Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1925)
- Date
- 1925-04-02
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2446951-2450337-2450351--72078-2529414- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
«Seite 14 Nr. 14 Der Israelit 2. April 1828 „Sehr viel.. W i r hätten dann reine Hände, denn Sabbatai hätte sich damit sein Schicksal selbst gesprochen. . . ." „Wie das? Sprich Mufti Wanni," forderte der Sultan selbst aufs höchste gespannt, den klugen Mufti zum Sprechen auf. Dem Mufti schien die Stimmung genügend vorbereitet, um mit der überraschenden Begründung seines Vorschlages herauszurücken. „Was unsere Hände lähmt, den jüdischen Bolksauswiegler glattweg der verdienten strengen Strafe zuzusühren, das ist die Stimmung im Volke, die wir ahnen, aber in ihrem Umfange nicht genug kennen. Sicher ist, daß dabei nicht die Juden in Betracht kommen, die von Natur aus nicht rebellisch sind und gering an Zahl und Kraft sind, sondern mohammedanische Teile im großen ottomanischen Reiche. Können wir aber diesen verbürgt berichten, Sabbatai habe Allah und seinen Propheten gelästert, den heiligen Koran beschimpft, dann regt sich in der islamitischen Welt, dafür stehe ich ein, kein Herz und rührt sich kein Finger für ihn. Mögen dann die Judenhäuflein ihren Groll mit, verbissenen Zähnen herunterwürgen und die Fäuste in der Tasche ballen, wenn ihr Führer am Holzpflock röstet, uns stört das nichts Mit den paar Renitenten werden wir schon fertig. ..." „Und wenn er annimmt?" fragte einer der Räte. Man lachte über diese naive Frage. „Ist nicht denkbar," sagte der Mufti, „stände aber dieses zu erwarten, dann wäre der Gewinn noch größer. . . „Dann käme zu den vielen Halben, Schlechten und Falschen in unserem Glauben einer mehr," sagte Köprili spitz und anzüglich. „Aber," mußte er zugeben, „mit dem „Messias" und Judenerlöser wäre es auf alle Fälle für immer aus, darum, meine ich, könnte man es wagen." „Auch ich finde den Vorschlag des Mufti Wanni gut ausgedacht, bemerkte der Sultan. Da durfte keiner mehr etwas dagegen einwenden. (Fortsetzung folgt.) Mescholim?) Gon S. ZSrückheimer in Warktöreit. (Fortsetzung). 6. Der Menkes Dovid liebt die gebundene Rede. Wenn er eine Geschichte erzählt, schließt er sie zumeist mit einem Reim ab. Seine Waren preist er den Bauern in Versen an. Und die Speisenfolge für das Freitagabendessen faßt er in ein Gedicht. Vielleicht wäre Dovid ein großer Poet geworden, wenn ihm sein Vater nicht den blauen Pack des Hausierers vererbt hätte. — Eine kleine Probe seiner Kunst: In Hundheim ruft ihm eine Bäuerin aus dem Fenster zu: „Dovid, kaufst Gäus'?" Dovid bleibt mitten auf der Dorfstraße sichen, legt den Finger an die Stirne und überlegt. Dann spreizt er die Beine, und den rechten Arm gleich einem Bühnenhelden in die Höhe streckend, beginnt er zu deklamieren: „Fränz, ( — Franziska) Behalt dei Gans'! S' ganze Jahr . Kaufst auch lei War'." 7. Auch die hohe Politik wird am Schabbos- Nachmittag auf dem Rathausbänkchen behandelt. Die Aussprache leitet Meier Löb. Er ist wohl nur Metzger: aber gut bewandert in Gographie und besitzt bedeutende Geschichtstenntnisse. Und wenn es von der Kapellenuhr vier schlägt, hält er seinen klar durchdachten Schiur in der Ehewrah Kadischah. .Gerade erklärt Meier Löb seinen aufmerksamen Zuhörern Anlaß und Ausgang der Marokko-Affäre. *) Siehe „Israelit" Nr. 12 vom 19. März 1925. „Wo liegt eigentlich das Marokko?" fragt zwischen hinein ein Wißbegieriger. Meier Löb klärt auf. Und weil er sich gerne mit den Jüngeren uzt, fragt er den Hanlebs Moscheh: „No, Moscheh, wo wird nun wohl Fez liegen?" Einen Augenblick wartet Moscheh. Dann zahlt er heim. „Fez", sagt er in Anspielung auf Meier Löbs Beruf. „Fez (— Fettes) liegt mt in dei'm Laden!" 8. Frum Herfchle besucht einmal den Schafmarkt in Ansbach. In der jüdischen Wirtschaft dort ißt er zu Mittag und sieht, wie ihm i>ic Wirtin den gefüllten Flanken blätterdünn aufschneidet. Da ruft Frum Herschle über die Tische: „Was ist das, Chajeh? Jetzt spiel' ich kei Karte. Heut' Nacht spiel' ich erst Karte!" Auf dem Häulemarkt in Leipzig wird Frum Hersch von einem Bekannten angehalten: „Frum, du kennst doch den Aron Leb aus Gissigheim. Das is doch dei Medineh. Js der betuach?" * * 2) Frum Hersch kennt den Aron Leb sehr gut. Er weiß genau seine Adresse. Denn am Anfang eines jeden Vierteljahres schreibt er dem Aron einen Mahnbrief, damit er. doch endlich die zwanzig Gulden schicke, die er schon über ein Jahr schuldet. Aber deshalb will ihm Frum keinen schlechten Namen anhängen. Deswegen soll denl Aron Leb kein Geschäft entgehen. Er hat elf Kinder und braucht jeden Pfennig. „Nebbich", denkt Frum Hersch. Er d e n k t s nur. „Was werd' ich zur Antwort gebe?" überlegt er weiter. „Ich will doch auch kein' Scheker?) mache!" Da kommt ihm ein guter Einfall, und er stellt sich, als ob er schwer höre. „Was hast gemeint?", gegenfragt er seinen Bekannten. „Ob der Aron Leb aus Gissigheim betuach 3 4) ist?" . „Ich hör' wirklich nicht gut: du mußt lauter rede!" Und als der andere zum drittenmale die Auskunft verlangt, sagt Frum Hersch mit seltsamer Betonung der Worte: „Wie ich hör', so is er auch gut!" „Vielleicht versteht er's," denkt Frum Hersch, dreht sich herum, geht über den Makt und pfeift den Külsheimer „Am hu haschoel."H 10. Den Lehrer Faller, der mit acht Töchtern gesegnet ist, besucht nach langer Zeit sein alter Schulfreund. Der bestürmt ihn mit einer Reihe der üblichen Fragen: „Wie geht es dir? Was macht deine Frau? Wieviele Kinder hast du denn? Sind alle gesund?" Faller zieht eine süßsaure Miene und antwortet mit dem 46. Vers des 27. Kapitels in Bereschith: „Kazli bechajai mipnei benos ches."^) 11. Wenn am Sonntag Nachmittag das Wetter recht schlecht ist, besucht Nosen seinen Freund Schmaje Löb. In zwei großen Lehnstühlen sitzen sie einander gegenüber, qualmen aus ihren auf dem Stubenboden aufstehenden Pfeifen und erzählen sich Erlebnisse. Obwohl die beiden sich seit ihren Kindertagen kennen, im Mai jedes Jahres, nach der Schur, gemeinsam die Schafwolle aufkaufen und im Herbst den Kleesamen und Hafer, glauben ') vertrauenswürdig, vermögend. 2) Lüge. H vertrauenswürdig, vermögend. 4) Ein Gebetstück aus dem Mustaf vom Jom Kippur. -'>) ches hier als Zahl verwendet. sie' nicht so recht an die Tatsächlichkeit ihrer Erzählungen. Unter ihren schon ergrauten Brauen hervor lauern ihre prüfenden Blicke. Einer möchte den andern bei einer Uebertreibung. bei einer Unwahrscheinlichkeit ertappen. „No, was weißt Neues?",, damit beginnt Schmaje Löb jedesmal das Redeturnier. „Vor zehn Jahren war ich da drunten im" ... — Nosen hustet ein wenig nervös — „im Elsaß. Da Hab' ich auf einem Feld Krautsköpf' gesehen, so groß. Ich Hab' mir einen von einem Bauern vorwiegen lassen. Was meinst, daß er gewogen hat?" Schmaje gibt keine Antwort. Nur seine Augen schließt er halb und lacht spöttisch. „Du lachst? 25 Mund hat er gewogen! Du kannst lachen oder weinen. Ich sag' dir: 25 Pfund!" Schmaje wiegt jetzt seinen Leib hin und her. ,-Jch lach' gar ml. Is das was zum Lachen? Das is gar nir! Ich war jüngst erst in einer Medineh, in . . ., na, also kurz gesagt, in einer Medineh. Da sind Bienen herumgeflogen, die waren so groß wie Hühner. Und die Bienekörb' waren doch nit größer wie bei uns." Jetzt hat der Nosen seinen Freund erwischt. Er springt aus und stellt sich, keinen halben Schritt entfernt, vor Schmaje auf und zischt ihm ins Gesicht: „No, wie sind denn die große Biene dann in die kleine Fluglöcher nei komme?" Nosen hüpft wie ein Geisbock in der kleinen Stube herum. Und sein Lachen ist wirklich schon mehr ein Meckern. Doch der Schmaje Löb packt seinen Freund vorn am Rockkragen, schiebt ihn vor sich her, drückt ihn dann auf den Polsterstuhl und sagt seelenruhig: „Nosen, da laß' sie davor sorge!" — Es ist ausschließlich Seche der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesehlichen Charakters auf ihre _Zuverlässigkeit zu prüfen._ KOHLEN-GASHERDE stationäre u. transportable i KACHELÖFEN i | mitpatentRauchgasbrennung 1 I WÄSCHEREIMASCHINEN I f/orstkötfor,Knodt£° □□□□□□□□□□□□ Vornehme Beleuchtungskörper BEIN&WEDEMEIER KAISERSTRASSE 40 , Wer sich richtig erholen und Gesundung finden will, geht nach Bad Mergentheim. Wer aber in Bad Mergentheim streng rituell, gut und angenehm leben will, suche das Hotel Fechenbach (Inhaberin Frau Miltenberg) auf. Näheres Inserat. Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feutlleto» S. 8chachnowttz;Inseralet.B.:E. Ech aHnowitz, sSmtlt» in Frankfurt a. M.; Pädagogische Beilage: Lehrer I. Spiro in Mlda. — Verlag „Israelit*, ®. m. b. Frankfurt a. M. Druck: tzernwn Verlags-Aktiengesellschaft, Frankfurt a. 9t.