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Der Israelit · 1925-06-04 · Heft 23 (4.6.1925) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 23 (4.6.1925)
Date
1925-06-04
Page
– (sequence 13)
Language
German
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4. Juni 1925 Nr. 23 Seite 13 Errsl«*i*d. Die Vodenfcage in Palästina vor dem englischen Oberhaus. London, 27. Mai. In der Sitzung des englischen Oberhauses vom 20. Mai richtete Lord Raglan an die Regierung die Frage, wie groß in Palästina der anbaufähige Boden ist, wieviel von demselben von den Arabern und wieviel von den Juden bearbeitet wird? Wie groß endlich ist die für die jüdische Siedlung noch zur Verfügung stehende Fläche? Es sind mancherlei . Gründe vorhanden, führte Lord Raglan weiter aus, weshalb die Regierung diese Informationen geben müsse. Mehrere auseinander folgende Minister haben erklärt, daß Juden nach Palästina nur gemäß der Aufnahmefähigkeit des Landes hereingelassen werden sollen. Dessen ungeachtet sind in den letzten fünf Jahren 35 000 Juden ins Land gekommen, von denen sich aber nur 2000 bis 3000 auf dem Lande niederließen, während der Rest in die bereits überfüllten jüdischen Viertel von Haifa, Jaffa und Jerusalem zog. Die Informationen sind aber auch aus einem anderen Grunde erwünscht: In Südeuropa studieren Juden die Landwirtschaft, um sich dann in Palästina diesem Zweige zu widmen. Wenn auch Palästina landwirtschaftlich so dicht wie etwa Uorkshire besiedelt wird, so wird, es nur noch etwa 150 000 Landwirte aufnehmen können. Lord Stanhope erwidert im Namen der Regierung: Palästina mißt insgesamt 27 Millionen Dunam; davon entfallen auf die südliche Wüste 7 Millionen Dunam, etwa 7% Millionen Dunam unkultivierten Landes werden für Städte, Dörfer, Eisenbahnen und Wege abzurechnen sein, so daß nur 12% Millionen Dunam für Kultivierung verbleiben. Von diesem Boden bearbeiten die Araber etwa 9 Millionen Dunam, wovon ein Drittel eigentlich unbebaut bleibt: 850 000 Dunam bearbeiten die Juden; 150 000 Dunam Angehörige anderer Nationen. Es verbleiben demnach etwa 2% Millionen Dunam unkultivierten Bodens, von welchem wahrscheinlich nicht mehr als ll% Millionen der jüdischen Siedlung in Zukunft zur Verfügung stehen werden. Es soll aber bemerkt werden, daß es wegen des Fehlens genauer Berichte unmöglich ist, sichere Ziffern zu nennen; was demnach mit Bezug auf das freistehende Ansiedlungsland gesagt worden ist, beruht lediglich auf Vermutungen. (I. T. A.) Agudas Jisroel an Lord Plumer. London, 31. Mai. Der Sekretär der politischen Executive der Agudas Jisroel hat im Aufträge des Geschäftsausschusses folgendes Begrüßungstelegramm an den neuen Oberkommissar von Palästina, Lord Plumer, gerichtet: „Ich Din von der zentralen Executive der Agudas Jisroel-Weltorganisation, welche die organisierte unabhängige orthodoxe Judenheit der Welt vertritt, beauftragt, Ihnen die wärmsten Glückwünsche zu Ihrer Ernennung zum Oberkommissar von Palästina auszudrücken. Möge der Allmächtige Ihr Werk zum Besten der Judenheit und des Judentums im heiligen Lande und zum Vesten aller seiner Bewohner segnen." Hierauf hat Lord Plumer auf telegraphischem Wege wie folgt erwidert. „Ich bitte Sie, Ihrer zentralen Executive meinen aufrichtigen Dank für ihre freundlichen Glückwünsche zu übermitteln." Erfreuliches aus Amerika. (Von unserem Korrespondenten). New Jork, 26. Mai. Es gehört mit zum Erfreulichsten im jüdischen Leben Amerikas, daß der Sabbatgedanke immer größere Fortschritte macht. Auch sonst wächst der Kreis der Gesetzestreuen und innerhalb desselben entfaltet sich das jüdische Leben in vielversprechender Weise. Die größte orthodoxe Gemeinde Amerikas, vor ungefähr 50 Jahren von ungarischen und deutschen Juden mit dem allbekannten Oberrabbiner Dr. Hillel K l e i n an der Spitze begründet, erhielt bekanntlich vor zwei Jahren in Rabbi Jesaias L e v y aus London zu dem bewährten Oberrabbiner noch eine neue jüngere rabbinische Kraft, die sich nun auf allen Gebieten des Gemeindelebens segensreich auswirkt. Der von ihm gegründete Verein „Schorpre Schabbos" (nicht zu verwechseln mit anderen bereits bestehenden in anderen Stadtkreisen ähnlich wirkenden Vereinen) hat in Der Israe i^t_ verhältnismäßig kurzer Zeit die herrlichsten Früchte gezeitigt. Ueber hundert neue Geschäfte haben sich dem Vereine mit der Verpflichtung, am Sabbat zu ruhen, angeschlossen, und täglich kommen neue Firmen, von Rabbi Levy für die Sabbatheiligung begeistert, um ihre Geschäftsschliehung anzumelden. Das Haus dieses Rabbi ist Mittel- und Sammelpunkt aller Jereim, und eine Quelle frycyen jüdischen Lebens, aus dem viele für sich und ihre Kinder schöpfen. Eine nicht minder bedeutsame Persönlichkeit und ein friedlicher Kämpfer für Thora und Emuna in America, Herr Rabbiner Dr. Rosenberg, in Panters, hat einen Ruf als Oberrabbiner der orthodoxen Gemeinde in Cleveland erhallen und ist diesem Ruse gefolgt. Seine Schöpfungen in Ponkers auf allen Gebieten des jüdischen Lbeens werden von bleibender Dauer sein, und es ist erfreulich, daß nun einem anderen Bezirke diese tätige Hand zuteil wird. Als Nachfolger Rabbi Rosenbergs in Ponkers ist jetzt dessen Sohn berufen, der das Werk des Vaters fortführen und ausbauen wird. Das jüdische Waisenhaus in Ponkers gab zu Ehren der Mitglieder des Direktoriums, Herrn und Frau Max R o s e n f e l d, aus Anlaß ihrer Befuchsreise nach Palästina ein Banquett, an dem alle führenden Persönlichkeiten der Gemeinde und viele Gäste aus New Pork vertreten waren. Der Zweck der Reise des Ehepaares Rosenfeld ist in der Hauptsache, die Lage der jüdischen Waisenkinder in Palästina und Europa zu studieren und daraufhin neue Wege für die jüdische Waisenfürsorge in Amerika zu suchen. Große Europa-Hilfskonferenz in New York. — Forderung nach einer gemeinsamen Aktion zwischen der amerikanischen und europäischen Judenheit. N e w A o r k, 27. Mai. Am 25. Mai traten 200 Delegierte, welche 28 Zentralorganisationen der amerikanischen Judenheit vertraten, zu einer Konferenz zusammen, in welcher über eine weitgehende Hilfsaktion zu Gunsten der notleidenden Juden Osteuropas beraten wurde. Den Vorsitz führte der Präsident des amerikanisch-jüdischen Kongresses, Rabbiner Dr. Stephan S. Wife. Zahlreiche jüdische Brüderschaftsorden und Gewerkschaften waren durch Abordnungen auf der Konferenz vertreten, unter ihnen die beiden größten jüdischen Berufsorganisationen Amalgamated Tailoring Society (Kleidermacherverband) und Capmakers Union (Hutmacherverband). Die Herren Dr. Stephen S. Weise, Leo Motzkm, Preußischer Landtagsabgeordneter Dr. Oskar Cohn und der frühere Petersburger Rabbiner Dr. Eisenstadt, ferner der Herausgeber der „Jewish Tribüne" Herman Bernstein und der bekannte russische Rechtsanwalt und Mitarbeiter der Jca H Sliosberg hielten eingehende Referate und forderten eine gemeinsame Aktion der europäischen und amerikanischen Judenheit, um den notledenden Tel der europäischen, und insbesondere osteuropäischen Judenheit vor dem Untergang zu retten. Die Konferenz setzte ein siebengliedriges Komitee ein, welches sich noch durch die drei Mitglieder der Abordnu der Jüdischen Welthilfskonferenz, Leo Motzkin, Dr. Cohn und Rabbi Eisenstadt, ergänzen soll. Dieses Komitee soll sich mit dem Joint Distribution Komitee in Verbindung setzen und dieses veranlassen, mit den europäischen Hilfsorganisationen über eine gemeinsame Hilfsaktion auf breitester Grundlage zu verhandeln. Unter den anwesenden 200 Delegierten bemerkte man die Präsidentin des Wiederaufbaukomitees des Rates jüdische Frauen Amerikas, Frau Alexander Kohut, den Richter Hugo Pam, Oberstaatsanwalt Carl Sherman, Rchter Julien Mack, Miß Henriette Szold und Dr. Rongy. Die Tragödie der „Brisker Schul". New 2) o r t, 25. Mai. Ein eigenartiger Leichenzug bewegte sich vor kurzem durch die jüdischen Straßen, angeführt von den bekannten Rabbinern der Stadt, nach dem Friedhof. Es galt der ehrenvollen Bestattung der heiligen Ueberreste der Thorarollen, die in der sogenannten „Brisker Schul" verbrannt waren. Viele ergreifende Reden wurden gehalten. Damit fand die Tragödie in der „Brisker Schul" ihren Abschluß. Das Unglück geschah an einem der letzten Apriltage, einige Stunden nach dem Gottesdienste. Der Brand brach, wahrcheinlich infolge von Kurzschluß, hinter der „heiligen Lade" aus und bald war die ganze Ostwand in Flammen gehüllt. Bevor noch die Rettungsarbeiten richtig einsetzen konnten, waren vier heilige Rollen gänzlich verbrannt und die anderen so beschädigt, daß sie als p o ß u l erklärt werden mußten., Mit der heiligen Lade verbrannte auch die Kanzel und der Rabbinersitz. Sonst blieb die Synagoge außen und innen unbeschädigt. Diese Tragödie hat leider ein Vorspiel wie auch traurige Nachspiele. Der Rabbiner dieser Synagoge, Rabbi M e n d e l s o h n , war im letzten Jahre schweren Angriffen ausgesetzt, ohne daß es der Agudas Harabbanim gelungen war, die Streitigkeiten zu schlichten. Sogar das Oberrabbinat von Jerusalem wurde angerusen, aber dessen Eingreifen wurde von der Gemeinde des Rabbi Mendelsohn gänzlich ignoriert. Es wird Rabbi Mendelsohn zum Vorwurfe gemacht, daß es mit der ihm obliegenden Aufsicht über das Kaschruthwesen in der Gemeinde nicht ganz in Ordnung sei und von ihm verlangt, daß die Aufsicht an eine spezielle Kaschruthkommliiwn übertragen wird. Rabbi Mendelsohn ging aber auf diese Forderungen nicht ein, und die Gegenpartei, geführt von Rabbi Konowitz, gab ebenfalls nicht nach. Wiederholten Vorladungen vor das Forum der Agudath Harabbanim leistete Rabbi Mendelsohn keine Folge. Die Gemeinde der „Brisker Schul" hält zu ihrem Rabbi, sieht, was sich nicht nachprüsen läßt, in all den Anklagen nur eine Jntrigue und erneuerte sogar als Demonstration den Vertrag mit ihrem Rabbiner unter ansehnlicher Gehaltszulage. Just da der Streit den Höhepunkt erreicht hatte, kam der Brand, dem die Thorarollen und auch der Rabbinersitz in der „Brisker Schul" zum Opfer gefallen sind. Natürlich wird dieses von der Gegenpartei als ein Zeichen vom Himmel nach allen Seiten hin gegen Mendelsohn ausgenützt, und selbst bei der weihevollen Bestattung der heiligen Rollen fehlte es nicht an Kundgebungen und leidenschaftlichen Reden für und wieder die eine und die andere Partei. Etwas mehr Zentralisation, mehr Einheit, Disziplin und Friedensliebe täte dem amerikanischen Rabbinerstande bitter not. Die Rabbiner-Verbände haben nur zum Teil Wandel schaffen können, viele Synagogen und Rabbiner ihnen nicht angeschlossen sind. Personalien. Berlin, 1. Juni. Am 21. d. Mts. verstarb unverhofft Herr Sanitätsrat Dr. Eli W r e f ch n e r in Berlin, der neben zahlreichen hohen Ehrenämtern, die er in Kollegien, die den ärztlichen Standesvertretungen gewidmet sind, bekleidete, sich auch stark für jüdische Angelegenheiten interessierte. Besonders war er in weiteren Kreisen als Vorsitzender der „Deutschen Zentralstelle für jüdische Wanderfürsorge" bekannt, und hat, soweit es die Verhältnisse gestatteten, auch auf diesem sozialen Gebiete erfolgreich gewirkt. llrfpringen, 1. Juni. Am 15. Juni feiern H. Nathan F r ä n k e l und seine Frau Hänchen geb. Sauer, und am 22. Juni H. Abraham Dillenberger und seine Frau Jeanette geb. Schloß das seltene Fest ihrer goldenen Hochzeit. Diersberg (Baden), 26. Mai. Unser sehr verehrter Vorsteher, Herr Heinrich Vruchsaler, beging am 20. Mai seinen 70. Geburtstag und zugleich das Jubiläum seiner 30jährigen Tätigkeit als Vorstand der hiesigen Gemeinde. Viel hat ihm seine Gemeinde zu danken. Wenn diese kleine Gemeinde heute noch ihre Institutionen besitzt und noch einen Beamten hat, so verdankt sie es nur ihrem jetzigen Vorsteher, der sein Amt leschem Schomojim verwaltet und dessen Sorgen und Trachten darauf gerichtet ist, jüdischen und relioiösen Geist in seiner Gemeinde zu erhalten, damit in dieser noch religiöses Leben pulsiert. Der Friede untereinander und das Verhältnis der einzelnen Mitglieder zu einander ist ein inniges, musterhaftes. Das verdanken wir in erster Reihe unserem lieben Vorsteher, dessen doppeltes Jubiläum am verflossenen Schabbos bamidbor in der herrlich geschmückten Synagoge besonders gefeiert wurde. Der Synagogenrat überreichte dem Jubilar einen schönen, silbernen Pokal und eine Ehrenurkunde. Am Sonntag daraus wurde im engeren Kreise der Gemeinde und geladenen auswärtigen Gästen im „Badisckien Hof" der verehrte Jubilar nochmals gebührend gewürdigt, seine Verdienste um die Gemeinde besonders hervorgehoben. Dabei fehlte der hiesige Bürgermeister nicht. Auch die Herren Vorsteher aus Offenburg und Frisfenheim waren zugegen. Toaste und Reden würzten den herrlichen Abend. Möge der Jubilar v"ny noch Ep»»;nE>i> wirken! Höchst, 1. Juni. Am 15. Juni begeht Herr Lehrer Hermann Kahn das 25jährige Jubiläum seines Wirkens in hiesiger jüdischer Gemeinde. Herr Kahn, der von 1898 bis 1900 in Strümpfelbrunn wirkte, stellte seine ganze Kraft bei Erziehung und Belehrung der Jugend und im Gotteshause in den Dienst von Thora und Jirah. Seine Kollegen vom Unabhängioen Lehrerverein in Hessen werteten seine schätzungswerte Kraft durch Entsendung in

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