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Der Israelit · 1924-12-25 · Heft 52 (25.12.1924) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 52 (25.12.1924)
Date
1924-12-25
Page
– (sequence 18)
Language
German
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v. m Seite 4 Nr. 52 D c r" I s. r a e l i t 25. Dezember 1924 machen lassen, wie er seine Lichtlein entzünden würde. Am Montag morgen ließ er sich über den Eindruck des ersten Abends berichten. „Nun, Günther, wie hast du den Abend. verbracht?" Dieser erzählte.- „Zuerst war ich mit Marx m der Synagoge. Darauf bin ich mit ihm in dessen Wohnung gegangen, wo wir gemeinsam die Lichtlein entzündeten. Wir haben dann gelungen und musiziert. Marx spielte Klavier und ich begleitete ihn auf der Geige." „Was haben denn deine Eltern dazu gesagt?" „Ich habe zuhause nichts erzählt, um Vater nicht aufzu-?egen." „Du bist ein braver Junge," lobte der Lehrer ihn. Am folgenden Tage gab es Ferien, da Weihnachten auf Donnerstag und Freitag fiel. Im Elternhause Günthers wurden grobe Vorbereitungen getroffen, erwartete man ja noch den Besuch eines Bruders der Mutter aus England, den man seit dem Kriege nicht mehr gesehen hatte. Er war früh von Deutschland ausgewandert und hcstte sich in der Fremde ein grobes Vermögen erworben, war aber unverheiratet geblieben und hing mit umso gröberer Liebe an seinen nächsten Verwandten. Besonders Günther war schon als kleines Kind sein Liebling gewesen. Endlich traf der erwartete East ein, von lautem Jubel begrüßt. Nachdem er sich ausgeruht und gestärkt hatte, sab der Familienkreis am Nachmittag — es war der 1. Weihnachtstag — gemütlich plaudernd beisammen. Man hatte sich viel zu erzählen nach all den Jahren des Erlebens. Wiederholt ruhten des .!§ Augen mit Stolz auf Günther, an dem er sich nicht sattsehen konnte. Dagegen hatte er schon einige Male mibbilligend den Weihnacknsbaum gestreift, der im Salon aufgepflanzt -am. Günther muhte sein Zeugnis hervorholen, das recht gut ausgefallen war. Besonders über ie sehr gute Religionszensur freute sich der Onkel. „Du scheinst ja ein frommer Junge zu sein. Dafür sollst du auch etwas Schönes erhalten." „Bitte, Onkel, ich möchte so gern einen Chanukkaleuchter." „Na, aber Junge, du bist ja ein Mordskerl." „Bekomme ich ihn?" „Gewitz, morgen sollst du ihn haben." „Danke Onkel. Nun aber muh ich zu Freund Marr." Damit stürmte er schnell davon, um wie allabendlich sein religiöses Erlebnis zu feiern. Der Vater hatte schon die Stirn in Falten gezogen. „Mutzt du den Jungen noch bei seinen absonderlichen Ideen Unterstützen. Wenn es' ihm nachginge, könnten wir sogar am Sonnabend unser Geschäft schliehen." Der Onkel war nicht religiös. Im Strudel des Lebens hatte er die überlieferten Formen über Bord geworfen. Aber fein jüdisches Herz hatte er sich bewahrt, und stolz bekannte er sich zur Sache seines Volkes. Jetzt sagte er ernst: „Und was schadet es uns, wenn wir unfern Kindern unsere glorreiche jüdische Geschichte in Gestalt unserer heiligen Feste lebendig erhalten, wie wir sie auch von den Vätern überkommen haben? Werden diese kleinen materiellen Opfer, die wir bringen, nicht tausendfach ausgewogen durch die Reichtümer, die darin enthalten sind? Zehren wir nicht auch ein ganzes Leben an jenen Schätzen, die mach in der Jugend in uns versenkt hat und die oft ein Bollwerk gegen die brandenden Lebenswellen da drauhen bilden? Hassen könnte ich jene Leute, die da glauben, sich modern zu gebärden, indem sie ihren Kindern nichtjüdische Surrogate anstelle unserer innigen, gehaltvollen Feste vorsetzen." Bei diesen Worten machte er eine nicht mitzzuverstehende Bewegung in der Richtung des Weihnachtsbaumes hin. Sein ganz kleinlaut gewordener Schwager wagte noch zu erwidern: „Aber geben wir unseren Feinden nicht noch mehr Stoff zu ihren Angriffen dadurch, datz wir in unserer Absonderung verharren?" „Und glaubst du etwa, datz wir in den Augen eines anständigen Menschen an Achtung gewinnen können, wenn wir uns würdelos erniedrigen? Anerkennung kann sich ja doch nur der aufrichtig handelnde und strebende Mensch erringen, gleichviel zu. welcher religiösen Richtung er sich bekenne — und bei deck ÄndersLenkenÄenwird ja selbst der getaufte Jude noch alls Jude verbrannt." Günthers Vater sntgegnetehierauf nichts mehr und war froh, als seine Frau dem Gespräch eine andere Wendung gab. An dße Weihnachtsfeier wagte natürlich keiner mehr M denken, und Günther wunderte sich ordentlich, als; er bei der Rückkunft den Baum fit einer Ecke des Gartens trauernd fand. Die Mltter hatte ihnk durch das Mädchen heimlich entfernen lassem Günther getraute sich nichts nach dem Grunde s zu fragen und war froh, vast man. ihn nicht wegen seines langen Ausbleibens zur Rede stellte. Am anderen TagbraPe tfarfer OnW M>y. 3. W olf 3JßO,. «laut, Frank- SfeS ÄftÄTiilS kmt 0/60, SBitlin, Vetlw elb Wl>. Freund, Frank- Rothschild 1QQ, Frau Brritenbäch 10, E. Lob, Vallendar 2&r S. Ha umarm, Hellenthäl 10, D. Moses 2,50, Jos. Sb raufL. Siegburg 5, S. R. Rubens. Geilenkirchen 10, Pick 1, W. Geismar 10, N. Geismar 10, R^ Geismar 10, Mw. Geismar 10,. NN. 20.. Dr.. Wolf 6. L. Aschkenasy 100,. A Weitzbiirg Lj/NN. 5, Schönbach 2, Levy, Troisdorf 10, Leviföhn, Hermann und Wallersteir^ Sregburg 20. Für die BiMiothek: M. Frankel» Berlin, 10, Kaufmann, Sprendlingen 3, Gottschalk, E-ens 3', Darmftädter, Ladenburg 2, Dr. Weind erg, Orb 12» Gutmänn. Dettingen 2*4G„ Dr. <2 nraifrurger, Ulm 3, L. bewegt dankte ihm Günther und eilte gleich nach Tisch glückstrahlend zu seinem Freunde hinüber, um von ihm sein kostbares Geschenk bewundern zu lassen. Indessen hatte sich der Onkel in seiner alten Heimat wieder recht gut eingelevt und schon den Plan in Erwägung gezogen, ob er nicht ganz nach hier ubersiedeln solle. Am folgenden Sonntag nachmittag, als er mit seinen Verwandten gemütlich beim Tee sah, wurde der Plan recht lebhaft erörtert. Unterdessen war es dunkel geworden.. Die Mutter hatte wiederholt nach Günther ansgeschautt „Ich weih nicht, was der Junge feit mehreren Tagen hat, datz er immer so lange ausbleibt," sagte sie besorgt. „Sei unbesorgt," tröstete sie der Bruder, „er wird nichts Unrechtes unternehmen." Im selben Augenblick hörten sie auch die Haustüre gehen. Es war Günther, der sich aber, ohne erst hereinzukommen, gleich auf sein Zimmer begab. „Laßt uns doch mal sehen, was er da oben treibt," sagte der Vater nach einer Weile. Leise gingen sie die Treppe hinauf, wo ihnen Günthers helle Stimme entgegentönte. Sie öffneten die Türe und blieben wie gebannt an der Schwelle stehen. Ein liebliches Bild bot sich ihnen dar. Vor dem Fenster, das auf die Strahe blickte, stand auf einem Blumenständer Günthers neuer Chanukkaleuchter, an dem acht Kerzlein erstrahlten. Günther stand mit dem Schames ln der Hand davor und hatte eben die Brocho beendet. And nun begann er munter das Moaus zur anzustimmen. Tranen der Rührung traten den .Zuschauern in die Äugen. Unwillkürlich stiegen der Mutter und ihrem Bruder Kindheitserinnerungen vor die Seele und sie stimmten leise mit ein. Auch der Vater konnte sich - des Zaubers des Augenblicks nicht erwehren. |fm:t 6, Willi. Wolf I 12, Rubens» Gelsenkirchen 3, Oberl. Berlinger, Biuttenhausen 3. Frau M. Weitzmann 50, Schultz (10, Kaufnmnn» Sprendlingen 3, £L. Löwenstefn, Gemen 10, Agulnik, Kreuznach 9. S. Stahl Neustadt 6„ Dr. Heilberg. Euskirchen 5, Frl. D. Cohen. 0,60, Frl. Werthahn 0*60. Für Talmud D»ur«tz: Büchse 10 Dollar, Wehl, Hainburg 20, N. Kahn 53,. H. Schlotz 10, NN. 5, %. Wolf 1, E. Stern: 3, B. Wolf 10,, J§. Weitzmann 3, Jos. Wolf 1, KvmgshUer 4,. NN. 100, NN. 197, Dr. Wolf 2, LonnerstädteL 10,. Nußbaum 1, NN. 6. L. Munk 10, Ungae 2. Büchse 108, H. van Cleef 50, Js. Weitzmann 3„ KömgshSfer 5, Pieperberg 4, NN. 1%, NN. 25>, NR. 2, NN. 1, Altmann 1, Bähr 30,. Büchse 22, Horn 10, I. Hirsch 5, Rosenzweig 5,. Weil 6, M. Isaak 20, II. Hirsche, M. Well 5, NN. 10, NN. 5, G. Kahn 10,. Jos. Pieperberg 6, O. Pieperberg 3, I. Weil 6* Lonwerstädter 5, Schneider 5, I. Fink 4„ P. Fink 3» M. Fink 3, S. Linz 5. L. Götz 3,. SchKchter 10, Dinkel 20, K. Meyer 50, Löb 5* BeL» Trier 65,. NN. 20. NN. 2. NN. 17. Schächter. 100, Schmiß Gommern 20, Löb 30, NN.. 11, Versteigerung; H. Rabbe 100, K. Meyer 5Q;, NN. 7,50, NN. 10, NN. 7,50, M. Löwenstein, Gommern Ab NN. 20, Pick 2, Fisch,. Trier 50, H. van Elses 20, G. Kahn 10, Schefler 5, B. Levy 3, H. Kahn 2, Rosenbaum, Berlin 5,. Dr. Goldmarm 5. Löwenstein, München 5, Wallach 2, Philipp 3, dto. 5. H.. Lissairer 30, Dr. Ljssauer 30, H. Lissauer 100,. L. Wallach 3,. Strautz 5, Kurzweil 10, G. Kahn 10, S. Schön-, bach 3, Alter 5, L. Werlheim 5, Js. Herz 3.. Günther hatte geendet. Da öffneten sich ihm; ^t., E. Mey^k 50, ^5. Weitzmann 5, Th. Wolf drei Armenpaare und jauchzend flog er ihnen j^O, Schlicher 3, Dr. Schwarzfchild 5, B. Frank entgegen. „Nicht wahr, Eltern, ihr seid nicht j 5, A, Dahl 3, Walter IQ, ■ ^^figmann 10, Höfe, datz ich meine Lichtlein hier entzündet habe? NN. 3, M. Gradmann 3, Gurfmkel 5, A. Hey-- Bisher tat ich es bei Marx, aber nun wollte ich doch meinen Leuchter einweihen, wiht ihr, Eltern, so wie' damals die Makkabäer ihren Tempel neu einweihten. Äst es doch für dieses Jahr das letzte Mal, und nun will es mir fast scheinen, als habe sich auch bei mir das Wunder ereignet." „Nein, Junge, wir sind dir nicht böse," sagte der Vater gerührt, „nächstes Jahr aber zünden wir zusammen unten im Salon an." „Das soll ein Wort sein," rief der Onkel dazwischen. „And ich sei, gewährt mir die Bitte, in eurem Bunde der Dritte." Die Mutter aber mutzte immer und immer wieder das kleine Chanukkawunder anstaunen, das sich da vor ihren Augen vollzog. Es schien ihr das Bewußtsein aufzugehen, welch zuverlässige Bürgen sich Gott einst am Sinai erkoren,- aus deren Munde sich seine Macht felsenhaft aufrichtet. An Spenden gingen ein: ' ■ * Verein für die jüdischen Interessen Rheinlands. A. Oppenheimer 10, NN. 2, Ungar 1, Sternschub 20, M. Scharff 3, Jonas Roer, Maubach 5, N. Kahn 20, B. Stark 1, Königs- Höfer 5, Frau Schwarz, Vettweih 10, NN. 100, Haüsd.orf, Rotterdam 5 Fl., Pieperberg 3, Ungar 2, Jos. Alexander I, Vallendar 5, G. mann 3. I. Weiß 5, S. Schiff 5, NN. 3. Spanier 3, M. Strautz 5, A. Jonas 4» SWermann 3, Klinger 3, Kentoff 3, Metz 10, Buchbinder 6, I. Levy 5, Bader 3, II. Strautz 3, NN. 1, NN. 55. A. Wolf 2, M. Weitzmann 35, E. Stern 15, E. Heymann 5» Emanuel 5, Neuberger 3, Büchse 14, Lichtenstein, M.-Gladbach 100, Lipstadt. Hamburg 1» A. Heymann 2,- C. Frank 20. H. Wolf 5, I. Weitzmann 5. NN. 5, Neumann 2, Th. Wolf 7, Beermann 2, Krauh 2, NN. 10. Weihberg 20, NN. 20, Jchenhäuser 5, Lewertoff 5, Kotzmann 10, Hoffmann 10, Schlotz 10, E. Stern- 10. Katzenstein 3. M. Mohl 5. A. Mohl 5. Dr. Schwarz 5, M. Levy 3. Hecht 3, Monderer 5, Reichard 3, C. Frank 20, Mannheim 6, H. Wolf 3, B. Auerbach 3, A. Cappel 3, Schnelling 3, S. Adler 3. A. Weil 5, Th. Wolf 30, A. Dahl 5, Ungar 1.- Th. Wolf 10. Dülken 50, G. Kahn 10, M. Kahn 10, Königshofer 15, N. Kahn 10, E. Schwarzschild 5, Gebr. Geismar 15, N. Rothschild 10, Sternschutz 5, I. Jonas 5, Scher 5, Aschtenafy 25, Weitzberg 3, Schefler 3, Jak. Weihmann 1, Aschtenasy 16, Dr. M. Cohen 10, E. Schwarzfchild 3, I. Wolf jr. 1, Ä. Meyer 10, Lonnerstädter 2, RN. 20, Cohen 5, I. Heymann, Euskirchen 20, Schlotz 15, Weitzberg 2, Schlesinger 3, I. Wolf jr. 3, Dr. Harth 3.

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