Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1925-03-26 · Heft 13 (26.3.1925) · page 22

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 13 (26.3.1925)
Date
1925-03-26
Page
– (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450337-2450350--72061-2529396
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Sette 2 Nr. 7 26. März 18W Der Jsraetrt Dl ätter Drgantsation ihrer organiia torischen Agudapflicht gerecht zu werden, was aber ganz und gar nicht zutrifft. In der Ortsgruppe leidet die Arbeit not. Denn die jugendlichen Ortsgruppenmitglieder setzen ihren Ehrgeiz darein, ihrer Jugendgruppe zu Leistungen zu verhelfen. In der Ortsgruppe kritisieren sie nur, fühlen sich als darüber stehend, machen sich lustig über den Greis, der sich nicht zu helfen weiß. Gäbe es keine Sondergruppierung, sondern wäre die Jugend auf die Ortsgruppe schlechterdings angewiesen, gäbe es . also am Platze nur das eine einheitliche Betätigungsfeld, dann brächte die Jugend rechte Arbeitskraft und Arbeitsfreude hinein, und Jung und Alt wetteiferte in Schaffensdrang. Die unna ürliche Zweiteilung aber hemmt beide Teile ganz unnötig. Fort darum mit der Sonderung! Damit würde allerdings die Jugendorganisation und ihr Organisationsvorstand, ihre Bundes- und Dclegicrtentagungen überflüssig. Das wäre nun ein rechtes Glück für die deutsche Aguda. Zunächst würden einige wirk ich tüchtige, tatkräftige, wackere Vorstandsmitglieder, die jetzt ihre beste Freizeit zur Linderung von Geldnot der Jugendorganisation verbrauchen, der Eesamtaguda in Deutschland wertvolle Kraft leisten können. Sodann wäre der Jugendorganisation die lästige, in einigen größten Jugendgruppen vergebliche Mühe abgenommen, mit allen guten und strengen Mitteln die Beiträge anzufordern. Ferner wäre der Jugendorganisation aus der Verlegenheit geholfen, in die sie ihr gewiß löblicher, doch zu großer Etfer brachte, daß sie Religionsunterricht auf chem Lande erteilen läßt, dazu Lehrer und sogenannte Vezirkssekretäre besolden muß und die Mittel dazu nicht etwa aus dem eigenen Preise der Azudajugmd, sondern in der großen Hauptsache sich von Ortsgruppenmitgliedern und dem Zieren Hatorah in saurer Mwe zusammenschleppt. Auch der unabwendbare Konflikt, der sich mit dem Keren Hatorah in absehbarer Zeit Herausstellen muß, wäre beseitig^ ebenso wie der ZiiständigkeitsstM, der mit der Freien Vereinigung droht. Wie ganz anders die Bundes- und Delegiertenversammlungen an straft und Leben verlaufen müssen, wenn die ganze Aguda Deutschlands dabei ist, das auszudenken bereitet schon eine wahre Lust. Auch die Jugendorganisation als solche hat heutzutage keinerlei Sonderziele und somit keinerlei Daseinsberechtigung mehr. Man kann doch wahrlich ihre S ellenvermittlungstatigkeit und ihr verdienstvolles Streben, Konservendepots an restaurantlosen Orts zu errichten, nicht als berech igten Lebenszweck ansprechen. Denn beides kann mindestens ebenso gut von der Landesorgan'sation erledigt werden, oder vielmehr von derselben Stelle wie bisher, doch namens und aus Mitteln der Landesorganisation. Da nun Halberstadt in längstens drei Monaten aufbört, Vorort der Landesorganisation zu sein und ein Delegiertentag zur Wahl des neuen Vororts und Vorstands bald nach Pessach stattzufinden hat, so erscheint es an der Zeit, das Thema erneut anzuschneiden (es stand schon am Delegiertcn'ag vom 10./11. Februar 1924 zur Diskussion, wurde aber aus Zeitmangel von der Tagesordnung abgefttz ). Das erstreben'werte Ziel wäre, einen Vorort ausfindig zu mache^ an dem zielklare, arbeitsame O. V.-MitgKder der jetzigen Jugendorgan'satton zusammen mit einigen gleichwertigen Vorstandsmitgliedern der Landesorganisation die Lei ung der gesamten Ländesorganisation übernehmen, einer Landesorganisation, in der sich die Mitglieder nicht mehr nach Orts- und Jugendgruppen trennen, sondern als Eknheitsgruppe an jedem Orte vereinigt sind. Eine solche Neuordnung, da-über hege ich wenig Zweifel, würde viele Schäden beseitigen und allen Betei.igten Vorteile bringen. Lnldcsdircktorium des „Keren Hatorah" in Deutschland. Das Landesdirektorium des Keren Hathora in Deutschland, Hamburg teilt in gegebener Veranlassung mit, daß die Mitgliedschaft zum Keren Hathora den Einzelnen seiner Pflicht, für die großen jüdischen Lehranstalten im Osten sowohl als auch für die deutschen Lehranstalten (Schulen, Präparandien, Lehrer- und Rabbiner-Seminarien) zu sorgen, nicht enthebt. Der Keren Hathora hofft zwar, im Lause der Jahre eine Organisation zu schaffen, die die einzelnen Zuwendekamtmaekung äer Lalüftma-Zenwate. Visa ffi? flute Kegel auf Eeßaek. Um Juden mit beschränkten Mitteln anläßlich des . p fachfestes einen Besuch von Erez JiSroel zu ermöglichen, hat die paßzeMrale der palästinensischen Regierung die britischen Konsulate und Paßstellen in ganz Europa instruiert, auch solche Visa unter der Kategorie „Touristen" für Personen zu akzeptieren, die sonst nicht zu ' dieser Kategorie gehören. Diese Gesuche, müssen befürwortet sein entweder von den lokalen Vertretern der zionistischen Organisation oder von den Palästinazentralen der Agudas Jisroel. Die Bedingungen, an welche die Gewährung dieser Visa geknüpft ist, sind folgende: 1. Die Zeit der Gewährung dieser Visa ist im lausenden Jahre für die Zeit vom 20. März - einschließlich 20. April festgesetzt. 2. 'Die Gruppen sollen ausschließlich aus Touristen bestehen, die nicht die Absicht baden, sich in Palästina anzustedeln. Begleitung von Kmdern soll diesen Touristen nicht erlaubt sein. Eine namentliche Lifte der für die Erteil mg der Blla Empfohlenen muß durch die zionistische oder agudisttsche Organisation so zeitig übermittelt werden, daß sie eine Woche vor Ankunft der Touristen in Jerusalem eintrifft. 3. Jeder Tourist muß mit einem gültigen Ausweis versehen sein, der ihm die Möglichkeit gibt, in das Land zurückzukehren. wo das britische Visum für Palästina gewährt wurde. Voklenkauf. Der neu gekaufte Boden der Aaudas Jisroel irr Emek Jesreel wird zu 22 Dollar pro Dunam abgegeben, hiervon find bei Auftragser eiluna 5 Dollar pro Dunam anzuzahlen, der Rest in rnonatlichen Raten , von je einem Dollar pro Dunam. Die Käufer haben sich zu verpflichten, daß auf dem Boden nichts geschieht, was dem Thoragefetz widerspricht. Das Vorkaufsrecht bei IViederveräußerung des Bodens steht der pakästinazentrale zum Einkaufspreise zu, sofern nicht vom Käufer Verbesserungen an dem Boden vorgenommen wurden, die von der palästinazentrale vergütet werden. düngen an die ausländischen Anstalten — die Pflicht, für die Anstalten des eigenen Landes zu sorgen, wird weiterhin auf jedem Einzelnen ruhen bleiben — überflüssig macht. Vorläufig befindet er sich aber noch in den Stadien des Aufbaues, in hen Anfängen der Organisierung, so daß sich, so bedauerlich dies in Einzelfällen auch sein mag, eine Doppelbesteuerung des Einzelnen nicht vermeiden läßt. Dies wird aber um so leichter getragen, als sowohl die Mitgliedschaft zum Keren Hathora als auch die Unterstützung einzelner Institute eine durchaus freiwillige ist, und Jeder, nur das sowohl für Keren Hathora als auch für einzelne Institute zahlen wird, was ihm feine Verhältnisse und vor allem sein Pstichtbewußtsein gegenüber: der jüdischen Gesamcheit diktieren. Zur Geschichte der Balfoilr-Deklaratkon. Von Rabbi Dr. Leo Jung in New Zork. Rabbiner Dr. Leo Jung ln New-Iorl oeröffentlichk in der vornehmen Ncw-Zorker Monatsrevue »Tue Jewish Nrum" einen umfangreichen, gediegenen Aufsatz unter dem Titel: »Agudah, Zionismus und ein modus vivendi". Raummangel verbietet uns die äußerst verdienstvolle? aufklärende Arbeit im vollem Umfangs an dieser Stelle wiederzugeben. Wir möchten jedoch einstweilen denjenigen Abschnitt zur Kenntnis unserer Leser bringen, dev bisher unbekannte' Mitteilungen zur Borgeschichte. der Balsour - Deklaration und der - zionistischen Kriegskampagne gegen ' . Von Herrn Nahum Sokolow wird berichtet», daß er in der letz en Konferenz des „Zionistischen Ak ions-Komitees" festgestellt hat, daß die Agitation der Aguda gefährlich ist und die Einheit Jisroels sprengt. Die Aguda sollte entweder zum Frieden veranlaßt oder öffentlich bekämpft: werden. (Die zionistische Presse in allen Teilen. der Weft, besonders in den Vereinigten Staaten hat nach dem Motto gehandelt: „Bestehen. Zweifel, so greife man die Aguda an." Und die Auszüge aus ihrem Flori.egium, welche ich unten r zitiere, weisen eine bemerkenswerte Liebe zur Denunziation und einen starken Mängel an . Selbstkontrolle auf.) Indessen vergaß Herr Sokolow im Drange anderer Arbeiten, seinem Publikum mitzuteilen, daß die Aguda während der letzten acht Jahre systema ische Versuche unternommen hat, um einen Ausgleich herbeizuführen. und daß sie beharrlich von der Zionistischen Organisation abgewiesen : worden ist. Er unterließ es, seine Anhänger * darüber zu unterrichten, daß keine geringere Persönlichkeit als Lord Curzon, wahrend er S aatssekretär des Arußeren war, auf agudisttsche ,. Vorstellungen hin einen Brief an die zionistische i Organisation sch ieb, in dem er dringend änriek, der Aguda gegenüber eine weniger feindselige - Stellung einzunehmen, daß aber auch dieser Brief t sich als nutzlos erwies. Er vergaß auch zu erwähnen, daß gerade bevor die Balfourdeklaration abgegeben worden war, er selbst, zusammen mit Dr. Weizmann versprochen hatte, einen solchen Ausgleich zu erwägen, und daß er dann daran 'vergaß, sein Versprechen zu halten. Wenige Monate bevor die Balfour- Deklaralion Wirklichkeit wurde, war es notwendig, eine offizielle Darstellung von orthodoxer Seite hinsichtlich Palästinas zu erlangen. Die bri.ische Negierung ist besser über die Tatsachen informiert als der Durchschnittszionist. Sr. Majestät Regierung wußte, daß die überwältigende Mehrzahl der orthodoxen Juden keine — oder Antizionisten sind; man wünschte eine offizielle Bestätigung der Orthodoxie über orthodoxe Wünsche betreffs Rückkehr nach Erez Jisroel zu erhalten.. Die britische Regierung wußte, daß der Misrachi nur eine sehr kleine Gruppe innerhalb der Weltorthodoxie bi dete, und so standen die Zionisten der Notwendigkeit gegenüber, eine offizielle Bescheinigung der orthodoxen Sympathien mit den palästinensischen Bestrebungen zu erlangen. Mein seliger Vater» Dr. Meir Jung W war zu jener Zeit Oberrabbiner der Orthodoxen Synagogen-Föderaiion, deren weltliches Haupt Lord Swaythling war. Er hatte auch in den Provinzen eine bedeutende Anhängerschaft und daher wurde ihm von Herrn Sokolow im Namen der Zionistischen Organisation nahe gelegt, an die von ihm beeinflußen Gemeinden und Rabbiner ein Rundschreiben zu senden» in dem er sie bat» eine Feststellung zu unterzeichnen, daß sie die Schaffung eines jüdischen Heimes in Palästina begünstigten. Erste Friedensbemüh ung der Agüd <L Mein 25a'er war während seines ganzen Lebens überzeugter und ausgesprochener Gegner der Zionistischen Organisation,, ab^r er. hegte eine echte Liebe zu Palästina, für'das er in aufopfernder Meise tätig war. Als<Herr Sdkolom die Ängelegenh'ett 'yprhrgch^ erörtere

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.