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Der Israelit · 1925-02-26 · Heft 9 (26.2.1925) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 9 (26.2.1925)
Date
1925-02-26
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 Nr. 9 seiner Anhänger mit Jubel ausgenommen und strikte beachtet. Die „Kofrim" mußten sich mit ihrem Fasten und Trauern in ihre Verstecke verkriechen, verfolgt und in ihren Gottesdiensten gestört von den eifrigen Sabbatianern. In Livorno wie in Venedig, in Smyrna und in Saloniki, auch in Amsterdam und Hamburg rüstete man sich, den neunten Am als Geburtstag des Messias und der jüdischen Erlösung festlich zu begehen. Unklarheit, so berichteten die Beauftragte, herrsche in der Welt über das M o n t a g s f e st am 23. Tammus, und man wisse nicht, ob dieser hohe Sabbat nur für dieses Jahr und nur für Abydos gelte oder für ganz Israel und für ewige Zelten. Wer es irgend einrichten kann, rüste sich, diesen Tag in der Nähe Sabbatais auf Abydos zu verleben. Es fei ein Massenbesuch aus allen Ländern, wo Juden wohnen, zu erwarten. Mit diesem Erfolge war man auf Abydos fürs erste zufrieden und traf auch die nötigen Vorbereitungen. Schon Tage vorher legten Schiffe aus allen Richtungen Anker vor der Dardanelleninsel, an deren Landungsplatz ein Schlagbaum mit dem Dawidstern und den Farben und Abzeichen der „zehn Stämme" mit dunklen kabbalistischen Aussprüchen aus Daniel und Sohar die Aussteigenden empfing. Vollbesetzte Wagen fuhren zum Schloß, wo die Gäste sich erst bei Jachini und Primo zu melden hatten, bevor sie das Antlitz des Gesalbten schauen oder Sarah ihre Huldigungen und Geschenke entgegenbrmgen dursten. Unter den Gästen dieser Tage befanden sich auch Jsak Naar und Abraham Pereyra in Begleitung anderer angesehener Juden aus Amsterdam und Hamburg. An diesem „heiligen Montag" zählte die Insel vier bis fünftausend Gäste, die, soweit sie nicht als Sendboten und Delegierte von Gemeinden Unterkunft im Schlosse fanden, oder sich gegen teueres Geld bei den wenigen Bewohnern und Beamten einlogierten, eine Art Feldlager unter freiem Himmel aufrichteten. Die Beamten und Wächter schloffen die Augen, öffneten aber dafür weit die Hände und ließen alles gut fein. Eine einbringlichere Zeit als die des „gefangenen Messias" hatten sie nie gesehen, und sie wußten, daß sie auch nie wiederkehren werde. < Fortsetzung folgt.) Kinderecke. Indische Gestalten. Der Mlnaer Gaon. s. Des Gaons Lehrweise, Bücher und Schüler. Was den Gaon zum Gaon machte, nämlich feine Lehrweise, zu schildern, ist in diesem Rahmen nicht gut angängig. Man könnte einige Proben aus feinen Werken anführen. Das wäre aber ungefähr so, als wollte man Meerwasser in einen Eimer fassen und sagen: „Das ist das Meer!" Sein Ideal war, immer die Wahrheit zu ergründen und sich nicht durch Scharfsinn vom Wege der Wahrheit abbringen zu lassen. Sein Lieblingsschüler Rabbi Chajim fand ihn einmal am Freitag krank im Bette liegend, weil ihm eine Jeruschalmi-Stelle nicht ganz klar war. Er hatte den ganzen Tag vor Kummer nichts gegessen. Sie setzten sich gleich darüber und fanden des Rätsels Lösung. Erst jetzt heiterte sich das Gesicht des Gaon auf und er nahm Speise und Trank zu sich. Fremde, die zu ihm kamen, waren Der Israelit 26. Februar 1928 überrascht von der schlichten Einfachheit seiner Lehrweise, die anscheinend von der Geistesschärfe und den komplizierten Gedankenkonstruktionen, wie sie zu damaliger Zeit beliebt waren, gar nichts hatte, in Wahrheit aber mit einem Wort, einer hingeworfeneen Bemerkung, der Richtigstellung einer Lesart hundert ungestellte Fragen im voraus beantwortete. Er verlangte von seinen Schülern, daß sie mindestens einen Talmudtraktat auswendig lernten, um auch unterwegs und in der Dunkelheit nach der Vorschrift: „und sinne darin Tag und Nacht" lernen zu können. Es lag in seiner Art, den letzten Quellen nachzugehen, daß er nicht nur dem Talmud, sondern auch T e n a ch das größte Interesse zuwandte und er schrieb Kommentare zu vielen Teilen der Bibel, in denen ebensosehr die Grammatik, die sinngemäße, wie die tiefere kabbalistische Auslegung auf ihre Rechnung kommen. Neben der hebräischen Sprache maß er auch der aram ä i s ch e n große Bedeutung bei und er schrieb ein Lehrbuch der aramäischen Grammatik, nicht minder galt feine Liebe den profanen und realen Wissenschaften, freilich wollte er im Sinne des Maimonides den profanen Wissenschaften nur die Stellung der „Rakochaus" w Tabochaus", der Dienerinnen bei der Wissenschaft der Thora, die alleinige Herrin und Gebieterin bleibt, eingeräumt wissen. Durch die Nichtbeherrschung einer Wissenschaft, so sagte der Gaon, bleiben uns hundert Kenntnisse in der Wissenschaft der Thora verschlossen. Die vielen Bücher, die heute als die des Wilnaer Gaon dessen Ruhm hinaustragen, stammen nicht direkt aus seiner Feder. Sie haben zumeist Aufzeichnungen der Schüler oder Randglossen des Gaon selbst zur Unterlage. Daher die Kürze und die Knappheit der Diktion. Aber immerhin füllen die Bücher des Gaon ganze Bibliotheken aus und die darin enthaltenen Geistesschätze sind alle aus dem tiefsten geschöpft. Unter den Schülern, die die Lehren des Gaon ausgezeichnet hatten, mutz an erster Stelle Rabbi Chajim Woloschiner genannt werden, so genannt nach der großen Jeschiwa, die er nach dem Tode des Gaon, wohl im Aufträge desselben, im kleinen litauischen Städtchen W o l os ch i n gründete. Sodann dessen Bruder Rabbi Schlomo Salman, „Rabbi Selmele" genannt, der schon mit 33 Jahren starb. Auch der Verfasser des „Chaje Odom" usw., Rabbi Abraham Danzig, zählte zu den Schülrn des Gaon. Einer seiner Jünger war auch Rabbi Mosche M e i s e l, Schammes in Wilna, ein Mann von ungeheurem Wissen, der aber seinen Stolz darein setzte, dienend in der Stadt des Gaon zu wirken. Er wunderte später nach Palästina aus, wo er den Kampf gegen den Chassidismus führte. Ein besonderes Kapitel verdient der große Popularisator des Gaons und dessen intimster Freund Jakob Kranz, bekannt unter dem Titel der „D u b n er M a g g i d". Von diesem Manne, der dem Gaon in seinen letzten Lebensjahren einziger Arzt und Tröster war, soll noch in einem eigenen Aussatz später eingehend gesprochen werden. Die geplante Palästinareise. Zu erwähnen sei noch, daß der Gaon in vorgerücktem Alter eine Reise nach Palästina geplant hatte. Er kam aber nur bis nach Königsberg und kehrte zurück nach Wilna. Man sprach davon, es sei ihm ein Zeichen vom Himmel gegeben worden, die Geulah nicht durch die Reise herbeizuzwingen. Kaabbalistisch veranlagte Verehrer des Gaon meinen, des Gaons Seele habe Elemente der Mosesseele enthalten, und so sollte ihm wie jenem versagt bleiben, das heilige Land zu betreten. Wahrscheinlicher ist der von anderer Seite angegebene Grund: Rabbi Elia hatte die Absicht, im heiligen Lande die Terumo- und Masser-Gesetze genau einzuhalten, sei aber unterwegs zur Ueberzeugung gelangt, daß die Ansicht des „Bes Joseph", der dieses unter Berufung auf Maimonides für die Gegenwart verbietet, entscheidend sei. Um nun nicht in Kollision mit dem auf sich für Palästina genommenen Gelübde zu kommen, gab er die Reise auf. Des Gaons Ende. Mit 70 Jahren überkam den Gaon ganz plötzlich Schwäche und die Gebrechlichkeit des Alters. Der Geist blieb klar, hell und aufrecht und überwand noch sieben Jahre lang alle körperlichen Leiden und Beschwerden. Wie in der talmudischen Erzählung vom König David, konnte der Todesengel keine Gewalt bekommen über den Mann, aus dessen Mund das Wort der Thora nicht wich. Als man ihm wie alljährlich in den Bußtagen des Jahres 1798 von der Gemeinde das schönste Esrog, das aufzutreiben war, überreichte, kamen ihm Tränen in die Augen. Man kannte nicht den Grund und war beunruhigt, von bösen Ahnungen erfüllt. Mit Ausgang des Versöhnungstages „wandte sich der Tag zur Neige". Der Gaon erkrankte ernstlich, und die „vier Tage" bis zum Sukkothfeste, sonst der Vorfreude gewidmet, waren nur eine Fortsetzung des Jom Kippur. Die Synagogen waren Tag und Nacht vollgefüllt von Lernenden und Betenden. Alles weinte, zitterte und betete um das kostbare Leben. An den ersten Sukkotagen ließ er das Lulow nicht aus der Hand und am dritten Cholhamoedtage hauchte er seine große Seele aus. Er hatte vorher noch mit einer Inbrunst und Freude, die alle Umstehenden erschauern ließ, den Segensspruch über das Lulow gesprochen. Man konnte nachher nur mit Mühe das Lulow aus der erstarrten Hand des Toten lösen. Am Tage der Bestattung konnte man in keiner Synagoge der großen Gemeinde Wilna „Minjan" für den Mincho-Gottesdienst aufbringen. Alles war draußen auf dem Friedhof. Damit ist mehr gesagt, als alle Schilderungen vermöchten. Die Klagereden, die nach den Feiertagen in allen Gemeinden der Welt gehalten wurden, würden ganze Bibliotheken ausfüllen. Am Pessachfeste 1720 wurde der Gaon geboren, am Sukkotseste 1798 starb er. Zwischen Pessach und Sukkot, zwischen Reinheit und Freude bewegte sich dieses große Leben, Reinheit verbreitend und höchste Freude an der Thora weckend bis ans Ende der Zeiten. Gottvertrauen. (Ein Vierzeiler des „Scheloh"). Dom Gestern blieb nichts zurück, Morgen noch im Dunkel ruht. j-ny -pnjrn Gegenwart ist Augenblick. py «pna mnn Woher dann Sorg und Unmut? pa niinri p ök Im Inseratenteil erscheint ein Hinweis der Firma Selmar Kaufmann G. m. b. H., Berlin C. 94 und NW. 23, worin die Firma auf ihre neuerrichtete, unter Aufsicht der Addas Israel stehende Konsevenfabrik aufmerksam macht. Für alle rituell lebenden Juden nicht zu übersehende Annehmlichkeit. Vornehme Beleuchtungskörper BEIN&WEDEMEIER KAISERSTRASSE 40 D RonnefeldfsTee H seir lOO Jahren bewährt j von Millionen gemunken, f LeranuvorMch für den allgemeinen 3&tl und das Feuilleton S Sch ach nowttz;Jnserale t. B.: S. Sch achnowttz, sämtlich m Frankfurt a. M.; Pädagogische BeUage: Lehrer I. Sptrv in Fulda. — Vertag „Israelit", ®. m. v. H.. Frankfurt a. M. Druck: Sermon Vertags-Akriengesellschaft, Frankfurt a. 9t

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