Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1925)
- Date
- 1925-05-28
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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Seite 28 N 22 Der Israelit 28 Mai 1925 reiche Zusammenstellung von Agadoth aus allen Midraschim von Rabba bis zu den kleinsten Jalkutim und opokrypischen Agadazitaten späterer Schriften. Daß den Midraschim außer Quellennachweis der Bibelsätze und kurzen Worterklärungen keine Kommentare und Glossen angehängt sind, dafür wollen wir dem Autor sogar danken. Auch wollen wir die „Bearbeitung", die Kürzungen und gelegentlichen votierenden Wendungen hinnehmen. Der einheitliche leitende Gedanke, nach dem das Ganze geordnet ist, tritt aber nicht immer deutlich hervor. Geradezu ärgerlich ist aber die souveräne Willkür, mit der Verfasser bei der Auswahl des Stoffes ans Werk geht und Entscheidungen trifft über Wert und Unwert der Midraschim. In seinem Vorworte gibt er an, alles was in der Midrasch-Literatur irgend einen literarischen, moralischen oder historischen Wert repräsentiert, nur einen Funken des heiligen Geistes aufweist, ausgenommen zu haben. Alles andere blieb draußen. Er gibt wohl zu, daß eine solche Sichtung nicht leicht und eine Frage des Geschmackes und der gründlichen Erwägung sei. Um so weniger sollte ein Einzelner seinen Geschmack allein und das Resultat seiner Erwägung als das Richtige erachten, auf Kosten anderer talmudischer Perlen, die in den Augen Anderer von gleicher Schönheit und Heiligkeit sind. Eine Abhandlung über die midraschistische Literatur, ebenso kurze Einleitungen zu den verschiedenen Midraschteilen sind hinsichtlich ihres glänzenden Stiles und ihres wissenschaftlichen Ernstes überaus lesenswert. Sieht man von den Schönheitsfehlern am Eingang und an den Aushängeschildern ab, so wird ntan in den Jnnenräumen dieses stattlichen Hauses doch eine reiche Fülle von Licht und Liebe finden. Es ist immerhin eine reiche Zusammenstellung von Midraschim und Agadoth ohne trübe Mischung, die den Freunden der talmudischen Agada, insbesondere der Jugend, schon durch den lichten Druck und die anmutige Aufmachung sehr Zusagen müßte. pbn KSPixipn P'?1 o’jaya pisn riwr JiKnTjaiiO (Berlin Druckerei _Sefcr‘) n->snj> by 't Das Werk, von dem jetzt der vierte Teil zu „Koddofchim" und „Nidda" erschienen ist, wird in der talmudischen Welt aufrichtige Freude aüslösen. Wie die ersten Teile, so hat sich auch dieser vierte stattliche Quartband von beinahe 300 Seiten zur Ausgabe gemacht, die Gedankenbrücke zu bauen zwischen dem Ende eines Traktates und dessen Anfang, und zwar auf den festen Grundpfeilern ernster logisch fundierter Halacha, geschmückt und verziert mit schönem Beiwerk aus dem Gebiete der Agada. Das Werk ist liebevoll ausgestattet und herausgegeben vom Sohne des Verfassers, S. Bengis, Lappienen (Ostpr.) von dem es auch zu beziehen ist, (ebenso beim Autor selbst, Rabbiner S. R. Bengis, Kalwarija, Litauen). p Yinx Von Irene Scha ff, Omonuthv erlag, «rt a. M., Moskau, Odessa. 128 S. angel an geeigneten hebräischen Jugendbüchern wird von thoratreuen Pädagogen .schwer empfunden. Deshalb wird man dem Verfasser und dem Verlage dankbar sein für die vorliegende historische Erzählung und ihre schöne Ausstattung. In leichtfließender biblisch-hebräischen Sprache, die uns an Wolf Jawitz V'r erinnert, wird uns das Geschick einer israelitischen Frau erzählt, die am Ende der Wüstenwänderung beim Ueberfall des Königs von Arad in Gefangenschaft gerät und nach langen Irrfahrten wieder zu ihrem Volke zurückkehrt. Einer ihrer Peiniger war Eglon, der spätere König von Moab, der sie vergeblich bestürmt hatte, sein Weib zu werden. Als Eglon den Thron Mochs bestiegen hatte, erfuhr er ihren Aufenthalt und forderte ihre Auslieferung. Um ihr Volk zu retten, will sie zu ihrem Todfeinde hingehen. Doch ihr Sohn Ehud rettet die Mutter und fein Volk durch die Ermordung Eglons. Die Erzählung ist für hebräisch lesende Knaben von 10—15 Jahre geschrieben; in ihrer plastischen — zuweilen etwas grellen — Schilderung gibt sie recht anschauliche Vorstellungen der damaligen Zeit. Auch geweckten deutschen Knaben, die bereits im Stande find, selbständig geschichtliche Stellen der Bibel zu lesen, ist das Buch zu empfehlen. Die Punktation erleichtert das Verständnis. - M. T. Jüdische Gedanken und Gedanken über Judentum. Ausgewählt und zusammengestellt von Dr. Joseph Hermann Hertz, Oberrabbiner des britischen Reiches. Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen von Rosalie Perles mit Geleitwort von Felix Perles. 16,218 S. Leipzig 1924. G. Engel. Der Kern dieses Buches wurde während des Krieges zum Gebrauch jüdischer Soldaten abgefaßt. Es hat sich als ein brauchbares Buch erwiesen, Laien in das Judentum, feine Geschichte, seine Schicksale, auch z. T. in sein Schrifttum einzuführen und sie in der Anhänglichkeit an das 'Judentum zu kräftigen. Es enthält fünf Teile: 1. Ich bin ein Jude. 2. Das Volk des Buches. 3. Das Zeugnis der Nationen. 4. Die Stimme des Gebetes (das lüdifche Jahr). 5. Die Stimme der Weisheit. So hat Verfasser sich die Möglichkeit gewahrt, die-Eigenart des Judentums von den verschiedensten Seiten zu beleuchten. Der erste Teil stellt die Persönlichkeit des Juden, isein Schicksal, Die Forderungen der Religion an ihn, die Stellung Des -Juden zum Menschentum dar. Der zweite Teil stellt Israels Schrifttum -Dar. Die weltumfassende Bedeutung der Bibel, besdnders -des Prophetentums, -der mündlichen Lehre, des Talmuds, der jüdischen Geschichts- .uellen unter Angabe der Leidenszeiten Dis zur Gegenwart, immer im Zusammenhang mit-seinen Gläubensbüchern. Der dritte Teil bietet Stimmen aus der nichtjüdischen Welt, welche beweisen sollen, daß nicht alle Zeiten vom Glaubenshaß widerhallten, sondern daß es stets wohlwollende, z. T. begeisterte Beurteiler des Judentums unter den bedeutenden Menschen gegeben hat. Im vierten Teil wird das Gebetbuch Israels unserer Empfänglichkeit nahegeführt, und im Schlußteil hören wir die belehrenden Stimmen aller Zeiten im Judentum reden. Verfasser hat seine Quellen überall gesucht, wo er das Wirksamste glaubte finden zu können. Er selbst äußert sich nämlich an nicht zu vielen Stellen. Seine Belesenheit ist groß, und so konnte er das Beste nach seiner Art auswühlen. Seine Gewährsmänner gehören allen Richtungen des Judentums an, wir lesen darum auch Namen, die uns in Staunen setzen. Aber was er an ihnen entnimmt, ist nicht die Leugnung, sondern der ernste Hinweis auf den Wert des Bestehenden, auf den Wert der Juden und ihrer Festigkeit und ihrer ererbten Eigenschaften. Wir lesen hier unzweideutig, daß eine Zukunft des Judentums ohne Thora und Ueberlieferung unmöglich sei, was doch für die Kreise, auf welche Verfasser Ein- - fluß hat, ein Bekenntnis ist. Gerade von nichtjüdischer j Seite lesen wir eine begeisterte Schätzung der jüdischen i Gebete nach Seiten der Empfindung und Stimmung, während wir von jüdischer Seite oft bemerken, daß man sich vom überlieferten Gebetbuch förtsehnt. So geht ein religiös-warmer Ton durch das Ganze. Der Verfasser hat Sinn für alle Seiten des Judentums, er versteht unsere Zeit und weiß dabei das Ueberlieferte festzuhalten. Da! sein Buch eine Blumenlese ist, so weiß er die Leser durch Abwechslung, durch Hinweis auf unendlich viele Zeiten und Kreise zu gewinnen, welche von den ältesten Zeiten her dem Judentum und seiner Erhaltung ihre Kräfte gereicht haben. Auch auf die nichtjüdische Welt wird das Buch eine gute Wirkung ausüben. Die Uebersetzung von Rosalie Perles, der wir schon ähnliche Uebertragungen verdanken, und die Mitwirkung von Felix Perles, besonders in dichterischer, Beziehung, dient ganz dazu, diese Gabe allen Juden zugänglich zu machen. Da mir das englische Werk nicht vorliegt, konnte ich nicht wissen, welche Stücke Dr. Perles durch andere ersetzt hat. Aber sein Name bürgt dafür, daß er auch in dieser Beziehung das Richtige getroffen hat. Die Ausstattung ist trefflich. Das Buch ist auch mit dem Bilde des Verfassers geziert. L. A R. Forschungen zur Geschichte des Apostels Paulus. Von F. Hielscher. Cottbus 1926. H. D i f f e r t. Preis Mark 2.— Vorliegendes Schriftchen behandelt eine alte Streitfrage, das Verhältnis des Paulus zu Rom. Verfasser geht dabei auf eine Prüfung der Erzählungen über Paulus wunderbare Bekehrung auf dem Wege nach Damaskus ein. Er kennt die einschlägigen Fragen und den Zustand der vorliegenden Quellen ganz genau, kommt aber in der Deutung der klar zu Tage liegenden Widersprüche zu weitgehenden Folgerungen. Cr vermutet, daß die Sammler große Veränderungen des Ursprünglichen zu Gunsten Roms und feines Vorzugs oorgenommen hätten und macht in leidenschaftlichem Ton auf solche typischen Umwandlungen aufmerksam. Wir sind im neutestamentlichen Schrifttum nicht Partei, möchten aber doch wissenschaftlich den Eindruck des Buches auf uns kundgeben: Mit derartiger Ausnutzung des Vorgefundenen Stoffes, mit derartigen Eintragungen persönlicher Stimmungen in dis vorliegenden Quellen kann man alles behaupten und alles beweisen. Uebrigens noch einen Schritt weiter, und Verfasser befindet sich neben Drews, der die ganze Paulusgeschichte und selbst die Person des Paulus für sagenhaft hält. Dabei müssen wir zugeben, daß Verfasser großen Scharfsinn in geistvoller Weise angewandt hat, aber zuviel Scharfsinn. L. A. JR. Die doppelte Wahrheit in der Philosophie des Als Ob. Von Otto R i t f ch l. Göttingen 1925. Vandenhoeck uid Ruprecht. Obgleich schon fast anderthalb Jahrzehnte seit dern Erscheinen vomVaihingers „Philosophie des Als verflossen sind und der Wechsel der Zeitstimmung eine Polemik gegen diese Weltweisheit der Verzweiflung an allem Absoluten heute fast überflüssig erscheinen läßt, ist die vornehm sachliche und tiefschürfende Arbeit des Göttinger Theologen doch von Wert. Sie führt Vaihingers Theorie von den „zweckmäßigen Fiktionen", die angeblich überall, insbesondere auf religiösem Gebiete, das Feld beherrschen, durch die einfache 'Erwägung ad absurdum, daß ein religiöser Glaube, der auf der „Als ob"-Fiktion basiert, seine innere Sicherheit eingebüßt hat und damit im hömuen Grade „unzweckmäßig" wird. Also kann von einen pragmatischen Wert solchen Glaubens keine Rede fein. Freilich weiß R i t f ch l keinen befriedigenden Ersatz zu bieten. Denn das subjektive Erleben des religiösen Individuums reicht zur Begründung objektiver Religion ebensowenig aus wie das Erleben der Religionsstifter. Die Offenbarung in ihren objektiven Zeugnissen ist schließlich die einzige tragfähige Grundlage für eine Gemeinschastsreligion. -- Literarische Notizen. Ein erfreuliches Symptom für die Wendung zur Tiefe und- Verinnerlichung im Gesamtleben der deutschen Judenheit ist Das erste Heft der neuen Zeitschrift „Der Morgen", die der Philo-Verlag in Berlin, also wohl der „Zentralverein", unter Leitung von Pros. Julius G o l d sie i n in Darmstädt seit dem April als Zweimonatsschrift herausgibt. Das Charakteristische Des neuen Unternehmens ist — soweit. sich nach dem Geleitwort uNd dem frsten Hefke urteilen laßt die Erkenntnis, daßlm Mittelpunkte aller jüdischen Kultur Der religiöse Glaube steht, ja daß darüber hinaus alles menschheitliche Geistesleben feine Erneuerung und Bewährung allein im Untergründe des Religiösen finden kann. Wenn die Mitarbeiter auch verschiedenen religiösen Lagern angehören und ihre Anschauungen durchaus nicht immer dem entsprechen, was uns Wahrheit und Ueberzeugung ist, so einigt sie doch die Tendenz, religiös aufbausnd zu wirken und überall diejenigen Gedankengänge zu unterstreichen, die geeignet sind, die Verehrung für den gewaltigen Geistesschatz der jüdischen Tradition zu steigern, Rationalismus und selbstgewisse Kritik aber abzuwehren. So wird man in den feinsinnigen Betrachtungen von Dr. B. I a c o b über die biblische Schöpfungsgeschichte eine Fülle wertvoller Anregungen finden, auch wenn man von einer anderen Grundvoraussetzung ausgeht wie der Verfasser. Nicht minder fesselnd ist eine geistvolle Studie von Dr. med. R. Koch: „Glaube und Ueberzeugung", ein in moderne Wortformen gefaßtes Bekenntnis zum Primat der „praktischen Vernunft": Dr. L. B a e ck schreibt über „Kulturzusammenhänge", die entscheidende Bedeutung von Geschichte und Gemeinschaft für den Begriff der Kultur betonend. Ins Gebiet der praktischen Ethik führt Dr. Gustav Löffler mit einem Aufsatz über Geschlechtlichkeit und Sittlichkeit, während die Geschichte durch zwei Arbeiten von Dr. I. Heinem a n n und Viscount B r y c z vertreten ist. Das stattliche Heft umfaßt 130 Seiten und ist vornehm ausgestattet. Cmgegangene Bücher. (Besprechung Vorbehalten.) Efros, Dr. Jsrael, Philosophical terms in the Morch. Nebukim. New-York. 1924. Columbia University Pressf*eb. Lst. 2*/.- Hielscher, F.. Forschungen zur Geschichte des Apostels Paulus. Cottbus 1925. H. Differts. Buchh. M. 2. TrjelfH, Davis, Wirtfchaftsatlas von Palästina. Schapiro, A., Bibel und Natur, Betrachtungen und Deutungen. Leipzig 1924. Dr. Rabbinowitz Verlag. Ravou, A. H.. Josef Perez (Juifs Du Ghetto) Roman. Paris 19.'5. Calman Levy. Frs. 6.75. Haenisch, Dr. Konrad, Ferdinand Lasalle. Leipzig 192*. 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