Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 15-16 (8.4.1925)
- Date
- 1925-04-08
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450337-2450352--72110-2529447- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
8. April 1925 Nr. 15/16 Seite 23 Vater steht Posten Auf einsamer Wacht Ferne im Osten ' " ~ - In Kälte und Nacht. Schläfst nicht? Soblicke Zum Himmel empor! Siehst Du die Brücke Mit schimmerndem Tor? Mondscheingewoben, Flimmernd gespannt Führt sie nach oben Ins selige Land. Siehst Du den Reigen Mit Krone und Stab? Engelein steigen;' Hinaus und hinab. Schneeweiße Kleider. Purpurgestickt! Das ist die Leiter; Die Jakob erblickt! Bete, mein Junge. Dein lallend Gebet, Gott, der die Zunge % Des Stammelns versteht, Möge beut' walten Mit liebender Hand, Vater erhalten In Schlachten und Brand! Lächelst im Schlummer, Liebliches Kind, Weinst nicht vor Kummer Die Augen Dir blind. Sehnsucht und Sorgen Halten mich wach. Bis mir der Morgen Strahlt ins Gemach. Sympathisch berühren in ihrer einfachen Frömmigkeit die Gedichte von Leo Loewy:: „Gott und Mensch" (Leipzig, Kurt V i e w e g Verlag), wenn sie auch künstlerisch zu wünschen übrig lassen, weil das Lehrhafte nicht restlos in der reinen Empfindung aufgelöst ist. — In neuer, vermehrter Auflage sind die beliebten Gedichte des Hamburgers Jakob Loewenberg: Kämpfen und Bauen" bei M. Glogau jr. in Hamburg erschienen. Loewenberg weiß die Sprache trefflich zu meistern, so daß man sich seiner Poesien immer freut, einerlei ob sie geschichtliche Stoffe gestalten oder im jüdischen Familien- und Gemeinschaftsleben der Gegenwart wurzeln. Aber in die Tiefe seelischen Erlebens führt auch er nicht. Der Dichter von Gottes Gnaden muß dem deutschen Judentum noch geboren werden. Alle besprochenen Bücher sind von den Verlegern geschmackvoll ausgestattet worden und eigenen sich zu Geschenkzwecken. Literarische Notizen. Die „Gesellschaft für jüdische Familien- Forschung" (Sekretariat: Berlin, Neue Königstraße 70, E. Wolf f), die im Sommer 1924 auf Grund einer Anregung des Augenarztes Dr. Arthur Czellitzer ins Leben gerufen wurde, gibt feit dem Dezember Mitteilungen unter dem Namen „Jüdische Familien-Forfchung" heraus, deren erste Nummer uns vorliegt. Die Gesellschaft und ihr Organ wollen das im jüdischen Kreise von alters her durch Religion und Geschichte legitimierte sprach ich wie heute gerade den Segen: „. . . durch dessen Wort, alles geworden ist." Als ich ihn gesprochen hatte, merkte ich, daß dein Vater schon wieder fort wollte. „Awrähmel", sagte ich, „hast Du kein Anliegen?" „Nein" erwiderte er mir und nahm Abschied. Verstehst Du? Wenn ein Jude vernimmt, daß alles durch Gottes Wort geworden ist, was hat er da noch zu fragen? Ist ihm doch eine Antwort auf alle seine Fragen und Sorgen gegeben." Und Rabbi Mosche bot dem Ehassid die Hand zum Gruß. Der schwieg eine Weile, nahm Abschied und ging getrost zu seiner Arbeit zurück. Geben und Nehmen. Man fragte den Kozker: „Warum wird das Fest der Offenbarung die Zeit der Verleihung unserer Thora genannt und mcyt die Zeit des Empfangs unserer Thora?" „An dem Tag," antwortete er. „an den das Fest erinnert, geschah das Geben, aber das Nehmen geschieht zu jeder Zeit. Gegeben worden ist allen im gleichen Maß, aber sie haben nicht im gleichen Maße genommen. Demut kein Gebot. Man fragte den Slotschower Maggid: „Alle Gebote stehen doch in der Thora geschrieben. Aber die Demut, die alle Tugenden aufwiegt, ist nicht darin geboten; nur nachgerühmt wird Moses, daß er demütiger gewesen sei als alle Menschen. Was bedeutet dieses Verschweigen?" „Wollte einer," antwortete der Rabbi, „Demut üben um ein Gebot zu erfüllen, er würde nie zur wahren Demut gelangen. Zu meinen, Demut sei ein Gebot, das ist nur Eingebung des Satans. Der bläst das Herz eines Menschen auf: er sei geehrt und gerecht und gottesfürchtig und aller guten Werke Meister, und wäre würdig, sich über dem Volk zu erheben, aber das hieße hochmütig sein und unfromm handeln, es sei geboten, Demut zu üben und sich mit den Leuten gemein zu Der Israelit _ Gefühl für "Lim, für das kostbare Besitztum edler Ahnen systematisch pflegen und ihm die Wege weisen auf dem Gebiete der wissenschaftlichen Forschung wie der praktischsozialen Arbeit. Die Nummer bringt u. a. eine Abhandlun ues Oberbibliothekars Moritz Stern über die „Ephraims in der Berliner Liste der im Jahre 1812 angenommenen Familiennamen", eine solche von L. S. Porter über die Nobilitierung des deutschen Juden Jakob Bassewi von Treuenberg im Jahre 1622 sowie den Beginn einer größeren Arbeit von Erich Klibansky über die Frankfurter Judenstättigkeitsliste vom Jahre 1802 aus dem Frankfurter Stadtarchiv. Als nächste Zwecke bezeichnet die Gesellschaft: a) Die Gründung eines Archivs, in dem Familiengeschichten, Chroniken, alte Urkunden und Dokumente sowie Stammtafeln (Vorfahren- oder Nachfahrentafeln von mindestens vier Generationen) im Original oder in Abschriften vereinigt werden sollen. b) Zusammenarbeit der Mitglieder durch Auskunfterteilung über gemeinsame Ahnen usw., Einrichtung einer Beratungsstelle, Exzerpierung einschlägiger Akten aus öffentlichen Archiven. c) Zusammenkünfte der Mitglieder zu Vorträgen und Diskussionen über gemeinsam interessierende Fragen, auch aus den Grenzgebieten der Geschichte, der Soziologie und der Vererbungswissenschaft. Der Mitgliedsbeitrag beträgt nur Mk. 3.— p. a. Ein in Berlin gebildetes Komitee, dem Rabbiner Dr. Vaeck, Prof. Elbogen sowie Vankkreise angehören, beabsichtigt die Herausgabe einer 10 Bände umfassenden großen „Encyklopödie des Judentums" in deutscher und hebräischer Sprache. Das Unternehmen wird von der Akademie für Wissenschaft des Judentums und von der Loge gefördert. Die Berliner Jüdische Gemeinde hat Mk. 20 000.— dafür bewilligt. Auch in Frankfurt ist ein Komitee zur Aufbringung von Geldmitteln für diesen Zweck gebildet worden. * * * Die „Soncino-Gesellschaft der Freunde des jüdischen Buches E. V." (Geschäftsstelle Berlin C 2, Kaiser Wilhelmstraße 12) will durch Vorbild und Kritik dahin wirken, daß das jüdische Buch auch in feiner äußeren Gestaltung als repräsentativ für das Niveau des . jüdischen Geisteslebens gelten kann. Sie erstrebt die Veredlung des jüdischen und insbesondere des hebräischen Buchdruckes sowie die Anwendung technisch vollendeter Reproduktionsoerfahren bei der Neuherausgabe seltener alter Werke. Als Privatdrucke für ihre Mitglieds publiziert sie charakteristische Werke zeitgenössischer Wissenschaft und Literatur sowie typographisch oder inhaltlich bemerkenswerte, schwer zugängliche, alte Drucke. Für das Jahr 1924 erschien als erste Veröffentlichung der Faksimiledruck des Sefer Mescyalim, eines mit interessanten Holzschnitten geschmückten Fabelbuches nach dem jüdisch-deutschen Original von 1687. Als nächste Publikation erscheint Arnold Zweigs Drama: Der Abtrünnige" als Druck der Ernst Ludwig Presse, Darmstadt. Wertere Veröffentlichungen sind in Vorbereitung. Die Gesellschaft versendet soeben einen ausführlichen Bericht über ihre Ziele und Pläne. Das von Poefchel u. Trepte, in der Goeschen-Antiqua bibliophil einwandfrei gedruckte Heft bietet Text- und Jllustrationsproben aus dem Arbeitsprogramm der Gesellschaft und enthält Angaben über den Erwerb der Mitgliedschaft. Die Mitgliedexzahl ist begrenzt, der Jahresbeitrag beträgt 20 Mt., wofür Publikationen und Zeitschrift der Gesellschaft machen; und der Mensch vollzieht das vermeintliche Gebot und füttert auch noch damit seinen Hochmut." In das oor-chafsidische Zeitalter der Kabbala führt uns Chajim Bloch, mit seinem neuesten, besonders vornehm ausgestatteten Buch: „K a b b a l i st i s ch e S a g e n" (Leipzig 1926. Verlag der Asia Major). Es ist eine in einzelne abgerundete Episoden zerlegte Wiedergabe der in dem bekannten Buche tu» enthaltenen Erzählungen von Leben und Wirken Rabbi Jzchak Lurja's, jener gewaltigen Persönlichkeit, die im sechzehnten Jahrhundert das heilige Land zum Mittelpunkte einer die ganze Diaspora ergreifenden Popularisierung der kabbalistischen Weltanschauung machte. In dem Buche tritt nun allerdings das Lehrmäßige, Weltanschauliche fast ganz zurück hinter der Wundergeschichte, was der Leser mit tieferen Ansprüchen bedauern, der Mann aus dem Volke vielleicht begrüßen wird. Man mag die Vedeutschung und literarische Ausbeutung uralten jüdischen Weisheitsgutes mit gemischten Gefühlen betrachten — erfolgt sie einmal, dann sollten die Tiefen des kosmischen Denkens, die hinter der legendarischen Erzählung schlummern, dem gebildeten europäischen Leser auch so stark wie möglich zum Bewußtsein oder mindestens zur Ahnung gebracht werden. Bloch hat das in der Einleitung durch Darstellung der Seelenlehre des „Ari" versucht; vielleicht könnte bei einer neuen Auflage die Einleitung noch vertieft und ausgebaut, insbesondere in organische Verbindung mit den erzählten Episoden gebracht werden. Das Blochsche Buch wird jedenfalls gleich Vuber zahlreiche Leser finden. unentgeltlich geliefert werden. Interessenten können das Heft von der Geschäftsstelle auf Verlangen unentgeltlich erhalten. * * * Die National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem gibt eine Vierteljahresschrist für Bibliographie heraus, von der bereits 4 Hefte vorliegen. Als Herausgeber zeichnen Hugo Bergmann und Chajim Pick. Die Hefte enthalten eine reiche Fülle von Bücherverzeichnissen, literarischen Notizen, Inhaltsangaben und Anzeigen von seltenen Manuskripten und dergleichen mehr. In einem Aufsatz von Benzion Dinaburg, um nur einiges herauszugreifen, unter dem Titel „Aus dem Archiv des Samuel Joseph Rappaport", ist unter anderem wertvollen biographischen Material ein Brief von Dr. M. Lehmann vom Jahre 5623 wiedergegeben, in dem der noch junge Lehmann unter genauer Angabe seines Studienganges in Berlin und in Mainz (er nennt als seine Lehrer u. a. Michael Landsberger und Samuel Bondi), Rappaport bittet, ihm auch seinerseits ein Rabbinatsdiplom zu erteilen, nachdem ihm seine Lehrer solches erteilt und die Gemeinde Mainz ihn zum Rabbiner ernannt hatte. Ein Diplom Rappaports, so schreibt Lehmann, würde seine Autorität in den Augen, der Behörden stärken. In einem anderen Briefe bittet Dr. K a i s e r l i n g kurz nach seiner Berufung zum Landrabbiner der Schweiz mit dem Sitz in der Gemeinde Endingen ebenfalls um Erteilung der Rabbinats- Autorisation und beteuert sein Festhalten am Thoralernen, trotzdem er sich den modernen Wissenschaften zugewandt hatte. Er beruft sich auf Zeugnisse von Bamberger in Würzburg, S. R. Hirsch, Michael Landsberg usw. Der Brief ist vom 22. Marcheswan 6622 datiert. Die Hefte bilden eine Fundgrube für Bibliographen und jüdische Literatur- und Kulturhistoriker, und repräsentieren somit einen hohen Wert, ganz unabhängig von dem eigentlichen Zwecke, dem sie dienen sollen. Bücherbesprechungen. Die politische Idee des Judentums. Von Hans K o h n. München 1924. Meyer u. Jessen. Preis JH. 2.50. Sieht man davon ab, daß der Verfasser dieser eindringlich und warm geschriebenen Broschüre die historische Wahrheit des biblischen Gotteswortes mit der Geste der Selbstverständlichkeit in das Gebiet der „Mythologie" verweist, so kann man sich seiner Darstellung freuen. Das viel mißbrauchte Wort „Politik" wird hier in seiner Reinheit erfaßt und — in offensichtlicher Anlehnung an Buber und andere — als in drei Begriffskreisen, in dem des „Bundes", des „Menschen" und des „Reiches" sich verwirklichend, entwickelt. Die jüdische Politik hat nichts anderes zum Ziele als die Verwirklichung des mefsianifchen Reiches auf Erden, in dessen Dienst die Tat des Einzelnen wie die nationale Berufung des jüdischen Volkes stehen. So ist der Jude, mein Kohn mit Recht, der „Politiker kat' exochen", aber feine Politik ist ein „Bruch mit dem. was man allgemein unter diesem Wort versteht." Das ist nicht neu, aber schön formuliert und durch manche geistvolle Anmerkung erhärtet. Jüdische Gestalten. Von Georges Clemenceau. Uebsrfetzt von SchillerMarmorek. Wien 1924. Rhombus-Verlag. Clemencau, der „Tiger", präsentiert sich in diesen anspruchslosen, noch vor dem Kriege geschriebenen Reisebildern als scharfer Beobachter der äußeren Erscheinungsformen des galizischen Judentums. Aber wohlgemerkt, nur der äußeren Erscheinung. Die Seelen dieser Menschen muhten dem wohlgelaunten Touristen aus Paris naturgemäß hermetisch verschlossen bleiben, und das Wenige, was er sonst von jüdischer Lehre, Geschichte und Psyche weiß, ist nicht geeignet den Mangel an Tiefsicht zu' ersetzen. So ist denn für den jüdischen Leser der Gesamteindruck des Buches ein wenig erfreulicher, obgleich Clemencau den Juden durchaus vorurteilsfrei gegenübersteht und für ihre unbedingte Gleichberechtigung in warmen Worten eintritt. Um das Alte-Neue-Land. Von Saly Geis — Palästinaaufsätze eines thoratreuen Juden. Verlag Sänger und Friedberg Frankfurt a. M. Die sieben Aufsätze dieses Buches sind aus eigener Anschauung geschöpft, die Frucht eingehender Prüfung an Ort und Stelle mit den Augen eines thoratreuen Juden, der den Dingen und Erscheinungen in Erez Jisroel mit liebendem Interesse, aber politisch objektiv gegenübersteht. Weniger objektiv scheinen uns die Ansichten des Verfassers über Frankfurt, wie er sie im Kapitel „Zusammenbruch und Aufbau" zur Aeußerung bringt. Um zu beweisen, daß die Urheimat und auch die eigentliche Gegenwartsheimat des jüdischen Geistes und der jüdischen Kultur, ^mastina ist, ist es nicht nötig, daß man in übertreibender Weise von der Assimilation in der deutschen Orthodoxie spricht. Es entspricht auch heute ganz und gar nicht den Tatsachen, daß mit wenigen Ausnahmen die Bachurim der Frankfurter Jefchiwoh Jünglinge aus dem Osten sind. Im ganzen sind die Eindrücke in hübschen anmutigen Schilderungen wiedergegeben und atmen e h r l i ch e L i e b e z u E r ez I i s r o e l. r>"n ’-rn lins b“t ’poanaa a rr bv umtsn S“lj?ön ]W*? ISIS Buchhandlung ,,Uedem". Berlin-Lharlotrenburg. Dahlmstr. 8. Das so betitelte Werk bedeutet eine überaus wertvolle Bereicherung der hebräischen Sprachwissenschaft. Wir haben hier ein komplettes biblisches und talmudisches Lexikon,