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Der Israelit · 1925-03-26 · Heft 13 (26.3.1925) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 13 (26.3.1925)
Date
1925-03-26
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
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Serie 14 Nr. 13 Der ^srneltt 16 März 1926 brachte nur stotternd die Worte heraus und suchte die Schuld von sich zu wälzen. Er habe nichts Anstößiges bemerkt und in den Ansammlungen der Juden auf der Insel nichts anderes als fromme Uebungen gesehen, die sich um einen frommen, verehrten Rabbi konzentrierten. Wenn es wahr sei, daß die Leute hier so etwas wie einen Staat errichtet und ein kleines Königtum verkündet, wenn es wahr sei, daß königliche Edikte von hier ausgingen, der Sturz des Sultans geplant und die Eroberung der Welt verheißen und vorbereitet wurde, so sei es Schuld der Unterbeamten, die nicht genügend aufgepaßt und seine Weisungen nicht befolgt hätten. Diese Unterbeamten konnten aber ihrerseits beweisen, daß Hakim Almali seine Taschen schwer mit Gold gefüllt hatte, von den Vorgängen im Schlosse nichts sehen, noch hören wollte und seinen Untergebenen, für die freilich auch etwas abfiel, bei schwerer Leibesstrafe verbot, irgendwie das Leben und Treiben im Hofe Sabbatais zu stören. Mit den türkischen Beamten aus der Insel, von dem obersten Kommissar bis zum letzten Schloßdiener, machte der wütige „Tschausch" kurzen Prozeß. Die Gefängniszellen im Erdgeschosse des Schlosses füllten sich mit Gefangenen und die Soldaten und Büttel hatten bis in die späte Nacht hinein viel zu tun mit Stock und Peitsche. Die Wachtdienste am Nasen und Schloß übernahmen Beamte und Soldaten aus der Hauptstadt. Bis zu Sabbatai selbst reichte die Gewalt des Tschausch und seiner Strafexpedition nicht. Er sollte in Ketten, aber heil an Leib und Leben, nach der Hauptstadt gebracht werden. So wurde er in Fesseln gelegt, aber bis zur Abreise im Schlosse belassen. Von den auf der Insel anwesenden Juden ließ sich keiner mehr blicken. In ihren Verstecken warteten sie auf ein Wunder. Daß sich etwa der Himmel öffne und ein Blitz zündend in das Schloß einschlage und die Feinde als Leichen Sabbatai zu Füßen werfe. . . . Oder daß die Fluten vom Meere herbeieilten und den grausamen Türken mit seinem Troß wegspülte, wie einst das Rote Meer die verfolgenden Aegypter xrc seine Arme nahm, indes Sabbatai, wie einstens Moses, das Lied zum Preise Gottes anstimmte. . . . Vielleicht kamen gar im letzten Augenblicke die Mosessöhne von jenseits des Sambatjon auf Löwen und Tigern angestürmt und alles nahm sein Ende. . . . Sicherlich hatte Sabbatai bereits mit Psalmliedern den Mächtigen zu Boden gerissen. . . . Man steckte die Köpfe hoch und spitzte die Ohren, ob nicht schon Erlösungslied und Preisgesang zu hören war. . . . Aber andere, harte Töne klangen an ihre Ohren. Ausrufer schrieen laut mit Schellen und Trompeten durch alle Gassen und Gänge: „Drei Schiffe stehen im Hafen zur Abfahrt bereit nach verschiedenen Küsten, . zur Aufnahme aller auf der Insel anwesenden Juden. Wer mit Sonnenaufgang des kommenden Tages von den fremden Juden noch auf Abydos, sei es auf der Straße, sei es in der Nähe des Schlosses oder in Häusern versteckt, angetroffen wird, der wird, wenn die Sonne am Zenite steht, als Leiche auf dem Meere treiben!" . . . (Fortsetzung folgt.) Äinderecke. Stille Helden. Erzählung für die Kleinen von Schwester Aennv Stieöek z. Zt. Marburg a. d. Lahn. Bücher, Zeitungen, gleichviel welcher Richtung, erzählen heute von Erez Jisroel. Jeder sieht das Land anders, und jeder erzählt anders. Mancher geräuschvoll, ein anderer eindringlich. Aber alle, alle sind interessiert. Wer aber gedenket der stillen Helden, der Ersten, die in scheuer verschlossener Liebe still und ungesehen vor 20 Jahren und früher das Land unserer Väter aufsuchten? Es war eine kleine Schar, die damals in Palästina landete. Russische Auswanderer und ein paar Deutschjuden. Ach wie traurig mär damals eine Seereise für einen fühlenden Menschen. Käutn bestand eine Jdeengemeinschaft zwischen Ost und West. Und wieviel war der reisende Westjude besser gestellt als der Ostjude. Auf der Fahrt nach Erez Jisroel konnte man das so recht merken. Die deutschen Juden fuhren 2. Klasse, die Ostjuden Zwischendeck. Die Nacht sinkt herab. Langsam gleitet das Schiff. Von der Verbindungstreppe von der 2. Klaffe zum Zwischendeck auf dem schönen, vornehmen Dampfer des österreichischen Lloyd, der Semiramis, gleitet hurtig ein junges Mädchen. Hier weht ein scharfer Wind, sie muß sich fest am dicken Tau, das hier als Geländer dient, halten. Das schwankt heftig hin und her. Aber trotzdem ist sie flink unten und verschwindet verstohlen im Zwischendeck. Dort packt sie aus. Ihr ganzes Frühstück. Eier, Brödchen nebst Zwieback und Milch wird an die armen Kinder der Zwifchendeckler verteilt, die haben es auch nötiger als die rotwangige Spenderin. Dann ist sie wieder verschwunden. Heute gibt es viel zu tun. Der erste Tag Chanukah! Kerzen für die Mitreisenden besorgen. Sie schmeichelt sie dem Steward ab. Es find nun nicht die richtigen Chanukahlichtlein, es find gewöhnliche dicke Kerzen. Aber auf Deck muß man auch damit fürlieb nehmen. Mögen sie halt über den Schiur brennen. Nun ist es dunkel geworden. Sachte gleitet das Schiff, und Heimweh und Sehnsucht gleiten mit. Schwester Athita, unsere junge Freundin, steht an die Reeling gelehnt und läßt die Gedanken in die Heimat wandern. Ganz deutlich sieht sie das Elternhaus vor sich. Vater, Mutter und Geschwister, und Chanukahstimmung, so heimlich, so traut, so echt schlicht jüdisch, voller Poesie und voller Gefühl. Durch das Rauschen des Windes hört sie Vater nmn und die rnrm singen; sie sieht das leuchtende, festesfrohe Gesicht der Mutter, und hört den Jubel der jüngeren Geschwister. „Schwester so vertieft?" Es ist eine nette junge Frau, eine gute Reisegefährtin die so spricht, aber heute kommt sie ungelegen. Schwester Athita hat alle Mühe, höflich zu bleiben. Sie verabschiedet sich und hinunter geht es auf Zwischendeck. Heute sieht es besser hier aus. Es spiegelt sich alles viel freundlicher im hellen Lichterglanz. Nachdem die Männer entzündet haben, schallt ein froher „Moaus zur Jefchuosi" durch den halb erhellten, wo sich in den Winkeln die Schatten haschen, endlosen Raum. Die Frauen bereiten Tee, und Schwester Athita nebst einem jungen deutschjüdischen Arzt packen die Frankfurter Konserven aus, und erwärmen dieselben auf der Spiritusflamme. Und dann geht ein gemeinschaftliches Schmausen an, wie es das Zwischendeck noch nie gesehen hat. — Aber auch der froheste Tag und der herrlichste Abend finden ein Ende. Der folgende Tag ist ein häßlicher, kalter Tag. Es regnet Bindfaden. Und gerade bei solch schlimmem Wetter müssen die armen Auswanderer Nach Port Said in die Stadt hinein, um desinfiziert zu werden. Erst die endlosen Tage der Qurantäne und dann noch diese schreckliche Desinfektion. Das ganze Zwischendeck wird , ausgebotet. Männer, Frauen und Kinder. Für die Reisenden der 1. und 2. Klasse besteht dieses Gebot nicht. — Schwester Athita steht an der Schiffstreppe und sieht zu, wie die armen Menschen ausgebotet werden. Die verschüchterten jüdischen Passagiere haben Angst vor der unheimlich schwankenden Treppe. Und die sonst so freundlichen Seeoffiziere und Mannschaften verstehen heute keinen Spaß. Geschoben, gestoßen, gedrängt und gescholten geht endlich das erste Boot ab. Dann wird das zweite mit Menschenfracht gefüllt. Ein alter schöner Mann mit langem, wallendeem Barte half sn krampfhaft an einem Tau fest. Man will ihn mit Gewalt hinabreißen. Schon ist die Schwester neben ihm. Ein paar freundliche Worte in jüdischer Sprache, und er geht gefügig wie ein Kind. Seine Helferin schaut ihm nach und wischt sich verstohlen, als sie sich umwendet, ein paar Tränen Landung in Jaffa. Ankunft in Jerusalem. Alles wie im Traume. — Und dann des Dienstes aus den Augen. — ewig gleichgestellte Uhr. Tag ütid Nacht, und Nacht und Tag. Zwischen Krankheit, Elend und Armut: Manchmal versagest, die Beine den Dienst, aber es geht weiter, unverdrossen. Als einzige Abwechselung einen Freitag-Abend, an der Kothel Maarawie. Der jung? Arzt leistet Unmenschliches. Kein Weg zu weit, keine Nacht zu dunkel. Er geht überall hin, wohin man ihn ruft. Und widmet noch die Morgen-Freistunden dem. Thorastudium. Wieder ein Chanukah-Abend — aber im Jfolierpavillon. Die scharlachkranken Kinder liegen mit fieberheißen Köpchen in ihren sauberen, weißen Bettchen. Kalte Kompressen auf den reinen Kinderstirnen. Der Wintersturm tobt ums Haus. Wenn die Schwester irgend eine Losung oder sonst etwas braucht und aus dem nebenanliegenden Operationszimmer holen muß, so kann sie kaum die Türe öffnen vor lauter Wind, mit dem das Zimmer durchbraust ist. Kein Fenster, keine noch so gute Türe schließt dicht genug, um diesen Sturm nicht hereinzulassen. Trübe Petroleumlämpchen brennen in jedem Raum und heben mehr das Dunkel hervor, als daß sie beleuchten. Aber eine ändere Beleuchtung gab es in dem damals noch der Türkei gehörigen Palästina nicht. Die Schwester muß alle Kraft anwenden, um die Türe zu öffnen. Als ob ein starker Mann oder Mehrere Männer sich von innen dagegen stemmten. Die Lämpchen flackern und so schaurig heult der Wind. Aber mit felsenfestem Gottvertrauen geht die Schwester, nachdem sie die Türe mühsam geöffnet, in das unfreundliche Zimmer. Beim Zuschlägen der Türe hat der Wind das Lämpchen gelöscht. Gespenstisch wirft das Mondenlicht Schattenbilder auf die weißgetünchten Wände — die Schwester tut ihre Pflicht! Wieviel Mut, wieviel Heldenstärke gehören zu solch unmenschlich schwerem Dienst. Ist es an und für sich schon schwer genug für ein junges Menschenkind, Wochen, ja Monate, von. aller Welt und jeglichem Verkehr abgeschlossen zu sein, so machen die riesengroße Verantwortung, das nicht einmal mit den Kindern richtig sprechen Können, (jedes Kind spricht hier eine andere Sprache) den auch in guten Verhältnissen nicht leichten Krankendienst zu einem wirklichen Heldentum. Nun ist wieder ein Abend herabgesunken. Aber dem häßlichen Sturm ist sonniger, weicher Frühlingswind gefolgt. Die Fenster sind geöffnet und eine laue Lust, die von dem gestrigen Sturm nichts mehr weiß, dringt in das heute ganz behagliche Krankenzimmer. Das Fieber der Kinder hat nachgelassen, und die kleinen Lieblinge der Schwester können schon die blonden, braunen und schwarzen Köpfchen, heben. Da ist jedes Martyrium vergessen, wenn ein paar Menschenleben erhalten sind. Wie süß die Kinderstimmchen in den herrlichen südlichen Abend passen — der wundervolle Süden überhaupt! — In Europa ist jetzt, Ende Dezember, Eis und Schnee, und hier weiche Luft, silbernes Mondenlicht, das zitternd über die Bäume im Garten rieselt, und der erste zarte, sehnsüchtige Duft der südlichen Frühlingsblüten. — Schwester Athita holt den Chanukah-Leuchter herbei. Ihre blauen Augen leuchten mit den Chanukah-Lichtlein um die Wette. Und als sie in die rührend weichen Stimmchen der Kinder mit ihrem vollen Sopran einfällt, und sie alten „Moaus zur" mit echt jugendlicher Kwana singen, da fängt die Schechina auf dem einsamen Pavillon zu ruhen an. E, itt aus schließlich Sache der Leser, die im Dnseratentei enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstig» Angaben religionrgesetzlt-ben Tborakier» auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfe«. AoiweielätUee JLJL seir lOO Jahren bewährf -von MiHionen gemunken. in Fulda. — Verlag „Israelit-. G. m. ö. £>.. „„ druckt Sermon Verlags-Aktiengesellschaft, Franks

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