Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1925)
- Date
- 1925-03-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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©ettp 8 Nr. 12 Sprechsaal. Zu den Repräsenlantenwahlen in der Hamburger Gemeinde. Hamburg, 16. März. Diese Zeilen werden niedergeschrieben, bevor noch das Ergebnis der Wahlen, über die in Ihrem gesch. Blatte wiederholt berichtet wurde, bekannt ist. Aus ihnen kann also sprechen weder der frohe Stolz des Angehörigen einer „sieghaften Partei" noch der Mißmut des Mitgliedes einer unterlegenen Fraktion": „nicht die Stimme, die anhebt aus Stärke, nicht die, welche anhebt aus Schwäche, die Stimme, die einfach objektiv berichten will, sie höre ich!" Der historischen Wahrheit wegen soll über die Hamburger Wahlen einiges mitgeteilt werden, zur Lehr' und zur Wehr! Wenn der Wahrheit gemäß berichtet werden kann, daß während der ganzen Wochen vor den Wahlen weder von den Liberalen noch von den Zionisten und den mit letzteren zusammengeschlossenen Misrachisten gegen die Agudisten bezw. die der Agudas Jisroel nahestehenden Kreise ein unfreundliches Wort gesprochen wurde, so sollte man meinen, Hamburg, die Stadt sachlich arbeitender Menschen, habe auch dieses Mal seinen Ruf gewahrt; aber weit gefehlt: neben Agudo und Mrsrachi gibt es ja noch eine andere gesetzestreue Organisation, die überbrücken und ausgleichen, für -die Einheit der Gesetzestreuen sich einsetzen will: Achdus. Es soll hier ganz ausdrücklich betont werden, daß der Schreiber sich nicht im mindesten ein Recht nimmt, zu prüfen, ob Achdus notwendig war und ist — das mögen unsere „Generäle" untereinander ausmachen — daß die Gründung der Hamburger Ortsgruppe überflüssig war, das wußten wir schon immer, wie schädlich sie sich erweisen kann, das zeigte diese Vorgeschichte zu den Wahlen. Ueberslüssig: der geistige Gegensatz zwischen Aguho und Misrach» wurde immer in den vornehmsten Formen, in der sachlichsten Weise ausgetragen, er hat niemals in das Gebiet der persönlichen Befehdung und Verunglimpfung übergegriffen, den Begriff der Separatgemeinde gibt es hier nicht, es gibt hier weder Trennungsorthodoxie noch Gemeindeorthodoxie, nur Orthodoxie schlechthin: Achdus in Hamburg also wozu? Um den bedrängten Freunden draußen den Rücken zu stärken? Um den Frieden bei anderen zu fördern, stört man -den in der eigenen Familie? Nachdem aber Achdus nun mal konstituiert worden ^var, hätte man annehmen sollen, die erste Gelegenheit, die Einheit der Gesetzestreuen zu bekunden, wäre von ihm freudig aufgegriffen worden, umsomehr, als von Seiten der Agudakreise eine Einheitsliste angeboten worden war. Aber, mit nicht! Obgleich von Anfang der Verhandlungen allen Parteien das Recht, ihre Kandidaten nach freier Wahl zu benennen, ausdrücklich zugebilligt worden war, lehnten die Herren vom Achdus eine gemeinsame Liste mit den der Agudo nahestehenden Kreisen — auch Richtagudisten figurierten auf diese Liste — ab, weil ihnen die Kandidatur eines von der anderen Seite ausgestellten Herrn nicht genehm war. Also: getrennt marschieren und vereint schlagen! Unter dieser Devise werden beide Richtungen vor und bei den Wahlen arbeiten — so glaubt der Binnenländer gewiß, doch wir an der Wasserkante sind schlauer. Bei uns übersetzt man Achdus nicht mit Einheit der Gesetzestreuen, bei uns heißt Achdus: die von den Agudakreifen rechtzeitig angebotene Verbindungsliste ablehnen und dafür eine solche mit den Zionisten schließen. All das kann man, wenn auch nicht gutheißen, so doch verstehen: die Politik verdirbt bekanntlich immer ein wenig die guten Sitten und eine in Hamburgs Nachbarschaft von orthodoxer Seite vor einiger Zeit eingegangene Listenverbindung mag den Herren vom Achdus ein Beispiel gegeben haben: wir hätten in dem Wunsch, daß nach den Wahlen alle in Frieden miteinander arbeiten möchten, geschwiegen: „hätte man die Idee der Einheit der Gesetzestreuen der Möglichkeit zuliebe, vielleicht ein Mandat mehr zu erhalten, verkauft, hätte ich geschwiegen!" Nicht schweigen darf man aber zu der Wahlparole, die diese Herren ausgegeben haben, harmlose Seelen zu fangen und die ihre rührigen Arbeiter ander Hamburger Börse, also vor aller Oessentlichkeit, von Mann zu Mann trugen: Die „anderen" das sind die „Separatisten", wir sind „der Zentralausschuß der Gesetzestreuen der D. I. G." — unter dieser irreführenden Flagge segelte man — die „anderen" sind z. T. im öffentlichen Leben noch unerfahrene Heißsporne, wir sind die Vertreter der Einheit. Und was wollten wir, die „anderen"? Worin unterscheiden sich unsere Kandidaten von denen dieses „Zentralausschusses", welch letztere in ihrer persönlichen Lebensführung auch alle — die Herren verzeihen das ominöse W^rt — auf streng orthodoxem Standpunkt stehen? Rur darin, daß unsere Kandidaten auch in ihrer gemeindlichen Wirksamkeit den des sich zur unverbrüchlichen Richtschnur nehmen, daß sie also dafür sorgen, daß das, was das Gemeindestatut, wie in letzter Zeit oft betont, als Basis hat, Basis bleibt: der ins inbv in der für jeden Gesetzestreuen ausschließlich maßgeblichen Interpretation des in an sin Wer das erklärt, der ist in Hamburg „Separatist"; uns will bedünken, daß, auch vom Standpunkt der Achdus aus betrachtet, in einer N "np. die nur einen Raw hat, der „Separatist" ist, der sich trennt von dem Weg, den der Raw die nV>?p weist. Bekennen die Herren vom Achdus nach den Wahlen sich wieder zu diesem Standpunkt — und gerade die lautesten Rufer im Streit würden mit ihrer ganzen bisherigen Familientradition und ihrer eigenen Praxis D’nsi’. i': d".!i rr, brechen, täten sie das nicht — zu diesem für gesetzestreue Juden so selbstver- D e i s r a e I t t 19. März 1925 stündlichen Punkt, dann ist die Einheit in der nb'np gewährleistet, tun sie das nicht, dann liegt Verantwortung und Schuld für Bruderzwist bei ihnen und nur bei ihnen! Daß, wenn wie bisher, so auch in Zukunft, in der Gemeinde Recht — Recht, das heißt jnto — -piy ihVw *|nsr bleibt, die „Extremisten", die „Separatisten" mit der Hingebung ihrer Seelen, mit dem ganzen Elan ihrer jugendlichen Stürmer in der Gemeinde für die Gemeinde arbeiten werden und wollen, daß die Gemeinde ihnen ein teures Gut ist, das in seinem ganzen Wert ihnen so kostbar ist wie den Achdusvertretern, ein von den Vätern ererbtes, darum immer neu zu erwerbendes Gut, dies Wollen und dies Wissen lassen sie sich von niemanden rauben. Ob aber die Herren, die uns jetzt Separatisten rufen, einst, wenn sie vor den main» ibw treten müssen und Er sie hinweist auf ihre Taktik bei der Hamburger Repräsentanten-Wahl 1925 und sie. fragt: fUHKa nwi mm — ob sie da mit einem unbefangenen Ja antworten dürfen — über diese Frage mögen sie selbst entscheiden. W. S. I. Die Rückkehr zum Lehrerberufe. Die Ausführungen des „zurückgekehrten" Lehrers in Nr. 8 des „Israelit" halte ich für völlig unangebracht. Der Warner in Nr. 5 hat mir aus der Seele gesprochen. Wenn ein Lehrer materiellen Vorteiles halber seinen Beruf.an den Nagel hängt, dann im bürgerlichen Berufe die Vorschriften unserer Religion öffentlich a u ß e r A ch t l ä ß t, und dann später, wenn der frühere Beruf wieder mehr einzubringen scheint» zu diesem zurückkehrt, dann ist doch diesem Herrn gegenüber die größte Vorsicht und beachtetes Mißtrauen am Platze. Mir ist mehr als ein solcher Fall wohl bekannt. Mit den allgemeinen Redensarten über die "Gemeindegewaltigen" kann man solche Tatsachen nicht aus der Welt schaffen. Es muß dies auch wieder öffentlich gesagt werden können, nachdem viele Jahre her nur die eine Seite in jüdischen Blättern das Wort hatte. Ich habe immer noch mehr Respekt vor den „Balebattim", die ihrer Emuno täglich und stündlich die größten Opfer bringen, als vor jenen, denen die Emuno nur der Spaten ist, damit zu graben. Ich bin zu Einzelheiten auf Wunsch gerne bereit. Der „Gewaltige" einer Kehillo, deren Lehrer feinen Beruf nicht gewechselt hat. Thoralreue Akademiker in den Donau- und Balkanlandern. Aus jüdischen Akademikerkreisen in Ungarn wird uns geschieben: Ueberall herrscht Leben und Tat, nur bei uns thoratreuen Akademikern regt sich kein Windhauch, als wäre alles in bester Ordnung, als hätten wir unsere Ziele und Aufgaben vollauf gelöst. Dem ist aber leider nicht so. Denken wir nur an unsere „Lehrjahre". Wo hatten wir nicht zu kämpfen, moralisch, aber insbesondere physisch; wo gab es ein Geschöpf, das mehr verlassen war als der gesetzestreue jüdische Student? Und ergeht es unseren jüngeren Kollegen, die ihren Studien obliegen, besser? Und sollten wir da nicht vielleicht auf irgend eine Weise helfend Eingreifen, daß sie in ihrer Thoratreue ausharren? Könnten wir nicht nach reichsdeutschem Muster einen „Verband der thoratreuen Akademiker der Donau- und Balkanländer" gründen? Wir haben gemeinsame Pflichten, wir haben Aufgaben zu lösen und so müssen wir uns endlich einmal zur Tat aufraffen! »’-s 'nb '». Wem die Thora heilig ist, wem sie Inhalt und Richtschnur seines Lebens bildet, darf an dieser Aufgabe nicht gleichgültig Vorbeigehen. Ich übergebe diese meine Aeußerung der thoratreuen Oeffentlichkeit und nehme die Arbeit eines Vermittlers gerne auf mich. Bätorkeszi C. S. R. Ing. Ignaz Reich. Briefkasten. Fr. G. R. Nein, sofern es nicht rröaV is>2 hergestellt ist. Familiennachrichten. Silberne Hochzeit: Lebrer Kotz und Frau Hedwig geb. Goldschmidt. Babenhausen. Bcreinskalender. (Wegen Raummangels verkürzt.) Ieretn Mekor Gvajim. Samstag vorm, nach Schluß der Synagogr ,Dinim"; Herr Rektor Falk, — 121/4 Uhr in der Hrauensynagoge der Klaus rma; Herr Professor A. Wey!. — nachm. S3U Uhr im Vereinslokale Langestratze, „Mikroh'; Herr Dr. Hof mann. Jahrzeits-Stift ungen: Sonntag. 2». März. Thcrefe Roos geb. Hirsch- und Rabbiner Jiak Strauß-Stiftung. Montag, 23. März. Direktor Mendel Hirsch- Stiftung. - Dienstag, 24. März. Sofie Bier geb. Heller- Stiftung. Agudas Ai»roek-Auge»dgruP»e. Freitag, abend 8 Uhr gemütliche Zusammenkunft in den Räumen des Mekor Ehafim. •. Samstag, 10 Uhr morgens „Gemoro", Herr Dr. I. Posen.— „Kizzur", Herr: Louis Ka h n. — 11 Uhr *pn, Herr Dr. W: Hofmann. — yu» mq«. Herr H. Frankenthal. — *]ir»n, Den H. ^alpern. - 12 Uhr »Gemoro", Herr H. H a l p e r n. — ,Mischna", Herr Lehrer H i r s cyb«rg. — *13 Uhr »Gemoro". Herr Dc. W. Hofmann. — „Gemoro", Mitglieder. — v* Stunde vor Nacht auch Dienstag und Donnerstag 7 Uhr abends) »Gemoro", Herr Dr. S. Ehrmann. AgudasItsroek-Mädchengruppe. Freitag, 8 Uhr abends gemütliche Zusammensein. Honauerlandstr. 17. Samstag, r/ric Uhr „Tillirn", Herr Louis Kahn. — 11 Uhr 7112» '"is, Herr H. F r a n k e n t h a l. — 4 Uhr ,-7117,. Herr Lehrer Hirfchberg. Aesyamidrafch, Hstendkraße 18. Samstag nachm. 4'/, Uhr »Drofcho" des Herrn Rabbiner B er gifte i n aus Sokolow. > v"V man* Allabendlich von Sonntag bis Donnerstag Ostend^ stratze 18,Uf)r abends „Gemoro'Schkolitn'. Rabbi Salomon Weber. W. A. A. (Frankfurt a. M.) 1. Iüd.-medizinischer Kurs bei Bbr. Dr. Hofmann, Eschersheimer Anlage -1. Donnerstag abends 8-/2 Ubr. Thema ..Arzneimittel am Peffach". 2. Arbeitsgemeinschaft: Jüdische Weltanschauungsftagen, Sonntag abends 8l/x bei Bbr. Dr. I- Posen, Anv Tiergarten 42 HI. Hatnmd-Hhora-Aereirr. Dereinslokal: Gemeinde-Synagoge Börneplatz. Samstag, 1l—12 Uhr °. Herr S. Unna. — 3'/i Uhr: zum Wochenabschnitt. Herr Rabb.-Ast. Lipinskv — eine Stunde vor Nacht Peffach-Dinim. Herr S Unna. Sonntag nach Minchv, Einführung in das Verständnis und die Vortragsweise der Pessach-Hagadah; Herr Lehrer und Kantor I. B. Levy. Mittwoch, abends 7lk Uhr: Jahrzeitslernen anläßlich des Jahrzeitstages von Rabbrner Dr. Marcus Horowitz ^"2». Herr Rabbiner Dr. Hossmann. Hevelzeite«. VINN 'S 'N1j?2 fcip* 712V F reitag abend 6 05. Samstagmorgen 8.— Samstag nachmittag 4.30 Samstag abend 7 25. Wochengottesdienst: Morgens6.30. Nachmittags 6.— Tefilin-Legen am Morgen 5.10 Familiennackrichten. Barmizwo: Edmund Romann. Sohn der Wwe. Romann, Ziegelgaste löl. Zögling der isr. Watsenanstalt, Samstag, den 21. März iiivg VnP’Y in der Waisenhaussynugoge Röderbergweg «7. r Löst Blumen ab zugunsten unterernährter Kinder. Jüd. Frauenvereinigung. E. V Hansa 2825. P o st s ch e ck k o n t o 42 258. ANTIKE MOEBEL machen ein Zimmer vornehm und zugleich behaglich. Sie behalten ihren Wert und sind desh lb außerdom eine gute Kapitalanlage. — preiswert und geschmackvoll EDUARD GÖTZSCHEL Neue Mainzerstraße 20 » » » Telefon Römer 1047 Barock, Rokoko, Louis XVI, Empire und Biedermeier Modeschau im Schauspielhaus. Das Modewarenhaus Gebrüder Robinsohn wird am 25. März, d. I? im Schauspielhaus, nachmittags und abends, eine große Modenschau abhälten.' Diese Veranstaltung findet im Rahmen eines für diesen Zweck verfaßten burlesken Schwankes („Fridolins Hochzeilsnacht") statt, der aus der Feder der berühmten Frankfurter Autoren Georg Lengbach und Otto Schwartz stammt. Die Hauptrollen werden von ersten Künstlern des Schauspielhauses und Neuen Theaters dargestellt. Irtantwortttch für ven allgevte neu Teil und das Feuillet w i. 8 chachnowi tz; Inserate t. B.: S. Sch achnowitz, sklmtl ch i Frankfurt a. M.; Pädagogische Beilage: Lehrer Z. 8ptr» » Fulda. — Verlag „Israelit-, ®. m. v. tz., Frankfurt a. M Druck: tzermoi» Berlags-Äktteugefellschast, Frankfurt a. 9t.