Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1925)
- Date
- 1925-05-28
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Aas Wef f uni Lebe Üllustrierlc Eeilßfje zumHOsraelif \e.d\q Ansere Bilder. 1. Das Bild: „Jüdischer Lumpensammler in Amsterdam", ein köstliches realistisches Schaustück, entstammt dem Griffel des jüdischen Radierers M. Plonski. Geboren 1782 in Warschau, lebte und studierte er in Amsterdam um 1800. Er suchte den Spuren Nembrandts zu folgen und hat noch eine große Reihe anderer Typen aus dem holländischen Volksleben nachgebildet. Dieses Bild ist der holländischen illustrierten Zeitschrift „Der Freitag-Abend" entnommen. 2. Dem Andenken Prof. Dr. Abraham Berliners, des unvergeßlichen Vorkämpfers des orthodoxen Judentums gilt Bild und Skizze, die wir anläßlich seines zehnten Jahrzeitstages verössentlichen. 3. Unsere Galerie berühmter Rabbinischen Persönlichkeiten zeigt uns dieses Mal zunächst das Bild Rabbi Akiba Egers, mit dessen Biographie wir an anderer Stelle demnächst beginnen. Das zweite Bild zeigt uns die ehrwürdige Erscheinung des orthodoxen Oberrabbiners von Budapest, Rabbi Koppel R e i ch, der es wohl verstanden hat, in einer Stadt, die als Hochburg der Reform, ja als die Stadt der Mischehen und Taufen bekannt ist, eines großen treugebliebenen Kreises treuer und liebevoller Hüter und Lehrer zu fein. Der Glanz, der aus dieser in sich gefestigten Persönlichkeit ausströmt, macht sich im gesamten Leben der orthodoxen Judenheit Ungarns fegensvoll bemerkbar. 4. Das fünfte Bild ist im Hinblick auf den großzügigen Ansiedlungsplan, mit dem Sowjetrußland mit Hilfe Amerikas und Europas das Judenproblem in Rußland zu lösen gedenkt, von erhöhtem Interesse. Es zeigt eine Anzabl jüdischer Kriegswitwen, die ein ihnen von der Sowjetregierung zur Verfügung gestelltes Feld bearbeiten. Im übrigen verweisen wir auf den Leitartikel: „Eine Angelegenheit der gesamten Judenheit" in Nr. 20 des „Israelit". « 5. Siehe Artikel „Streifzüge ■ durch das fränkische Saaletal". 6. Eine der schönsten Synagogen Deutschlands ist die Hamburger Synagoge auf dem Bornplatz. Aus der Geschichte Hamburgs sei nur erwähnt, daß die deutsche Gemeinde als solche erst 1654 gegründet wurde, während die Sefardim dort schon viel früher ansässig waren. Im Jahre 1671 vereinigten sich die drei Gemeinden Altona, Hamburg und Wandsbeck, über deren Geschichte uns der gelehrte Klausrabbiner von Altona, Rabb. D u ck e s z, viel Interessantes mitzuteilen weih. Zu den bedeutendsten Rabbinern dieser Gemeinden in den letzten Jahrhunderten gehörten Jochskiel Katzenellenbogen (bis 1719), Rabbi Jonathan Eibenschütz (bis 1764), bekannt durch soine Kämpfe mit Rabbi Jakob Emden. Die Trennung der Gemeinde Hamburg von den Nachbargemeinden erfolgte 1811 nach dem Einzug Napoleons in Hambrirg. Die volle, definitive Judenemanzipation, ein Resilllut der Bestrebungen Gabriel Nießers, datiert erst von 1848. Die Reform flutete mit aller Gewalt in Hamburg ein, wo 1818 der erste größere Reformtempel >n Deutschland mit Orgel errichtet wurde. Cs ist aber H >e besondere göttliche Fügung, daß gerade in Hamburg die Reform in ihren Anfängen stecken geblieben ist. Zu den tapferen Männern, die ihr dort von vornherein einen festen Damm entgegengesetzt haben, gehörte der bekannte Ehacham Jsak B e r n a y s, der Lehrer Samson dmphael Hirschs. Neben her hier abgebildeten neuen 'Hnnagoge besitzt die deutsche Gemeinde noch zwei große Synagogen und eine große Anzahl von Klausstiftungen und Bethäusern, eine musterhafte Talmud-Thora-Realschule für Knaben und Mädchen und vortreffliche religiöse und philantropische Institutionen. Die Gemeinde zählte 1910 20 000 Seelen und hat sich im letzten Jahrzehnt noch ansehnlich vermehrt. Im Weiteren verweisen wir auf das ausgezeichnete Werk von Rabbiner D u ck e s z 32--»°' nix.-Krakau 1903. 7. Lord Valfour dürfte heute die, populärste diplomatische Persönlichkeit unter den Juden der ganzen Welt sein. Als Urheber der bekannten .. u ia ation" wurden ihm letzhin in Palästina von jüdischer Seite Ovationen zu teil, wie sie wohl selten ein König Herz- -W. - ä Jüdischer Lumpensammler in Amsterdam. Radierung von M. Plonskr. sicher und aufrichtiger je erlebt hat. Lord Valfour hat auch sonst keine Gelegenheit versäumt, das jüdische Recht in England und in der Welt, soweit sein Einfluß reichte, zu schützen. 8. Das Porträt Ferdinand Lassalles — anläßlich seines hundertsten Geburtstages — läßt den jüdischen Tnvus des unglücklichen Stürmers unverkennbar hervortreten. Nicht uninteressant ist, daß gerade die Frage, ob seine Abstammung in Lassalles Zügen sich ausgeprägt habe, schon1 Gegenstand der literarischen Polemik in diesen Blättern im Jahre 1906 war. Prof. Dr. Abraham Berliner Vs?* Zu seinem 10. Todestag am 22. April 1925. Von Oskar Grün in Zürich. Am 22. April jährte sich zum 10. Male der Tag, an dem eine strahlende Leuchte der jüdischen Wissenschaft erlosch; das zeitgenössische Judentum in Prof. Dr. Abraham Berliner einen seiner größten Gelehrten verloren hat. Zu Oberitzko (Posen) am 13. Jjar, den 2. Mai 1833, als Sohn des dortigen Lehrers geboren, genoß er bei seinemvVater die erste Erziehung. Vom Ortsrabbiner Michael Struck (Großvater des berühmten Radierers) wurde er schon als Knabe in die jüdische Wissenschaft eingeführt. Später bereitete er sich selbst für die Universität vor, doch als er in seinem 16. Lebensjahre den Vater verlor, mußte er jäh seine Studien unterbrechen, um für den Unterhalt seiner Mutter und Geschwister sorgen zu können. Er nahm deshalb in seiner Vaterstadt einen Lehrerposten an. Nun war er eifrig bemüht, seinen. Geist durch eingehendes Studium der Thora und des Talmuds zu veredeln und gemeinsam mit seinem ersten Meister, Rabbi Michael Struck, der ihm zum leuchtenden Beispiel wurde, vertiefte er sein jüdisches Wissen. In seinem 25. Lebensjahre folgte Berliner einem Rufe der Arnswalder Gemeinde, wo er einige Zeit als Religionslehrer und Prediger amtierte. Hier begann er die ältesten Raschi-Manuskripte zu studieren. Nach siebenjähriger emsiger und unermüdlicher Arbeit, und nachdem er inzwischen zum Schulleiter der „Ehewrath Schaß" nach Berlin berufen wurde, veröffentlichte et im Jahre 1866 sein erstes Werk, die „Neuausgabe des Raschi-Kommentars zum Pentateuch". Berliner hatte sich da auf Grund der ältesten Handschriften an eine wissenschaftlich-kritische Ausgabe des Raschi-Kommentars herangewagt und sie mit einer Erklärung, Aromas? ausgestattet. Das Erscheinen dieses Werkes erregte begeistertes Aufsehen. Diese Arbeit, in Verbindung mit den später erschienenen „Die Massorah zum Targum Onkelos" und „Migdal Hananel, über Leben und Schriften R. Ehananels in Kairuan" bildet die Triade der mit dem Pentateuch sich befassenden Werke Berliners. Durch seinen Raschi- Kommentar wurde Berliner nicht nur zum geistigen „Fürsten" der jüdischen Wissenschaft; dieses Werk lenkte vielmehr die Aufmerksamkeit der ganzen gebildeten Welt auf ihn, und auf Antrag des berühmten Orientalisten und Philosemiten Franz Delitzsch, krönte die Leipziger philosophische Fakultät fein Gelehrtenhaupt mit dem Doktortitel „honoris causa". Als Israel Hildesheimer im Jahre 1873 das Rabbiner-Seminar begründete, erkannte er alsbald mit seinem ungewöhnlichen Scharfblick die genialen Fähigkeiten Abraham Berliners und gewann ihn als Dozent für jüdische Geschichte und Literatur am Rabbinerseminar. Berliner war es, der seine Schüler auf dem Rabbinerseminar zu eigenen wissenschaftlichen Arbeiten anzuleiten wüßte und sie für jüdisches Forschen und Suchen zu begeistern verstand. Man kann mit Recht behaupten, daß es unter den jetzt lebenden Rabbinern, die aus dein Berliner Rabbinerseminar hervorgegangen sind, kaum einen gibt, welcher bei der Bearbeitung seiner Dissertation nicht in irgend welcher Weise Prof. Berliner zu Rate gezogen hätte und dem er nicht behilflich gewesen wäre. Im Kreise von Geschichtsforschern und in der gelehrten Welt wirkte der Name Berliner geradezu wie ein mächtiges Zauberwort, bei dessen Ausspruch versunkene Welten in ihrer einstigen Pracht und Schönheit erschienen und Gestalten längst vergessener Zeiten vor un-