Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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1 Januar 1925 Rr. 1 Frankfurt a. M , den 66. Jahrgang. 5. Teweth 5685 Begründet von Dr. Lehmann in Mainz Abonnement ab Januär.19Är, Deutschland 1 Goldmark monatlich; Ausland: Bierteljahrpreise (entsprechend', dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Ber» fandes) Deutsch-Lsterreich: 60000 Kronen; Amerika I Dollar; England 4 sh.; Frankreich 16 Fr.; Belgien 18'Fr.: Holland 2 fl.; Italien SO Lire; Jugoslawien 70 Din.; Litauen 7.60 Lit.; Rumänien 200 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 6 Zloty; Schweiz 6 Fr.; Tschecho-Slowäkei L6 Kronen; Ungarn 90000 Kronen; Dänemark 5 Kronen; Norwegen 6 Kroiien; Schweden 8.80 Kronen. Einzelnummer dreißig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 80 Goldpfennige, für Stellensuchende SO Goldpf., für die stebengespaltene Nonpareille-Zeile. Die 78, mm breite Reklamezeile: letzte Textseite 1.20 Mk., vorletzte Textseite 2.— Mk>; Thiffregebühr in Höhe eines doppelten Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. 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Durch M^Hreitest/ in beschaulicher Festesruhe schlummernMf^ Straßen eilen würdige Gestalten, pelzbeschwerte "öftliche Grützen, angesehene Rabbiner deutscher Gemeinden, bekannte Führer. Und dazwischen schneidige, frischfrohe akademische Jugend aller Semester und „alte Herren" vom praktischen Jahre, auch wirklich alte Herren aus der akademischen Praxis, die im Kreise der B undesbrüder noch ein spätes Herbstleuchten in die Gesichtsrunen erhalten ... „Keren Hathora", „Bund jüdischer Akademiker" und „Gesetzestreuer Gemeindebund" geben sich ein Rendezvous. Und abends leuchten hundert Lichtlein an den Fenstern des Logenheims auf . . . Jung, ewig jung ist die Thora. i«2 p nron T-2- Und nach alldem, was das jüdische Deutschland in einem Jahrhundert des Niederganges erlitten und verloren hat, ist es das Höchste und Herrlichste, was . wir in Hamburg mit der Zusammenkunft „der Söhne", mit dieser Revue des ewigjungen Jüdischen erleben . . . Den Auftakt für die verschiedenen Veranstaltungen und Kundgebungen bildete die grotze öffentliche Versammlung des „Bundes gesetzestr^ster Gemeinden" am Dienstag abend in der Aula der Talmudthora. Dge Vetsammlung in der Talmud- ' thora. Nach einigen Begrütz ungsworten führte Herr Wilhelm Cohn aus, datz es notwendig sei, gerade in Hamburg innerhalb der großen Tagungswoche Aufklärung über Ziele und Arbeiten ^des Bundes gesetzestreuer Gemeinden zu ^eHn, weil der sonst so kosmopolitisch' gerichtete MW des Hämburger jüdischen Kauf- .Manns dank 'der eigentümlichen, einzigartig gelagerten Gemeindeverhältnisse die Zustände in den jüdischen Gemeinden des Reiches bisher nur sehr wenig gestreift habe. Eine Propaganda zwecks Beisteuerung reichlicher Geldmittel zugunsten des Bundes sei ein Hauptzweck der Kundgebung. Entgegen der angesetzten Tagesordnung ergriff als erster Herr Rabb. Dr. Pinchas K o h n aus Wien das Wort zu seinem Referate über „Gewissensfreiheit und Organisation", um in theoretischer Ausführung das zu entwickeln, was nach ihm Herr Rabb. Dr. Munk aus Berlin durch Darstellung der Wirklichkeit und Praxis ergänzte. Gewissensfreiheit, die es den Gliedern religiöser Gemeinschaften gestattet, das zu tun, was ihnen nach ihrer eigenen Willkür als richtig erscheint, ist nicht das Ziel. Die Pflicht des Zusammenschlusses von Individuen zur Ausübung gemeinsamer Pflichten der Gesamtheit gegenüber, mutz dem Prinzip der Gewissensfreiheit untergeordnet werden. Allein vor diesem Prinzip mutz vor allem das Eingreifen der S laut s a u t o r i t ä t Halt machen. Die Schlutzfolgerung aus dieser Stellungnahme zu dem Verhältnis von Gewissensfreiheit und Organisation zog Herr Rabb. Dr. Munk in seiner Darlegung des Verhältnisses zwischen dem Bund gesetzestreuer jüdischer Gemeinden und dem allgemeinen Gemeindebund. Einleitend streifte er Me; Entstehungsgeschichte der beiden Reichsbezw. Landesverbände und führte dann weiter aus, datz selbst eine demokratische Verfassung der allgemeinen Verbände mit Naturnotwendigkeit zu einer Unterdrückung der Einzelgemeinden führen müsse, angesichts der Tatsache, daß dreiviertel sämtlicher Stimmen bezw. Mandate auf 3—4 Grotz g emeind en entfallen. Würden tatsächlich sämtliche Juden des deutschen Reiches ohne Rücksicht auf ihre religiöse Ueberzeugung dem allgemeinen Verbände angehören, so würde im' Gegensatz zu anderen Bekenntnissen, wo der Geistliche den Standpunkt seiner Glaubensgemeinschäft der. Öffentlichkeit gegenüber zu vertreten und darzulegen hat, diese allgemeine Ver-t ftetung der Judenheil, in der die Geistlichen. als solche keinen matzgeblichen Einfluß haben/ gar nicht imstande sein, dem Staate zu erklären. was nun eigentlich Judentum sei und welche Gemeinschaft als jüdische.Anspruch auf staatliche Anerkennung und finanzielle Förderung hätte. Aus diesem Grunde allein rechtfertigt sich schon die Gründung eines orthodoxen Verbandes und seiner Unterverbände, in denen die Rabbiner, wie dies übrigens bei allen anderen Konfessionen schon längst der Fall ist. nicht nur gütachtlich gehört werden, sondern mitbestimmenden Einflutz haben. Als dritter Redner des Abends sprach Herr Rabb. Dr. Klein-Nürnberg über das aktuelle Thema „ Frauenwahlrecht". Ausgehend von dem Begriff derlegte Redner an Hand von biblischen und talmudischen Quellen dar, datz die Frage des passiven Wahlrechtes gar nicht diskutabel sei, denn die ow für die Wahl von Gemeindevertretern werden aus den gleichen Quellen wie die für die Wahl eines Königs abgeleitet, so datz sämtliche dort maßgeblichen Prinzipien einfach zu übertragen sind. Die Erscheinungen der Anerkennung einer Richterin und Prophetin wie min und einer Königin Salome Alexandra sind nur als rwv>n nytp zu betrachten, zu Zeiten, wo geeignete Männer als Führer nicht zu finden waren. Das aktive Wahlrecht verbietet sich für die Frauen ganz besonders in Aufrechterhaltung eines uralten ana», dessen Aufhebung oder gar nur- Lockerung mit keinem Worte in-dem rabbinischen Schrifttum gedacht wird. Ein Zeichen dafür, wie fern dieser Gedanke dem gesetzestreuen Juden liegt, der die Aufgabe der Frau als mraa in Betätigung im häuslichen Wirkungskreise erblickt. Sein Ideal ist die nm die gerade dem politischen Leben sich fernhaltend, den Kampf meidend, erst ihre wahre, hehre Bestimmung erfüllen kann. Die Eröffnungssitzung der Bundestag u n g d e s B. I. A. Donnerstag morgen gegen 10 Uhr ■ war die grotze Aula des Heinrich Hertz-Realgymnasiums vollgefüllt von festlich gestimmten Bundesbrüdern, Delegierten und Gästen aus allen Schichten des gesetzestreuen Hamburg. Zunächst begrützte der Präsident des Bundes, Herr Dr. Jacob Levy, Berlin, in kurzer, markanter Rede die Erschienenen. Das Präsidium über nimmt Herr Direktor Dr. I. Carlebach. der mit seiner sonoren, .Stimme seinen Herzenswünschen schönen kräftigen Ausdruck verleih! und Herrn Oberrabbiner Dr. Spitzer das Wort erteilt. Der Herr Oberrabbiner begrützte die Versammlung mit sinnigen Thoraworten, uud daran knüpften sich herzliche Ansprachen der Herren Jacob Heckscher im Namen der .Hamburger Gemeinde und Michael F l ö r s h e i m für den O i 1