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Der Israelit · 1925-04-08 · Heft 15-16 (8.4.1925) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 15-16 (8.4.1925)
Date
1925-04-08
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 Nr. 16/16 Der Israelit 8. April 1925 Sinne, am wenigsten ich selbst, der ich dem türkischen Staate für dieses Asyl stets Dank wußte." „Und die Fahnen, die Farben, die Embleme, die Proklamationen und die mit königlichem Siegel hinausgesandten Edikte?" fragte Köprili streng, nach einem leisen Wortaustausch mit seinem königlichen Herrn. „Es waren Symbole bloß, zur Befestigung des religiösen Denkens. Das Volk wünschte diese Spielereien und wir gaben nach. Rebellische Gedanken und Bestrebungen waren damit nicht verbunden." Der oberste Geistliche', der Mufti Wanni, rückte ungeduldig auf seinem Platze, und flüsterte dem Großvesier einiges zu, worauf dieserunvermittelt die Frage an Sabbatai richtete: „Wie steht Ihr Juden im allgemeinen, aber insbesondere nach der von Dir, Sabbatai, in Eurer Gruppe verbreiteten Lehre zum Islam und zum heiligen Koran?" Sabbatai antwortete rasch, als läge ihm die Antwort schon lange geordnet aus der Zunge: „Der Koran enthält nichts, was nicht auch in der heiligen Lehre Moses schon in etwelcher Form steht oder stehen könnte, Nichts hindert uns Juoen, im Koran ein heiliges Buch zu sehen." „Und was ist es mit Eurem Messias?" „Der Messiasglaube ist so alt wie unsere Verbannung, und wenn die ,Not am größten ist, dann lebt er in uns am stärksten. Wann und wie sr kommen wird, wissen wir nicht. Es strahlt hier und da ein Licht in der Finsternis auf, und erlischt wieder. ..." Sabbatais Sprache wurde wärmer, doch ein Blick Guidons wies seine Gedanken wieder in die ihnen von den letzten Tagen gezogenen Schranken. „Wird der Messias den Thron des Sultans stürzen, um ihm das gelobte Land zu entreißen?" forschte Köprili weiter. „Es wird dies nicht nötig sein, wenn der Herrscher des Kalifats milde und gütig ist und die Sonne seiner Huld sich auch auf bas auserwählte Volk erstreckt. Dann muß die Erlösung nicht gegen ihn, sondern kann mit ihm vor sich gehen." Der Mufti Wanni rückte wieder ungeduldig umher und machte dem Großvesier allerlei Zeichen, die auch den Gästen nicht entgingen. Die Ungeduld übertrug sich auch auf sie. Sie waren nicht hergekommen, um philosophischen und Religionsgesprächen zu lauschen. Das Urteil wollten sie, das Urteil über einen großen Rebellen, der so lange alle Welt im Atem hielt, und das Schauspiel ließ so lange auf sich warten. Aber nun ging ein Zucken durch die Reihen. Der Großvesier sprach das Urteil. „Höre, Sabbatai, Sohn Mordechai Zewis aus Smyrna! Wir haben im hohen Rate befunden, daß Du im Mißbrauch des Dir geschenkten Vertrauens als Aufwiegler und Verräter Land und Leute in Bewegung, Unruhe und Gefahr versetzt hast und verkünden im Namen des großen Sultans die Dir als Rebellen zukommende Strafe: Sie lautet auf den Tod, doch soll es kein rascher, stiller Tod sein, sondern ein solcher, der ein abschreckendes Exempel sei für alle, die sich Aehnliches erkühnen sollten. Mit. Fackeln um den Gürtel wirst Du wie ein Rebell brennend durch die Straßen gepeitscht. ..." Tiefe Erregung herrschte im weiten Raume, aller Blicke waren auf Sabbatai gerichtet. Sabbatai selbst war blaß, zuckte aber mit keiner Miene. Cr hatte die ganze Nacht hindurch schon dieses brennende Pech vckr Augen gehabt. Als jetzt wieder ein Blick des Leibarztes Guidon zu ihm schoß, erwiderte er diesen, und im Auge Sabbatais lag winselndes Flehen. Da erhob sich der M u f t i W a n n i und nahm das Wort. Sein tiefer Baß stieß wie mit Kolbenschlägen durch den Kuppelraum. „Im Namen des großen Sultans, des Inhabers des heiligen Kalifats! Das Urteil gegen Sabbatai, Sohn Mordechai Zewis, ist gesprochen, und wird ungesäumt vollstreckt, wie es im Sinne Allahs und seines Propheten angemessen ist. Doch befiehlt Mohammed Gnade und Erbarmen gegen diejenigen, die seinen Namen heiligen und verheißt des Paradieses hundertfachen Frieden denen, die durch die Wüste der Irrungen sich zum Edey seiner Lehre, finden.; Mohammed im Kreise der Engel tanzt im Reigen zu Ehren derer, die reuig und mit ganzem Herzen zu ihm zurückkehren. Im Namen des Sultans und des heiligen Kalifats, höre und beachte wohl, Sabbatai, Sohn Mordechai Zewis! Die brennenden Pechfäckeln wandeln sich in schimmernde Edelsteine kostbarer Gewänder, Ehre und Achtung treten an Stelle des finsteren Todes, wenn Du hier vom irrigen Glauben der Vergangenheit Dich zum heiligen Koran bekennst." Der Mufti trat einige Schritte von seinem Platze vor und hielt ein in Leder -mit Goldbesatz gebundenes Koranbuch vor sich hin. Dumpfes Schweigen trat für einige Minuten ein. Im Rate des Sultans ging leises Zittern von Mann zu Mann. Man hielt die flächen Hände bereit, um sie in dem Momente fest an die Ohren zu legen, da jetzt, wie zu erwarten war, der jüdische Ketzer und Rebell seinen Lästermund auftun würde, um Allah und seine Propheten wie das ihm entgegengestreckte heilige Buch zu beschimpfen. Die Henkersknechte stellten sich, gut abgerichtet, in Positur, um den Lästerer, bevor er seine Worte vollendet, aus dem Saale seinem Schicksale zuzuführen. Eine weitere Weile dumpfen, betäubenden Schweigens, in der nur die Blicke zwischen Guidon und Sabbatai herüber und hinüber spielten. Dann geschah etwas, was alle in kaltes Staunen versetzte. Sabbatai ging, lies fast zur Estrade, erfaßte das Buch des Korans und führte es gebeugten Hauptes an s ein e Lip p en. — — (Fortsetzung folgt.) Talmudverbrennüng in Frankreich, Fast in ganz Europa hat man zu verschiedenen Zeiten des Mittelalters Scheiterhaufen für den Talmud angezündet. Das geschah zumeist auf Anordnung des Papstes, und zuweilen war es mit großer Gefahr verbunden, eine Eemoro oder ein Mischnabuch im Hause zu besitzen. Im Iahre 5004 (1244) wurden in Frankreich soviel Talmuderemplare beschlagnahmt, daß man sie auf'24 großen Planwagen verpackt zur Verbrennungsstätte auf den Marktplatz zu Paris bringen mußte. Zugleich mit. den heiligen Büchern sollte auch ein alter Iude verbrannt werden, in dessen Kellerraumen man eine Menge dieser Bücher gefunden hatte, nachdem bereits verkündet worden war, daß alle hebräischen Bücher der Geistlichkeit abzuliefern seien. Der unglückliche Alte war seines Zeichens Scham e s einer entlegenen Schul, ein Mann von großer Gottesfurcht und Pflichttreue. Er pflegte andauernd in den dienstfreien Stunden unter vielen Tränen die Psalmen zu lesem Die Pariser Gemeinde bot alle Mittel auf, den treuen Diener seines Glaubens loszukaufen, aber vergebens. Der Kardinal, ein grimmiger Judenfeind, wallte -neben den heiligen Büchern . auch ein jüdisches Menschenopfer haben, und dagegen war nichts zu machen. Am Tage der Verbrennung hatte man auf dem Marktplatze allerlei Vorrichtungen getroffen: Estraden. Tribünen und Galerien für. Publikum und Ehrengäste um den Scheiterhaufen herum errichtet. In nächster Nähe der Brandstätte saß an der Spitze der versammelten Geistlichkeit der Kardinal.' Der Plan ging dahin, erst das Feuer ordentlich zu schüren und mit den vielen Büchern tüchtig zu nähren und, wenn erst so das Flammenmeer sich ausgebreitet, den alten Diener Hineinzustoßen. Die Henkersknechte machten sich daran, die Bücher in die Glut zu werfen, schürten und hoben sie mit langen Spießen, damit sie besser vom Feuer erfaßt wurden. Holzscheite und Späne wurden dazwischen geworfen, um die Lohe zu erhalten. Inzwischen hielten Wächter den alten Mani fest, auf ein Zeichen wartend, ihr Opfer in die Flammen zu werfen. Man sah keine Angst auf dem Gesichte des alten Dieners, nur seine Lippen bewegten sich Unausgesetzt. Er betete die Psalmen, die er von Anfang bis zu Ende auswendig konnte. Nun ab er Chatte seine letzte Minute geschlagen. Schon kam das Zeichen, und der Alte wurde über den Platz geführt, an der Tribüne des Kardinals vorbei. - Unwillkürlich sah bejr Todgeweihte mit durchbohrendem Blick in das Auge des Kardinals. Da geschah etwas Unfaßbares. Vom Scheiterhaufen kamen, vom Winde gejagt, glühende funken,., geflygem. trafen das Gesicht des Kardinals und dranmen ihm das rechte Auge aus. . . Von wildem Schmerz befallen und in unbeschreiblichem Entsetzen schrie der Kardinal: „Befreit den Alten, er ist ein Heiliger!", worauf jüngere Geistliche sofort den Gefangenen von den Ketten befreiten und ihm durch die Massen führten, mit wätnepden Worten an das Volk, daß dem Manne teilt Haar HekrÜmmt werde. Für Äe historische Mahrheit.dieser^ Erzählung verbürgt sich eine, der größten Äutöritäten dev damaligen Zeit, Rahdi Zidstjä, Sohn des Rabbi Abraham, .ArA Verfasser des „Schtbole Hälekei." In einem Briefe dieses Männes^ .gerichtet „an die Weisen von Jkalieii", wird diese Begebenheit erzählt. Der historische Brief befindet sich im Original im Archiv detz Vatikans zu Rom. Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Wstrakentelt enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesehlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. >5 V v * '«i KOHLEN-GASHERDE stehonäreü.trahspcfrtable | KACHELOFEN j t mi|-patenj;Rauctigasbrenrumg ■, ■ I [ WiSCHERtlMÄSCHiHEN | ''arten> □QOOOOB55HOÖ5SSQP □ □ □ □ 8 o 8 B 8 B BroHce BElH&VäfED KAiSERSTRA □□□□öDaaaaaaQädaD r. Wer. sich richtig ^erholen und Gesundhng^ finden will, geht nach Bad M e r.g th eim. „Äer gber.in Bad Mergentheim streng rituell,- gut und iänßmehm leben will, suche das Hotel Fachend ach (Inhaberin Feau Miltenberg) auf. Näheres Inserat. «von Millicmeri betrübls'en. vanüvortUch für. .dM.MgenW««» 'rÄtjfciflis rAMpler«» 'Sch ach«o »!t tzfc». r 6. -SchaGnöw itz. Ita«*«*

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