Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1925)
- Date
- 1925-02-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450337-2450345--71946-2529275- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sei'e 8 Nr. 8 dem auf ihren Schultern die Mühen und Sorgen des Geschäftes lasteten, erzog sie ihre Kinder in geradezu vorbildlicher Weise zu echten treuen Jehudim, die sich sämtlich als solche im Leben betätigen. Sella Seewald hat gezeigt, wie mitten in einer kleinen jüdischen Landgemeinde, jüdische Energie und jüdisches Pflichtbewußtsein sich durchzusetzen vermag, und so wird ihr Leben weit über die Bedeutung des Einzelfalles hinaus gerade heute bei dem drohenden Verfall der jüdischen Landgemeinde richtunggebend und wegweisend dafür sein können, was das bewußt jüdische Wollen einer einzelnen Frau vermag. Unsere ganze Gemeinde verdankt ein gut Teil ihres noch altjüdischen Gepräges dem Hause Seewald. Ergreifend bekundete sich die allgemeine Teilnahme bei der am 25. Teweth stattsindenden Beerdigung, an welcher von Nah und Fern zahlreiche Freunde und Verwandte des Hauses zusammen mit fast sämtlichen Mitgliedern der jüdischen Ortsgemeinde und vielen Andersgläubigen der hochbetagten Greisin das letzte Geleite gaben. Worte des warmen Gedenkens und Dankes fanden namens der Familie die Herren Dr. Ehrmann aus Frankfurt a. M. und Herr A .Fröhlich aus Gelsenkirchen. Auf Wunsch der Verstorbenen fand die Beisetzung im Familienbegräbnis in Schwabach statt. n-axifi ----- — Schöllkrippen. 23. Januar. Der in weiten Kreisen bestens bekannte Herr Josef Strauß konnte am 12. Januar im Kreise seiner Angehörigen seinen 81. Geburtstag in seltener körperlicher und geistiger Rüstigkeit feiern. Als Vertreter strenger Orthodoxie kann derselbe auf ein segensreiches Wirken sowohl in religiöser als auch wohltätiger Hinsicht zurückblicken, wie er sich auch von allen Seiten großer Beliebtheit erfreut. Möge ihm noch ein recht langer, glücklicher Lebensabend beschieden sein. Vermischtes. Frankfurt a. M., 17. Frbr. Die Mitglieder des . „Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands" werden gebeten, den Mitglkedsbeitrag pro 1925 mit 5 Mk. auf Postscheckkonto 5319 E. Ettlinger einzuzahlen. Pro 1924 sind noch ca. 130 Lehrer mit der Zahlung des Jahresbeitrags im Rückstand, und werden gebeten, denselben zusammen mit dem pro 1925 einzusenden. Leipzig. 10. Febr. In der Ortsgruppe der Agudas Jisroel sprach jüngst vor einem großen Auditorium im Künstlerhaussaale Herr S ch a ch n o w i tz , Redakteur des Frankfurter „Israelit", über „Geistige und politische Strömungen im Judentum". Der Referent gab eine fesselnde Darstellung der drei Hauptrichtungen innerhalb der Judenheit Liberalismus, Nationalismus und Orthodorie, ging ihren Quellen nach und zeigte, welch' geschichtliche Entwicklung sie im Einzelnen nahmen. Der Liberalismus, von Mendelssohnschem Enste befruchtet, suchte in seinem individuellen Assimilationsbestreben an die Stelle der religiösen Formen die Reformen zu setzen. Und heute stehe er zugestandenermaßen am Grabe seiner Richtlinien. Nationalbewußtsein, im Judentum stets lebendig, fand seine organisatorische Konzentration, über die anfänglich rein lokale Thowewe-Zionbewegung hinausführend, in der von Herzl großzügig geschaffenen Zusammenfassung, im Zionismus. Man mag wohl mit dem Programmstksbsn, soweit es eine praktische Lösung des Wirtschaftsproblemes bedeutet, einverstanden sein, aber schwere Bedenken erheben sich für uns, sobald wir erkennen, daß der Zionismus das allein nicht will. Zionismus bedeutet heute eine Weltanschauung, und in seiner Ideologie bezweckt er weitgehendst die nationale Assimilation des jüdischen Volkes. Solange die Leitung bei Männern bleibt, die durch Wort und Tat für den religiös orientierten Juden eine Gefahr bedeutqn, sieht Referent keine Möglichkeit parteilichen Anschlusses. Die Untersuchung nach den Anfängen der Orthodorie führt an den Beginn des jüdischen Dolksdaseins. Sie hat die Zeiten überdauert und selbst schwer bedrängt, gab sie nie der äußeren Not Ausdruck, zog sich vielmehr in die Lehrstätten zurück, um dem mannigfach mißhandelten Körper die Seele rein zu erhalten. Die große Schar der Gesetzes- und Eesinnungstreuen fand ihren Mittelpunkt in dem Weltbund der Agudas Jisroel. Referent streifte in einigen ' Strichen.' den großen Aufgabenkreis der Agudas Jisroel, deren Probleme sich um Tauroh und Erez Jisroel kristallisieren. Mit einem Appell tatkräftiger Unterstützung von. Keren Hatauroh und Keren Hajischuw schließt der Vortrag. Die dem Referate folgende-Aussprache bewegte'' sich leider zu nur geringem Teile auf sachlichem Boden, zeigte weit mehr eine fast unwürdige Difziplinslosigkeit zahlreicher Gäste, die in Geschrei und störenden Zwischenrufen sich austobte — ganz imä'Gegensatze zu der noblen Haltung der zahlreichen agudsitischen Zuhörerschaft, beim. Dortrage Herrn Rabbiner Amiels, die mit keinem Worte dessen, zu scharfer Kritik herausfordernden Ausführungen unterbrach. Nur mit größter Mühe gelang es, als die Saallichter bereits erloschen, Herrn Schachnowitz für einige Minuten zum. Schlußwort Gehör zu verschaffen. Da zur Widerlegung keine Zeit mehr war, begnügte sich der Redner, . mit einigen launigen Wendungen die Hauptanwürfe und diverse persönliche Verunglimpfungen abzutun. (In privater Unterhaltung betonte ein Zionist mit Stolz, seine Gesinnungsgenossen hätten es nun wieder einmal fertw gebracht-, daß agudistische Redner sich in Leipzig immer nur einmal sehenließen. Diesen: Ruhm gönnen wir ihm von Herzen!) « Dr. m«d. Dzialowski. - Der Israelit Brieflasten. Roes in B. Mk. 3.— für Abonnement verbucht. , ■ - - M. D. in H. Wir haben die Sache mit den Milchhrödchen Mch Wäsferbrbdchen — in deutlichster Form bekannt gegeben. Sie beruht auf Beobachtungen und Feststellungen, die an verschiedenen Stellen Deutschlands gemacht wurden. Es. erübrigt sich nun. die Bekanntgabe neuer Fülle. L. G. M. Das Inserat kostet Mk. 720. unsere Postschecknummer ist 19802 und bitten um Uebersendung aus dieselbe. A. K in Offenburg. Ueber all Ihre Anfragen erhalten Sie genaue Auskunft in der kleinen Schrift des Herrn Ta y er, Schnurgosse 46, Frankfurt a. M., die auch alle einschlägigen Vorschriften und Gebete enthält. — Mattersdorf ist eine fromme Gemeinde unter der geistigen Leitung des Herrn Oberrabbiner Ehrenfeld. Sprechsaal. Brief aus Würzburg. Verehrt. Redaktion!- Vivos voco! Der Würzburger Brief in Nr. 5 des. „Wochenblattes", der dem verderbten, Volk einschließlich der religiösen Schwärmer unserer Esräer die Zähne zeigt, Hai hier etwas Staub aufgewirbelt. Er kann nicht unwidersprochen bleiben, weil er den guten Ruf unserer alten Gemeinde bedroht und weil er persönliche Anwürfe enthält, die in sich zusammenfallen für jeden, der die Personen und die Verhältnisse kennt. Will man von billigen Witzen absehen, darf ruhig gesagt, werden, daß Würzburg wacht und immer gewacht hat, wenn es gal, fürt die jüdischen Ideale in die Bresche zu treten. Die Vereinssitzungen machen es' nicht aus; das Wichtige ist der Zusammenschluß Gleichgesinnter: mögen sie im eigenen trauten Heim den wohlverdienten Schlaf genießen. Im übrigen wird hier mehr wie je gelernt. Nicht nur unser Rabbiner hat ständige Schiurinl für Erwachsene und Fortbildungskurse für die reifere Jugend eingerichtet, deren ansehnliche Kosten er aus privaten Mitteln aufgebracht hat, auch unser Seminarrabbiner hat es verstanden, einen Kreis eifriger Hörer um sich zu. sammeln, und den hiesigen und auswärtigen Lehrern durch eine allwöchentliche Konferenz die nötige Fortbildungsmöglichkeit zu schaffen. Daß er — um auf den Vorwurf im „Wochenblatt" einzugehen — dabei den Tanz nicht gerade anemp^iehlt, das darf füglich nicht wunder nehmen.. Wir haben..jetzt erst unser Schmuckkästchen, „die kleine Synagoge", eröffnet, die „große" wird Nachfolgen, wir haben einen Ehrenfriedhnf errichtet, eine Keren Hathora-Ortsgruppe mit Begeisterung und mit reichen Spenden begründet, wir haben eine Wohltätigkeitszentrale und eine glänzend arbeitende Mittslstandsvefforgung nebst rit. Mittagstisch für Hiesige und für Studenten geschaffen und sogar eine Ortsgruppe des Hamburger Speisevereins mit vielen Mitgliedern ist da, es fehlt rein gär nichts, außer einer offiziellen Achduth-Ortsgrnpve. Wenn ich noch anfüge, daß wir dank der Rührigkeit der Vorstandschaft und Schulleitung mit unserem Seminar, als dem nun noch einzigen in Süddeutschland, durchiehallen und unsere sämtlichen Beamten geradezu mustergültig et«= gruppiert haben, die unteren Klassen sogar, nennen wir es mit „Kaschruth-Zuschlag", — dann darf ich wohl schließen und zum Schluß den Wunsch äußern, der heute im allgemeinen und im besonderen hinsichtlich des erwähnten Artikels angebracht ist: Mehr. Liebenswürdigkeit nach rechts, meine verehrten Herren! Und damit verbleibe ich Ihr aufrichtig ergebener .Dwn w wirr Die Rückkehr zum Lehrberufe. Herr A. N. warnt in der vorigen Nr. vor der religiösen. Gesinnung der ans dem Kaufmannsstand. zurückkeh'-enden Lehrer. Als vor 3—4 Jahren die jüdischen Gemeindeaewaltiaen durch ihr kurzsichsiaes und uniüdiiches Verfahren die Lehrer in den Kaufmannsstand trieben,, gingen die meisten ungern. Jetzt, da die erste Möglichkeit dazu gegeben ist, keh'-t man zurück und erholt als ov'bs 'i*>p das a''sinkende M'ßt'w'um gewisser Kreide. Wieso warnt man nicht vor der unjüdischen Gesinnung der Gemeindevertresiingen, die sich doch fall ausschli-'vllch aus Kaufmannskreisen rekrutieren? Oder ist da jüdische Essivnung nicht ebenso notwendig! Man warnt also die Gemeindevertreter - in der Tat vor ihrem eigenen Abbild. Logik, dein Nome ist: A. N.! — Vielleicht erfinden Sie, Herr A. N., ein Reagenzverfahren auf jüdische Gesinnung. Auf dem Gebiet sind Lorbeeren noch billig — — — Kollegen, legt's zum klebrigen! Ein „zurückgekehrter" Lehrer. Bücherbesprechimgen. fITirp Vif» 1Sv- Im Selbstverläge des Verfassers von Juda Labin, Frankfurts. M., Kleine Obermainstraße 6'. Der Verfasser dieses Werkes hat sich der Aufgabe unterzogen, sämtliche Agadahstellen aus Talmud Babli, Jerufchalmi, Sohar, Midraschim und späteren Werken der rabbinischenLiteratur, mit erklärenden Bemerke ungen vorsehMzusammenzustellen, die sich auf das 19. Februar 1926 ^.Geb.et beziehen. Die Sammlung ist dazu angetan, Andacht zu wecken, das Beten in seiner ganzen tiefen Bedeutung zu zeigen und die „Kawono" zu steigern. Jedermann, der nach Reinheit und Sammlung beim Gebete strebt, wird aus dem Werke Nutzen ziehen. Rabbinern^ Predigern und Dozenten wird es eine reiche Quelle von Literatur erschließen, um mit deren Hilfe . Inbrunst und Begeisterung zu wecken. Dem 176 Seiten umfassenden ersten Teile sollen noch weitere elf Teile folgen, und es darf der Hoffnung Ausdurck gegeben werden, - daß der materielle Erfolg des ersten Versuches den Verfasser ermutigt, unverzüglich an die Herausgabe der weiteren Teile zu schreiten. Diese zwölf Teile sollen ein Ganzes ergeben und wird nicht nur eine ausgiebige Quelle von Vortragsstoff bieten, sondern auch ein echtes, rechtes, jüdisches Moral- und Erziehungsbuch fein, zur Ausbildung der. „Midaus", zur Weckung von Liebe zur Thora, zur Entfachung der Andacht. Der Herfaffer, der wenig auf materiellen Nutzen sieht, vielmehr ns o’ain ausgeht, verdient weitgehendste moralische und materielle Unterstützung aller, die es mit dem Judentum, seiner Thora und feiner Moral, ernst meinen. Ein solcher Schatz, wie ihn das Manuskript Labin repräsentiert, muß für das Judentum gehoben werden, je früher, um so besser. Wer dazu beiträgt, hat an einer großen jüdischen Sache mitgearbeitet. . S. tz.. * * * nann wvrj? Gesammelt und herausgegeben von I. T ay e r, Frankfurt ä. M. (gedruckt bei der „Hormon" A.-G., Frankfurt a. M.). Das Jahr 5685 ist bekanntlich das erste des zweihundertoierten Sonnenzyklus feit Erschaffung der Welt. Jeder Sonnenzyklus umfaßt 28 Jahre. In einem solchen Jahr tritt der Frühlingsanfang (;v'z nsipn) wie im Jahre der Weltschöpfung am Dienstag nachmittag 6 Uhr ein, worauf am folgenden Mittwoch (nvs rw) nach Talmud Berachot 59 der Segensspruch irrinv new» npy gesprochen wird. Zu diesem Segensspruch kommen nach späterer rabbinischer Einrichtung noch andere- Verse und Psalmen. Unter Berücksichtigung dieser Eigenart unseres Jahres, die die einmal in 28 Jahren in Anwendung kommenden Gebete am Mittwoch, dem Rüstetag zum Pessachfeste vom Sonnenaufgänge bis 9 Uhr fällig macht, hat sich I. Tay er der Mühe unterzogenem einem schönen handlichen Büchelein alle einschlägigen Dinim und Gebete zusammenzustellen. Daß man dieses Büche-, lein nicht für die nächsten 28 Jahre aus der Hand legt, dafür hat der Verfasser gesorgt, indem er im Anhänge auch das „Kiddusch Lewono" mit vorangehenden halachischen Hinweisen bringt. Das sehr nützliche Büchlein ist vom Verfasser, Schnurgasse 46, zu beziehen. frankfurter Berichte. Oeffenlliche Versammlung der Agudas Jisroel- Orks- und Jugendgruppe. Im Anschluß an die Konferenz der allweltlichen Palästinazentralen der Agudas Jisroel, die am. Montag nachmittag hier zu Ende ging, fand abends in der Liederhalle, Langestraße, eine von der Orts- und Jugendgruppe der Agudas Jisroel einberufene öffentliche Versammlung statt, in der als Redner die Herren Rabbiner Dr. Klein, Nürnberg und Rabbi Lau, Suczawa hervortraten. Wenn man den Einberufern dieser Versammlung einen Vorwurf machen dürste, so wäre es der, daß bei dem zu erwartenden Massenandrang für einen anderen geeigneteren Saal hätte gesorgt werden müssen. Eine überaus unnötige Blitz aufnah me mitten im Dortrage des zweiten Redners lenkte nicht allein das Interesse von den wichtigen Ausführungen mitten in den spannendsten Momenten ab, sondern führte auch zu einer kleinen Panik, die leicht rn schlimme Folgen hätte haben können. *) Man darf aber den Andrang, und auch die Zwischenfälle auf Kosten der Vegeisterungswelle für Erez. Jisroel, wie sie jetzt erfreulicherweise durch die Massen geht, stellen, und die kleinen Regiefehler mögen sich wohl durch die Kürze der Zeit erklären, die den Leitern für die Einberufung übrig, blieb. Herr Rabbiner Dr. Klein schilderte von der bekannten Berliner Bewegung ausgehend, die Katastrophe des Judentums im Westen, daraus .erfolgend,, daß. man. einen Grenzstrich ziehen zu müssen glaubte zwischen Mensch und Jude. Die Aguda hat die Ganzheit von Körper und Seele im Judentum wieder verkündet und die Forderung ausgestellt, daß es eine Spaltung zwischen Leben und Religion nicht geben darf, daßdas Leben einerseits Träger des Gesetzes ist, auf der anderen Seite aber vom Thoragesetz seine Direktiven erhalten muß. Das jüdische Leben darf nicht nach fremden Mustern, sondern muß nach eigenen Grundsätzen geregelt werden. Seit Kattowitz ist in der Beziehung viel geschehen und viel erreicht worden. Der zweite Redner, Herr Rabbiner L a u, erschütterte dis Hörer mit ergreifenden Bildern von der Not des Lebens, im Osten, entflammte aber zugleich alle Gemüter für den Geist des Ostens, entflammte besonders für die Liebe zu Zion, als Heimat der Väter, als Heimat der Zukunft, aber auch als Heimat, der Gegenwart für *) Die Aufnahme erfolgte, wie uns eben' von zuständiger Seite mitgeteilt wird, ohne Genehmigung-der Leiter durch zwei der Aguda nicht ungehörige juiige Leute. Die Orts- und Jugendgruppe trifft kein Verschulden.