Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1924)
- Date
- 1924-12-25
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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2K Dezember 19Al Der Israelit Nr. 82 Sette ir Frankfurter Gerichte. Die jüdische Schule in Frankfurt am Main. Hebet dieses gegenwärtig hier - besonders aktuelle Thema berichtete in einer öffentlichen Versammlung der Achduth-Ortsgruppe Herr Bankier Jakoü Wolfs. Zu Beginn seiner Ausführungen betonte der Redner, was in der einleitenden Begcügüngsansprache schon der Versammlungsleiter getan hatte, daß er nur seine persönlichen Anschauungen zum Ausdruck bringen werde und ihm kein Auftrag zum Vortrag bestimmter Meinungen und Vorschläge erteilt worden sei. Die Erörterung pädagogisch-methodischer Fragen wolle er den berufenen Fachmännern üoenasfen. Tatsächlich beschränkte sich der Vortrag daraus, den Gegenstand ausschließlich vom Blickpunkt des GemeindepoUmers aus in anerkennenswerter Objektivität zu beleuchten. Er begann mit einem historischen Erkurs über die Bedeutung der Emanzipation für die Entwickelung des Judentums und zeigte, wie alle unsre Note aus dem Gegensatz der nun hemmungslos gegeneinander kämpfenden Kulturei,islüsse entstehen und wie die Schwierigreiten auch in den neu entstehenden Schulen sich auswicken mutzten. Zum Frankfurter Schulwesen überleitend, ging der Vortragende davon aus, daß die Schulen der üeioen Gemeinden vollständig voneinander getrennt seien. Die der Religionsgesellschajt.stellen ein Ganzes dar, dem zur Vollendung nur die Krone fehlt, die obersten Abschlutztlajsen (Gymnasium oder Ooerrealschule), deren Einr.chtung der Redner oegrützen würde, wenn nicht die Jsraelinsche Gemeinde vorher sich der Tragweite dessen, was auf dem Spiele steht, bewußt wird., S. R. Hirsch der große Mann mit dem unvergänglichen Namen, hat gegenüber der Forderung nach sofortiger Herstellung einer großen Synagoge bei der Gründung seiner Gemeinde energisch daraus bestanden, datz zuvor eine höhere Schule ins Leoen zu rufen sei» die erst die Menschen für das Leben der zu gründenoen Gemeinde vorbereiten müsse. Zu der höheren Schule kam dann dank der großzügigen Unterstützung des edlen Menschenfreundes Seng Gvloschmidt die Volksschule, die hauptsächlich vou ihm und seiner Familie unterhalten, der Verwaltung der Reu'gi'onsgesell,chaft untersteckt wurde. Der Dam, der diesem Schulwerk geoühre, wurde freilich etwas eingeschränkt. Der Hnterricht sei „zu sehr religiös" und nicht genügend historisch eingestellt; das „historische Judentum" komme zu kurz. sJiun wendet sich der Redner zum Schulwesen der Israelitischen Gemeinde, vor allem dem Philanthropin, wo die Gemeinde zwar die Pflicht hat zu zahle», aus die Leitung aber keinen Einfluß ausüben kann. Seit Jahren wird gegen die alte Schulordnung des Philanthcopins angekämpft, um der Gemeindeverwaltung, die riesige Mittel zuzuschwtzen hat, auch die entsprechenden Rechte zu sichern. Der Schulrat hat für dieses Streben nur taube Ohren. Auch im inneren Schulvetrieb sind Aenderungen schwer durchzusetzen, denrl gerade im Philanthropin hat der Liberalismus eine Tradition zu verteidigen. Sicherlich sei in religiöser Hinsicht — Einführung eines konservativen Religionsunterrichts, Kopfbedeckung beim hebräischen Hnterricht — manches besser geworden. Aber welchen Wert haben diese Reformen, wenn im übrigen Unterricht, in Geschichte, in Naturkunde, im biologischen Hnterricht das gestört wird, was int Religionsunterricht als göttliche Wahrheit gelehrt wird? Hier kann man keine Kompromisse schließen. Auch in den Religionsschulen müsse die Gemeinde, entsprechend der von ihr geleisteten Subvention, mehr Ein stutz erhalten. Den von der Gemeinde eingerichteten Re.igionsunterricht in den höheren städtischen Schulen möchte der Redner gerne looen, aber was könne in zwei Wochenstunden in einem Hnterricht ohne ein Wort Hebräisch, geleistet werden. An dieser Einrichtung wird scharfe Kritik geübt. Zum Schluß legt der Redner unter Berufung auf einen Jeschurunartikel Hirschs dar, es sei falsch, wenn die Liberalen dis Gemeindeorthodoren als Minorität behandelten; sie seien innerhalb der Gemeinde wohl eine Majorität, seien es kraft ihrer Grundsätze, feien es, wenn man die große Zahl der vollständig Indifferenten ins Auge fasse, gegenüber den Liberalen auch zahlenmäßig. Darum müßten sie eigene, selbständige Schulen verlangen, keine verwaschenen Einrichtungen, eine Schule könne nicht zweierlei Richtungen diene n. - Die Schulen der Religionsgesellschast werden von unseren Kindern besucht, weil andere nicht zur Verfügung stehen. Manche Eltern schicken ihre Kinder trotzalledem ins Philanthropin in der Hoffnung, das Haus werde religiös schon eingreisen und Schäden verhindern. Da ern Mitbestimmüngsrecht in der Volksschule nicht zu erreichen sein werde, müssen die Eemeindeorthodoren aus Gründung eigener Schulen bestehen. Ein Viertel der Schüler des Philanthropins stamme aus gut religiösen Familien, ein weiteres Viertel aus solchen, die zum mindesten wünschen, daß die Lehrer der zu gründenden Schulen nicht nur im Geiste des überlieferten Judentums lehren, sondern auch leben. Die Liberalen werden in dem Kampfe nachgeben müssen, wenn nicht' aus Erkenntnis der Notwendigkeit so doch wenigstens im Bewußtsein ihrer Schwäche. An' den mit reichem Verfall ausgenommenen Dortrag schloß sich eine umfangreiche Diskussion, die freilich mit wenigen Ausnahmen der Höhe des Vortrags nicht entsprach. Einzelne Redner, darunter manche in noch frischer Erinnerung an ihre eigenen mehr oder weniger angenehmen Schulerfahrungen, versuchten dabei eine Kritik an Schulen und Lehrplänen zu üben, bei der von Sachverständnis oft wenig oder gar nichts zu bemerken war, was 'dann einem anderen Diskussionsredner Anlaß zu ' emem nur zu sehr gerechtfertigten Tadel ' gab, nachdem verschiedene Redner aus ihrer Erfahrung heraus den Kritikern entgegengetreten waren. Ein Herr empfahl, um die Schüler vor dem aus dem Besuch der Neligionsgesellschaftschulen angeblich drohenden Zwiespalt mit dem. Elternhaus zu verschonen, den Besuch n i ch t j ü d i s ch e r Schulen. Besonders hervorzuheben sind nur zwei Redner. Herr Dr. Erich Klibansky, der aus eine Ausjvrderung hin aus einem früher von ihm gehaltenen Vortrag anregende Gedanken üoer den von Hirsch ausgestellten Grundsatz n"iy min und den Einstuß nichtjüdischer Kulturanschauungen in der jüdischen Schute wieoerholte. Hnd dann der erste Redner, Herr Dr. A. Sonütz e im er, der nachdrücklich für die Schaffung eines wirklich religiösen Schulwerks innerhalb der Gemeinde eintrat, ein Wunsch, der von fast allen Diskussionsrednern wiederholt und in einer Resoluckvn zur offiziellen Forderung der Achduthgruppe erhooen wurde. Das Wohltäligkeitsfesi der Jüdischen Frauenvereinigung. Man muß schon auf vergangene Tage tiefsten Friedens zurückgrei,en, um die Magstäbe für das Fest lm Palmengarten am Montag abend zu gewinnen. Schon gegen 7 Hhr setzte eine wahre Pilger,ahrt von Ost nach West ein, und als gegen 3 Hhr das Programm sich abzuwickeln begann, waren großer Saal und Galerien gesteckt voll, nicht gerade Kops an Kopf, was gewiß nicht gemütlich gewesen wäre, sondern Tisch an Tisch, um die sich die irgendwie zusammengehörenden Gäste wie zu einem Familienfeste gruppierten. Ein Familienfest war es, etwas leohaft, ungezwungen und froh bewegt, aber eine Manifestation jüoischer Zusammengehörigkeit und Hilssüerettschast. Die Erunöstimmung im Saale, auf der Bühne, wie in den Verkaufsbuden war Freude, und, was noch mehr heißen will, Freude am jüdischen Wohltun. Dieser letzte Zweck der Veranstaltung kam auch sehr wirksam zum Ausdruck in dem, nach einigen Musikstücken, von Herrn Manfred Reuberger verfaßten und schön vorgetragenen Prolog. Einen Kunstgenuß erlesenster Art dot uns dann Herr Leo M a g i d o mit italienischen Opernarien. (Am Klavier Herr Dirigent Reumann.) Die herrliche Klangfülle seines lyrischen . Tenors fand allgemeine Bewunderung, die sich in rauschendem Applaus kundgab. Run kamen die Kleinen und Kleinsten mit ihren Kupletvorträgen, Tänzen und allerliebsten Ausführungen, die hellste Freude auslösten. Ein Zyklus mit leoenden Bildern mit Gesängen „Durchs Mische Jahr" (einstudiert und begleitet von Herrn Julius Peissachowitsch), der seinen Abschluß mit der riesigen Menorah, an der liebliche Kindergesichtchen leuchteten, fand, versetzte den Saal abwechselnd in eme Stimmung von Weihe und Wonne. Gegen Schluß (es war lange nach Mitternacht) rüttelte noch eine tustige Bänkelsängergruppe mit viel Elan, Schwung, Humor und Bosheit die Geister auf, und zu guterletzl wurden auch noch schöne Jargonlieder von Herrn Bernhard Gtußmann gesungen. Es ist leider nicht möglich, die Namen aller „großen" und „kleinen" und „kleinsten" Künstler (die Aöstufung ist nach dem Alter und nicht im Sinne der künstlerischen Bewertung gedacht) zu nennen. Es waren deren gar viele, und allen gemeinsam war die Liebe und Begeisterung für ihre Ausgabe. Hnd außer denen, die aus der Bühne agierten, arbeiteten hundert Hände ohne zu rasten hinter den Kulissen, seit Wochen und Monaten schon, um das Fest zu einem echten Feste der jüdischen Wohltätigkeit zu gestalten, und wer in den Pausen einen Rundgang durch die einzelnen Buden unternahm, wo Ehrenoamen ganze Skäoe von jungen Verkäuferinnen in ihrer einheitlichen schönen Tracht befehligten, die strahlenden Gesichter der Helferinnen und die Gebesreude der Gäste beobachtet hat, dem wird der Eindruck unvergeßlich und unoerwischlisch bleiben. Der Erfolg, der moralische wie auch der materielle: dürste die Mühe und Arbeit gelohnt haben. In bester Stimmung und „sehr erleichtert" — dafür sorgten die rührigen, äußerst geschäftstüchtigen Verkäuferinnen, die in ihrem Eifer, zu Gunsten der guten Sache immer das Herausgeoen vergaßen ,reichlich — konnte man eine Stunde nach Mitternacht den weiten Weg von West nach Oft antreten. Trambahnen waren für diese Stunde bestellt. Ob sie gekommen sind, kann Berichterstatter nicht vermelden, da er von einem lieben Freunde im Auto entführt und so dem Anblicke der vielen wartenden Gesichter an der mitternächtigen Haltestelle jäh entzogen wurde. Mittwochabend in der Agudoh-Iugendgruppe. Wer das laufende Winterprogramm der Agudoh- Iugendgruppe Frankfurt a. M. genau durchgelesen hat, der hat zweifellos festgestellt, daß sich vieles geändert, gebessert hat. Neben einer reichen Vermehrung seiner Schiurim — die jungen Leuten jeglichen Alters Gelegenheit zum Lernen giot — weist das Programm eine zu begrüßende Neueinrichtung auf: die Mi.twoch-Aussprache- Abende. Eine ganze Reihe wirklich gut durchdachter Referate wurden bis heute gehalten von den Herren: Fritz Stern, Manfred Neuberger, Bernhard Heioingsfeld, Dr. Weger, Dr. Abt, Herbert Kruskal und Siegfried Fröhlich. Es waren regelmäßig anregende, sehr wertvolle Diskussionen, die sich an die verschiedenen Referate anschlossen, und es kann mit Genugtuung verzeichnet werden, daß sämtliche Abende — die für Damen und Herren bestimmt sind — gut besucht waren. Es ist auch weiterhin zu wünschen, daß diese Abende, die sich als Neueinrichtung durchaus bewährt haben, recht zahlreichbesucht werden, und ist auch in den kommenden Referaten den verschiedensten Wünschen der jungen Teilnehmer Rechnung getragen. Agudas Iisroel-Iugendgruppe. Wir weisen nochmals daraus hin, daß wir am Sonntag den (23. Dez.) 8. Chanuka-Abend 7.30 Hhr in der Aula der Realschule der Israelitischen Religionsgesellschaft Am Tiergarten 8 eine gemütliche Chanukafeier oeraiistalten werden und bitten all. unsere Mitglieder und Freunde, sich rechtzeitig mit Einladungskarten zu versehen, da aus Platzmangel nur Gäste mit Ausweis in den Saal gelangen können. Näheres über den Kartenverkauf siehe Anschlag in unserem Lokale Hanauerlandstr. 17. Das reichhaltige und vielseitige Programm wird den Abend restlos aussüllen und unsere Gäste in unserem Kreise recht heitere und angenehme Ehanukastunden verbringen lassen. Synagogenchor der Israelitischen Religion-- gesellschaft. Der Synagogenchor veranstaltet Sonntag, den 28. Dezember 1924, vormittags 11 Uhr, in der Aula der Realschule (Tiergarten8)eine öffentliche akademische Feier mit Verteilung von Prämien an die dem Chor angehörenden Knaben. Angehörige wie Freunde unseres Chores sind hierzu höflichst eingeladen. Konzert. Leo M a g i d o , Schüler von Bissowsky, wird am Sonntag, 4. Januar 1925, im kleinen Saale des „Saalbaues ein einmaliges Konzert veranstalten, bei dem nur italienische Lieder und Opernarien zum Vortrag gelangen. Herr Dr. Ludwig Rottenberg vom Frankfurter Opernhaus hat die Begleitung übernommen. Näheres Inserat. Im Laufe des Monats Januar soll hier ein Synagogenkonzert unter Leitung von Herrn Mar Neumann stattfinden. Näheres wird noch bekanntgegeben. Vereinskalender. Merck« Mekor tzhajim. abend nach Schluß der Synagoge .Mikro' im Herr Freitag Hörsaal Friedberger Anlage Lehrer Goldschmidt. Samstag vorm, nach Schluß der Synagoge „Dinim"; Herr Rektor Falk, — 12lU Uhr in der Frauensynagoge der Klaus ctok '{PiOi Herr Professor A. W eyl. — nachm. 3*/» Uhr im Vereinslokale Langestraße, „Tefilokur 9*; Herr Dr. Hofmann. — abends */$ Uhr . Vortrag Dr. Ehrmann über „Chassidismus". Sonntag und Mittwoch früh nach Schul mSD □wn; Herr Red. Schachnowitz. — Sonntag vorm. 9'/i Uhr und Dienstag abend v Uhr „Gemoro": Herr R. A. G. Posen. — Sonntag abend 61/* Uhr im Dereinslokale. „Chanukarückblicke, Herr B. R a ch el f 0 h n. — M 0 n t a g und Mittwoch abend 7 Uhr „Gemoro", Herr Räbb. Dr. Jos. Breuer. Montag abends 8*U Uhr (auch Donnerstag) ..Gemoro", Herr Dr. Elieser Posen.— Dienstag und Freitag früh nach Schul „Mischnah", Herr Rektor Falk. — Allmoraendlich nach Schul M i s ch n a - Mitgliederlernen. Jeden Abend 9 Uhr v"v?-Lernen. Donnerstag, 1. Januar 1925, 6V* Uhr abends „Die Sprache der Vögel" (nw vis); Herr Dr. E h r m a n n. Alltäglich von 2—7 Uhr mittags: Gelegenheit zum Lernen jeglicher Art (auch Schiur-Lernen). Dozent: Herr Herz Halpern. Iah rzetts-Stift ungen: Dienstag, 30. Dez. Recha Löwenstein geb. Kahn- Stistung. Kgrrdas Aisroek-Ingendgruppe. Alltäglich von 8-12 Uhr vorm.: Gelegenheit zum Lernen, von 12-1 Uhr „Das Jaumt". Herr Herz Halpern. Sonntag, 8 morgens Chumisch mit Rasch!; Herr Leopold Oppenheimer. — 2 Uhr mittags, Mttgliederlernen aiN «n* — abends 8 Uhr „Sanitätskurs". Montag, i/z9 Uhr abends tauch Donnerstag), „Mischna"; Herr Herm. Hrrschberg (Hegelstratze 13). — */$ Uhr ab qik «n (Mitglieder). — VB Uhr ab „Gemoro ', Herr H. Halpern (auch Donnerstag). — 3/49 „Mischna", Herr Dr. Rothschild. — 9 Uhr av „Dinim". Herr G. Schnerb und Herr Heinemann. Dtens rag, ^9 Uhr abends „Gemoro", Herr Dr. W. Hof mann. Mittwoch. ^9 Uhr abends „Gemoro" (Mitglieder). — 8 Uhr Aussprache. Donnerstag, r/s9 Uhr abends fVWiD, Herr M. Kurzweil. — 9 Uhr abends „Dinim,, Herr Gerson Schnerb. Parallelkurs zur gleichen Zeit, Herr Samuel H eimann. Freitag, abends 8 Uhr gemütliche Zusammenkunft in den Räumen des Mekor Chajim. Samstag. 10 Uhr morgens „Gemoro", Herr Dr. I. Posen. — „Kizzur", Herr Louis Kahn. —