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Der Israelit · 1925-03-19 · Heft 12 (19.3.1925) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 12 (19.3.1925)
Date
1925-03-19
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr.ir 1925 Prf». Die Messiasbraut. Die Geschichte einer verlorenen Hoffnung von S. Schachn»»ltz (Fortsetzung.) 42. ' Offene Aussprache. Hinter festverschlossenen Türen und dicht zusammengezogenen Vorhängen faßen Sabbatai und Nehemja Auge in Auge, Feinde, Gegner, und mit ihren Gedanken und Empfindungen hart im Raume aufeinander stoßend. Seit seinem Aufstiege hatte Sabbatai zum erstenmal einen Widersacher unmittelbar vor Augen, und er mußte sich erst sammeln für diese ungewöhnliche Situation. Es drohte, ein Kampf auf Tod und Leben zu werden. Aber vorerst zeigte die Oberfläche über der brodelnden Glut noch ein ruhiges Bild. Sabbatai brachte es nicht ohne Mühe fertig, Jachini und Primo von dieser Audienz fern zu halten. Vielleicht, so dachte er, war dieser sonderbare Nehemja ein brauchbares Instrument, das man nicht stumpf machen, sich auch nicht aus der Hand spielen lassen durste. Dem Ehrgeiz seiner nächsten Umgebung traute er aber zu, daß er ihm das Spiel von vornherein verderben würde. Schweigend saßen sich nun beide Männer eine zeitlang gegenüber. Sabbatai groß, behäbig, das Haar leicht angegraut, mit tiefen Runen auf der breiten, weißen Stirn, faß mit verschränkten Armen, ganz Sammlung, Abgeklärtheit und 'Ueberlegenheit. Der Jüngere ihm gegenüber in grober Pilgerkleidung, schlank und beweglich, mit umherirrenden Blicken und asketisch vorstehenden Backenknochen, war eitel Kampf und Unruhe. Sie mieden es, sich gegenseitig ins Auge zu schauen. Und wenn sich ihre Blicke begegneten, wandten sie sie rasch zur Seite. „Ich habe Euch hierher befohlen," unterbrach Sabbatai das dumpfe Schweigen, „und Ihr kamt. Ähr habt Recht damit getan. Saget mir, wo Euch! mein Befehl erreicht hat und auf welch wundersamem Wege Ihr in so kurzer Zeit hergeeilt seid?" Nehemja antwortete rasch und abgewandt: „Ihr irrt Sabbatai, wenn Ihr von einem Befehle Md einem Wunder sprecht. Ein solcher Befehl ist nie in meine Hand gekommen und ich wäre ihm auch nicht gefolgt. Ich kam hierher aus eigenen Stücken, in'wochenlanger.Reife, weil es in meinen Plänen liegt, auch die Dinge auf Abydos zu schauen. Und aus freien Stücken bat ich um Einlaß zu Euch." Es war eine anmaßende Sprache, die Sabbatai seit langem nicht mehr gehört hatte und daher ihren Eindruck nicht verfehlte. Es hatte bei allem doch auch etwas Prickelndes für ihn, einmal von einem Menschen als Mensch und seinesgleichen angesehen und angeredet zu werden. Die Kampfansage im Tone seines Gegners kam ihm dennnch unerwünscht früh, und er suchte sie noch hinauszuschieben. j „Ihr seid aber gekommen," lenkte Sabbatai ein, „um Euch von der gottgewollten Größe und dem Glanze des Messias zu überzeugen. Und Ihr werdet, ich weih es/als Freund unserer Sache Abydos verlassen und sie weiter in die Lande tragen." Nehemja kochte übex. Seine Stimme überschlug sich. „Ich bringe keine Huldigungen und werde nicht als Reuiger von dannen gehen. Zur Reue mahnen möchte ich, zur Einkehr und Butze den, der die Welt betört, daß er einsehe und erkenne und genug sein lasse des falschen Spieles." Sabbatai sprang auf wie von einer Natter gebissen. Seine schwer gebändigte Unruhe brach plötzlich durch. Aber er zähmte sich gleich wieder. „Verwegener! Mäßige Deine Sprache und senke Deine Stimme, daß die draußen Dich nicht hören und nicht die frevelhafte Rede bitter rächen an dem Schänder der Ehre ihres Gesalbten. Ich selbst kann es ertragen. Der Messias muß Verkennung und Verspottung und Lästerreden auf sich nehmen." „Nichts vom Messias," beharrte Nehemja, ohne die Warnung, die Stimme zu senken, zu beachten. „Es ist nicht Erlösung, ist Blendwerk, das nur das gemeine Volk betört, die Besten aber anwidert und abstößt." Sabbatai behielt, nachdem er den ersten Anprall überstanden hatte, vollkommen die Ruhe über sich, und diese Ruhe zwang auch seinem Gegner eine gewisse Mäßigung auf. daß er Sabbatai eine Weile aufmerksam anhörte. „Was ist Blendwerk?" fragte Sabbatai ganz ohne Groll im Tone. „Was verargen mir die Besten, von denen Du sprichst in der Diaspora? Sind es die einigen unwesentlichen Abweichungen? Ist es die Lehre von „Atik Jomin" und „Malta Kadischah", oder gar die Abschaffung von Fasttagen und ihre Verwandlung in Freudenfeste, was Deine „Besten" in solche Gegnerschaft versetzt?" Nehemja mußte leicht auflachen. „Ich bin nicht gar so sehr auf den Buchstaben des Gesetzes eingeschworen, und die Lehren, die Ihr verbreitet, berühren meine Seele wenig. Man weiß nur soviel, Ihr wollt aufheben und abschaffen und dafür ist das gedankenlose Volk immer zu haben. Die Alten und Frommen dagegen rasen. Aber es ist nicht dieses, was meine Hand gegen Euch bewegt." „Was denn?" » „Daß Ihr Euch die Messiaskrone, und noch das Weib dazu angemaßt habt." „Das Weib?" Zum erstenmal sah Sabbatai mit leeren, fragenden Augen in die seines Gegners, in die eines wütenden Feindes. „Das Weib," wiederholte Nehemja — Kassato „Sarah, sie gehört mir." „Es ist das Messiasweib," sagte Sabbatai bestimmt, aber obne besondere Glut. „Und der Messias bin i ch! . . ." Sabbatai zuckte zusammen, wie von einem Feil leicht gestreift. Er hatte die eigentliche Bedeutung des Mannes und den Zweck der Aussprache beinahe vergessen. Es war höchste Zeit, hinüberzulenken. - „Ja, ich hörte wohl von Eurem Wahne und habe Euch deswegen herbestellt. Saget Nehemja, welche Berufung ist Euch geworden, die Euch ein Anrecht auf diese Annahme gibt?" „Mich rief Gott, kein falscher Gott aus dem Munde falscher Propheten, mit gefälschten Dokumenten und abgekarteten Taschenspielereien, die man als Wunder ausgibt; mich rief der wahre Gatt, der Israel in Wahrheit einen und erlösen will, er riet mich aus dem Munde eines Weibes, durch die Messiasbraut Sarah, die ich mir samt Messiaskrone holen werde." „Wie denkst Du Deine Messianität zu vollführen?", zwang sich Sabbatai zur Ruhe. Das von Sarah schien er ganz zu überhören. „Nicht mit faulem Zauber und Blendwerk werde ich es vollführen. Wir wollen keine Betörungsversuche. Unsere Messiasarbeit beginnt an den Höfen der Mächtigen dieser Erde. In England i st es erreicht und die anderen Länder werden folgen. In I t a l i e n und in H o l l a n d' sind die Vorarbeiten getroffen. Ist das Golus o o l l k o m m e n auf alle Länder der Erde verteilt, so kann auch die Einigung und Erlösung beginnen." „M anassebenJsrael," stieß Sabbatai unwillkürlich hervor. „Ich weiß von seinem Werke und leite es von hier aus im Geiste." Nehemjah fuhr auf. „Das ist der neueste Trugschein, mit dem Euer Anhang die Augen der Welt für unser Werk und Eure Ohnmacht blenden will. Es wird Euch nicht gelingen. Manasfe, von dem Ihr sprecht, ist tot, und Ihr, die Ihr allwissend und hellsehend sein wollt, wißt es noch nicht einmal. I ch habe nun die Führung, und ich werde ganze Arbeit machen. — Nehemja stand in Ekstase auf. — „Gebt mir. Sabbatai, Sarah frei!" Ganz ohne Erregung gab Sabbatai zurück: „Was willst Du mit Sarah? Gibt es auf dem Erdenrunde, das Du durchstreift, wenig Frauen und Mädchen, daß Du hergekommen bist, eines Mannes, und gleich Sabbatais Weib zu erheischen?" „Ich erhalte Sarah aus Eurer Hand als Zeichen der Anerkennung, als Rückgabe der Messiaswürde an den Berufenen. ..." „Wahnsinniger!" entfuhr es Sabbatai, aber er bemeisterte sich schnell, zwang Nehemja mit einer Handbewegung zum Sitzen und setzte ein ruhiges, ja freundliches Gesicht auf. So viele urwüchsige Begeisterung, so viel fanatische Draufgängigkeit und zähe Beharrlichkeit durfte man sich nicht entgehen lassen. Vielleicht war es ratsam, das Instrument in die Hand zu nehmen, statt es darauf ankommen zu lassen, daß es sich gegen ihn entlud. . . . Er stand noch einmal auf und prüfte, ob auch die Türen sestgeschlossen waren. Da er hinter der Türe ein leises Geräusch zu hören glaubte, öffnete er sie, sah weit in den Koridor hinaus und schloß sie wieder von innen fest zu. Jachini noch sonst Jemand durfte etwas erfahren von dieser neuen Wendung. Als er wieder Platz genommen hatte, sagte er gedehnt: „Du weißt es, Nehemja, daß es bei der Messiasarbeit Fäden gibt, die dahin und dorthin spinnen. Du hast d i e in der. Hand, die nach den Höfen und Königspalästen gehen. Du könntest wohl mit mir an meiner Seite arbeiten." Nehemja schwieg. „Du weißt wohl Nehemja, daß die alten Schriften sogar von zwei Erlösern sprechen, einem dawidischen und einem Moschiach aus dem Stamme Josefs, der dem ersteren die Vorarbeit macht und den Weg, sagen wir den Weg zu den Herzen der Könige und Fürsten, bahnt. Warum sollst Du nicht dieser Messias, Sohn Josefs fein können?" „Ich kenne diesen Messias vom Stamme Josefs aus den alten Schriften, d e r bin ich n i ch t." „Warum nicht?" „Moschiach den Josef kämpft und f ä kl t." „Die Opferung soll einen Messias nicht schrecken, nicht an der Arbeit beirren. Wie oft habe ich mein Leben hingehalten. Aber Gott nahm es nicht, weil der dawidische Messias leben muß, für sein Volk." Nehemsa wehrte ab: „Der Messias, Sohn Josefs hat gelebt, hat gekämpft und ist gestorben für die Sünden aller. Es bedarf seiner Ankunft nicht mehr. Wer jetzt das Werk in die Hände nimmt, wird es bis zum letzten Ende führen." Sabbatai machte ein verwundertes Gesicht. „Wer ist Dein Messias, Sohn Josefs?" „Weiß Sabbatai nicht, daß der Stifter, der vor über sechzehnhundert Jahren sich seinem Volke und der Welt geopfert, einen Vater hatte, den die Schriften Josef den Zimmermann nennen?" Sabbatai stutzte. Darauf war er nicht gefaßt und er sank vor Erstaunen sprachlos in seinen

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