Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1925)
- Date
- 1925-03-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2450337-2450347--71981-2529313- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
rgSgwSTviai»-! X^'^.aIS: E2i:Lr^-.ÄLMMrL 66. Jahrgang. Frankfurt a. M., den Nr. 10 Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Januar l824: Deutschland 1 Goldmarl monatlich; Ausland.- Vterreltabrprelse (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich. Kosten des Stretfband-Ber» kandes) Deutsch-Ssterreich: 60000 Kronen; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; Frankreich 15 Fr.; Belgien 15 Fr.; Hollands fl.; Italien SN Lire: Jugoslawien 70 Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien 200 Lei; Polen 4 deutsche Toldmark zum Tageskurs oder 6 Zloty; Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowakei 25 Kronen; Ungarn 70000Kronen; Dänemark 5 Kronen; Norwegen 5 Kronen; Schweden 8.60 Kronen. Einzelnummer dreißig Goldpfennige. Der Israelit erschein» teden Donners»»» -tnleraie 4'» Goldpk. fm nt« ftedena, soaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzekgen nur 30 Pf. Die 75 mm breite Rrtlamezeile; leyte Te»t>etu l.6o Mk., vorletzte Terrserre 2.— Mt.; Ehiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Jnserataufträgen rarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnseratenannahme durch den Berlag des Israeli« G. m. b. h., Frankl, a. M., Gr. Eschenheimer Straße 23, Tel. Hansa 5842 sow. durL sämtl. Annoncen-Erped. des In- und Auslands Alleinige Inseratenann. für Franks. Grschäsisanzeigen: Jul. Schmidt. Langeftraße 7, II. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. '/"Ä S'r„l9H “ Aukerdew an: Postsparkasse A'icn Nr 78M5 - Poftsparkafsenamt Budapest Nr. 18 4SI - Postscheckkonto Warschau Nr 190737. Postscheckamt Zürich Nr» VIII7251 2nkaffo-Bank Rotterdam — Postscheckamt Amsterdam Nr» 24 669 — Böhmische Untonbank ln Prag ^Banca Marmaroach Biaua & Co. tn - Bukarest — Filiale des Wiener Bankneretns in Agram. Schönstes Varmizwo Geschenk: QIC PSALMEN Übersetzt und erläutert von Rabb. S. R. Hirsch In ff. Leinwandbaud Mk. 10.— , Borzugsausgabe in Halbleder aufBüttenpapier gedr. Mk. 20.— Zu beziehen durch alle Buchhandlungen Wohltätigkeit. , Am Purim feiert die jüdische Wohltätigkeü ihre Triumphe. Man hat aus dem Haß, dem wir das schöne Fest verdanken, Liebe geschmiedet. Unser Gegenhaß betrifft nicht den Menschen, betrifft nicht das Volk, sondern betrifft nur „Amalek" und „Haman" als Begriff, als Weltanschauung, betrifft die Bosheit, die sich anschickt, an Stelle der Liebe die Räder des Weltgeschehens zu bewegen. Unsere Liebe aber, aus der Geschichte dieses Festes gewonnen, erfaßt jedermann, vVis.i b3 x^x mus niinai npm stx mjma t. gleichsam als wollte das jüdische Herz demonstrieren gegen Amaleks und Hamans rohe Hand im Weltenleben, die durch die leidvolle Menschengeschichte ausgestreckt ist, „zu vertilgen, zu töten und zu vernichten. ..." W i e wir lstben sollen, wie wir spenden, 'stützen und helfen, darüber läßt uns das jüdische Schrifttum nicht im Unklaren. Erst mit dem Schwinden der Thörakenntnis und Thoraverbindlichkeit in großen Schichten unseres Volkes in den letzten Jahrzehnten konnten Zweifel in dieser Hinsicht entstehen; konnte die Frage auskommen, ob man gut daran tue, das jüdische Herz walten zu lassen bei der Hilfsarbeit, oder Nb es nicht besser sei, den Verstand zu befragen Hnd die Hilfsarbeit nach Zweck und Nutzen zu Mgeln. Abwägende Klugheit sieht im Almosengeben nach alter jüdischer Sitte ein kopfloses Verschwenden, einen Tropfen auf den heißen Stein, der dem Elend nicht an die Wurzel geht. Aus Verstandserwägung trat man an die Gründung von Institutionen, die das Elend in gesammelter Form mindern und mildern sollen, an die Gründung von Vereinen, die durch Zentralisierung das Problem im Großen lösen sollen. Soziale Arbeit setzte ein, die noch mehr will: dem Elend möglichst vorbeugen, Jammer im Keime ersticken, eine Wohltäitgkeit üben, die die Wohltätigkeit rüHerflüssig inacht. Wer den Geist der jüdischen Wohltätigkeit von Haus aus kennt, aus Talmud, Maimonides und Schulchan Aruch weiß, wie sehr auch schon unsere Alten an die Verstandwohltätigkeit der letzteren Art gedacht haben. Das iajr ^nx mi wird in dem Sinne gedeutet, daß „du dem Bruder helfen mußt, solange er noch neben dir, — auf gleicher sozialer Stufe — steht", und das sogenannte Vorbeugen gilt in Maimonides sowohl wie im Schulchan Aruch »als ,i3ffxi nVya fij?*7S3," erfter und höchster Grad des jüdischen Wo^ runs. Der Fehler unserer Zeit liegt indes darin, daß sie ein „Entweder-oder" setzt, wo es l en muß: „sowohl als auch". Der Verstand soll nicht versagen bei der Arbeit zur Steuerung des Elends, aber auch das Herz darf nicht versiegen. Alle philantropischen Institutionen, alle Vereine und alle vorbeugende soziale Hilfe entlasten uns nicht von der Pflicht des Almosengebens, wie sie uns das alte Zdokogesetz auferlegt, wie sie uns das Purimfest als Höhepunkt der im Erfreuen sich spiegelnden Freude zeigt. npix bv nn3 p\i ix m p na^sr nx i^xwi ixn 'övjvaxV jm ms xsx rn tp*v>s na 1x11 13b iax -11333 min mp 'ixb man mpix Man kam zu Salomo dem Sohne Davids und fragte ihn, wie weit die Macht des Wohltuns gehe, und dieser sprach: „Gehet hin und sehet, wie dies Vater David in seinen Psalmen erklärt hat: Er streute die Gaben an die Armen, sein Wohltun ist von dauerndem Bestände, sein Glanz wird erhöht in Ehren." Man geht nicht irre, wenn man in dieser Agadastelle des Problemes restlose Lösung erblickt. Salomo, der weiseste aller Menschen, der Philosoph des Kohelet, der Mann des kalten, klaren und scharfen Verstandes, zu ihm kam man und an seinen wägenden und prüfenden Geist appellierte man: rpix bv .ins pvr ist. welche Kraft, welchen Wert und Nutzen hätte denn das verschwenderische Almosengeben? Er aber, der Mann des Geistes, verwies aus König David, den P s a l m e n s ä n g e r, den Mann mit dem großen, warmen, jüdischen Herzen. Und was rät David uns, der Sänger aus seiner heißen, für alle und alles in Liebe schlagenden großen Seele heraus? Das Eine tun und das Andere nicht lassen. Dem Mitgefühl des Herzens seinen freien Lauf lassen, den Geist aber rege halten und die Hände bewegen fiir den praktischen, bauenden und vorbeugendenÄeil der jüdischen Wohltätigkest. All diestzs bringt der königliche Sänger auf die kürzeste Formel in den drei angeführten knappen Sätzen. a»jr»ax^ p3 irs d. h. geben und wieder geben, ohne zu fragen und ohne zu prüfen, wo uns Hunger und Not in irgend einer Form entgegenweinen. ivb man mpix- Darüber hinaus sorge man aber durch Errichtung und Unterhaltung von Institutionen, der Zdokotat eine ewige Dauer zu sichern. 11333 min i3ip- Die Guttat aller Guttaten bestehe aber darin, daß man durch soziale Hilfe es fertig bringe, daß „sein Glanz", des Wankenden, weichender Glanz, doch „in Ehren und auf der Höhe bleibt", im Sinne des -ja». König Monobatz, so erzählt die talmudische Agada, verschwendete in Tagen der Not alle von den Vätern und Urvätern angesammelten Schätze zur Linderung von Armut und Menschenleid. Den Freunden und Verwandten, die ihm darob Vorhaltungen machten, erwiderte er: „Meine Väter sammelten hier unten, ich aber sammele oben. Meine Väter sammelten so, daß die Schätze von menschlicher Hand erreicht werden konnten, ich aber bewahre sie so gut, daß sie keine Menschenhand erreicht. Meine Väter legten sie ohne Nutzen an, ich aber lege meine Schätze so an daß sie reiche Früchte tragen." In dieser dreifachen Antwort dürften sich ebenfalls die drei Arten des jüdischen Wohltuns widerspiegeln, die sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern vielmehr ergänz e n. Dem einen Vorwurf entgegen, daß er das Geld durch Almosengeben nutzlos verschwende, betonte er, daß er .ibi/ab oben sammele, wo jedes Saatkorn der Liebe von Gott gezählt werde, wenn es auch ,ivab hienieden verloren scheint. Dann aber verwies er auf die Wohltätigkeitswerke, an die die zerstörende Menschenhand nicht heranreicht, auf die Institutionen von ewiger Dauer. Zuletzt aber konnte er auch von einem Wohltun sprechen, das „reiche Früchte" trägt, reiche Früchte für den Bedachten, von dem drohender Zusammenbruch abgewendet wird und der eingereiht bleibt in die Schicht, der er bis dahin angehörte. Lasten wir am Purim den Begriff. der jüdischen Wohltätigkeit in all seinen Spielarten und Auswirkungen, ob dem Herzen oder dem (Seifte^ entströmt, unser Eigen werden, und wäre es nur, um der Welt zu zeigen, wie wahres Judentum aus den Tiefen fanatischen Hasses die Perlen der Liebe hervorzuholen weiß.