Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1924)
- Date
- 1924-12-25
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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%m Rr. 62 Der I s f a e i t LL. Se,e«b« 1924 »ehrkampf «lso ist kein Judentum. Eich ge leisteter Verprügelungsgroßtaten am Sabbat mit brennender Zigarre als jüdischer Betätigung rühmen, ist höchsten». Mamelukentum. Gehör sam ist de» Juden Schmuck. Denn Gehorchen ist besser denn Opfer. Auf der anderen Seite wird Landerwsrb * jo Judentum gestempelt. Da geht denn das ganze Judentum in poli ischen Rauch, in Stroh feuerbegeisterung auf. Man läfet sich durch unverbindliche Gestm liebenswürdiger Höflichkei verführen und verführt andere. Es fallt mit Notwendigkeit in die eine Charybdis, der die andere flieht. Wer vor den verzerrten Zügen der Schreckensmaske des Rischus den Posten verläßt, fällt der Phantasievorstellung einer Selbsthilfe anheim. Die schweren Golusleiden haben 1492 die Wahngebilde der Pseudomessiaffe mit ihren verheerenden Folgen nach innen und nach außen erzeugt. Erez Iisroel hat nicht uns gehört und ist für uns nicht käuflich zu er werben: „Mir gehört das Land." „Nicht durch Geld werden wir erlöst werden." Wir haben uns schon daran gewöhnt, nach gewissenloser Verwerfung prak ischer und theoretischer Tauroh völkisches Streben als Judentum rühmen und propagieren zu sehen. Auch von diesen Be strebungen fernstehender Seite bietet man jetz die Erfüllung von sinn sw» mrv jedermann an Das freilich fällt nicht aus dem Rahmen des althergebrachten Gesetzes heraus. Dabei dürfen wir aber nun nicht in den Fehler der Befehdeten verfallen. Man traut seinen Augen nicht, wenn man eine pädagogische Leistung der Esra-Bundes leitung zu Gesicht bekommt, die es für angebracht hält. Kinderköpfchen zu verwirren und Kinderherzen zu entflammen, Kämpfe und Enttäuschungen heroorzurufen, die für manche Familien für immer die Zerstörung ihres Familienglückes bedeuten können. Heber die Köpfe der Ellern hinweg versendet man ab Berlin im Kislev 5635 an unmündige Kinder Fragebogen, deren Nr. 1 lautet: „Beabsichtigst du nach Erez Iisroel zu gehen",- und erst Nr. 10: „Slnd deine/ Eltern mit deinem Plane einverstanden?" -- Wir fragen in aller Bescheidenheit: Seit wann ist es erlaubt, die Autorität der Ettern in jüdischem Kreis so zu mißachten? Seit wann haben fremde Elemente, denen mack die Kinder zur Unterhaltung in iüdischem Kinder kreis anvertraut, das Recht, sich in so schwerwiegende Probleme, die allein zwischen Eltern und Kindern zum Austrag kommen können und dürfen, einzumischen? Wo leitet die Bundes leitung das Recht her, solche Pläne, wenn sie selbst nicht phantastisch wären, in Kinderköpfen anzüregen? Uns sind Eltern bekannt, die mit Empörung einen solchen Uebergriff Außen stehender in das alleinige Vorrecht der Eltern zurückweisen würden und zur Vermeidung von Wiederholungsfällen sofort und ohne Widerruf solch pädagogisch vertrauenswürdiger Leitung die Kinder entziehen würden. Wir sind überzeugt, daß eine hohe Bundesleitung sicherlich nicht gewußt hat, vielleicht auch ihrem Alter nach nicht gewußt haben konnte, was sie tat, als sie die Rundfrage hinaussandte. Zudem fehlt ja auch jede Begründung, warum die Frage geschieht und wohin eingelaufene „Antworten" weitergegeben werden sollen. Wir teilen dieses neueste Vorkommnis der Oeffentlichkeit in diesem Zusammenhange nicht aus Lust an Kri ik, sondern darum mit, um zu zeigen, wie stark selbst die größten Gegensätze in einer Zeit sich gegenseitig beeinflussen. Leider lernt dabei aber nicht das Unwahre vom Wahren, sondern umgekehrt, Wie wir nach außen nicht mit gleichen Kampfmitteln unfern Streit führen dürfen, so Wnnen wir es uns nicht leisten und ' hahM nicht das Mecht, unfern gegnerischen Stammesbrüdern mitt derselben Waffe zu parieren. Wir haben Wichtigeres zu tun. Uns rufen höhere Pflichten. Wir können schneller und sicherer den Sieg erringen. Unser Judentum besteht nicht aus Abwehr des Änlisemi ismus, unser Judentum ist nicht, eine Genossenschaft zum Dpheperw^d in Palästina. Unser Judentum hat 613 Mzwaus zum Inhalt, von denen die eine die ist, die andern 612 kennen zu lernen. Und diese steht von der Wiege bis zum Grabe an erster Stelle. Durch sie wird unsere Welt- und Lebensanschauung iüdisch. Es bleibt das Wort von Samson Raphael Hirsch, das in den „Neunzehn Briefen" und in verschlossenen Bücherschränken mit Prunkbänden zu finden ist, wahr: „Wir haben uns für das Land und nicht das Land für uns zu gewinnen". Videanll consules! Der Fragebogen der Csra-Bundesleitung beleuchtet grell, was die sogenannte „Palästinaarbeit" in jugendlichen und unreifen Köpfen für Schaden anrich'et. Durch solche Zielsetzung hört das Golus keine Stunde früher auf. Lieber weniger den geheiligten Namen Samson Raphael Hirsch auf den Lippen führen und mehr in seinem Geiste handeln, wäre für das jüdische Problem glück ichere Lösung. Es gibt keine Frage im vielgestaltigen jüdischen Leben, ackf die wir uns aus seinem Nachlaß nicht die rechte Antwort holen können. Wir haben heute doch so viele der „bekannten Führer", ihnen allen wäre ein Hirsch-Schiur ein empfehlenswerter Talismann für ihr segensreiches öffentliches Wirken. Da würden sie erkennen, daß Lernen mit dem pädagogischen Ziel etlischer Vertiefung, versuchungssicherer nm* (Gottesfurcht und festem (SrfüllungxmUkn der Pflichten, eine Jugend zu erziehen vermag, die die Erlösungsstunde „Heute" schlagen lassen kann, „weil sie auf Seine Summe hört." Diese Jugend ist aber nicht nur unter den scharfsinniaen Köpfen des Ostens zu suchen, auch unsere west ichen Nachfahren wollen dereinst mit nach ziehen. Sie will im Zuge mitmarschieren. nicht nur als nnin'jp-'M», sondern auch als nun '23- Unser Geld gehöre zunächst unser» Kindern und ihrer Ausblldung. Wenn unsere Schulen notleiden, dann steht ihre Erhaltung im Vordergrund. W^ haben. unsere Kinder nicht preiszugeben und me Hoffnung auf den Zuwachs, den sie für wahres Judentum dereinst bedeuten sollen, aufzugeben. Auch für uns gilt in bezug auf unsere eigenen Kinder immer noch die Pflicht v3'23 mo omx oinaH Die bescheidenen Erfolge deutscher oder sich ’o nennender Tauroh-Le^ranstatten für die Schuljugend erweisen die Möglichkeit wenn wir nur ernst'ich wollen. Dem ernsten Willen bleibt der Erfolg nie versagt. Er kann höchst ns, wv. beim Menschenstreben überhaupt, hinter dem gesteckten Ziel Zurückbleiben. Er kann aber nicht ganz ausbleiben. Mit der Zeit werden wir ja auch noch den Erfolg verbessern können, wenn es ge ingt, den eisernen Schulrahmen zu sprengen, der unsere Bewegungsfreiheit im Lehrstoff und im Lehrplan einengt. Mögen unsere Kinder so glücklich sein, es zu erreichen, daß Jesajas, Jeremias, die Psalmen und die Sprüche Salomos als ebenso geistes- und herzensbildend von hohen Schlllmimsterien gewertet werden, als Lenophon und Caesar. Dazu ist es erforderlich, daß die Rührenden Stellen des S aales mit Männern Fühlung bekommen, die nicht nur dem Namen nach Juden sind. Wenn erst einmal Sabbatjelligende und Speisegesetze achtende Männer, die Sinn für Tauroh und Wissen von Tauroh besitzen, unter die haute finanee gelangen, dann mag das Judentum dort zur Ehre gelangen. Auf den Sebulun-Kaufmann ist unser Hofffen gerichtet, „der die Völker zur Bergeshühe rufen soll." Dann läßt sich ein einheitlicher Lehrplan auf r Grundlage bet Tanroh für Gie jüdischen Schulen entwerfen.';L Dann wird auch zu uns die auroh zurückkehreN, wo^ sie einstmals -ihre Statte gefunden hatte. Dann werden die Geistes'lchter depp verschiedenen; Wissensgebiete ihren Schein zum Mittelpunkt des Leucht eissenden» dort, wo nicht aus dem Empfinden des Gemüts, sondern aus her Wahrheit der Erkenntnis das Licht des < Zottesgeistes erstrahlt und Gottesfurcht als Quelle -alles Wissens äufleuchtet. Dänü jgibt es keinem sich. befehdenden- -Lager? mehr und im einigen Lager wird die llnzahlder Licht« auch die Außenwelt verstehen lehren, daß doch die Schechinah immer noch auf Israel ruht. M. L. Munk?"rr zur ersten Jährzeit (18. Kislew). Zu dem Schriftoers: da ging Jaakauw hinaus aus Ber Schebg und wunderte nach Choron. bemerken unsere Weisen: Eigentlich ist der Vers unnötig, denn kurz zuvor lesen jmr, daß Jaakauw, dem Befehl seines Vaters Folge leistend, seine Heimatstadt verließ, um dar Haus seines Onkels aufzusuchen. Nur darum erwähnt die Tauroh noch einmal diese Tatsache, uns zu sagen: Wenn ein Gerechter die Stätte seiner Wirksamkeit verläßt, so bleibt eine klaffende Lücke; so lange er da war, war da Glan^ war da Ehre, war da Ansehen, da er wiG wichen Glanz, Ehre, Ansehen. Und da unser Erzvater eingeschlafen, erscheint ihm Gott im Traum, er sieht eine Letter, die Engel Gottes steigen hinauf und hinab, Gott selbst steht oben, stützt sich auf Jaakauw und verspricht ihm, weiter mit ihm zu sein. Der Traum hat mancherlei Deutung erfahren, eine der oieleu finde hier ihre Stätte: Warum war es nötig, daß Gott dem Jaakauw erschien, unmittelbar nach dem Verlassen seines Vaterhauses? Weil wateze jaakauw, weil Jaakauw geistig-seelisch, nicht nur körperlich, seinem Vaterhause fremd wurde, denn er ging :a, sich eine Frau zu holen und, psychologisch betrachtet, verläßt der Mann, nicht die Frau, das Elternhaus. Da lag die Gefahr nahe, daß unser Erzvater dem Milieu Labans des Betrügers*) sich assimilieren würde und das geistige Erbe Abrahams, kaum der Welt geschenkt, wieder verloren gehen könnte. Darum erscheint ihm Gott, stützt sich auf ihn, und sagt damit: Auf Deinen Schultern ruht der Bestand ter Welt, die von Gott um des Menschen, d. h. mm der Anerkennung Gottes willen geschaffen worden ist. Er weist ihm im Bilde der Leiter den Weg, der von der Erde, dem Irdischen zum Göttlichen führt. Nach der Angabe des Midrasch besaß die Leiter 4 Sprossen. die die 4 Stufen versinnbildlichen, welche allmählich zum Dienst und damit zur Erkenntnis Gottes führen: lleberzeugung, Wille, Tat und Verstehen. Der Beginn und das Ziel der Weisheit ist Gottesfurcht. Es ist undenkbar, daß Gott den Menschen erschaffen, um ihn irren zu lassen , ohne Ziel. Wenn wir aber Geschöpfe Gottes sind, so muß Gott klar und deutlich uns den Weg des Lebens gewiesen haben; dieser Weg ist im Buch der Bücher eindeutig festgelegt und in ununterbrochener Ueberlieferung hinsichtlich seines kurz gefaß'en Inhaltes auf uns gekommen, es gibt uns Antwort auf die Fragen, die unsere Seele bewegen, sofern wir es zu lesen verstehen. Die Anerkennung der Einheitlichkeit und über jeden Zeitbegriff hinausgehenden dauernden Vevpflichtungskraft für jeden von jüdischen Eltern geborenen Menschen ist die Grundlage unseres Lebensinhaltes. Diese lleberzeugung erlaubt keim Auswahl und keine Modernisierung, er verlangt ein Ungeteiltes, weil er den ganzen Menschen erfordert. Daher ist neben der Erkenntnis die ganze Willenskraft unumgangtich notwendig, denn der Weg ist lang und steil und eng. Leichter ist es schon, den bequemeren Weg, den „zeitgemäßen" .wenn' ..schon zur Erreichung Mischi^Znaterielle^ Ziese kein Mensch auf Rosen gebettÄ. untätig öder"fchlaKHenMingen^i ihren Lauf lassen kann, um wieviel" weniger da, wo es sich um geistige^ sittliche Forderungen handelt. . Beides, Wissen und Wi.le. entwachsen dem Herzen, vom Vorhandensein beider Faktoren müssen Gottes Engel sich überzeugt haben können. dann erst steigen sie hinauf, Gott zu künden. *) Arami und Remoi besitzen die gleichen Ls»- f»nantM.Waak haVrtSr WGtA