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Der Israelit · 1925-06-11 · Heft 24 (11.6.1925) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 24 (11.6.1925)
Date
1925-06-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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»MMSWMWWMWWWVWWWWW Seite 2 Nr. 24 Ein Wort zur Zeit. Wir haben zu Beginn dieses Jahres an dieser Stelle ein Wort ernster Mahnung an die jüdische Welt, an Männer und Frauen, vor allem aber andieroeiblicheJugend gerichtet, das versuchen sollte, den tiefen, lebenbedingenden Sinn und Wert des ->21! rvra *p «ixt> xV mit all seinen gesetzlichen Consequenzen unserer Zeit ins Bewußtsein zu rufen. Ob und wo dieser Ruf Widerhall fand — wir wissen es nicht. Aber es ist ja klar, daß nicht von heute auf morgen das Schlechte weicht, wenn es von einem breiten Strome „öffentlicher Meinung", von Mode und Bequemlichkeit getragen wird. Da lesen wir in den Tageszeitungen folgende Notiz: „Der Bischof von Limburg erläßt an alle Gläubigen eine Mahnung, die am Sonntag von allen Kanzeln verkündet werden soll, über die moderne Frauenkleidung. Er bittet alle katholischen Frauen und Jungfrauen, in der Kirche stets mit bis zum Hals geschlossenen und mit nicht zu kurzen Aermeln versehenen Kleidern zu erscheinen. Weibliche Personen mit freierer Kleidung müssen der Kommunionbank fernbleiben, damit sie nicht Gefahr laufen, von den Geistlichen bei der Austeilung des Abendmahles übergangen zu werden. Ebenso wird es als unpassend angesehen, m solcher Kleidung zur Beichte zu gehen. Auch bei Trauungen wird erwartet, daß die Teilnehmer am Brautzug in einer Kleidung erscheinen, wie es der Heiligkeit der Handlung und des Gotteshauses entspricht." Was hier der Bischof von Limburg für die Kirche wünscht, ist uns heilig Gebot für das Leben, dieweil wir eine Grenzscheidung in der Lebensweihe zwischen Gotteshaus auf der einen und Familie, Gesellschaft und Straße auf der anderen Seite nicht kennen. Das 00",11 önampfim D’Emp und das 121 ivny 12 nxT xto gehören zu den Grundsätzen, die die Reinheit und Heiligkeit unseres Lebensquells verbürgen. Das Kirchenedikt von Limburg zeigt, daß es sich hier um eine Welt krankheit handelt, die heute den Besten aller Nationen und Konfessionen schwere Sorge macht. Wie dürften wir da im jüdischen Kreise schweigen, wo wir doch leider wissen, wie sehr eine im Thora- und Sittengesetz nicht mehr in früherem Maße wurzelnde jüdische Jugend (und nicht nur jüngste Jugend) für die Auswüchse und Ausschweifungen, für alle Geschmacklosigkeiten und Verirrungen des Zeitgeistes empfänglich ist! Es gibt eine bezeichnende Talmudstelle, die den jüdischen Hellenismus der nachmakkabäifchen Zeit auf die einfachste und natürlichste Weise der Welt erklärt. Gab es denn Juden, Söhne des ob seiner Klugheit allberühmten Volkes, die an die Macht und Kraft der Götter glaubten? Mit Nichten. Aber der Götterglaube war der Freibrief für die Unstttlichkeit, die der Götterkult fanktiv- Der Israelit_ nierte. Es war der Weg zu Olymp und Walhalla, von wo den Halben und Matten alle im Judentum verbotenen Freuden winkten, ymnb Tvrw an^. Ist es denn heute mit der Anbetung der Zeitgötzen und der von ihnen ausgehenden „ästhetischen Kulte" viel anders? Jede Jahreszeit hat, seitdem eine Kriegspsychose den Geist der Völker aus dem Geleise gebracht, ihre. Saison der Abgeschmacktheit, die neue Fallen,, neue Versuchungen bringt. Der Winter mit seinen geschlossenen Gesellschaften, seiner tanzenden Geselligkeit, seiner maskierten Seelenarmut ist vorbei. Ihm folgte ein blühender Frühling und ein strahlender Sommer, und mit ihnen zog die provozierende Nacktheit von Seele und Leib aus dem geschlossenen Gesellschaftsraum auf die Straße, die öffentlichen Plätze, an den Strand. Wie sollte das jüdische Herz, das noch von Jugend auf in den Traditionen des Gesetzes und des „Zenius" erstarkt ist, sich nicht zusammenkrampfen bei dem Gedanken, daß dieser moderne Hellenismus auch seine jüdischen Anbeter zu einem so großen Prozentsatz gefunden hat? Ueberall tun sich „Strandbäder" auf. In den meisten Fällen ist es weder Meer noch Sand, weder Bad noch Strand, aber die Nacktheit muß auch im Binnenland gezeigt werden, denn ihr muß ein Lied gesungen werden, das Lied von der Schönheit des menschlichen Körpers, von der Bildung des Leibes, der Kraft der Muskeln. In großen Theatern werden große Revuen vorgeführt, die mit Kunst soviel zu tun haben wie etwa ein Pferdemarkt mit Aesthetik. Aber der Geist oder der Ungeist der Nackt-Kultur feiert dort seine Orgien, und die Menschen strömen hin. Was am „Strande" in freier Ungebundenheit und in der Revue in großer Masse und Aufmachung gezeigt wird, nimmt die Unreifen und Flachen ganz in seinen Bann, wirkt sich im einzelnen in Tracht und Kleidung aus. Und das alles ist so empörend und beschämend, daß die Besten nicht mehr schweigen können, daß auch die Kirche dem nicht mehr ruhig zusehen kann. Sie bittet um ein Minimum von Anstand und Sitte wenigstens für die Kirche und die Stunde der Andacht, da die Glocken zur Sammlung und Einkehr rufen. Für uns ist es aber nicht eine Frage des Anstandes und der Sitte allein. Es ist heiliges Relrgionsgefetz, das mit jeder Abkehr vom Zeniusgefetz verletzt wird und fortwirkend die besten und reinsten Keime der jüdischen Seele verheert. Durum darf unser Protest nicht verstummen. Man sage nicht: Es nütze ja nichts, und es fei schon immer so gewesen. Schon die Propheten hätten gegen solche Auswüchse gewettert, und vermutlich mit gleich negativem Erfolge. 11. Juni 1926 Gewiß sind gerade die Verirrungen des menschlichen Geistes und Geschmackes nicht neu. Allein, wenn es zur Zeit des alten jüdischen Reiches Damen in Jerusalem gab, die es den Geschlechtsgenossinnen von drüben in Samaria gleich zu machen, oder sie sogar zu übertrumpfen suchten, so gab es einen Jesaja, der im dritten Kapitel seines Buches diese Nachäfferinnen fremder Sitte und Unsitte an den Pranger stellte und sie für alle Zeiten der Lächerlichkeit preisgab. Und so hielten es auch später die Lehrer und Rabbinen, die Hüter der Tradition zu allen Zeiten. Sie wußten wohl, um was es ging, als sie den Grundsatz aufstellten, daß zu Zeiten der Bekehrung und Lockung njwa man sich unter Lebensgefahr auch seinen äußeren Juden erhalte.ii2$n ton airr mxo»i xnpns; to? itosx Von Rabbenu Gerschom, dem ersten Organisator des deutschen Judentums, bis ins weiteste Mittelalter hinein gab es rabbinische Verordnungen über die Grenzen der Schicklichkeit bei der Bekleidung von jüdischen Frauen und Männern. Hatten die Anderen jenseits der Gasse uns den Judenhut aufgesetzt und den gelben Fleck aufgedrückt, so verstanden wir es innerhalb der Ghettomauern uns mit einer würdigen, zeniusmäßigen jüdischen Gewandung das Symbol der jüdischen Lebensweihe nach innen und außen zu erhalten. Wir v e r-m i s s e n zur Zeit die eindringlich warnende Stimme irr Ost (auch dort ist die Sache sehr aktuell) und West. Wenn es zu allen Zeiten solche Auswüchse gegeben hat, so fehlen heute oie damals von den berufenen Hütern aufgeschichteten Wälle zur Eindämmung der flutenden Gefahr. Der „Chofez Chajim", der als jugendlichem Greis G. s. D. noch auf der Warte der Zeit steht, nahm wohl wiederholt Gelegenheit (so auch in Wien), sein mahnend Wort zu erheben und auch insbesondere unter dem Gesichtswinkel der H a - l a ch a auf die Unwürdigkeit und Unmöglichkeit religiöser Verrichtungen in Gegenwart von dürftig bekleideten Frauen und Mädchen hinzuweisen. Ein schwacher Versuch wurde auch von den Warschauer Rabbinern unternommen. Diese einmaligen Erlasse genügen aber nicht. Sie verhallen und verschallen, indes das Leben mit den stärksten Tönen und Farben täglich und stündlich von neuem lockt. Es muß immer wieder belehrend und wehrend eingegriffen werden. In gleichem Weise seien die Männer, Väter und Müttere ermahnt, die sich bei stillschweigender Duldung ihren Frauen und Töchtern gegenüber mitverantwortlich machen. Aber auch die jüdischen Zeitungen in Ost und West dürfen sich der freilich nicht sehr angenehmen und dankbaren Pflicht zur Be- Bemerkungen zu "imtons 'Q. Von Rabbiner Kr. Winkker in Kopenhagen. I. 1!, 5: LUN ü’isaa Vaxa 1VX nnn nx laiai »Wir erinnern uns der Fische, die wir in Aegypten umsonst aßen". Hierzu Raschi nach Sisre: .Nicht einmal Stroh gab man ihnen umsonst (II M. 6, 7), und nun sollten sie sogar Fischeumsonst bekommen haben?! — „Chinom" muß hier darum, abweichend von der üblichen Bedeutung, als „frei", von„ Thorapflichten uneingeengt", aufgefatzt werden", Indes läßt sich hier auch gut die buchstäbliche Bedeutung des Wortes aufrecht erhalten: Wie die Historiker berichten, sollen nämlich die alten Aegypter, die den lebenden Wesen göttliche Verehrung zollten, v eget a ris ch gelebt haben; so ist es wohl erklärlich, daß unsere Väter Fische haben unentgeltlich genießen können. II. LmviV.i nxi nxi vxrin nxi — des Lauchs". — Herodot, Hist- H, 125, berichtet: „Aus der Cheopspyramide war in ägyptischer Schrift angegeben, wieviel von den Arbeitern auf Rettiche. Zwiebeln und Knoblauch verwendet worden. Es wurden daraus 1600 Talente Silbers (ca. 8 Millionen Goldmark) verwendet". — III. 12. 1: 1«>X fi’tmi ,1L>X,1 mnx „ . . „Wegen des äthiopischen Weibes, das er genommen". — Raschi (nach Sisre) meint, es sei damit Zippora gemeint, die wegen ihrer Schönheit, „die Negerin" genannt wurde; derselben Ansicht sind auch Onkelos und Targum jeruschalmi. vgl. auch '2 a"a ,1218 »nwia 'in. — Der Talmud ('2 i"v p"i») bezieht diese Bezeichnung ebenfalls aus Zippora, doch mit der Modifizierung, daß er statt..Schönheit", „Tugendhaftigkeit" setzt. — Jonathan hingegen, sowie auch Tossafo t und Raschbam fassen das Wort „Kuschit" buchstäblich auf und weisen auf den Bericht in mat? viptol upm '0 hin, wonach Moses auf seiner Flucht vor Pharao nach Aethropren kam, dort zum König eingesetzt wurde und 40 Jahre lang das Land regierte. Die Königinwitwe, die er nach Landessitte hatte nehmen müssen, war nur zum Schein seine Frau, da er mit ihr niemals in Berührung kam; doch das eben wußten Aron und Mirjam nicht und redeten daher gegen ihren Bruder. Raschbam bemerkt, diese Erklärung sei die einzig richtige. .(Man versäume nicht, die einfache und einleuchtende Erklärung von S. R. Hirsch im Kommentar zur Stelle nachzulesen. D. Red.) Uleines Feuilleton. Das heilige Grab in Marokko. Die Hauptstadt Marokkos Fez gliedert sich in zwei Teile, eine alte und eine neue Stadl. Die Alistadt ist bewohnt von Marokkanern. Mohammedanern und eingesessenen Andersstämmigen. Einige wenige von Ihnen haben Fühlung mit der großen Well und führen weitverzweigte Geschäfte mit Europa, der größte Teil lebt in Armut und Unwissenheit. Im neuen Stadtteile befinden sich der Palast des Sultans, alle europäischen Konsulate und weiter abgelegen auch das Judenviertel, in dem ungefähr zwanzigtausend Menschen wohnen. Die Häuser des Ghetto sind groß und gut gebaut, umfassen zwei bis fünf Stockwerke. Etwa Hunden Familien können als sehr wohlhabend oder sogar reich bezeichnet werden, wiederum hundert ernähren sich gut vom Detailhandel, den großen Rest bilden aber arme Handwerker, in erster Reihe Schneider, Schuhmacher» Tischler, Goldschmiede Spengler usw. Verheiratet werden die Kinder in Marokko spätestens mit zwölf Jahren. Mit wenigen Ausnahmen sind alle streng religiös. Fez besitzt 22 Bethäuser, die den ganzen Tag auch mit Lernenden und Schülern angefüllt sind. Die Rabbiner erfreuen sich größter Autorität. Acht Rabbiner sind in einem Gerichtskollegium vereinigt, vor dem alle Streitfälle zwischen Juden und Juden zum Austrage kommen. Aber oft genug pflegten sich auch Araber der Rab-

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