünkt --- der „junge Agudist" hat auch vom Standpunkte der objektiven Wahrheit das Richtige getroffen. Die Talmud Thoraschuleu der Agudas Jisroel in Palästina. Eine erfreuliche Wendung im jüdischen Leben Palästinas trat zu Ende des vorjährigen Sommers mit der Vermehrung der Einwanderung von gesetzestteuen Familienvätern aus Polen ein. Diese Leute brachten neues Leben ins Land, oder richtiger, oas alte jüdische Leben, das sich nun wie ein Damm all den Auswüchsen der neujüdischen Kultur entgegensetzt. Die gesetzestreue Einwanderung hält an und mit ihr wächst auch das jüdische Leben von Tag zu Tag. Sichergestellt für die Zukunft können aber diese neu errungenen alten Güter nur durch Gründung geeigneter Schulen. Das hat man jetzt erkannt, und so dürfen wir hoffnungsfroh in die Zukunft schauen. Die Wettorganisation Agudas Jisroel sieht eine ihrer Hauptaufgaben in der» Gründung von Talmud Thoraschulen. In Tel-Aviv, das die Hälfte der Einwanderer absorbiert, wirkt jetzt eine agudistische Talmud-Thoraschule, auf deren Eröffnung man in weiten Kreisen wartete wie auf den segenbringenden Frühregen, und die schon am ersten Tag bis auf den letzten Platz von Schülern angefüllt war. Und Tel-Aviv ging Petach- T i k w a voran, die Mutter der jüdischen Kolonien und das Zentrum des gesetzestreuen jüdischen Lebens von jeher. „ Vorher schon übernahm die Agudas Jisroel auch die Weitererhaltung der vor der Schließung stehenden Talmud Thoraschule „Bnej Zion" der Jememten-Gemeinden, ebenso b^p Mädchens ch ul e n „Bejs Jakob" in Jerusalem und Liberias. Ueber die Eröffnung und Einweihung der Talmud Thora in Tel Aviv am vergangenen Lag Baomer wird folgendes berichtet: In der schön geschmückten Aula der Schule, die um 4 Uhr nachmittags von einer großen Teitnehmerschar gefüllt war, eröffnete Rabbi Israel Josua Herzberg die Feier mit einer Ansprache und der Erstattung eines Rechenschaftsberichtes über die Tätigkeit der orthodoxen Erziehungskommission in Tel-Aviv. Darauf ergriff der hier seit kurzer Zeit wohnende Rabbiner aus Rorszöw, Rabbi Saul Mosche, das Wort zu einer geistvollen und inhaltsreichen Drascha, die in herzliche Danksagung an die Agudas Jisroel siftMäng. Hm Namen unh im Aufträge der Agudas Jisroel und der Palästinazen - trale der Agudas Jisroel sprach Herr Iossel i o w s k y, indem er die Gründe auseinandersetzte, die die Agudas Jisroel zur Gründung der Schulen führen und die Hoffnungen, hie sie auf sie setzt. Einen warmen Gruß der in der polnischen Aguda vereinigten Gesinnungsgenossen überbrachte Herr Jakob San korvitz aus Warschau, während Herr Jakob Mosche Lurje im Namen dex P o a l e Agudas »Jisroel in Erez Jisroel sprach. Die Feier schloß mit einem Vortrag des Schulleiters, Herrn Baruch R a b i n o - Witz, übet das Thema: „W a s v e r l a n g t d i e Schule von den Lehrern, Eltern u n d S ch ü l e r n?" Im gemütlichen Teile, der sich dann flnschtoß, gab es neben leiblichen Genüssen äuch Lieder und Tänze. Der Andrang der Kinder zur Schule ist ganz enorm. Stündlich kommen neue Anmeldungen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.