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Der Israelit · 1925-04-08 · Heft 15-16 (8.4.1925) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 15-16 (8.4.1925)
Date
1925-04-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. 15/16 Der Israelit 8. April -1925 zu Ehren der Gäste statt. Diele Häuser in Jerusalem tragen Fahnen- und Girlanden-Schmuck und die Straßen 'sind überfüllt von Menschen aus aller Herren Ländern. Am Tage der Eröffnung traf in Palästina das sogenannte zionistische Schiff der Amerika-Paläftina-Linie „Präsident Arthur", das noch 500 jüdische Gäste aus Amerika als Teilnehmer der Eröffnungsfeier brachte, ein. Im Anschluß an die Erössnungsseierlichkeiten wurde im Gebäude der Universität eine Vronce-Büste Lord B a l f o u r s enthüllt. Die Büste, eine Arbeit Glicensteins, wurde im vorigen Jahre in der Königlichen Akademie in London ausgestellt. Ein amerikanischer Herr, Mister S. C. Lamport, Präsident der American Palestina Company, ließ es sich 3000 Dollar zu Gunsten der Universität kosten für die Ehre, den Akt der Enthüllung vornehmen zu dürfen. Bei einem Presse-Empfang am Vorabend der Eröffnung äußerte sich Lord Balfour eingehend über verschiedene Palästinafragen. Eine unbeschränkte Einwanderung in das Land hielte er im gegebenen Momente fük Wahnsinn und er glaubt sich in dieser Ansicht einig mit der Zionistischen Organisation. Die Palästinaregierung verfügte die Amtsenthebung eines höheren arabischen Regierungsbeamten wegen Beteiligung ander Streikpropaganda . > Die Ruthenberg-Gefellschaft und das Elektrizitätswerk von Jerusalem. - Jerusalem, 1. April. Der Haager Internationale Gerichtshof hat in dem griechl,ch-englischen Streitfall betreffend, die von der türkischen Regierung im Jahre 1914 dem Griechen Mavromatis verliehenen Konzessionen für Versorgung der Stadt Jerusalem mit Elektrizität entschieden, daß die M a v r o - matis verliehenen Konzessionen zu Recht bestehen. Herr Ing. Pincas Ruthenberg, dem die britische Regierung ähnliche Konzessionen für ganz Palästina gewährt hat, äußerte sich über die Entscheidung des Haager Tribunals gegenüber einem Mitarbeiter der Jüdischen Telegraphen-Agentur in dem Sinne, daß die Entscheidung des Haager Tribunals ihn nur befriedigen könne. Jerusalem ist eine Stadt mit einer kleinen und armen Bevölkerung, die überdies über ein sehr großes Gebiet zerstreut lebt. Der Bedarf an Licht und Kraft ist hier kein sehr großer. Vom geschäftlichen l^andpunkt. betrachtet, bietet also Jerusalem, keinerlei. Gennnnchclncen. Die Gesellschaft war dennoch bereit, die Jerusalemer'Anlagen zu bauen, es waren aber dafür andere als geschaftliiye Gründe maßgebend. - Sie war sogar bereit, .Herrn Mavromatis' eine entsprechende Summe für'die Abtretung feiner Konzessionen zu zahlen, keineswegs aber konnte'sie die von ihm geforderte.Kompensation von 125 000 Pfund leisten; denn schließlich hätte dieser Betrag der..armen Jerusalemer Bevölkerung ausgehalst werden müssen. Personalien. Rabbiner Dr. A. Hehn zu seinem 40jährigen Ämtsjubiläum. (Siehe „Aus? Welt und Leben" S. 18.) Nach vierzigjähriger Wirksamkeit als Rabbiner von Basel hat sich Herr Dr. A. C o h n gesun.dheitshatoer von seinem Amte zurückgezogen.' In unserem Kreise bedarf es nicht der vielen Worte, um zu sagest, was Rabbiner Dr. A. Cohn seiner Gemeinde, der schweizerischest Judenheit und dem Judentum überhaupt gewesen ist und gegeben hat. Großes hat Rabbiner Dr. A. Cohn, in Basel vollbracht, aus steinigem Boden nachgerade hervorgezaubert, abe^ochgrößersindseineVerdienstehinsicht- Frankfurter Kurzunv Wollwaren-Engrorhau» sucbt per sofort lich beffenj was er in vier Jahrzehnten' mit Takt und Klugheit und lieber Vorsorge verhütet hat. Wenn Basel heute trotz allem und allem im Ganzen eine orthodoxe Gemeinde ist mit' vortrefflichen, vollkommeneinwandfreien religiösen Institutionen; wenn Basel heute neben der schönen Synagoge auch noch em^B-esham e r a s ch besitzt, in dem unter seiner und eines eigenen Dozenten Leitung täglich gelernt? wird, in dem am Sabbatnachmittag, wie sich Schreiber dieses im Vorjahre' selbst überzeugen konnte, fünfzig bis sechzig Menschen einem Gemorohschiur lauschen; wenn allsabbatlich nach dem Gottesdienste in der Synagoge sich der geräumige Hörsaal bis auf den letzten Platz füllt, auch von Leuten, die sonst den Weg zum Beshamedrasch nicht finden, sich aber hier aus berufenem Munde über den Wochenabschnitt und die Pflichten des Tages belehren lassen; wenn es ferner in Basel so gekommen ist, daß auch dem Religionsgesetze leider fernstehende Kreise nicht allein für philantroprfche Zwecke spenden, sondern auch für die Erhaltung der streng religiösen Institutionen und nicht zuletzt des Beshamedrasch große Opfer bringen, so ist das alles das persönliche Verdienst des Herrn Rabbiner Dr. A. Cohn und der Erfolg einer nach dieser Richtung bewußt angelegten rastlosen Arbeit von vier Jahrzehnten. Damit dürfte alles gesagt sein. Es erübrigt nur noch den Wunsch auszusprechen, daß die langen Ruhejahre, die dem verdienten Herrn Rabbiner noch vergönnt sein mögen, verschönt seien durch ungetrübtes Glück an der Seite seiner treuen Mitarbeiterin, der ebenbürtigen Gemahlin und im Kreise seiner Familie, und daß ihm die Ruhejahre die nötige Muße geben, noch weiter, ohne Bindung cm des Amtes gleichgestellt^Mhr, für das Judentum, die jüdische Lehre und die jüdisch^ Wissenschaft in ungebrochener Kraft tätig zu fein: Twa! Wie groß die Achtung ist, die sich Herr Rabbiner Dr. A. Cohn auch im nilhtjüdischen Kreise erworben hat, davon hier ein paar kleine Proben aus den großen politischen Tageszeitungen der Schweiz. Die „Reue Züricher Zeitung" schreibt u. a.: „Rach 40jähriger Amtstätigkeit ist der Rabbiner der israelitischen Gemeinde Basel, Dr. A. Cohn, in den Ruhestand getreten. Er hatte im Alter von 21- Jahren bei Mommsen in Berlin doktoriert und war zwei Jahre später als erster eigener Rabbiner nach Basel berufen worden. Der Zurüctgetretene war ein eifriger Förderer des. jüdischen Geisteslebens und Vorkämpfer für die Einigung des gesetzestreuen Judentums in der ganzen Schweiz. In Bafelchatte er sich namentlich um die Errichtung und Entwicklung des israelitischen Spitals sowie ß des israelitischen Waisenhauses verdient gemacht." Aus einer sehr eingehenden Würdigung in den „Basler Nachrichten" feien folgende Sätze wiedergegeben: „Dr. Cohn ist der erste Rabbiner der zu Beginn des .vergangenen Jahrhundert gegründeten jüdischen Gemende Basei, Vorher wurde das Rabbinat der Stadt von „Reb Mosche Nordmann", Rabbiner der alten, ehemals großen jüdischen Gemeinde Hegenheim verwaltet. Als Herr Rabbiner Dr. Cohn nach Bafel kam, im Jahre 1885, da war die Gemeinde npch klein. Damals mochte sie etwa 150 'Mitglieder zählen. Und heute, wo Rabbiner Dt. Cohn, der^ ein. Stück Geschichte, das bedeutendste in der Entwicklung „seiner" Gemeinde, repräsentiert, geht, zählt die Gemeinde rund 500 Mitglieder. Als Dreiundzwanzigjähriger wurde Dr. Cohn seinerzeit als Seelsorger von Berliy nach Bafel berufen, nachdem er zwei Jahre vorher, erst einundzwanzigjährig, bei Theodor Mommsen, dem Altmeister römischer Geschichtswissenschaft, mit einer lateinisch abgefaßten' historischen Dissertation aus dem Gebiete der römischen Historiographie (Quellenkunde) magna cum laude prdmoviert hatte. Und die Gemeinde hätte das Vertrauen, das sie in den jungen Rabbiner gesetzt hat, niemals zu bereuen gehabt. Herr Rabbiner Dr. Cohn hat fein, ganzes reiches Können und feine große Arbeitskraft ausschließlich in ihren Dienst gestellt. Die Gemeinde verdankt seiner Jnittattve außerordentlich viel. Die Entwicklung der philantropischen Institutionen, wie Israelitisches ' Spital, Israelitisches Waisenhaus und andere philantropifche Fonds, hat sich größtenteils unter seiner Führung vollzogen. Auch ist er der Begründer eines jüdischen Lehrhaufes auf dem Platze Bafel geworden, des sogenannten „Beth Hamidrasch". Unter' seiner Amtstätigkeit würden , auch die hauptsächlichsten Geineindebauten der jüdischen Gemeinde vorgenommen, so der Neubau der erweiterten Synagoge, der Ausbau des neuen Gemeindehauses und die Errichtung eines jüdischen Friedhofes. Wenn dem allseitig verehrten Seelsorger auch manche Kämpfe im Rahmen seiner Gemeinde nicht erspart geblieben sind, so hat er es doch verstanden, kraft seiner Persönlichkeit diese aus dem Wege zu schaffen und die Gegensätze politischer und religiöser Natur in der Gemeinde zu überbrücken und eine einheitliche Gemeinde auf traditionell jüdischer Basis zu erhalten. Herr Dr. Cohn ist der älteste amtierende Rabbiner der Schweiz, er hat als solcher einen starken Einfluß auf das gesamte Judentum ausgeübt und nicht wenig zur Hebung des jüdischen Geisteslebens beigetragen, so als Begründer und Präsident des Zentratvereins des „Schweizerischen Gesetzestreuen Judentums" wie auch des „Schweizerischen Palästinas-Komitees" (Erez Jisroel-Komitee). Der zurücktretende Rabbiner ist auch den nichtjüdischen Kreisen Basels kein Unbekannter gewesen. Herr Dr. Cohn war ein sehr populärer, rhetorisch hervorragender Redner, der es jemeiley verstanden hat (wir erinnern da nur an feine alljährlichen Vernoullianumsvorträge), seine Zuhörer auch durch den geistvollen Inhalt seines Vortrages zu fesseln." Das Blatt schließt: - „Möge dem nun in den Ruhestand tretenden allverehrten Leherer und Seelsorger der Basler jüdischen Gemeinde nach einem, taten- und erfolgreichen Leben, im Kreise seiner Gattin, seiner Kinder und Enkel noch ein schöner Lebensabend beschieden sein." 70. Geburtstag des Oberrabbiners Dr. Ritter. In einem südlichen Kurort, wo er sich vor Ovationen sicher glaubt, begeht in aller Stille der Rotterdamer Raw, Dr. L. Ritter, den Eintritt ins biblische Alter. Eine ganz aus sich erwachsene Persönlichkeit, einer der-Großen unserer an Charakteuren und Führernaturen armen Zeit, ein bei ollen seinenMitmenschen hüchgeachteter, stillet" Thoragelehrter überragender Geistesgröße, und doch ein Mann der Tat ist es, der dort jetzt, entsprechend seinem unvergleichlichen Herzensdemut, allen Ehrenbezeugungen seiner zahlreichen Verehrer und Freunde entgehen möchte. So sei dieser seiner Absicht gefolgt gefolgt, indem wir ■ü33 xbv inan? iVa statt allen Lobes nur noch den Wunsch aussprechen, daß ihm Freude an seinem frischen, kraftvollen Wirken auch weiterhin zum Segen unseres ganzen Daur beschert sein möge. Hanau, 2. April. Einer unserer Vesten ist nicht mehrt Meier S ch u st e r, der rastlose tätige Mann, der überzeugte Jehudi, hat am »njri 's ’^o nach kurzer Krankheit sein Leben vollendet. Aus eigener Kraft hat er sich, immer an seinem geistigen Aufstieg arbeitend, einen hohen Bildungsgrad, sowie eine verständnisvolle Lebensan- 'Hauung angeeignet, anderen gerne mit Rat und Tat zur eite stehend. Als höchstes Lebensideal aber blieb ihm: i>avn Im gereiften Männesalter gab er eine Lebensstellung aus, als ihm die Heiligung des mv. erschwert wurde und gründete sich eine neue Existenz.. Meier Schuster wird nicht nur seiner Gattin, die einer altjüdischen Gelehrtenfamilie entstammt und seinen Ki-n dern, Re er mit Erfolg ijjt seinem Sinne erzog, er wird auch allen, dte:> ihm nahe , standen, unvergeßlich bleiben. . ii-axin* ■. «erwischtes. - Riga, 20. März. Einem unerhörten Akt der.Schändung ist das Beth-Midrasch in der Reoaler Gasse zum. Opfer gefallen. Als der alte Synagogendiener morgens das Bethaus betrat, bot sich ihm ein schauderhafter Anblick dar: Die Thoralade war aufgerissen, die Thorarollen lagen zerfetzt auf dem Boden herum, .die gesamte imtefe Einrichtung war vollkämmen demoliert, ‘ die SMdenbüchsen . aufgebrochen, sämtliche Fensterscheiben eiügeschlagen. Außerdem war der Fußboden auf eine ekelerregende Weise beschmutzt worden. Der. Bethausdiener verständigte die Polizei, die sofort eine energische Untersuchung begann. Man fand im Betsaale einen Hammer, Äer einem benachbarten Schlosser gehört. Dieser aber erklärte, er habe nichts mit der Sache , zu tun, der Hammer sei ihm entwendet worden. Der Sejm-Deputierte, Rabbiner Lubin, hat den Innenminister von dem Vorfall unterrichtet, es wurde die energischste Untersuchung versprochen. —Wie erinnerlich, wurde vor einigen an einem Freitagabend ein Handgranatenattentat gegen ein Bethaus in Riga unternommen. Die Granate explodierte und demolierte das.Innere d,es Bethauses. Zum Glück waren Menschenleben nicht zu beklagen, da 7die Explosion bald nach Schluß der Abendandacht, als die Andächtigen die Synagoge bereits verlassen hatten, erfolgt war. '__' - _ für vorwiegend Landkundschaft. Off. unter 165:21 an die Expedition. Es wird gesucht für die Jüdische Irrenanstalt „Het Apeldoornsche Bosch" in Apeldoorn iHolland) eine Vorsteherin der Anstaltsküche. Gehalt 1600 fl. .mit freier Station. Angebote mit ausführlichen Ausschlüffen u. Referenzen an oen Arzt — Direktor. Zuoerl., gut empfobldne Wochenpflegerin in streng-rituell. Haushalt nach Leipzig gesucht für Ende Mai. Off. mit Ref. unter 16793 an die Exp. DnteUigeures welches Schularbeiten beaussichtigen und Klavierkenntniffe,u. Kindergarderobe imstaiH-, halten kann, gesucht. Off. unter 16810 an die Exp. Suche für meinen kleinen Haushalt ein jünger-,streng religiöses Mädchen aus guter Familie. Fam.» Anschluß wird aerne gew. Frau Julius Löbenstein, Hannover. Goe»heftr.23. 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