Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1925-03-12 · Heft 11 (12.3.1925) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 11 (12.3.1925)
Date
1925-03-12
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450337-2450348--72011-2529344
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 14 Nr. 11 Der Israelit 1?. Mürz 1925 Es verschaffte ihr in dieser Stunde einiges Vergnügen, ihn Kafsato zu nennen und an frühere Tage spielerischen Lebens zu denken. Alle Angst war von ihr gewichen, wenn sie diesen Namen aussprach. Sie steckte den großen Kandelaber an und lud den früheren Freund ein, Platz zu nehmen. Doch dieser blieb streng, unbeweglich und unwirklich, er blieb Nehemja Hakohen. „Du weißt nicht Sarah, was sich inzwischen alles ereignet hat. England hat seine Pforten den Juden geöffnet, andere Staaten werden desgleichen tun. Manaffe ben Israel ist tot und fein Zauberstab, mit dem die Türen der Mächtigen dieser Erde gesprengt werden, ging an m i ch über. Ich bin der Führer, ich der Erlöser, nicht jener, der sich die Krone aus eigener Macht aufgesetzt und das Weib gefreit, das nicht für ihn bestimmt ist und nicht zu ihm gehört. . . „Nicht zu ihm gehört," wiederholte Sarah mechanisch. Fast fühlte sie sich versucht, den Mann, der diese Worte wie ein Orakel hervorstieß, an ihre Seite zu setzen und ihm ihr Schicksal zu weinen. Aber ein Blick auf den Mann, der immer noch an der Türschwelle stand mit leeren stieren Augen, erfüllte sie mit Ekel und Widerwillen. Sie war gewöhnt, diesen eitlen Menschen, wenn sie ihm keine Huld heuchelte, mit Stolz und Haltung zu bändigen. Die Pforten Englands interessierten sie nicht, Manaffe kannte sie nicht und den Zauberstab des Erlösers Nehemja Hakohen überhörte sie ganz. „Sarah," sprach der Mann an der Türe mit tiefer Stimme, und es klang wie die Stimme ihres Schicksals, „Du Dist nicht Messiasweib geworden...." Zorn und Scham bäumten sich in Sarah auf. „Wer rief Dich, warum kamst Du? Was weißt Du von dem, was ich geworden oder nicht geworden wäre, gehe von dannen! . . ." Erbarmungslos sprach die Grabesstimme an der Türe weiter. „Ich weiß, Sarah, wußte es immer und sagte es dir allezeit: Dein Phantom wird, wenn nicht schon längst verflogen, langsam und um so schmerzlicher zerrinnen. Denn Du bist, Sarah, ein Symbol des jüdischen Volkes, an den Falschen geraten. Bist noch Messiasbr aut wie Du warst, die Braut des wahren Erlösers, meine Braut. Und mit Deiner Heimkehr kehrt Israel zu seinem Gotte und dem wahren Heilbringer zurück, als welcher ich, Nehemja Hakohen, ihm erschienen bin. ..." „Gehe Verwegener!" „Ich gehe, zuerst zu ihm, um ihm die Maske vom Gesicht zu reißen, dann komme ich wieder." Sarah erhob sich, von Schauern durchschüttert, von ihrem Sitz. „Zu wem willst Du? Was hast Du vor?" „Zu Sabbatai. Und gelingt es mir nicht, ihn zur freiwilligen Uebergabe von Krone und Weib zu bewegen, dann kenne ich den anderen, den letzten Weg, er führt über Konstantinopel. ..." Kaffato ging. Aus Abydos hatte man aber eine neue Sensation, die gleich nach allen Windrichtungen weitergegeben wurde: Sabbatai hatte den Mann, der sich in Polen als Gegenmessias aufspielte, zu sich befohlen. Erst gestern sprach er den Befehl aus, und schon heute war der Mann auf Abydos erschienen, um vor Sabbatai zu treten. Die Winde hatten ihn hergetragen, daß er vor dem Throne des Messias Rechenschaft ablege über sein Tun und Wollen. . . . t Fortsetzung folgt.) Vermischtes. Berlin, 9. Febr. „63 Jahre ruhigen Forschens und Lehrens — fern von aller Art Parteibetriebe l", das mar der Eindruck des 4. auf ganz a«» im Talmud- Verein. Dieser Gedanke wurde von allen Rednern ir verschiedener Form ' immer wieder betont. Am Sonntag,^ dein Vorabend des -raw nvvn versammelten sich die Mitglieder des Talmud-Vereins in ihrer Vereinssynagoge, Oraniedburgerstr. 32 und anstelle des täglichen Schiurs hi.'lt, in Gegenwart illustrer Gäste — die Rabbinate der beiden Eemeindstt, das Rabbinerseminar und das wreiJi r>'2 des Herrn Dr. Heller hatten ihre würdigsten Männer als Vertreter gesandt — nach dem Minchagebet der jetzige Leiter der Schiurim, Herr Dr. Meier Munt einen halachischen Vortrag, in dem er in fast anderthalbstündiger Rede die 6 in den Kommentaren gegebenen Lösungen der gegensätzlichen Lesarten im Talmud Gittin 32 a und Krrtoth 24 a in einer allen Hörern verständlichen Weise pilpulistisch und halachisch beleuchtete. Nach dem Maariwgebet begab man sich zum Festessen, an dem, außer den regelmäßigen Hörern der Vorlesungen noch die Vorsteher des Vereins und dis Rabbiner der beiden Gemeinden, sowie die Dozenten des Rabbinerseminars teilnahmen. Herr Dr. Meirr Munk nahm den formalen Szijum vor, baute die Brücke vom Ende zum Anfang, indem er den letzten Buchstabe» der ms nso» das '» in Verbindung mit dem ersten Buchstaben des Talmuds brachte, hinweisend, daß wir nur durch immer erneutes Studium das Jacobsideal eines cm rs erreichen können. Er dankte der Vorsehung, die ihn berufen habe, dem Werke großer Koryphäen jüdischen Geistes den Schlußstein zu setzen. Der derzeitige Vorsitzende, Herr Felix Goldschmidt, dessen Vater, Wilhelm Goldschmidt, viele Jahre hindurch dem Talmudverein verdienstvolle Arbeit geleistet hatte, gedachte derer, die dieses Fest erhofft und ersehnt hatten, aber kurz vor Erreichung des Zieles abberufen wurden, — des Herrn Adolf Prager, der ein Lebensalter hindurch mit Aufopferung den Vorsitz geführt, dann des Professor Rabbr David H o f f m a n n s der als Nachfolger des berühmten Rabbi Baruch Jzchak Lipfchütz während 40 Jahren den Talmud-Schiur leitete, zweimal dem dv>o vorstand und nahezu ein drittes Mal den Talmud beendet hatte, endlich des Rabbi Kaplan dem nur kurze Zeit beschieden war, das Werk Hoffmanns fortzusetzen. Wir hörten geistreiche Ausführungen der Herren Rabbmer Rosenthal, Bleichrode, Esra Munk ilnd Löwenthal, wir hörten den Dank der Hörer aussprechen vom Aeltesten unter ihnen, dem Herrn Bochner, wir hörten den Vortrag eines hebräischen Liedes, mit dem Herr Rabbiner Petuchowski seine alte herzliche Beziehung zum Talmudverein und seinen Lehrern, in Worte kleidete, wir hörten den kantoralen Vortrag einiger Mischnajoth, von Herrn Kah-Cohen vorgetragen. Besondere Erwähnung verdient der geschichtliche Aeberblick des ältesten Vorstandsmitgliedes, Herrn Josef Ehaim. Auch er dankte zunächst dem derzeitigen Lehrer, insbesondere für dessein liebenswürdige Freundesart, in der er mit Jung und Alt neben der Lehrtätigkeit verkehrt. Dann erinnerte er an die Religionsschule des Talmud-Vereins, an der Männer wie Professor Dr. Friedländer, Rabbiner Zomber, Professor Dr. Berliner und schließlich Rabbiner Dr. Deutschländer einst wirkten, bis sie in die Religionsschule der Gemeinde Adatz Jizroel überging. Lange Jahre konnte durch die ruh-ge Wirksamkeit des Talmud- Vereins das Bestreben derjenigen Gemeindemitglieder, die alles Traditionelle, wie Schulen, Synagoge und Lehrchaus zu erhalten wünschen, gefördert werden. Er schloß mit dem heißen Wunsch, der Talmud-Verein und sem Lehrer mögen noch viele Jahre segensreich und in Frieden wirken. Mit diesem Wunsche schließen auch wir. Berlin, 1. März. Es beginnen die Vorbereitungen zu den jährlichen Konferenzen des Rabbinerseminars. Schon am gestrigen Schabboß hatte die Seminarsynagoge die seltene Ehre, zwischen ihren Betern den greisen Münchener Raw zu sehen. Der Sohn des verewigten Rektors Vst Rabbiner Dr. Hoffmann-Breslau wird heute erwartet. Große Aufgaben harren der Versammelten. Sie haben dem Seminar seit der letzten größeren Zusammenkunft rrt. G. H. über schwere Zeiten siegen helfen. Die Wünsche der ganzen deutschen Orthodoxie sind mit ihnen, damit das Erb.e Rabbi Jrael Hildesheimers weiter erhalten bleibe und sich seinen vielgestaltigen neuen Aufgaben gewachsen erweise. — Eine stattliche Zahl junger Rabbinim verläßt zur Quartalswende die Anstalt. Berlin, 1. März. In der Synagoge Artilleriestraße der Adaß-Jisroel wurde heute aus Anlaß des Volkstrauertages ein Gedenkgottesdienst für die Opfer des Weltkrieges abgehalten, wobei Herr Dr. Hildesheimer die Ansprache hielt; durch das Hinscheiden des Staatsoberhauptes wurde die Stimmung der allgemeinen Landestrauer auch bei dieser Veranstaltung noch deutlicher sichtbar. kihingen, 9. März. Frau Rabbiner Adler bittet, Schülern und Freunden des Distriktrabbiners Emmanuel Adler Menachem ben Josef Gabriel bekannt zu geben, daß die Jahrzeit Sonntag, den 19. A d a r ist. Freiburg, 9. März. Es wurde hier ein orthodoxes Minjan gegründet, damit einem vielfach empfundenen Bedürfnis Genüge geleistet. Hannover, 5. März. Das Knderheim der Zion-Loge auf Norderney macht darauf aufmerksam, daß die Kurperiode in diesem Jahre am 22. April beginnt, und daß noch Kinder für die Zeiten 22. April bis 20. Mai und 26. Mai bis 23. Juni ausgenommen werden können. Der Andrang ist, wie in jedem Jahre, ein recht großer. Wegen Aufnahme beliebe man sich an das Büro des Kinderheims Hannover, Rathenauplatz 14, zu wenden. Prag, 9. März. Am 9. März wurde in der Tschechoslowakei der der 75. Geburtstag des Präsidenten der tschechoslowakischen Republik und Schöpfers des tschechoslowakischen Staates Thomas G. Masaryk festlich begangen. Die Prager jüdischen Zeitungen widmeten dem Präsidenten warme Begrüßungsartikel. , Paris, 1. März. Am 22. Februar ist der E rabbiner von Nancy, Rabbi Jsaac Bloch im Alter von 77 Jahren verschieden. Rabbi Bloch wurde im Jahre 1848 zu Soultz im Elsaß geboren. Er studierte in Paris und übte sein erstes Rabbineramt in Remiremont aus, dessen erster Ehrenbürger er war. Im Jahre 1882 ging er als Rabbiner nach Algier und kehrte im Jahre 1890 nach Frankreich zurück, um als Nachfolger des verstorbenen Rabbiners Libermann das Nabbineramt m Nancy zu übernehmen. In Algier widmete sich Rabbi Bloch der Erforschung von Denkmälern jüdischer Vergangenheit. Im Kriege bekleidete er den'Posten eines Militärpredigers in Toul. Von seinen veröffentlichten Werken sind zu nennen: „Geschichte der jüdischen Literatur" (gemeinsam mit dem Großrabbiner von Versailles Emile Levy), „Der Sohn Samsons", ene Sammlung von Predigten, einige Novellensammlungen u. a. m. E» ist auaschliehlich Sache der Leser, die im Bnseratemei enthaltenen Empfehlungen ritueller Ware« .oder sonstige Angaben religionrgesetzlichen Charakter» aus ihre Zuver» ISsstgkett zu prüfen. KOHLEN« GASHERDE stationZi'eu.i'rgniipoi'lsdls KACHELÖFEN mil'patenhRauchgasbrenmjng WASCHEREIMASCHINEN fforjtköffor,fC/tocfh(?> JULIUS SCHMIDT AN N ONCEN-ANNAHME zu Originalpreisen Frankfurt a. M-, Langesir. 7 Telefon Hansa 5842 Postschech-Kpnto Frankfurtmain 142353* ♦ Einzige Inseraten-Annahme för Frankfurter Geschäfts «Inst rite des „ISRAELIT“ ch Annahme von Inseraten für sämtliche hiesige und auswärtige Tageszeitungen, Wochenu. Fachblätter JULIUS SCHMIDT ANNONCEN-ANNAHME zu Originalpreisen □□□□□□□□□□□□□□□□□ Bronce BEIN&WEDEMEIER KAISERSTRASSE 40 □□□□□□□□□□□□□□□□□ seir lOO Jahren bewahrr von Millionen geirunken. M Frankfurt a. M.; Pädagogische Beilage: Sehre, tn Hulda. — Verlag „Israelin, (B. m. v. H., Frank Druck: Sermon Verlags-Aktiengesellschaft, Frankfur vi «. 81, a. M.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.