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Der Israelit · 1925-06-04 · Heft 23 (4.6.1925) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 23 (4.6.1925)
Date
1925-06-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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66. Jahrgang Frankfurt a. M., den - 'i"s7w^8s Nr. 23 kill Centralorgan für das orthodoxe Judentum Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. n Abonnement ab Januar 1884: Deutschland 1 Goldmark monatlich; Ausland: Bierteljahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Lsterreich: Schilling 6.-; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; Frankreich 18 Fr.; Belgien 18 Fr.; Hollands fl.; Italien 80 Lire; Jugoslawien 70 Dt«.; Litauen 7.88 Lit.; Rumänien 888 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 6 Zloty: Schweiz 8 Fr.; Tschecho-Slowaket 88 Kronen; Ungarn 70000Kronen; Dänemark 6 Kronen; Norwegen 5 Kronen; Schweden 8.50 Kronen. Einzelnummer dreißig Goldpfennige. Der Israelit erscheint teden Donnerstag. Inserate 4» Goldpf. für dte stedengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bet Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 80Pf. Dte 75 nun breite Reklamezeile: letzte Tertsette 1.60 Mk.» vorletzte Tertsette 8.— Mk.; EhiffregLbühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufenden Inserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnseratenannahmr durch den Verlag des Israelit G. m. b. Franks, a. M.. Gr. Eschenheimer Straße 88, Tel. Hansa 88A sow. durch sämtl. Annoncen-Erped. des In- und Auslands. Alleinige Inseratenann. für Franks. Gefchästsanzetgen: Jul« Schmidt» Langeftraße 7, II. Matzvorschriften ohne Berbindnckkeit. Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt lMain) Nr. 19808. - Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr. 79605 - Poftsparkafsenamt Budapest Nr. 18484 - Postscheckkonto Warschau Nr 190757. - Postscheckamt Züüch Nr. VIH7254 -Inkasso-Bank Rotterdam — Postscheckamt Amsterdam Nr. 3« 869 —Böhmische Untonbank in Prag — L»no» bl-rm-roseb Blank. & Co. t« Bukarest — Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. * . ■ Der heutigen Nummer liegt Bogen 3; i der Buchbeilage für unsere Leser: S ■ - V S Rambam, Hilcholh Teschuwa | J (Die Lehren über die Rückkehr). x » Uebersetzt von B. I a e o b s o n \ Eine geistige Renaissance der Von Rabd. WSMpp Mischer in Sarospatak (Ungarn). Da in unserer Zeit auch in Deutschland sich ein immer lebhafter werdendes Interesse für das Bestreben regt, mw-p1? mosm Ttnn1? die ehemals in Deutschland blühenden mw» wieder ins Leben zu rufen, erlauben wir uns, folgende Ausführungen zu veröffentlichen, die einen Teil einer größeren Arbeit bilden, und nach unserem Dafürhalten manchen beherzigenswerten Wink enthalten. Sie gehen aus von dem Bestreben, das Wesentliche und Charakteristische des Ueberkommenen zu wahren, aber den Blick auch vor dem, durch die geänderte Kulturstruktur der Gegenwart» überhaupt durch die andersgewordenen Verhältnisse der heutigen rasch lebenden Zeit Geforderten nicht zu schließen, sondern vielmehr hierauf auf nachdrücklichste Weise aufmerksam zu machen. Im Hinblicke auf die Wichtigkeit des in diesen Ausführungen besprochenen Gegenstandes würde uns jede objektive Beurteilung, eventuell Richtigstellung äußerst willkommen sein und ganz gewiß auch dazu dienen, um den Wahrheitsiern, den unsere Ausführungen zweifelsohne in sich tragen, um so besser hervortreten und ins allgemeine Bewußtsein treten zu lassen. Zweck der jva*v ist die Heranbildung von ü'T,,v< die nicht bloß im Stande sind, wie man Zu sagen pflegt: ein Blatt »nsa tüchtig zu „leinen",^ sondern die auchüvibw) O'HT sind, voll und ganz von dem Geiste jüdischer Weltanschauung, wie er aus den heiligen Lauten von 1"in und aus den erhabenen Sentenzen der heiligen Weisen unseres ganzen talmudischen und rabbinischen Schrifttums zu uns spricht, beherrscht sind, und denen die erhabene Lehre unserer Thora zum Leitsterne ihres Lebenswandels als Menschen und Iehudim dient. Zugleich sollen die Jeschibah- Zöglinge zu „bewußten" Juden herangebildet werden, von denen der h. Sänger sagt: mm»» warr xb) EPH2h '22b daß sie ihren jüdischen „Männerstolz auch vor Königsthronen" zu bewahren wissen. Sie sollen zur Erkenntnis gebracht werden, daß unsere heilige nim -Wissenschaft in Hülle und Fülle all dasjenige besitzt, was die selbstgeschaffene Kultur der 'anderen Völker und Nationen an Schönem und Wertvollem aufzuweisen hat, ja, daß nur diejenigen Bestandteile der äußerjüdischen Menschheitskultur mit dem Wahrheitsstempel des ewig Wertvollen versehen werden können, die vor dem Sonnenstrahle der aus dem unversiegbaren Borne der min hervorsprudetnden Gotteswahrheit zu bestehen vermögen. Damit in der Zukunft sich das betrübende Schauspiel der Vergangenheit H nicht wiederhole, wonach die rn'M-Jünger, von der außerjüdischen Kultur geblendet, für den schimmernden Glanz derselben ihr Heiligstes und Köstlichstes Preisgaben, sondern von nun an ihren Ruhm und Stolz vielmehr darein setzen sollen, in der nun wnpn zu forschen bei Tag und bei Nacht, und eben durch die Beherzigung und Betätigung all der Lehren und Vorschriften der j?"mn während aller Tage ihres irdischen Daseins Zeugnis für die beseligende Kraft derselben vor den Augen aller Welt abzulegen. Zur Erreichung dieses erhabenen Zieles mucken aber die Jünger der Jeschibah auch in den Helgen Büchern von i"in unterrichtet werden. Denn nur die Kenntnis dieser heiligen Urkunden aus Israels frühester Zeit vermag eine großzügige Weltanschauung anzubahnen Nur sie vermag das nach einem weltumfassenden Blicke und nach poesievollen Ergüssen sich sehnende Gemüt des Jünglings zu befriedigen, so daß er dte Befriedigung dieser Sehnsucht nicht auf fremden Geftwen, in unjüdischen, ja.antijüdischen Hesperidenhainen suchen wird. Denn nur die Beschäftigung mit y-jn vermag den aufstrebenden Geist des Jünglings zu überzeugen, wie unsere heilige , Thora nicht einzig und allein in die mVn bv , vier Pfähle der Halacha eingeschlossen ist, sondern j auch die unendlichen Weltenräume umspannt, und mit kühnem Adlerfluge über all die weiten, < weiten Fluren der Weltgeschichte dahinschwebt. \ W i r sollten eingedenk bleiben der , Mahnun ge n , mitdenen ein Großer in Israel, der, wie vielleicht kein >) Vergleiche hiermit S. R. Hirsch, Erste Mitteilungen rc. Zweite Ausgabe v. I. 1920, S. 69. zweiter, seineHand prüfend an den Puls unserer Zeit legte, die traurigenFolgenderBernachlässigung des Studiums von *]":in geißelte^!. Haben wir denn nicht zu Hunderten, ja zu Tausenden Männer gesehen, die m ihrer Jugend aufs scharfsinnigste ein Blatt mm lernten, späterhin, als sie vom Kulturstricks berührt worden find, dem echten Thorajudentum gegenüber erkalteten, wo nicht sogar demselben gegenüber feindselig gestimmt worden sind, weil sie eben den Geist der und Q-amn nicht kennend, im Judentum bloß eine erstarrte Mumie sahen, die vor den lebensvollen Hauche außerjüdischer Kulturideale zu schwinden hat. Daher verdient das Thoraunterrichtsprogramm Ben-Usiels im 18. seiner Briefe noch immer die größte Beachtung, so man bewußte, von der aus sie einstürmenden Zeitkultur sich nicht blenden lassende Volljuden erziehen will. Wir können eben die Begeisterung eines Jugendfreundes und Amtsbruders 2 3 4i für jene Species von a\na> die einen Bibelvers aus Traktat Sabbat oder Gittin zitieren, nicht teilen. Dies ging wohl an in dem Ghettomilieu, wo sozusagen die ganze Atmosphäre von Jüdischkeit erfüllt war. Heutezutage aber, wo von allen Weltrichtungen her, durch alle Poren und Ritze außerjuoische, wo nicht geradezu antijüdische Kulturelemente und Weltanschauungen auf die Jeschibah-Jünger eindringen, da gilt es, deren jüdische Weltanschauung zu kräftigen, und den beispiellosen Glanz ewiger Poesien und den erhabenen Schatz ewiger Jdeenwerte, welche in omru- und Q’ninD geborgen sind, vor ihren Augen zu enthüllen, damit sie nicht mm»*? f n außerhalb des von der Schechinah geweihten jüdischen Kreises dasjenige suchen sollen, was sie auch innerhalb desselben im himmlischen Widerscheine der Göttlichkeit hätten finden können. Ich erinnere mich z. B. dessen, daß zur Zeit, da ich die Jeschibah zu Preßburg besuchte, ich einen aus dem chassidischen Orte Huszt stammenden Zimmergenossen hatte, der ziemlich fleißig Talmud studierte, so aber sein nach Poesie lechzendes Gemüt nach Nahrung begehrte, da griff er zu seinem von Huszt mitgebrachten — PetöfiH und der es mir durchaus nicht glauben wollte, daß es auch in den, von ihm nicht gekanntencrrnnm -irnnnb so 2) S. R. Hirsch, 19 Briefe, 18. Brief. — Chaurew, § 551. :') Dr. H. Klein in Jüdische Monatshefte, 3, S. 252. 4) Der größte Lyriker und Freiheitssänger Ungarns.

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