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Der Israelit · 1925-01-15 · Heft 3 (15.1.1925) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 3 (15.1.1925)
Date
1925-01-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 3 Der Israeli: 18. Januar 1928 die Briefe nach allen Richtungen der Windrose schnellstens beförderten, zusammen mit den flammenden Sendschreiben Nathans aus Gaza, die ebenfalls über Konstantinopel den Weg nach Asien und Europa fanden. Als die See im ersten Frühlingsglanze leuchtete und die Zinnen des Schlosses in der jungen Nissansonne golden blinkten, mehrten sich die Besucher der Insel so sehr, daß die Schiffer die Fahrpreise verdoppelten und sich die Bewohner auf Massenquartiere und Massenverpflegungen einrichteten. Am 14. Nissan' war die Zahl derer, die aus Konstantinopel und anderen Städten gekommen waren, um mit Sabbatai das Pasfahfest zu feiern, so groß, daß man vor dem Schlosse Absperrungsmaßregeln treffen mußte. Nur die ganz Zuverlässigen und Erprobten, von Äachini mit Empfehlung Versehenen, wurden in den Garten gelassen, wo sich nachmittags x'ioße Dinge vorbereiteten. Die anderen belagerren das Schloß von allen Seiten und bestiegen Mauer und Vorbaudächer, um nur einen Widerschein von den Vorgängen zu erhaschen. Als die große Sonnenuhr am Turm den Mittag anzeigte, erschien Sabbatai, geführt von Jachini und Primo, im Garten, angetan mit Kleid und Ueberwurf aus Seide und Atlas und einem Schilde auf der Brust, auf dem Edelsteine in den Farben der zwölf Stämme Israels glitzerten. Ein Chor von Männern und Knaben mit Zimbeln, Glocken, Harfen und Posaunen stellte sich aus. Aus der anderen Seite sah man einen Altar aus Steinen aufgeschichtet, aus dessen Mitte, ein dünnes Flämmchen züngelte. An einem Holzpflocke davor war an langem, rotem Seile ein mit buntem Flitter herausgeputztes Lämmchen gebunden, das, scheu vor den vielen Menschen, unruhig blökend am Seile zerrte. Männer machten nun das Lamm los, banden es, legten es auf das Vordergesims des Altars und drückten den Hinterkopf des erschrockenen Tieres auf die Steine, daß sein Hals, von der Wolle befreit, ganz bloßgelegt dalag. Sabbatai nahm aus der Hand Jachinis das Messen, dessen breiter, blanker Stahl wie ein Spiegel in der Sonne spielte und trat an den Altar, fuhr mit der Linken wie segnend nach den Umstehenden und sprach laut den SegenüberdasPessacho p f e r, worauf er rasch den Halsschnitt vollzog. Das Blut schoß die Niederung hinunter in die Höhlung hinein Zwischen den beiden Steinschichten. In diesem Momente setzte der Chor der Männer und Jünglinge mit Harfen urkd Trompeten und Zimbeln und Glocken und Hallelgesängen ein. (Fortsetzung folgt.) Uinderecke. Jüdische Gestalten. Der Wilnaer Gaon. n. In Waldeinsamkeit. Es ist nicht genau angegeben, wann Rabbi Elie geheiratet hat. Vermutlich sehr früh. Seine Frau war die Tochter der angesehenen Familie Iuda Löb in Keidanni und hatte sich ihm ganz angepatzt. Er liebte und verehrte in ihr seine treue Helferin, die Mühe und Entbehrungen auf sich nahm, um ihm ein Leben in Heiligkeit und Reinheit zu ermöglichen. Er hatte es abgelehnt. nach damaligen Gepflogenheiten nach der Heirat sich von seinem Schwiegervater verpflegen zu lassen. Aber auch das Stadtgetriebe in Wilna empfand er störend. So zog . er sich in eine Wald Hütte einige Meilen von der Stadt entfernt, zurück, wo er Tag und Nacht (er schlief nur wenige Stunden), in der Waldeinsamkeit und, um sich besser zu sammeln, auch bei Tag hinter geschlossenen Läden bei Kerzenlicht das Gesetz studierte, das schriftliche und das mündliche, die offenbare und die geheime Lehre wie auch profane Wissenschaften, insbesondere seine Lieblingsfächer Grammatik, Mathematik und Astronomie. Keiner autzer seinem treuen Weibe kannte seinen Aufenthalt. Man fing an, sich Legenden von ihm zu erzählen: er sei in höheren Regionen, wo Engel Gottes ihn in alle Weisheit und Wissenschaften einführten. Seine Frau brachte ihm täglich das Essen heraus, und zwarauf Umwegen, daß man ihre Spuren nicht verfolgen konnte. Die Treue der Gaonsfrau erinnerte in manchem an das Heldenweib Rabbi Akibas. Auf der Wanderschaft. So ging es bis zu seinem zwanzigsten Lebensjahre, da er ins Golus hinauszog. Es war damals üblich bei den großen Männern, datz sie für einige Zeit auf Reisen gingen. Vielleicht, um die Welt und die Lage ihrer Brüder aus eigener Anschauung kennen zu lernen, vielleicht auch, um das über das Volk in seiner Gesamtheit verhängte Golus am eigenen Leibe zu erfahren. In den fünf Jahren, die er, da sein Name schon durch alle Lande ging, in strengstem Inkognito, durch die Welt wanderte, mutzte er so manches erfahren und erleben. Als er einmal auf der Landstraße dem gemieteten Wagen entstieg, um das Achtzehngebei zu verrichten, jagte der diebische Fuhrmann davon unter Mitnahme .all seiner Habseligkeiten. Im Bes Hamedrasch, wo er sich, gleich allen anderen Wanderarmen,- aufhielt, mutzte er oft hören, wie sich die Leute über den Wi'naer Gaon unterhielten, unrichtige Dinge von ihm erzählten und Erklärungen von ihm falsch Wiedergaben . . . Wenn er den Versuch machte, die Sache richtigzustellen, konnte er zu hören bekommen, daß er als „fahrender Bettler" überhaupt nicht wagen dürfte, den Namen des Gaon zu nennen. In der polnischen Stadt Salkow verweilte er während der Pessachtagc als armer Gast des dortigen Rabbiners, zog sich aber dadurch dessen Argwohn zu, datz er die ihm vorgestellte Sederschüssel auf seine eigene Art (nach dem bekannten Minhag des Gaon) ordne-te. Er hatte es nur dem Umstande zu verdanken, datz man in ihm einen Gelehrten erkannte, wenn man ihn nach dem Feste ungeschoren von dannen gehen ließ. In L i s s a wurde er gegen Ende seiner Wanderung erkannt. Um sich den Ehren und Huldigungen zu entziehen,' zog er gleich weiter nach Berlin. Aber von Lissa aus wurde sein Besuch dorthin angemeldet, und so wurde er dort gleich von dem bekannten Philantropen Iizchok Zwi in Beschlag genommen, der alles aufbot, um seinem hohen Gaste schöne Tage zu bereiten. Unter den unzähligen Besuchern, die sich um die Ehre bewarben, den Gaon zu sehen und zu sprechen, war auch ein bekannter Professor der Mathematik von der Berliner Universität, der auf den großen Mann, dem auch der Ruf eines großen Mathematikers vorausging, sehr neugierig war. Der Professor wurde erst nach Sabbatausgang vorgelassen. Er legte Rabbi Elie eine mathematische Preisfrage vor, mit der sich die Gelehrten schon seit Monaten befaßten. Wie erstaunt war nun der Professor, als der Rabbi nach einiger Ueberlegung ein paar Figuren auf ein Blatt zeichnete und damit die ganze komplizierte Frage spielend löste. „Es ist kein Mensch aus Fleisch und Blut," sagte der Gelehrte beim Abschied vom Hausherrn, „es ist ein höheres Wesen, welches ihr in eurem Hause beherbergt!" Am folgenden Tag sprach eine Gelehrtendepu^ation der Berliner Universität bei Jakob Zwi vor, um nach akademischem Brauch den polnischen Gelehrten zu begrüßen. Der Gaon war aber bereits nach Wilna abgereist ... Unsere allseitig ekannte Spezialität: Herren-, Knaben- und Tarmtzivok 'Kleidung In streng n V 2 Verarbeitung CARSCH Liebfrauenstr. 8-10 Neue Krame 27 SENKßVjj" $22?* KOHLEN» GASHERDE shahonäreu.lransportabie : KACHELOFEN I l m> f patent; Raucngasbrennung . 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