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Der Israelit · 1925-01-01 · Heft 1 (1.1.1925) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 1 (1.1.1925)
Date
1925-01-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 stlr 1 neue Lieder erhoben sich zu Ehren des leidenden und mit seinem Leiden die Welt beherrschenden Messias, Sabbatai Zewi ... Auf der Insel wurde es aber eines Morgens besonders rege. Ein Stab neuer Beamten, Polizisten und Soldaten war angerückt. Viele Hände arbeiteten fieberhaft an der Reinigung der Wege und Ausbesserung der alten Mauern. Mustafa Pascha war auf einmal nervös und unerbittlich strenge geworden. Das Schloß Abydos, in dessen Untergeschosse sich das Gefängnis befand, war mit doppelten Posten umstellt. Kein noch so reicher Backschisch konnte Unbefugten mehr den Weg zu Sabbatai öffnen. Bald erfuhr man den Grund dieser plötzlichen Wandlung. Der Großwesir Achmed Köprili selbst wurde auf der Insel erwartet, war schon auf der See nach den Dardanellen. Der Großwesir kam zu Sabbatai, statt daß umgekehrt der Gefangene in Fesseln ihm vorgeführt wurde; war das nicht die Erfüllung einer Jesajanischen Verheißung vom Messias, der mit des Szepters Spitze sich die Großen herbeiwinkt? Immerhin machten Primo und Jachini lange Gesichter und blieben auf alle auf sie einstürmenden Fragen wortkarg. Auch für sie war der bisherige Gang der Sache ein Rätsel. Durfte man ein ..anderes-, noch, größeres Wunder erwarten? ... (Fortsetzung folgt.) Bier Geschlechter vier Testamente.'' Don I. L. Perez. I. Als Reb Elieser Chaikels verschieden war, fand man unter seinem Kopfkissen einen Zettel folgenden Inhalts: „Mein Wille ist, daß die Kinder das Waldgeschäft gemeinsam betreiben. Nach meinem .Tode sollen sie einen Zaun, um den Friedhof machen und das Dach der Schul ausbessern lassen. - Meine Bücher bekommt mein jüngster Sohn Binjomin. Meine anderen Söhne und Schwiegersöhne haben Bücher bei ihrer Verheiratung bekommen. Meine Gemahlin — leben soll sie — soll die Wohnung für sich allein behalten. Sie soll ein armes Waisenmädchen zu sich nehmen, um nicht allein zu sein. Sie soll sich selbst Kiddusch und Hawdole machen. Sie bekommt den gleichen Teil wie die übrigen Erben. Außerdem ..." Den Rest konnte man nicht lesen. Er hatte, den Zettel noch feucht unter das Kissen gesteckt, und die Zeilen waren verwischt.,, II. Reb Binjomin, Elieser Chaikels Sohn, faßte sich weitläufiger: „Es' ist die Zeit gekommen, und ich werde - in Bälde die Gnade haben, das Pfand dem zurückzugeben, dem alle Pfänder gehören . . . Der Mensch fürchtet Seinen lieben Namen und Sein Gericht . Ich gehe aber . aus der Welt ohne Unmut, voller Vertrauen zu dem barmherzigen Gott, der mich gnädig richten wird. Und ich weiß, daß ich das Pfand während der Jahre beschmutzt und verdorben habe ..." Wir übergehen seine Beichte und eine Moralpredigt für die Kinder. Weiter heißt es: „Und die Füße werden immer kälter, und die Gedanken verworrener. Und gestern stieß mir etwas Wunderliches zu: beim Lernen schlummerte ich em, und cs träumte mir, daß das Buch mir aus der Hand gefallen sei. Als ich erwachte, begriff ich sofort, daß der ' Traum eine tiefe Bedeutung hat und daß an mich der Ruf ergeht . . . Das, was mir auf dieser Welt wirklich gehört, verlasse ich nur für eine Zeitlang; nach hundertundzwanzig Jahren wird es mir Nachkommen, und ich werde die Gnade haben, es vor dem Antlitz der göttlichen Majestät wiederzusehen. Amen, Gottes Wille geschehe! Und das, was mir nicht Nachkommen wird, hat mir in, Wahrheit niemals gehört, und Gott allein weiß, daß ich mich davon ohne jede Bitternis trenne. In betreff meines Vermögens verfüge ich nichts. Ich-vertraue meinen Söhnen (leben sollen sie) — daß sie entweder in Frieden und Eintracht beisammen bleiben, oder die Hinterlassenschaft nach Recht und Gesetz nnrer sich aufteilen werden und daß keiner den anderen übervorteilen wird. Und ich verlange, daß meine Erben (leben sollen *) Aus „Die Zeit", Novellensammlung, übersetzt von j Alexander Eliasberg. Verlag Harz, Berlin. [ Der Israelit sie!), und meine Söhne und Schwiegersöhne (leben sollen sie!) zweimal den Zehent entrichten sollen: sofort Nach meinem Tode sollen sie den ganzen Besitz, die beweglichen Sachen, alle Wechsel und auch die Darlehen, die gegen mündliches Versprechen erteilt worden sind, zusammenrechnen und einen Zehent davon für meine Rechnung und für mein Seelenheil an arme Leute verteilen. ■ ' ■ ’ ' Und vom Rest, das heißt von der eigentlichen Erbschaft, sollen sie einen zweiten Zehent abziehen, so wie ich von jedem Gewinn den Zehent zu opfern pflegte, und gleichfalls an arme Leute verteilen. Und die beiden Zehente sollen sie an fremde Arme, wie oben erwähnt ist, verteilen und nicht an arme Verwandte. ■ Sie werden schon selbst wissen, wieviel sie den armen Verwandten geben sollen, doch nicht von den Summen, die für milde Zwecke bestimmt sind. Von diesen Summen darf man selbst keinen Nutzen ziehen, denn wenn man nahen Verwandten gibt, so ist es dasselbe, wie wenn man sich selbst gibt. Und auf meinem - Grabstein soll nur mein Name, der Tag meines Todes und'„Sein Andenken in Segen" stehen, und sonst nichts. Und ich bitte meine Söhne und Schwiegersöhne, sie möchten nicht ganz in den Eitelkeiten dieser Welt untergehen und nicht unbedingt danach trachten, große Kaufieute zu werden: denn je größer der Kaufmann ist, umso kleiner der Jude in ihm. Und sie sollen keine Geschäfte in der Fremde beginnen und das bißchen Geld, das ich ihnen vermache, nicht in alle vier Winde streuen. Gott hilft dort, wo er will, und sein Segen kann ebensogut aus einem kleinen wie aus einem großen Geschäft ruhen. Das will ich ganz besonders meinem teuren Sohn Iechiel einschärfen, denn ich habe bemerkt,, daß er nach großen Reichtümern strebt. Und ich bitte meine Kinder, jedes Jahr, vor Rosch- Haschono einen Zehent vom ganzen' Reingewinn armen Leuten zu geben. Und wenn es einmal, Gott behüte, keinen Reingewinn gibt, und selbst wenn das Jahr einmal mit einem Verlust abschließt, sollen sie auch in diesem Falle Almosen geben, denn es wird wohl nur eine göttliche Prüfung fein. Vor allen Dingen bitte ich meine Söhne und Schwiegersöhne, Tag und Nacht zu lernen und täglich mindestens ein Blatt Gemoro und mindestens eine Spalte „Rejschis-Chochmo" durchzunehmen. , Mindestens einmal im Jahre sollen sie zum Rebben fahren. Die. Frauen sollen jeden Sabbat und Feiertag im „Kaw Hajoschor" und „Zeeno Ureeno" lesen. Und am Tage meiner Iahrgeit sollen die Söhne den ganzen Aag Thora lernen, und die Frauen Almosen spenden; hauptsächlich im Geheimen ." III. Als Moritz Bendetsohn (Binjomins Sohn) gestorben war, fand man einen polnisch geschriebenen Zettel folgenden Inhalts: „Ich bitte sofort nach Paris zu telegraphieren und mit der Beerdigung bis zur Ankunft meines Sohnes za warten. Zehntausend Rubel vermache ich der Gemeindeverwaltung als unantastbares Kapital. Die Zinsen sind alljährlich an meinem Todestage an arme Leute zu verteilen. Zehntausend Rubel vermache ich dem neuen Spital zwecks Errichtung eines Bettes, doch mit der Bedingung, daß das Bett meinen Namen trage. Während der Beerdigung soll man Almosen verteilen. Man schicke Spenden in alle Talmud-Thoras; die Lehrer und die Schüler sollen meinem Leichenzuge folgen. Man bestelle einen Dajen oder sonst einen gelehrten Mann, daß er für mich den Kaddisch spreche. Der Grabstein ist nach dem beiliegenden Entwurf im Auslande zu bestellen. Die Gemeindeverwaltung soll die Aufsicht über mein Grab und den Grabstein übernehmen, wofür ihr eine gewisse Summe zur Verfügung gestellt werden soll. Die Firma soll lauten: „Moritz Bendetsohn Sohn". Das Testament schließt mit Verfügungen, die das Vermögen betreffen, einer Aufstellung der einzutreibenden Forderungen und einigen guten Ratschlägen, wie das Geschäft fortzuführen sei. IV. „Ich, „Moritz Bendetsohn Sohn", scheide, aus der Welt weder aus Freude noch aus Kummer, sondern nur aus innerer Leere. Weife war Aristoteles, welcher sagte, daß die Natur Abscheu vor der Leere habe. Eine schreckliche Maschine ist die Welt. Jedes Rädchen hat einen eigenen Zweck zu erfüllen. Und wenn es verdorben ist oder seinen Zweck schon erfüllt hat, fälltt cs von selbst aus der Maschine heraus und geht in nichts über ... Ich kann nicht länger leben, weil ich hier nichts mehr zu tun habe. Ich habe alles, was ich im Leben hatte erfüllen müssen, erfüllt und bin zu nichts mehr zu gebrauchen. Ich habe den Becher der Freude bis zur Neige getrunken und alles verzehrt, was mir zugemessen war. Man hat mich vieles gelehrt, nur nicht die Kunst zu leben, ohne das Leben selbst zu verzehren. Ich habe nichts auf der Welt, was mich fesselte und woran ich hinge . . . Mir hat nichts gefehlt, was für mich irgend einen Wert haben könnte. Ich 1. Januar 1925 nahm alles ohne Sorge, ohne Bitternis und ohne Arbeit hin; wie wenn alles allgemeines Gut wäre .'. Gar oft weinte in mir das Herz: Ach, wenn mir doch irgend etwas fehlte! Wenn ich doch irgend etwas tun müßte! Die Aerzte verordneten mir Spazierengehen und Sport . . . Kein Leben, sondern ein Surrogat des Lebens, ein gefälschtes Leben, gefälschte Arbeit . . Die ganze Welt war mein, aber ich war zu klein, um sie festzuhalten. Meine Hände waren zu kurz, um sie zu umfassen. Ich konnte die Welt nicht erobern ... Und was ich hätte erobern können, das fand ich schon fertig vor, das fiel mir durch Erbschaft zu . . . Alles geschah für mich, alles wurde mir därgebracht. Und wenn mir etwas fehlte, so schuf es mir mein Vermögen. Alles: das Lächeln des Freundes, den Kuß von roten Lippen . . . den Kadifch für meinen Vater . . . Alles kaufte ■ ich mir, manches überzahlte ich;, aber Geben, Schenken — das hat man mxäj nicht gelehrt . . . Und das Kleine war mir zu klein, und das Große zu groß, und ich hatte nichts, wovon ich hätte leben können ... Soll ich etwas über mein Vermögen verfügen? Wozu? Das Geld war ja mein Unglück ... Habe ich nicht jemand zu danken? Rein, ich habe ja alles bezahlt! ... Alles, selbst diesen letzten Trunk!" Es ist ausschließlich Sache der Leser, die in» Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesetzlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. Unsere allseitig bekannte Spezialität: Heveen-, Kna&en- und Tavmizwok -Meinung in streng Vevavkeitung GARSCH Liebfrauenstr. 8-10 Neue Kräme 27 KOHLEN « GASHERDE LkaljonZl'eu.kroiispottsble , KACHELOFEN , I miFpatenlrRauchgasbrennimg I WÄSCHEREIMASCHINEN I wiimar. /forsfköffor.XhotfLG Konzert Leo Alagido. Der Lieder- und Arienabend des Tenors Leo Magido findet nicht, wie irrtümlich geemeldet, um % 8 Uhr, sondern erst um 8 Uhr statt. Da eine sehr starke Nachfrage nach Karten herrscht, empfiehlt es sich, rechtzeitig nach solchen zu befragen.... (Siehe Inserat in der heutigen Nummer.) Am Montag, den 5. Januar, 7^ Uhr abends, findet in ' der Frankfurt-Loge eine Aufführung von < „Uriel Acosta" von Cuzkow statt, und zwar durch die Schauspielschule von Fritz Odemar senior. Diese Aufführung dürfte interessant sein, dazumal Cuzkow lange Jahre hier in Frankfurt lebte. Näheres Jnferall Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Schachnowitz:Jnserütek V,: S. Ech achnowttz, säMtliL in Frankfurt a. M.; Pädagogische Beilage: Lehrer 5. Spiro > in Fulda. — Verlag „Israelit", G. mb. H. Frankfurt akÄtt > Druck: Hermon Verlags-Aktiengesellschaft, Frankfurt a. M.

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